Sog. Original--Kursmünzensatz

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Lieber Münzenfreund,

neben der Geldverbrennungsmaschine "Probe-Euro" - deren Wert das Porto unterschreitet und deren Sammler- oder Wiederverkaufswert glatt bei Null liegt - gibt es als zweites Phänomen oftmals erfolgreicher Abzocke die unzähligen putzig und bunt verpackten "Original-Kursmünzensätze" aus aller Herren Länder.

Was ist ein "Original-Kursmünzensatz" ?

In Deutschland - und das Prinzip ist weltweit ziemlich gleich - sind dies KMS, die ausschließlich hergestellt im Auftrage des BmF Bundesministerium der Finanzen ausschließlich über die 'Verkaufsstelle für Sammlermünzen' in Weiden vertrieben werden. Die gleiche Ausschließlichkeit gilt für den Vertriebsvorgänger Bundesschuldenverwaltung in Bad Homburg. Einzel-Sammler wie Händler haben nur diese Quelle. (Die Frage, wieso Sammler überhaupt bei Händlern kaufen, da es in D für alle Münz-Neuausgaben praktisch keine Kontingentierung gibt, kann ich beim besten Willen nicht beantworten...)

Was ist kein "Original-Kursmünzensatz" ?

Einfach gesagt: alle anderen Machwerke. Die deutschen Münzprägeanstalten ebenso wie weltweit alle anderen sind kommerzielle Betriebe, die vom Vertrieb leben - dazu reichen die paar jährlich zu prägenden Umlauf- und Sondermünzen bei weitem nicht. Neben Prägeaufträgen aller Art aus dem In- und Ausland dient dazu eben auch der Verkauf von bunten Kartons mit Münzen drin. Jedermann (!) kann natürlich bei einer deutschen Münze unbegrenzt viele (Stempelglanz-) Kursmünzensätze in beliebig frei und phantasievoll gestalteten Verpackungen bestellen. Das übliche Äußere ist die rechteckig verschweißte Plastikplatte in der Art der Original-Sätze, allerdings mit irgendeinem von Millionen Bildchen dahinter und natürlich ohne Bundesadler und Namen. Auch sehr gern genommen ist die Verpackung in Noppenfolie (wie die alten Original-ST-Sätze) mit irgendeinem blödsinnigen Schildchen drin. Die Noppenfolie hat noch den Charme, dass man die Automaten für wenig Geld kaufen kann und damit sein eigener Produzent wird (sehr praktisch bei ausländischen Münzen). 

Mithin kann man natürlich zu Recht jede beliebige Zusammenstellung von Kursmünzen als KMS bezeichnen - aber eben nicht als "Originalsatz". Original bezieht sich nämlich nicht auf Münze - das wäre ein Pleonasmus, denn wenn nicht original, wäre es eine Medaille - sondern auf die oben beschriebene Verpackung der VfS.

Was besagt dann ein "Zertifikat" / "Garantieurkunde" / "Echtheitsbeleg" ?

Eben das, was draufsteht. Ist Geld drin und der Dumme bezahlt mehr als 3,88 ( wenn es ein Komplettsatz € sein sollte) für ein buntes Bildchen und das Hochgefühl, diesen KMS zum Jubiläum des 136. Jahrestages des Sieges von König Ludwig über seinen Fußpilz erworben zu haben. Wenn es um "original" geht, ist auch da ein Bundesadler etc.pp. drauf - gibts aber in D im engeren Sinn nur bei den Goldmünzen.

Fazit:   wie bei den Probeeuro ist jeder Pfennig für solche Pseudo-KMS rausgeschmissenes Geld - kein Mensch wird beim Verkauf jemals mehr als 3,88 dafür ausgeben! Gehen sie lieber zur nächsten Münze und bestellen sie ihre eigenen Sätze - vielleicht zur Kindsgeburt oder so. Da freuen sich wenigstens die Gäste...

Viel Spaß und wenig Lehrgeld beim Sammeln !

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