So unterscheiden sich Kleinmembran-Mikrofone von Lavalier-Mikrofonen

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So unterscheiden sich Kleinmembran-Mikrofone von Lavalier-Mikrofonen

Studioaufnahmen, Talkshow oder Interview – Mikrofone sind heute allgegenwärtig. Sogar am heimischen Desktop-PC kommen sie zum Einsatz, beispielsweise dann, wenn Sie über das Internet mit Freunden oder Verwandten telefonieren möchten. Überall dort, wo es darum geht, Audiosignale aufzuzeichnen, sind ebenfalls Mikrofone zu finden.

Funktionsweise des Mikrofons

Dabei ist der Begriff „Mikrofon" im Prinzip die Bezeichnung für einen Schallwandler, der den Luftschall als Schallwechseldruckschwingungen in elektrische Impulse umwandelt. Darin unterscheiden sich Mikrofone im Übrigen auch von Tonabnehmern, die Festkörperschwingungen umwandeln.

In Mikrofonen kommt eine dünne Membran zum Einsatz, die durch auftreffenden Schall in Schwingungen versetzt wird. Ein im Inneren des Mikros verbauter Wandler, der mechanisch oder elektrisch mit der Membran verbunden ist, erkennt die Bewegungen der Membran und wandelt diese in einen elektrischen Impuls um.

Schon seit etlichen Jahrzehnten ist diese Technologie weit verbreitet. Sie finden diese beispielsweise auch im klassischen Telefon. Bereits im Jahr 1860 entwickelte der italienische Ingenieur Antonio Meucci ein Telefon auf Basis eines elektromagnetischen Wandlers.

Heute gibt es eine Vielzahl verschiedener Mikrofone, die sich nicht nur in Form und Größe, sondern auch in der Art und Weise unterscheiden, in der Schallwellen in elektrische Impulse umgewandelt werden. Zwei dieser Bauformen sind das Kleinmembran-Mikrofon und das Lavalier-Mikrofon. Dieser Ratgeber bringt Ihnen beide Mikro-Typen näher und sagt Ihnen, wie genau diese funktionieren. Zudem erfahren Sie, worin sich Kleinmembran-Mikrofone von Lavalier-Mikrofonen unterscheiden.

Kondensator-Mikro oder dynamisches Mikrofon?

Um Schallwellen in elektrische Impulse zu verwandeln, kommen verschiedene Technologien zum Einsatz.

Das Kondensator-Mikrofon verwendet dazu einen elektroakustischen Wandler und nutzt die durch Abstandsänderungen zwischen der Membran und der Gegenelektrode entstehenden Kapazitätsveränderungen, um Schalldruck oder Schallschnelle in einen elektrischen Impuls umzuwandeln. Dabei wird eine wenige Millimeter dicke Membran dicht vor einer Metallplatte angebracht. Eintreffender Schall, beispielsweise durch Sprache, bringt diese Membran zum Schwingen, wodurch sich der Abstand zwischen der Membran und der Gegenelektrode verändert.

Dynamische Mikrofone nutzen das Prinzip der Induktion, um eine Membranschnellbewegung in eine Spannungsänderung umzuwandeln. Es führt also die Geschwindigkeit der Membranbewegung, und nicht die Auslenkung dieser zur Umwandlung des Schalls.

Kondensator-Mikrofone haben einen höheren Ausgangspegel, müssen also deutlich weniger verstärkt werden als dynamische Mikrofone, und bieten dadurch eine verringerte Gefahr des Rauschens. Zudem wird Kondensator-Mikrofonen häufig ein besserer Klang nachgesagt. Dafür benötigen Kondensator-Mikrofone eine Stromquelle, um funktionieren zu können. Diese wird häufig als „Phantomspeisung" bezeichnet. Viele Kondensator-Mikrofone werden daher mit einem Akku betrieben oder extern mit Strom versorgt, zum Beispiel von einem Mikrofonverstärker oder Mischpult.

Dynamische Mikrofone haben den Vorteil, dass sie ohne Stromquelle funktionieren. Sie gelten als besonders robust und unempfindlich gegen Feuchtigkeit. Daher ist das dynamische Mikrofon die erste Wahl, wenn Sie auf der Suche nach einem Mikro sind, das im Außenbereich zum Einsatz kommen soll.

Kugel oder Niere?

Mikrofone unterscheiden sich jedoch nicht nur in der Technik, anhand derer sie Schallwellen in elektrische Impulse umwandeln, sondern auch darin, wie der Schall überhaupt aufgenommen wird. Zwei Varianten haben sich hier durchgesetzt.

Ein Mikrofon mit Kugel-Charakteristik nimmt den Schall aus nahezu allen Richtungen auf. Daher ist ein solches Mikrofon vor allem dann eine gute Wahl, wenn Sie vorhandene Umgebungsgeräusche mit aufnehmen möchten, beispielsweise um Ihrer Aufnahme eine gewisse Atmosphäre zu verleihen. Zudem gelten Mikrofone mit Kugel-Charakteristik als unempfindlich für Wind- oder Handgeräusche. Ein weiterer Vorteil eines solchen Mikrofons besteht darin, dass sich das Klangbild kaum verändert, wenn Sie den Abstand zwischen der Schallquelle und dem Mikrofon verändern. Dies ist vor allem bei Interviews praktisch, bei denen sich Ihr Gesprächspartner unter Umständen auch einmal entfernt oder nähert.

Mikrofone mit Nieren-Charakteristik sind heute weit verbreitet. Dabei richtet sich der Empfang des Mikros vor allem nach vorne. Ein Mikrofon mit Nieren-Charakteristik nimmt Geräusche, die von hinten oder von den Seiten kommen, deutlich weniger auf als ein Mikrofon mit Kugel-Charakteristik. Im Gegensatz zum Kugel-Mikrofon verändert sich beim Nieren-Mikro das Klangbild, sobald sich der Abstand von der Schallquelle zum Mikrofon vergrößert oder verringert. Zudem nehmen Mikrofone mit Nieren-Charakteristik deutlich weniger Umgebungsgeräusche auf. Falls Sie also Wert darauf legen, lediglich einen bestimmten Schall aufzunehmen, ohne dass dabei Umgebungsgeräusche aufgenommen werden, ist ein Mikrofon mit Nieren-Charakteristik eine sehr gute Wahl.

Was ist überhaupt ein Kleinmembran-Mikrofon und wo kommt es zum Einsatz?

Als Kleinmembran-Mikrofon werden Mikrofone bezeichnet, die mit einer Membran ausgestattet sind, deren Durchmesser deutlich unter einer Größe von 1 Zoll liegt, was ca. 2,54 cm entspricht. Dabei kann der eigentliche Durchmesser der Membran von Modell zu Modell stark variieren. Einige Kleinmembran-Mikrofone verfügen über eine Membran, die nur wenige Millimeter stark ist. In der Regel liegt der Durchmesser bei etwas über einem halben Zoll.

Kleinmembran-Mikrofone können Sie sowohl als Kondensator-Mikrofon als auch als dynamisches Mikrofon erwerben. Allerdings geben die Hersteller von dynamischen Mikrofonen nur selten eine Membrangröße an, weshalb es schwierig ist, zwischen Klein- und Großmembran-Mikrofonen zu unterscheiden.

Die Vorteile eines Kleinmembran-Mikrofons

Gerade im Vergleich zu Großmembran-Mikrofonen sind Kleinmembran-Mikrofone in vielen Punkten überlegen. Fälschlicherweise wird oft angenommen, die Größe der Membran sei entscheidend für die Basswiedergabe, doch dies ist nicht der Fall. Auch ein Kleinmembran-Mikrofon kann für satte Bässe sorgen.

Der wesentliche Vorteil eines Kleinmembran-Mikrofons ist das gleichmäßige Richtverhalten. Kommt es bei der Verwendung eines Großmembran-Mikrofons bei hohen Frequenzen häufig zu einer Verengung des Aufnahmebereichs, bleibt dieser bei Kleinmembran-Mikrofonen stabil. Dies resultiert daraus, dass Schallwellen, die seitlich auf die Membran treffen, deutlich matter klingen als Schallwellen, die senkrecht auf die Membran auftreffen. Dieser Effekt ist bei Großmembran-Mikrofonen besonders stark ausgeprägt. Zwar spielt der Effekt bei einigen Aufnahmen keine Rolle, da sich die Schallquelle direkt vor dem Mikrofon befindet, allerdings gibt es Bereiche, wo dieser Effekt starke Nachteile hat. Beispielsweise dann, wenn ein gesamtes Orchester aufgenommen werden soll. Wird hier ein Großmembran-Mikrofon verwendet, werden einzelne Instrumente unter Umständen kräftiger aufgenommen als andere, was zu einem ungleichmäßigen Klangbild führt. Dieser Effekt trifft bei der Verwendung eines Kleinmembran-Mikrofons weniger stark oder sogar gar nicht auf.

Ein weiterer Vorteil des Kleinmembran-Mikrofons ist sein präzises Impulsverhalten. Die Masse der Membran ist durch die geringe Größe dieser relativ gering, sodass die Membran weniger nachschwingt, wenn sie von einer Schallwelle getroffen wird. Zudem fördert die kompakte Bauweise des Kleinmembran-Mikrofons ein präzises Klangbild, da ein großes Gehäuse häufig zu Resonanzen führt, die das Klangbild verfälschen.

Die Nachteile eines Kleinmembran-Mikrofons

Die Nachteile eines Kleinmembran-Mikrofons sollen an dieser Stelle nicht verschwiegen werden. Durch die kleine Membran sind diese Mikrofone den Großmembran-Mikrofonen in Sachen Rauschverhalten unterlegen. Eine große Membran erzeugt ein besonders kräftiges Signal, was einen verbesserten Rauschabstand zur Folge hat.

Wie funktioniert ein Lavalier-Mikrofon und wo wird es verwendet?

Ein Lavalier-Mikrofon haben Sie sicherlich schon einmal gesehen, wenn Sie Fernsehen geschaut haben. Es handelt sich dabei um ein kleines Ansteckmikrofon, das häufig im Interview-Bereich oder bei Talkshows zum Einsatz kommt. Der Vorteil eines Lavalier-Mikrofons liegt eben darin, dass es angesteckt wird. Somit hat der Träger die Hände während der Verwendung frei. Lavalier-Mikrofone werden meist mit unter der Kleidung verborgenen Drähten mit einem Sender verbunden, der sich wiederum am Gürtel oder an der Hose des Trägers befindet. Über diesen Sender werden die Audiosignale an einen Empfänger übertragen. Durch ihre kompakte Bauweise lassen sich Lavalier-Mikrofone unauffällig platzieren, zudem weisen sie eine geringe Empfindlichkeit gegen Körperschall – also Geräusche durch Berührung – auf.

Lavalier-Mikrofone können Sie sowohl als Kondensator-Mikrofon als auch als dynamisches Mikrofon erwerben. Bei der dynamischen Variante ist keine Stromversorgung nötig, das Lavalier-Mikrofon in der Kondensator-Ausführung ist jedoch besonders kompakt und daher am weitesten verbreitet. Die Stromversorgung findet hier entweder mit einer kleinen Knopfzelle oder per Kabel-Phantomspeisung statt.

Und worin unterscheiden sich nun Kleinmembran- und Lavalier-Mikrofone?

Zunächst einmal natürlich in ihrer Größe. Während Lavalier-Mikrofone aufgrund ihrer Bauweise sehr kompakt ausfallen, sind Kleinmembran-Mikrofone meist etwas größer. Dieser Unterschied kann je nach Einsatzgebiet ein Vor- oder ein Nachteil sein. Wenn es darum geht, die Aufnahme möglichst unauffällig durchzuführen, ist das Lavalier-Mikrofon im Vorteil. Es lässt sich mühelos unter der Kleidung oder an einem Accessoire, beispielsweise einem Hut, platzieren und ist dabei kaum oder sogar gar nicht zu sehen. Daher kommt das Lavalier-Mikrofon auch häufig bei Filmaufnahmen zum Einsatz.

Wenn es jedoch darum geht, eine möglichst gute Tonqualität zu erzielen, haben Sie mit einem Kleinmembran-Mikrofon mehr Möglichkeiten. Dadurch, dass Sie ein solches Mikrofon auch an einer Tonangel montieren können, lässt sich das Kleinmembran-Mikrofon sehr flexibel einsetzen. Durch die freie Platzierung an einer Tonangel werden Geräusche durch reibende Kleidung, wie sie bei der Verwendung eines Lavalier-Mikrofons durchaus auftreten können, nahezu ausgeschlossen. Zudem vermeiden Sie Funkprobleme, die bei der Verwendung eines Lavalier-Mikros keine Seltenheit sind.

Wenn Sie Musik oder Gesang aufnehmen möchten, ist das Kleinmembran-Mikrofon ebenfalls die bessere Wahl. Hier erreichen Sie ein harmonisches, ausgewogenes Klangbild, das mit einem Lavalier-Mikrofon bei solch komplexen Aufnahmen nur schwer zu realisieren ist.

Während sich der Einsatzbereich des Lavalier-Mikrofons meist nur auf die Aufnahme von Sprache beschränkt, können Sie ein Kleinmembran-Mikrofon für vielerlei Aufnahmen verwenden – sei es, um Sprache aufzuzeichnen, um Ihr Gitarrenspiel aufzunehmen oder auch um ein Interview mit Umgebungsgeräuschen zu untermalen.

Insgesamt haben sowohl Lavalier-Mikrofone als auch Kleinmembran-Mikrofone ihre Daseinsberechtigung. Je nachdem, in welchem Bereich das Mikrofon zum Einsatz kommen soll, haben beide Bauformen ihre Vor- und Nachteile. Da Sie diese jetzt kennen, können Sie sich für die nächste Aufnahme mit dem passenden Mikrofon perfekt wappnen.

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