So setzen Sie Musik-Mobiles als Teil des Einschlafrituals ein

Aufrufe 1 Mal bewertet mit „Gefällt mir” Kommentare Kommentar
Mag ich anklicken, wenn dieser Ratgeber hilfreich war
So setzen Sie Musik-Mobiles als Teil des Einschlafrituals ein

Mobiles sind in vielfältigen Ausführungen in Kinderzimmern zu finden. Dabei erfüllen insbesondere die Musik-Mobiles eine wichtige Funktion im Prozess des Einschlafens. In diesem Ratgeber erfahren Sie Informatives über die unterschiedlichen Arten von Mobiles und erhalten wichtige Tipps, wie Sie das Zubettgehen mithilfe von Musik-Mobiles ritualisieren und vereinfachen können.

Eine kleine Geschichte der Mobiles

Die Geschichte des Mobiles in der Kunst reicht ca. 100 Jahre zurück. So nutzte Marcel Duchamp den Begriff „Mobile“ bereits 1913 für seine frühen Ready-Mades. Die eigentliche Bedeutung des Mobiles, wie wir sie heutzutage verstehen, wurde ebenfalls durch Duchamp geprägt, allerdings einige Jahre später, nämlich 1931 und in einem anderen Zusammenhang. Denn es waren die kinetischen Werke des amerikanischen Bildhauers Alexander Calder, die ihn zur Neubelegung des Begriffes inspirierten. Wenn Sie der Bedeutung des französischen Wortes „mobile“ auf den Grund gehen, werden Sie feststellen, dass die frühen Arbeiten Calders die Definition optimal erfüllten: Denn „mobile“ kann mit „beweglich“, „drehbar“, „lose“ oder „lebhaft“ ins Deutsche übersetzt werden. So zeichnen sich die frühen Werke von Alexander Calder dadurch aus, dass sie sich unabhängig von ihrer Bauart stets in Bewegung befinden und auf diese Weise immer neue Formen generieren. Mobiles sind dementsprechend dem Bereich der kinetischen Kunst zuzuordnen, in der die Bewegung ein zentraler Aspekt der künstlerischen Arbeit darstellt. Calder schuf insgesamt drei unterschiedliche Arten von Mobiles: mit Standfuß, mit Wandaufhängung und als frei schwebendes Objekt. Als eigenständige Form im Bereich der kinetischen Kunst haben Mobiles bis heute Bestand und wurden von unterschiedlichen Künstlern wie Joan Miró oder Jörg-Tilmann Hinz aufgegriffen. Solche Bewegungsskulpturen können sich dabei in den unterschiedlichsten Größen präsentieren und von wenigen Zentimetern bis zu 20 Metern reichen.

Aber nicht nur der Bereich der bildenden Kunst wurde durch die Arbeiten Alexander Calders inspiriert. Auch die Kunstmusik und hier vor allem die aleatorische Musik, die versucht, den Zufall komponierbar zu machen, wurden durch Mobiles angeregt. Ähnlich wie ein sich bewegendes Mobile, das ständig neue Eindrücke erzeugt, schufen Komponisten wie Charles Ives, John Cage, Pierre Boulez oder Karlheinz Stockhausen Werke, die ebenfalls einem permanentem Wandel unterliegen. Dabei setzten sie auf unterschiedliche Art und Weise auf den Zufall, sei es bereits im Entstehungsprozess oder in der Aufführung, so wie es etwa John Cage sehr gerne mithilfe des chinesischen Orakelbuches I Ching praktizierte.

Heutzutage können die meisten Mobiles aber eher abseits des Kunstbetriebs angesiedelt werden, und zwar in ihrer Funktion als Musik-Mobiles oder anderen Einschlafhilfen für Kinder.

Warum feste Schlafenszeiten und Einschlafrituale wichtig sind

Für die geistige Entwicklung eines Kindes ist es absolut unerlässlich, feste Schlafzeiten einzuführen. Da dies allerdings mit ein wenig Mühe verbunden ist, lohnt es sich, das Zubettgehen zu ritualisieren. Dabei spielen Musik-Mobiles eine bedeutende Rolle, da sie das Einschlafen zu einem Ritual erheben können. Aber warum sind regelmäßige Schlafzeiten überhaupt wichtig?

In einer groß angelegten britischen Studie, die unter anderem im Jahr 2013 im "Journal of Epidemiology and Community Health" Veröffentlichung fand, wurde festgestellt, dass die Einhaltung von regelmäßigen Schlafenszeiten einen starken Einfluss auf die kognitive Entwicklung von Kindern hat. Zu einem ähnlichen Ergebnis kam ebenfalls bereits eine Studie aus dem Jahre 2007, die in Kanada durchgeführt wurde. Die Erklärung für den enormen Einfluss auf die Entwicklung kann in der Tiefschlafphase gefunden werden. Im diesem Zeitraum des tiefsten Schlafes verarbeitet das Gehirn die Eindrücke des Tages, sortiert und kategorisiert sie. Es handelt sich hier quasi um Formen der Datenspeicherung und -verarbeitung. Die Ergebnisse von Standardtests zur kognitiven Entwicklung sprechen dabei eine deutliche Sprache. So wurden die Eltern von 8.000 zu den Schlafzeiten ihrer neun Monate alten Kinder befragt. Im Alter von vier Jahren wurden die Eltern erneut interviewt. Dabei stellte sich heraus, dass die Kinder mit regelmäßigen Schlafzeiten hinsichtlich ihrer sprachlichen Kompetenzen, räumlichen Wahrnehmung sowie ihrer Lese- und Rechenfähigkeit deutlich besser abschnitten als Kinder, die unregelmäßig zu Bett gingen oder gar ein Schlafdefizit aufwiesen. Dabei kann sich ein Schlafdefizit von Zweieinhalbjährigen noch einige Jahre später in Form von schlechterem Abschneiden bei Intelligenztests manifestieren, wie die Studie „Associations Between Sleep Duration Patterns and Behavioral/Cognitive Functioning at School Entry“ von Touchette u.a. feststellten.

Unterschiedliche Schlafbedürfnisse

Abhängig vom jeweiligen Alter haben Kinder variierende Schlafbedürfnisse. Als Richtwerte werden dabei von der Schlafforschung angegeben:

  • 16 bis 18 Stunden bei Kindern bis drei Monaten
  • 14 bis 15 Stunden bei vier bis fünf Monate alten Säuglingen
  • 13 Stunden bei sechs bis zwölf Monate alten Kindern sowie
  • 12 Stunden bei Kindern im Alter von einem bis vier Jahren.

Wie bei allen Richtwerten dienen diese Angaben zur Orientierung. Wenn das Kind ab und an weniger schläft, ist dies nicht automatisch gleichbedeutend mit einem sofortigen Verlust an kognitiven Fähigkeiten. Darüber hinaus werden Sie es auch von sich selber kennen, dass es Tage gibt, an denen Sie bereits nach wenigen Stunden ausgeschlafen sind. Dies gilt natürlich auch für Kleinkinder. Nichtsdestotrotz sollten Sie großen Wert auf Regelmäßigkeit, besonders hinsichtlich der Zubettgehzeit, legen. Dabei stellen Musik-Mobiles wichtige Einschlafhilfen dar, die den Übergang ins Traumland beschleunigen können.

Das Einschlafen zu einem Ritual werden lassen

Als Eltern werden Sie vermutlich mit der Situation vertraut sein, dass der Nachwuchs häufig nur mit Widerwillen ins Bett geht. Ihr Aktivitätsknopf ist sozusagen noch auf „An“ gestellt. Dementsprechend gilt es, diesen Schalter umzulegen. Dabei sind Musik-Mobiles ein probates Mittel. Es handelt sich hierbei letztlich um eine Form der klassischen Konditionierung. Dieser Begriff wurde maßgeblich durch den Behavioristen Iwan Petrowitsch Pawlow geprägt, der mit dem nach ihm benannten Hund das Stimulus-Response- oder Reiz-Reaktions-Muster entdeckte. Dieses Schema besagt, dass zum Beispiel ein akustischer Reiz eine psychologische Reaktion zur Folge hat. Beim Pawlowschen Hund war es der Speichelfluss nach dem Erklingen eines Tones, der ihm die bevorstehende Herausgabe von Futter signalisierte.

Ähnlich verhält es sich bei Kindern und dem Einsatz von Musik-Mobiles. Die vertrauten Klänge des Spielgerätes sorgen dafür, dass der Einschlafprozess sozusagen durch die immer wiederkehrende Melodie codiert wird. Das Ertönen der bekannten Klänge sorgt dementsprechend für das Umlegen des Aktivitätsschalters des Kindes. Allerdings geschieht dies nicht von heute auf morgen. Es dauert schon eine Weile, vielleicht ein paar Wochen, bis das Kind den akustischen Reiz internalisiert hat und mit der Reaktion „einschlafen“ beantwortet.

Wie bei so vielen Dingen im Leben gilt auch hier: Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr. Das Einhalten oder auch Nicht-Einhalten von festen Schlafenszeiten wird im Verlauf der Entwicklung in den meisten Fällen übernommen. Ein Kind mit unregelmäßigen Schlafzeiten wird auch im Erwachsenenalter eher zu unsteten Zubettzeiten neigen.

Das passende Musik-Mobile finden

Auch wenn alle Musik-Mobiles tendenziell über identische Funktionen verfügen, existieren jedoch einige Unterschiede. Neben Geräten, die vor allem als reine Einschlafhilfe gedacht sind, gibt es noch spezielle Musik-Mobiles, die zum Bewegungstraining der Kinder genutzt werden. Die Kleinkinder befinden sich hinsichtlich ihrer kognitiven Entwicklung in der sensomotorischen Phase. Sie nehmen ihre Umwelt fühlend wahr, das heißt, sie begreifen sie mit ihren Händen. Mobiles, die zum Bewegungstraining gedacht sind, bewirken dabei zweierlei. Zum einen greift das Kind nach den Tieren oder Gegenständen des Mobiles und trainiert so seine Motorik. Zum anderen erlernt das Kind auf diese Weise Aktions-Reaktions-Verfahren, gekoppelt mit dem Phänomen der Ergo-Audition. Dieses Konzept des französischen Klangtheoretikers Michel Chion beschreibt die Freude am Sich-hörbar-machen, die ein Kind oder auch ein erwachsener Mensch verspürt. Das Kind löst mit seinen Händen den Klang aus. Es ist sozusagen Herrscher über die Klänge seines Musik-Mobiles. Daneben spielt natürlich auch die Art der Musik eine wichtige Rolle, die im Idealfall dem Kind ebenfalls Freude bereitet.

Wenn Sie allerdings nur nach Musik-Mobiles zur Einschlafhilfe suchen, dann sollten Sie ein paar Dinge beachten.

Beachten Sie die Klänge und Lautstärke der Musik-Mobiles

Mobile ist selbstverständlich nicht gleich Mobile. Daher sollten Sie bei der Wahl eines Klangspielzeugs für Ihr Kind Sorgfalt walten lassen. Denn bereits die Gestaltung der Klänge kann das Einschlafen beschleunigen, aber auch verhindern. Hier gilt meist die Regel: Je günstiger ein Gerät, desto preiswerter die eingebauten Klangwiedergeber. Billige Musik-Mobiles verfügen teilweise über einen scheppernden oder krächzendem Klang, der das Kind eher ängstigt als beruhigt. Sie sollten daher tendenziell zu Musik-Mobiles tendieren, die entweder ganz klassisch wie eine Walzenspieldose klingen oder über digitale Wiedergabetechnologien verfügen, die einen natürlichen Klang haben. Darüber hinaus sollte die Lautstärke solcher Musikgeräte nicht zu laut sein. Zu hohe Lautstärke ist zwangsläufig kontraproduktiv für den Einschlafprozess und bewirkt eher eine Aktivierung des Nachwuchses. Zeitgleich geht bei zu hohen Lautstärken auch eine Gefahr für das Gehör des Kindes aus. Besonders in den ganz frühen Lebensmonaten muss das Gehör geschützt werden, da es noch äußerst sensibel ist.

Zu guter Letzt sollten Sie bei der Wahl der Einschlafmelodie auf die Einprägsamkeit und musikalische Komplexität achten. Da die Musik als Reiz funktioniert, sollte sie schnell ins Ohr gehen. Dies können Sie ganz leicht selbst herausfinden, indem Sie einige Geräte testen und nachher schauen, welche Melodie Sie am besten wiedergeben können.

Des Weiteren sollte die Musik über ein langsames Tempo und nicht allzu viele Töne verfügen. Eine hohe Informationsdichte an Tönen kann unter Umständen mit einer Aktivierung des Kindes einhergehen. Wenn Sie sich nicht sicher bei der Wahl der Musik sind, dann lassen sie doch einfach Ihr Kind entscheiden. Es wird Ihnen schon zu verstehen geben, ob es Freude an einer Melodie hat oder nicht.

Möchten Sie Ihr Wissen weitergeben? Erstellen Sie Ihren eigenen Ratgeber… Verfassen Sie einen Ratgeber
Weitere Ratgeber erkunden