So verbessern Sie die Tonqualität Ihrer Filmaufnahmen – ein Mikrofon-Ratgeber

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So verbessern Sie die Tonqualität Ihrer Filmaufnahmen – ein Mikrofon-Ratgeber

Fotografieren ist längst ein Hobby von Vielen, was vor allem der Digitalkamera zu verdanken ist. Doch ein Foto ist lediglich ein Foto, während ein Videoclip – selbst von nur wenigen Minuten – oftmals mehr ausdrücken kann. Schon kleine Kompaktkameras sind mit einer Videofunktion ausgestattet, wobei ein Camcorder natürlich bessere Ergebnisse liefern dürfte.

So oder so muss der Hobbyfilmer auf das verbaute Mikrofon vertrauen, das jedoch oft nicht wirklich viel hermacht. Eine Abhilfe schafft hier beispielsweise ein externes Mikrofon, doch das gibt es gleich in unzähligen Versionen. Obendrein gehört schon etwas Praxis und Übung zu guten Filmaufnahmen. Insbesondere, was den Ton angeht. Wie auch Sie die Tonqualität Ihrer Filmaufnahmen verbessern können, verrät Ihnen dieser Mikrofon-Ratgeber.

Eine akustische Geschichte: Das Mikrofon im Zeitraffer

Um das Mikrofon als solches zu verstehen, lohnt ein kleiner Einblick in die Geschichte des akustischen Hilfsmittels. Zu verdanken ist das Mikro eigentlich dem Telefon, wobei der erste „elektromagnetische" Wandler bereits 1860 vom Italo-Amerikaner Antonio Meucci entwickelt wurde. Wegen Geldproblemen und daraus resultierender, nicht angemeldeter Patente wird heute jedoch ein gewisser Schotte als Erfinder des Mikrofons angesehen, Alexander Graham Bell.

Ein Patent meldete Bell allerdings erst 1876 an, weswegen die USA anno 1887 Bells Patent annullieren lassen wollten; das Verfahren wurde jedoch eingestellt. Das Mikrofon entwickelte sich mit dem Aufkommen des Telefons immer weiter, wobei das erste sogenannte „Kontaktmikrofon" bereits 1861 vom deutschen Physiker Philipp Reis präsentiert wurde. Reis ließ sich dabei von der Ohrmuschel inspirieren und tauschte kurzerhand deren Trommelfell mit einer Membran. Der Schallwechseldruck versetzte diese Membran in Schwingungen, die schließlich eine akustische Übertragung ermöglichten.

Reis' Idee führte schließlich zur Erfindung des Kohlemikrofons, das tatsächlich mit Kohle oder genauer mit Kohlenstoff-Partikeln funktionierte. Mit Georg Neumann war es wieder ein Deutscher, der das Niederfrequenz-Kondensatormikrofon erfand. 1962 folgte diesem das Elektret-Mikrofon, das bis heute mit rund 90 Prozent den größten Anteil der modernen Mikrofone ausmacht.

Kleine Fachkunde: Wofür ein Mikrofon gut ist

Wofür ein Mikrofon schließlich gut ist, muss eigentlich kaum erklärt werden. Mikrofone nehmen Ton und somit die Akustik auf, was gerade einem Film ein gewisses Leben einhaucht. Ein Actionfilm ohne Explosionsgeräusche und somit als Stummfilm wäre wohl kaum interessant, gleiches gilt beispielsweise für Reportagen. Radio und Rundfunk wären ohne Mikrofon und somit ohne Tonaufnahme sogar gänzlich unmöglich.

Da heute selbst preiswerte Digitalkameras mit einer Videofunktion ausgestattet sind, ist meist auch ein Mikro eingebaut. Gleiches gilt für PCs oder Laptops, wobei hier die Mikrofone vor allem der Internet- und Video-Telefonie dienen, wo neben Bildern der nötige Ton übertragen wird. Allerdings ist Mikrofon nicht gleich Mikrofon.

Eins ist keins: Von USB- bis Studio-Mikrofone

Wenig überraschend sind spezielle Camcorder, die im Vergleich zu einer Fotokamera direkt auf das Drehen von Videos ausgelegt sind, mit besseren Mikrofonen ausgestattet. Und doch können selbst Camcorder durch bessere Produkte aufgerüstet werden, was für die spätere Tonqualität des Films durchaus Sinn macht. Obendrein lohnt die Auswahl des Mikrofons je nach Einsatz, wobei die verschiedenen Typen und Arten ihre ganz eigenen Vorteile bieten.

Das vielleicht bekannteste Mikro ist das sogenannte Studio-Mikrofon, das speziell für Innenaufnahmen gedacht ist. Das Studio-Mikrofon ist allerdings nur ein Oberbegriff und unterteilt sich wieder in verschiedene weitere Typen. Da gibt es „dynamische Mikrofone" speziell für Musiker, wo beispielsweise bestimmte Marken wie Shure Mikrofone erwähnenswert sind. Da gibt es Bändchenmikrofone, die nach dem Prinzip der Induktion arbeiten und einen eher weichen und warmen Klang liefern. Weitere Arten der Studio-Mikrofone sind das Kondensatormikrofon, das bereits erwähnte Elektret-Mikrofon oder das USB-Mikrofon.

Qualität fängt beim Kauf an: Das richtige Mikrofon finden

Obwohl gerade die letztgenannte USB-Variante nach einem Billigteil für den Laptop klingt, ist das USB-Mikrofon alles andere und ein ebenso voll- wie hochwertiges Mikrofon. Trotzdem ist das USB-Mikro vor allem bei Amateuren beliebt, weil das Mikrofon durch seine Bauart als unkompliziert wie ebenso einfach zu handhaben gilt. Dank USB-Anschluss ist das Mikro schnell angeschlossen, womit die Aufnahmen schon beginnen können.

Wer nicht gerade ein Musikvideo aufnehmen will, dürfte daher mit einem solchen USB-Mikrofon schon gut bedient sein. Zumal USB-Mikrofone schon ab rund 50 bis 100 Euro zu kaufen sind. Mit anderen Worten: Die Qualität der späteren Tonaufnahme fängt bereits mit dem Kauf eines Mikrofons an. Je nach Einsatz gilt die Wahl des Mikros, weswegen bei Musikvideos durchaus im höherwertigen Premiumsegment geschaut werden sollte.

Sechs praktische Tipps: Bessere Aufnahmen mit dem Mikrofon

Wobei natürlich nicht nur die Qualität des Mikrofons die spätere Qualität des Films ausmacht, sondern ebenso die Handhabung des Mikros. Hierfür aber gibt es einige praktische Tipps, die jedem Video eine bessere Tonqualität versprechen.

Tipp Nummer eins: Gehen Sie so nah an die Geräuschquelle heran wie nur irgend möglich. Schall verläuft sich über die Entfernung. Ergo: Je näher Sie dran sind, desto besser die Tonaufnahme.

Tipp Nummer zwei: Setzen Sie unbedingt auf ein externes Mikrofon. Warum, wird im nächsten Kapitel erklärt. Alternativ ist ein Funkmikrofon eine gute Idee.

Tipp Nummer drei: Achten Sie besonders bei Außenaufnahmen auf externe Einflüsse, wie Wetter oder Verkehrslärm. Nutzen Sie einen Mikrofon-Windschutz.

Tipp Nummer vier: Führen Sie gezielt Regie, notieren Sie sich vielleicht sogar den Ablauf. Nichts ist störender als plötzliche Zwischenrufe oder gar Anweisungen.

Tipp Nummer fünf: Denken Sie an O-Töne oder typische Aufnahmen wie Vogelgezwitscher und Tiergeräusche oder – bei einer Reportage über Ihre Stadt – Verkehrslärm. Die können Sie später gezielt und effektvoll in den Film einarbeiten, etwa in der Vorschau oder im Abspann. Das schafft Atmosphäre.

Tipp Nummer sechs: Für ganz gezielte Aufnahmen eignen sich spezielle Richtmikrofone, die viele Umgebungsgeräusche herausfiltern.

Tipp Nummer sieben: Geizen Sie nicht mit Tonaufnahmen. Im Gegenteil – Sie sollten so viel wie möglich aufnehmen, schneiden können Sie später immer noch.

Aufgerüstet: Videokamera mit externem Mikrofon tunen

Wie gerade erwähnt, lohnt oftmals ein externes Mikrofon, das gleich einige Vorteile gegenüber den eingebauten Mikrofon verspricht. Diese eingebauten Mikrofone sind meist eher klein und weniger hochwertig, weswegen ein gutes Mikrofon bessere Aufnahmen verspricht.

Tatsächlich besitzen externe Mikrofone in der Regel eine bessere Qualität als das Mikro des Camcorders. Außerdem erlaubt ein externes Mikrofon mehr Flexibilität, da Tonaufnahmen komplett von Bildaufnahmen getrennt werden. Beispielsweise können Sie mehr Abstand zum Motiv nehmen, womit wieder der Bildfokus besser ausfällt. Externe Mikros ermöglichen außerdem eine Regelung der Lautstärke. Je nach Gerät sind sogar mehrere Mikros möglich, was einmal mehr gute Hardware erfordert. Auch beim späteren Schnitt können Sie dank einem externen Mikrofon verschiedene Tonquellen nutzen.

Pro und Kontra: Vor- und Nachteile eines externen Mikrofons

Externe Mikrofone haben somit gleich einige Vorteile, zeigen andererseits aber ebenso das eine oder andere Manko. Zum einen kostet ein zusätzliches Mikro natürlich Geld, wobei die Kosten je nach Modell unter hundert oder auch mehrere Hundert Euro betragen können.

Außerdem ist zur Bedienung des externen Mikrofons meist eine zweite Person nötig, weswegen „Solo-Aufnahmen" eher schwierig, wenn nicht gar unmöglich werden. Obendrein müssen die Tonaufnahmen mit den Filmaufnahmen synchronisiert werden. Eine eigene Energiequelle ist in der Regel ebenfalls erforderlich, somit entweder Akkus oder ein Netzteil. Zuletzt eignen sich manche größere Mikrofone kaum für den mobilen Einsatz, da diese einfach zu groß und zu schwer sind.

Outdoor ist anders: Mikrofone für Außenaufnahmen

Gerade der letzte Punkt ist bei Außenaufnahmen interessant. Denn längere Filmaufnahmen ermüden schnell, wenn die Ausrüstung zu groß und somit zu schwer ist. Außerdem machen gerade Stadt oder Natur Außenaufnahmen alles andere als einfach, da oftmals eine störende und mehr oder weniger laute Geräuschkulisse typisch ist. Der innerstädtische Verkehr wird wohl kaum für eine Stunde pausieren, ebenso werden die Tiere in Zoo oder Park nicht auf Kommando still sein.

Ebenso gilt es, das Wetter zu beachten. Wind oder Regen wirken sich schnell nachteilig auf die Qualität der Tonaufnahmen auf. Tatsächlich sind es oftmals äußere Einflüsse, die die Qualität der Aufnahmen mindern. Ebenso oft haben Sie jedoch keinen Einfluss auf diese Umstände und können diese somit nicht kontrollieren – wie eben das Wetter.

Einfluss: Wie das Wetter auf das Mikrofon wirkt

Gerade starke Winde und Sturm nehmen sogar großen Einfluss auf Tonaufnahmen, weswegen Sie für Außenaufnahmen unbedingt einen speziellen Windschutz einsetzen sollten. Der besteht aus einem besonderen Schaumstoff und filtert somit auf eher einfache Art den Wind aus den Aufnahmen heraus.

Jede Art von Niederschlag ist ebenfalls zu vermeiden. Selbstredend können Sie Regen kaum anhalten, dafür aber Ihr Mikrofon schützen, etwa durch den gerade genannten Windschutz. Bei Hagel sollten Sie hingegen ganz auf Aufnahmen verzichten. Zum einen können Sie störende Geräusche ab einem gewissen Grad nicht mehr herausfiltern, zum anderen geht es hier ganz einfach um den Schutz der Ausrüstung vor möglichen Schäden.

Gegen Lärm – beispielsweise von Autos, Baustellen oder Menschenmassen – helfen wieder spezielle Richtmikrofone oder sogenannte Noise-Cancelling-Mikrofone. Die werden genau auf das „Zielobjekt" ausgerichtet und ignorieren quasi den größten Teil der Nebengeräusche. Ebenso macht es Sinn, wenn Sie sich spezielle Zeiten suchen, zu denen es ganz einfach ruhiger zugeht. Filmen Sie nicht mitten im Berufsverkehr oder drehen Sie Ihre Reportage nicht während einer Demonstration.

Auch Geräusche aus dem Hintergrund gilt es möglichst zu vermeiden. Führen Sie keine oder zumindest wenige und vor allem leise Zwiegespräche. Legen Sie den Ablauf des Drehs vorher grob fest, notieren Sie sich eine kleine Regie. Damit vermeiden Sie unnötige Fragen Ihrer Darsteller und müssen auch selbst keine Anweisungen geben.

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