So stellen Sie eine artgerechte Ernährung für Chinchillas zusammen

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Ratgeber: So stellen Sie eine artgerechte Ernährung für Chinchillas zusammen

Wissenswertes zur Herkunft und Ernährung von Chinchillas

Chinchillas gehören zur Gattung der Nagetiere und stammen ursprünglich aus Südamerika. Die bei uns verbreiteten Haustiere sind in der Regel Lang- bzw. Kurzschwanzchinchillas, die sich äußerlich ein wenig unterscheiden. So haben Kurzschwanzchinchillas 20 Wirbel, Langschwanzchinchillas 24 Wirbel und einen etwa vier Zentimeter längeren Schwanz. Hinsichtlich der Haltungsbedingungen und Anforderungen an ihr Futter sind sich beide Arten aber sehr ähnlich und benötigen vergleichbares Nagerzubehör. In freier Wildbahn sind Chinchillas inzwischen leider fast ausgestorben und gehören somit zu den bedrohten Arten, die trotz strenger Restriktionen noch immer gewildert werden. Als Haustiere und Pelzlieferanten in Gefangenschaft gibt es allerdings weltweit große Populationen. Chinchillas sind sehr soziale Tiere und sollten auf keinen Fall allein gehalten werden. Da Chinchillas natürlicherweise einer trockenen, kargen Umwelt entstammen, ist auch ihr Verdauungssystem auf diese Umstände eingestellt. Chinchillas haben einen sehr empfindlichen Magen-Darm-Trakt und benötigen ballaststoffreiches, energiearmes Futter, in dem wenig Fette und Kohlenhydrate enthalten sind. Zur Nahrung in freier Wildbahn gehören trockene Steppengräser, Kräuter, Kakteen, Zweige und Disteln, in denen hohe Anteile an Zellulose, und somit Ballaststoffe, enthalten sind. Die Flüssigkeitszufuhr wild lebender Chinchillas erfolgt einzig über Morgentau und Kakteen.

Verschiedenen Ansätze in der Chinchilla Fütterung

Bezüglich der richtigen Fütterung von Chinchillas gibt es verschiedene Ansätze. Häufig wird die sogenannte „PHW-Fütterung“ eingesetzt, bei der ausschließlich Pellets, Heu und Wasser gegeben werden. Andere Chinchilla-Besitzer füttern lediglich Kräuter, Samen und Körner. Nach dem heutigen Stand der Wissenschaft ist weder die eine noch die andere Fütterungsart optimal. Vielmehr sollte eine Kombination aus beiden Arten angestrebt werden. Besonders wichtig ist, dass nicht experimentiert wird, da Chinchillas sehr sensibel reagieren und verschiedene Nahrungsmittel für sie unverträglich oder gar giftig sein können. Zudem sind viele Produkte, die als für Chinchillas geeignet ausgewiesen sind, häufig noch nicht auf ihre Langzeitwirkung getestet, es ist also unklar, ob nicht nach Jahren der Fütterung plötzlich Probleme und Erkrankungen auftreten, die sich besonders bei älteren Tieren bemerkbar machen. Bleiben Sie daher auf der sicheren Seite und halten Sie sich an altbewährtes Futter. Im Folgenden erhalten Sie einen Überblick über geeignetes Futter für Chinchillas sowie nützliche Hinweise zur Fütterung.

Was als Hauptfutter für Chinchillas geeignet ist

Die beiden wichtigsten Grundnahrungsmittel für Chinchillas, die in Gefangenschaft leben, stellen Heu und Pellets dar. Heu enthält viele lebenswichtige Mineralien und Vitamine, die Chinchillas benötigen, um gesund zu bleiben. Der hohe Anteil an Ballaststoffen wirkt zudem anregend auf die Verdauung der Nager. Nicht zuletzt sorgt die raue Oberfläche des Heus für einen Abrieb der Chinchilla-Zähne, der für deren Erhalt wichtig ist. Das Heu sollte möglichst nicht auf dem Boden des Käfigs liegen. Das Risiko von Infektionen ist hier sehr hoch, da Kot und Urin der Tiere sich mit dem Heu vermischen. Eine bessere Alternative bieten Heuraufen. In ihnen ist das Heu vor Verschmutzungen geschützt und trotzdem gut zugänglich für Ihr Tier oder Ihre Tiere. Chinchillas sind häufig sehr wählerisch, wenn es um Heu geht. Es ist daher keine Seltenheit, zunächst verschiedene Heusorten ausprobieren zu müssen, um das optimale Heu zu finden. Lassen Sie sich davon nicht entmutigen, sondern betrachten Sie es als Zeichen für den guten Geschmack Ihres Haustieres. Außerdem kommt es bei Heu maßgeblich auf die Frische an – die meisten Chinchillas werden altes Heu verschmähen und erst wieder fressen, wenn Sie eine neue Tüte geöffnet haben. Es kann vorkommen, dass ein Chinchilla eine Heusorte, die es bislang gern gefressen hat, nicht mehr anrührt – in diesem Fall sollten Sie neue Sorten ausprobieren, um etwas Abwechslung in die Ernährung zu bringen.

In Pellets werden diverse Nährstoffe und Mineralien kombiniert. Die gepresste Form verhindert zudem die Staubentwicklung. Es sollte auf jeden Fall darauf geachtet werden, dass Pellets spezifisch für Chinchillas geeignet sind, da nicht alle Nagetiere dieselben Anforderungen an die Inhaltsstoffe haben. Zudem ist eine trockene Lagerung wichtig, da sich sonst Pilze bilden können, die sehr schädlich für Chinchillas sind.

Kräuter als Ergänzungsfutter – welche Sorten es gibt und wie sie gefüttert werden

Kräuter können als ergänzendes Futter die Gesundheit und Vitalität Ihres Chinchillas unterstützen und verbessern. Es ist allerdings enorm wichtig, in welcher Dosierung Kräuter gereicht werden. Da Kräuter unterschiedlich und spezifisch wirken, können sie auch Nebenwirkungen haben, die Ihrem Tier oder Ihren Tieren schaden. Achten Sie daher darauf, Kräuter nur in geringen Mengen zu füttern. Achten Sie außerdem auf Abwechslung bei der Zufütterung, am besten ist ein täglich wechselndes Angebot an Kräutern. Die Wirkung einiger dieser Kräuter soll im Folgenden kurz erläutert werden.

Mariendisteln stammen, wie auch die Chinchillas selbst, ursprünglich aus Südeuropa, Kleinasien, Südrussland und Nordafrika. Mariendisteln haben eine positive Wirkung auf die Verdauung von Chinchillas und werden der Erfahrung nach sehr gern von ihnen gefressen. In Deutschland sind getrocknete Pflanzenteile der Mariendistel nur selten zu bekommen, stattdessen lassen sich aber ebenso Mariendistelsamen einsetzen, die Sie auch bei eBay erhalten können.

Brennnesseln werden diverse Wirkungen zugeschrieben, unter anderem sollen sie den Haarwuchs fördern, den Stoffwechsel anregen und das Immunsystem stärken. Sie werden in der Regel getrocknet angeboten und verfüttert. Bei Mangelerscheinungen, die fütterungsbedingt sind, können sich Brennnesseln wegen ihres hohen Gehalts an Mineralien, Vitaminen und Gerbstoffen positiv auf Haut und Gelenke auswirken.

Getrockneter Spitzwegerich und Luzerne-Pellets

Getrockneter Spitzwegerich hat sich auch in der Chinchillazucht als verdauungsfördernd, entzündungshemmend, keimtötend und appetitanregend erwiesen, besonders bei Magen-Darm-Erkrankungen. Er hat einen hohen Nährwert und ist besonders leicht verdaulich, wodurch er zur Stabilisierung der Magen-Darm-Funktion beiträgt. Spitzwegerich sollte mindestens einmal wöchentlich auf dem Speiseplan stehen, auch zweimal pro Woche ist er unbedenklich und sogar gesundheitsfördernd für die Nager.

Bei der Luzerne handelt es sich um eine weltweit verbreitete, seit Jahrhunderten genutzte, kleeartige Futterpflanze. Luzerne ist besonders eiweiß- und vitaminreich und enthält viele sekundäre Pflanzenstoffe. Sie wird bereits in den Anfängen der Literatur zur Haltung und Fütterung erwähnt und ist bei Züchtern, besonders in Form von Luzerne-Pellets sehr beliebt. Chinchillas fressen Luzerne-Pellets ausgesprochen gern. Dabei sollte allerdings nicht mehr als eine kleine Futterschale pro Woche verfüttert werden.

Weitere Kräuter, die sich zum Zufüttern eignen, sind Löwenzahn, Echinacea und Topinambur, Dill und Petersilie, die nur in geringen Mengen und abwechselnd ergänzend zum Hauptfutter gegeben werden sollten.

Geeignete Leckerlis für Ihre Chinchillas

Leckerlis sind weder Haupt- noch Ergänzungsfutter und sollten daher auch wesentlich seltener und nicht mit derselben Regelmäßigkeit gegeben werden. Vielmehr sind sie dazu gedacht, Ihren Chinchillas etwas Besonderes anzubieten. Leckerlis eignen sich sehr gut, um zu locken oder Lob auszudrücken, weshalb sie oft und gern zum Trainieren und Zähmen eingesetzt werden. Auch um Medizin zu verabreichen, bieten sich die kleinen Belohnungen an. Entsprechend der Größe und Inhaltsstoffe von Leckerlis können zwischen zwei und zehn Stück am Tag ohne Bedenken gefüttert werden. Allerdings ist, unabhängig von der Menge, von einer täglichen Fütterung mit Leckerlis abzuraten, damit sich Ihre Chinchillas nicht an ein bestimmtes Leckerli gewöhnen und es als selbstverständlich betrachten, ist regelmäßige Abwechslung sehr zu empfehlen. Als Leckerlis eignen sich beispielsweise Süßmandeln und ungezuckerte, getrocknete Cranberrys sowie Haferecken.

Zubehör für die Ernährung von Chinchillas

Wasser und Futter sollten möglichst vor Verschmutzung durch Kot, Urin und anderem geschützt sein, da sonst das Risiko von Infektionen steigt. Ein Napf mit Wasser ist also denkbar ungeeignet, da sehr schnell zum Beispiel Streu darin landet. Für das Wasserangebot besser geeignet sind Trinkflaschen für Nager. In ihnen ist das Wasser vor Verschmutzung geschützt. Wasser für Chinchillas sollte mindestens einmal täglich gewechselt werden, um die Sauberkeit zu gewährleisten. Außerdem ist die regelmäßige, gründliche Reinigung und Desinfektion sehr zu empfehlen, um der Entstehung von Krankheiten vorzubeugen.

Futternäpfe, zum Beispiel für Pellets, sollten ein gewisses Gewicht aufweisen, damit die Chinchillas sie nicht umwerfen und das Futter im Käfig verteilen können. Futternäpfe für Nager gibt es in diversen Ausführungen und Designs, zum Teil sogar in ergonomischer Ausführung, also mit abgeflachtem Rand auf einer Seite. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass Näpfe aus ungiftigen Materialien hergestellt wurden und keine Splitter oder scharfen Kanten aufweisen, an denen sich Ihre Chinchillas verletzten könnten. Eine weitere Möglichkeit, Futter anzubieten, sind sogenannte Futterautomaten, die sich für verschiedene Nagetiere eignen.

Worauf Sie bei der Wahl von Futter und Zubehör grundsätzlich achten sollten

Erstes und oberstes Gebot bei der Fütterung Ihrer Chinchillas sollte sein, es gesund, fit und zufrieden zu erhalten. Ob es einem Chinchilla gut geht, erkennen Sie unter anderem am Fell, das dicht und glänzend sein sollte, und an klaren, glänzenden Augen. Außerdem ist ein gesundes Chinchilla aktiv und bewegungsfreudig, was unbedingt beobachtet werden sollte. Chinchillas haben in der Regel eine ausgeprägte Persönlichkeit - Wesensveränderungen sind häufig ein Hinweis auf gesundheitliche Probleme. Ein Chinchilla, das Nahrung verweigert, kann unter Umständen Probleme mit den Zähnen haben oder unter einer anderen Erkrankung leiden. Bei Zahnproblemen lassen Chinchillas sehr feste Nahrung liegen, was auf Dauer zu Mangelerscheinungen führen kann.
Isst ein Chinchilla überhaupt nichts mehr, so muss schnell gehandelt werden, da der kleine Organismus nur sehr kurze Zeit ohne Nahrung auskommt. Ziehen Sie in einem solchen Fall unbedingt einen Experten zurate, der sich mit der Behandlung von Chinchillas auskennt. Er kann Sie beim Aufpäppeln unterstützen und Ihnen wichtige Ratschläge geben. Unter Umständen muss ein Chinchilla, das nicht mehr frisst, mit einer Ersatznahrung aufgepäppelt werden. Hier hat sich das sogenannte „Critical Care“ als besonders wirkungsvoll und verträglich erwiesen, und wird von Fachleuten empfohlen. Der damit angerührte Nahrungsbrei sollte mit einer Pipette verabreicht werden. Achten Sie hierbei unbedingt auf die richtige Größe für die jeweiligen Chinchillas.

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