Softwarelösungen für Morsetasten

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Softwarelösungen für Morsetasten

Die Vorläufer des Morsens

Bis zum Jahre 1795 wurde jede Nachricht, die man mit anderen austauschte, physisch von einem Boten zu einem Adressaten überbracht. Der bekannteste Bote ist wohl Pheidippides, welcher der Legende nach die Nachricht vom Sieg von Marathon nach Athen brachte und anschließend tot zusammenbrach. Er hatte die Distanz von 40 km ohne Pause zurückgelegt.

In Mitteleuropa gab es vom 16. Jahrhundert an einen gut organisierten Postdienst, der auf Pferdewechselstationen, sogenannten „Relaisstationen", basierte. Immerhin konnten so Nachrichten mit einer Geschwindigkeit von 160 km pro Tag transportiert werden. Vermutlich waren es militärische und kaufmännische Anforderungen, die eine schnellere Signalübertragung verlangten.

Mit seiner Erfindung der elektrischen, zunächst noch kabelgebundenen Telegrafie stieß der spanische Arzt, Meteorologe und Physiker Don Francisco Salva Campillo das Tor zur Kommunikation der Neuzeit auf. Mit der Entdeckung der elektromagnetischen Induktion 1832 schien auch eine kabellose Übertragung möglich. Bereits ein Jahr später realisierten Wilhelm Weber und Carl Friedrich Gauß die erste Funkstrecke. Sie war 5 km lang und reichte vom Physikgebäude der Universität Göttingen zur Göttinger Sternwarte.

Der Erfinder des Telegrafen: Samuel Morse

Zeitgleich entwickelte Samuel Morse den ersten praxistauglichen Telegrafen. Was allerdings seinen Namen unsterblich machte, war der nach ihm benannte Code, mit dem das Gerät funktionierte. Dieser Code umfasste zunächst nur die zehn Ziffern und wurde bald von einem Mitarbeiter Morses, Alfred Lewis Vail, weiterentwickelt, so dass nun auch alle Buchstaben übertragen werden konnten. 1857 wurde das erste Transatlantikkabel verlegt. Es hielt aufgrund von Isolationsproblemen nur wenige Wochen, der Siegeszug der Telegrafie war jedoch nicht mehr aufzuhalten.

Der Morsecode

Die erste „Sprache" in der Telegrafie war der Morsecode. Es ist ein binärer Code. Das bedeutet, dass er Informationen mit lediglich zwei verschiedenen Zeichen übermitteln kann: Punkt und Strich. In gewisser Weise wurde damit das digitale Zeitalter vorweggenommen, das ebenfalls mit zwei Zeichen auskommt: Null und Eins. Die Übertragung der Morsenachrichten war allerdings analog. Die Beschränkung auf zwei Zeichen trug der niedrigen Übertragungsrate der ersten Signalstrecken Rechnung. Ein „Punkt" war lediglich ein kurzes Piepen, das von einem einfachen Tongenerator erzeugt wurde und relativ einfach übertragen werden konnte. Der „Strich" war ein etwas längeres Piepen, ca. drei mal so lang wie ein Punkt. Zwischen den Zeichen eines Wortes gibt es zwangsläufig Pausen. Diese Pausen sind etwa so lang wie ein Punkt. Um ganze Wörter voneinander abzutrennen, wird eine Pause eingeschoben, die etwa so lang wie ein Strich ist. Man erkennt also, dass die Pausen neben Punkt und Strich unverzichtbarer Bestandteil des Morsecodes sind und dieser also tatsächlich drei bzw. vier Grundelemente umfasst.

Der Morsecode war über 150 Jahre lang das tägliche Brot von Funkern und Telegrafisten. Vor allem in der Funktechnik beim Militär und der Seefahrt stellte er bis in die 1980er-Jahre hinein die internationale Standardsprache dar. Im Zeitalter des Sprechfunks und des Mobiltelefons verlor die Kommunikation mit Punkten und Strichen zunehmend an Bedeutung. Die wohl bekannteste Botschaft, das berühmte „SOS", wurde 1999 als internationaler Hilferuf in der Seefahrt abgeschafft. Dennoch lebten die Morsezeichen auf vielfältige Weise bis in die Gegenwart weiter – und werden es wohl auch in Zukunft tun.

Von Hand codiert, vom Ohr entziffert

Es liegt in der Natur des Morsens, dass die Codierung und Decodierung vom menschlichen Signalgeber bzw. -empfänger vorgenommen wird. Der Mittler zwischen dem Menschen und dem Strich-Punkt-Signal ist eine einfache Taste, die einen Kontakt schließt, um den charakteristischen Piepton zu erzeugen. Das Tempo – und nicht zuletzt die Qualität – der Nachrichtenübermittlung ist abhängig von den Fähigkeiten des Funkers und der Gängigkeit der Taste. Sowohl das Übersetzen von Buchstaben und Zahlen in die Morsesprache ist dafür ausschlaggebend wie auch die Feinmotorik des Funkers. Dieser muss mit minimalen Bewegungen seiner Hand die Morsetaste in Bewegung versetzen. Jeder Mensch hat beim Morsen eine eigene „Handschrift", mittels derer er von geübten Hörern erkannt werden kann. Dennoch muss eine eindeutige Unterscheidung zwischen Punkt, Strich und Pause gewährleistet sein. Irrtümer sind nicht vorgesehen.
Morsezeichen werden vor dem Senden nicht aufgezeichnet, sie sind immer „live". Ein einmal gesendeter Fehler kann nicht zurückgenommen werden. Dabei gilt es, die Zeichen möglichst schnell aufeinander folgen zu lassen, um eine hohe Übertragungsgeschwindigkeit zu erreichen. Es liegt auf der Hand, dass diese Tätigkeit viel Übung erfordert. Sie ist in der Tat mit dem Spielen eines Instruments zu vergleichen. Ein sehr ähnliches Problem hat der Empfänger am anderen Ende des Signalwegs. In seine Kopfhörer lauschend, schreibt er Zeichen für Zeichen des Gehörten mit. Der Code wird dabei simultan in Buchstaben bzw. Zahlen zurückübersetzt. Ein verpasstes Zeichen ist unwiderruflich verloren. Bei einer üblichen Geschwindigkeit von 80 bis 100 Zeichen wäre es aussichtslos, Punkte und Striche zu zählen. Die Lösung ist, sich auf nahezu musikalische Weise das Klangbild der einzelnen Morsezeichen einzuprägen. Deshalb ist eine gewisses Rhythmusgefühl außerordentlich hilfreich sowohl für das Senden wie auch für das Dechiffrieren von Morsecode.

Weiterentwicklungen der Morsetaste

Die Handtaste, die bis heute verwendet wird, ist elektrisch gesehen ein einfacher Taster, der einen Gleichstrom an- bzw. ausschaltet. Dieser Strom dient gleichzeitig als Sendesignal, welches beim Empfänger direkt decodiert und als Klarzeichen mitgeschrieben wird. Beim elektrischen Telegrafen wurde das empfangene Signal in einen Papierstreifen gestanzt und somit gespeichert. Die Bewegung des Schalters ist bei der Normalform der Morsetaste vertikal. Das Spiel sowie der Federdruck der Taste kann eingestellt und damit den individuellen Eigenheiten des Gebers angepasst werden. Das Spiel beträgt ca. 1 bis 2 mm und kann mit zunehmender Übung verringert werden. Je kleiner dieses Tastenspiel ist, umso schneller kann gesendet werden, jedoch ist auch die Gefahr von Fehlern größer. Besonders wichtig für eine dauerhaft schnelle und sichere Gebeleistung ist ein lockeres Handgelenk. Der Ellbogen sollte auf dem Tisch aufliegen. Eine klassische Morsetaste, die bis heute hergestellt wird, ist die Junker Morsetaste M.T. Der ehemalige Kapitän zur See Joseph Junker ließ sie bereits im Jahr 1926 patentieren.

Die halb automatische Taste

Da viele Funker und Telegrafisten aufgrund der einseitigen Belastung der Hand unter körperlichen Beschwerden wie Sehnenscheidenentzündung und Karpaltunnelsyndrom litten, gab es verschiedene Versuche, das Geben von Morsezeichen zu vereinfachen. Die halb automatische Taste tut dies, indem sie Punkte automatisch erzeugt. Das wird mechanisch durch eine Schwingfeder bewerkstelligt. Die Bewegungsrichtung der Taste ist bei diesen Modellen horizontal. Ein Ausschlag der Taste nach rechts erzeugt eine Reihe von Punkten. Die Striche mussten weiterhin manuell durch einzelne Bewegungen nach links erzeugt werden. Die halb automatische Taste erlaubte ein wesentlich höheres Gebetempo bei gleichzeitig schonenden und sparsameren Bewegungen der Hand. Die Umstellung auf die neue Technik fiel allerdings vielen Telegrafisten schwer, und ihre Arbeit war anfangs fehlerbehaftet. Ein schlechter Funker wurde scherzhaft „Bug" (Wanze, Käfer) genannt, eine Bezeichnung, die bald auch auf die halb automatische Taste überging und ihr bis heute anhaftet.

Ebug und Squeeze-Technik

Die automatische Taste, auch „Ebug" genannt, erzeugt sowohl Folgen von Punkten wie auch Strichen elektronisch in der korrekten Länge und Geschwindigkeit. Das Gebetempo kann so durch eine Verringerung der nötigen Bewegungen noch einmal erhöht werden. Dabei kommen Modelle mit einer Taste (Ausschlag nach links oder rechts erzeugt Punkte bzw. Striche) oder mit zwei Tasten – jeweils einer für jedes Zeichen – zum Einsatz. Durch eine weitere Verfeinerung, die sogenannte „Squeeze"-Technik, können Punkte und Striche abwechselnd erzeugt werden, indem der Telegrafist beide Tasten zusammendrückt. So können die nötigen Bewegungen der Hand bei Morsezeichen wie „c" (Strich Punkt Strich Punkt) minimiert werden. Ein breites Angebot an historischen und modernen Morsetasten finden Sie bei eBay.

Softwarelösungen in der Morsetechnik

Das Geben und Empfangen von Morsezeichen beschränkt sich heute fast ausschließlich auf den Amateurfunkbereich. Tastfunker verzichten ganz bewusst auf CB-Funk (Sprechfunk). Eine Grund dafür liegt wohl in der minimalistischen Konzentration auf alte und bewährte Technik. Ein weiterer Grund mag der etwas mystische Reiz des Morsepiepsens sein, der in vielen Filmen, aber auch im Vorspann einiger Fernsehsendungen als Stilmittel benutzt wird. Es ist heute ohne weiteres möglich, Texte mit Computerunterstützung in Morsezeichen zu übersetzen. Von vielen Amateurfunkern wird jeder Einsatz von Software abgelehnt, weil er dem Purismus des Morsens zuwiderläuft. Es gibt jedoch einige Anwendungen von Software, die sinnvoll erscheinen.

Morsen lernen mit Computerhilfe

Das Programm „Morsen" bietet Features, die das Erlernen des Morsealphabets erleichtern können. Es bietet einen vollwertigen Übersetzer von Texten ins Morsealphabet und zurück. So können Morsezeichen in lesbare Texte verwandelt werden. Die Ausgabe erfolgt mit einer Geschwindigkeit von 50 Wörtern pro Minute, sie kann jedoch individuell eingestellt werden. Weiterhin erstellt die Software bei Bedarf Wave-Dateien des Piepscodes. Die Testversion des Programms steht zum kostenlosen Download bereit.

E-Mails mit Morsecode schreiben

Gmail Tap von Google ist ein Angebot, das Kennern des Morsealphabets erlaubt, E-Mails im Punkt-Strich-Code zu schreiben. Die Tastatur reduziert sich dabei auf zwei Buttons – einer für „Punkt", einer für „Strich" – sowie eine Leertaste. Die – vor allem für große Männerhände – recht schwierige Texteingabe per QWERTZ-Tastatur auf dem Touchscreen wird so überflüssig. Es braucht mit dem Finger nicht eine von 26 winzigen Tasten getroffen zu werden, sondern einer von drei relativ großen Buttons. Im Textfeld erscheint die eingegebene Message dann simultan im Klartext. So können Nachrichten sogar eingegeben werden, ohne das Telefon anzusehen. Für Smartphone-Besitzer, die des Morsecodes mächtig sind, kann das nicht nur eine Vereinfachung der Eingabe bedeuten, sondern unter Umständen auch einen Gewinn an Tempo. Die entsprechende App ist für Android-Geräte sowie für das iPhone verfügbar – so gab Google am 1. April 2012 bekannt. Ist dieses Datum ein Zufall oder handelt es sich dabei um einen der berühmten Google-Aprilscherze? Finden Sie es heraus.

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