So schließen Sie Ihre PA-Anlage richtig an

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So schließen Sie Ihre PA-Anlage richtig an

Für die Beschallung größerer Flächen wird eine entsprechend leistungsfähige Verstärkeranlage gebraucht. Anlagen dieser Art werden gemeinhin als PA-Anlagen - Public-Address-Anlagen - bezeichnet. Die Bestandteile dieser Anlagen sowie die erforderlichen Verbindungskabel und Anschlüsse sind heute international weitgehend standardisiert.

Die Monitoranlage

Heute gibt es auf großen Bühnen eine Monitoranlage, die unter Umständen von einem separaten Mischpult aus von einem extra dafür abgestellten Tontechniker bedient wird. Es ist nicht eindeutig festgelegt, ob diese Monitoranlage der PA–Anlage zuzurechnen ist oder nicht. Da beide Komponenten, Frontlautsprecher und Monitore aber grundsätzlich das Gleiche übertragen und technisch eng miteinander verzahnt sind, sind das eher sprachliche bzw. theoretische Fragen.

Ziel einer Monitoranlage ist es, den Musikern auf der Bühne einen ähnlich guten Sound zu liefern, wie ihn die Zuhörer vor der Bühne empfangen. Das ist nicht selbstverständlich, weil die Frontlautsprecher meist vor der Bühne stehen und von den Akteuren weg strahlen. Ohne Monitoranlage nimmt ein Musiker, Sänger oder Sprecher, der auf der Bühne steht, einen diffusen Brei aus Bassdröhnen, Reflexionen und Resonanzen wahr, der zudem zeitverzögert an sein Ohr dringt. Erst eine ausreichend dimensionierte Monitoranlage löst dieses Problem und macht das koordinierte Agieren auf der Bühne erst möglich. Allerdings besteht dabei ein Problem: Jedes Mikrofon, das auf der Bühne steht, überträgt ungewollt auch wieder jeden Ton, der aus den Monitorboxen kommt nach vorn zum Zuhörer. Und da alles, was die Frontlautsprecher abstrahlen, auch in der Monitoranlage zu hören sein soll, überträgt wiederum die Monitorbox. Es schließt sich ein Kreis, und die besten Voraussetzungen für eine Rückkopplung sind gegeben.

Das Problem der Rückkopplungen

Rückkopplungen sind ein lautes, pfeifendes Geräusch, der Albtraum jedes Tontechnikers. Mit dem sogenannten In-Ear-Monitoring kann das Problem dieser Klangverschmutzung behoben werden. Der Geräuschpegel auf der Bühne bleibt relativ niedrig und die Gefahr von Rückkopplungen ist gebannt. Auch die Zuhörer profitieren von dieser Technik, denn sie hören tatsächlich nur das ursprüngliche Audiosignal. Da kleinere PA-Anlagen mitunter ohne Monitor auskommen, gehört diese Komponente jedoch nicht zum harten Kern ihrer Bestandteile. Ebenfalls eindeutig getrennt von der PA–Anlage ist die sogenannte Backline, das sind die individuellen Instrumentalverstärker der einzelnen Musiker sowie alle Mikrofone, die auf der Bühne stehen. Übrig bleibt also alles, was aus einer Darbietung, die nicht wesentlich über Zimmerlautstärke hinausgeht, ein Soundereignis für Hunderte oder Tausende von Menschen macht – die PA–Anlage, die umgangssprachlich auch einfach als PA bezeichnet wird.

Die Stagebox

Alles, was aus der PA herauskommen soll, muss erst einmal hinein. Das Mischpult, das die einzelnen Audiosignale zu einem einzigen, möglichst wohlklingenden Stereo-Signal vereinen soll, hat dafür üblicherweise 12 bis 64 Eingänge bzw. Kanäle samt geeigneter Anschlüsse zur Verfügung. Allerdings steht das Mischpult meist weit weg von der Bühne. Um dem Tontechniker einen repräsentativen Höreindruck zu gewährleisten, der dem entspricht, was das Publikum hört, sollte das Mischpult möglichst mittig im Zuschauerraum positioniert werden.

Wie kommt nun das Audiosignal aus dem Mikrofon oder der Gitarre zum Mischpult? Die Antwort ist ein langes, vieladriges Kabel, das sogenannte Multicore, das von der Bühne bis zum Mischpult (und zurück) führt. Das bühnenseitige Ende des Multicores ist die Stagebox. Das ist ein flacher Kasten, der alle Eingänge des Mischpults repräsentiert. Hier finden sich also die 12 bis 64 Eingänge des Mixers wieder. Das sind meist XLR-Buchsen, in die Mikrofonkabel direkt eingesteckt werden können. Eventuell vorhandene nicht kompatible Klinkenstecker werden in eine zwischengeschaltete DI (direct Injection) – Box gesteckt, die wiederum mittels XLR–Stecker in die Stagebox geführt wird.

Das Multicore

Das Multicore hat die Aufgabe, die unverstärkten, von der Bühne kommenden Audiosignale der einzelnen Instrumente und Mikrofone zum Mischpult zu leiten. Dazu enthält es Adern, deren Anzahl der Zahl der Kanäle des Mixers entspricht. Es ist ca. 30 bis 50 m lang, sodass es bis in die Mitte eines größeren Saales reicht. Meist enthält es auch den gegenläufigen Weg, den das fertig gemixte Stereosignal zurück zur Bühne nimmt, denn dort steht das Kraftwerk der PA, die Endstufe.

Das Mischpult

Wenn die Kabel die Nervenleitungen der Anlage darstellen, so ist das Mischpult ihr Nervenzentrum. Hier läuft alles zusammen, was anschließend aus den Boxen kommen soll. Neben Einzeleingängen für jeden Kanal (falls kein Multicore benutzt wird) hat das Mischpult einen Multipin – Eingang für das Multicore. Er sieht ähnlich aus wie die SCART–Buchse am Fernseher, ist allerdings wesentlich größer. Im Mixer geht es nicht nur darum, die Lautstärkeverhältnisse zwischen den Instrumenten festzulegen. Mit einer separaten Klangregelung für jeden Kanal ist es auch möglich, den Frequenzgang jedes Instruments zu beeinflussen. Weiterhin können jedem Kanal Effektsignale beigemischt werden. Das wird meist durch externe Geräte bewerkstelligt, die in einem 19-Zoll-Rack untergebracht sind. Die Effekte, die beigemischt werden, sind meist Hall- oder Delayeffekte.

Es gibt jedoch eine Vielzahl von Möglichkeiten, mit denen das Originalsignal manipuliert werden kann. Der Anteil des Effektsignals kann wiederum für jedes Instrument separat mit einem oder mehreren Aux-Reglern gesteuert werden. Weiterhin besteht die Möglichkeit, jedes Instrument einem der Monitorwege zuzuführen, die für den Kontrollsound auf der Bühne verantwortlich sind. Sollte der Luxus eines separaten Bühnenmixers nicht vorhanden sein, so gehört auch das Mischen des Monitorsounds zu den Aufgaben des PA – Mixers. Die Arbeit des Mischpults ist nun prinzipiell getan. Das sorgsam gemischte Audiosignal ist bereit, verstärkt zu werden, und tritt seinen Weg zur Bühne an, wo die Endstufen zu diesem Zweck bereitstehen.

Die Endstufe

Die Endstufen stehen möglichst nahe an den Lautsprecherboxen. Das hat einen guten Grund, denn jetzt wird es ernst. Hier wird Leistung erzeugt. Eine Leistung, die ausreichen würde, um einige Bauscheinwerfer zu speisen. Aber hier geht es wohlgemerkt nicht um Licht, sondern um ein verstärktes Audiosignal. Umso erstaunlicher ist die Leistungsaufnahme einer großen PA, die viele Tausend Watt betragen kann. Jedes überflüssige Meter Kabel zwischen Endstufe und Box reduziert mit seinem elektrischen Widerstand diese Leistung und wandelt sie in Wärme um, die hier allerdings nicht gewünscht ist.

Das Ziel ist ein möglichst hoher Wirkungsgrad des Verstärkers. Das bedeutet, möglichst viel von der aufgenommenen Leistung soll in hörbare Schallwellen verwandelt werden. Um diesem Ideal näherzukommen, werden Frequenzweichen verwendet, die im Signalweg entweder vor der Endstufe (aktive Frequenzweiche) oder nach dieser (passive Frequenzweiche) geschaltet sind. Diese Frequenzweiche tut genau das, was ihr Name sagt: Sie splittet das Gesamtsignal in Frequenzbereiche auf, die anschließend an die dafür spezialisierte Sektion der Lautsprecheranlage geleitet werden.

Die Lautsprecherboxen

PA–Boxen müssen viele Anforderungen gleichzeitig erfüllen. Sie müssen robust sein, um dem harten Live–Betrieb zu trotzen. Dabei sollen sie die Verstärkerleistung effizient in Schall umwandeln, wobei das Audiosignal möglichst wenig verzerrt oder verfremdet werden soll. Wie bei der heimischen Stereo–Anlage gibt es deshalb auch hier meist drei Sektionen für Bässe, Mitten und Höhen. Jeder dieser Bereiche unterliegt eigenen akustischen Gesetzen. Analog dazu werden in den entsprechenden Lautsprechern jeweils verschiedene Prioritäten gesetzt und unterschiedliche Techniken verwendet.

Der Subwoofer (es können auch mehrere sein) ist mit einer großen Lautsprechermembran von 21 Zoll, relativ großem Volumen und einigem Gewicht für eine kraftvolle Abstrahlung der tiefen Töne von 20 Hz bis ca. 120 Hz verantwortlich. Die Mitteltöner, oft als Hornlautsprecher ausgeführt, strahlen den Bereich von 120 Hz bis ca. 3000Hz ab. Die verbleibenden hohen Frequenzen bis ca. 16000 Hz werden von speziellen Hochtönern übernommen, die oft piezokeramisch arbeiten. Wenn alle Komponenten der Anlage gut aufeinander abgestimmt sind, sollte der Gesamtklang kraftvoll und warm, dabei aber transparent und brillant sein.

Kompakte PA-Anlagen

Kompaktanlagen reichen für Raumgrößen bis zu hundert Personen meist völlig aus. Eine Kompaktanlage ist eine prinzipiell vollständige PA, die jedoch in einen Kofferraum passt. Um sie auf möglichst wenige Einzelteile zu reduzieren, Platz zu sparen und einen möglichst schnellen Aufbau zu ermöglichen, sind hier die Endstufen im Mischpult (Powermixer) bzw. in den Boxen (Aktivboxen) verbaut. Bei dieser Anlagengröße wird auf Monitorboxen meist verzichtet, da die Akteure ganz automatisch einen ähnlichen Klangeindruck haben wie das Publikum. So reduziert sich eine kompakte PA–Anlage auf grundsätzlich drei Teile: ein Mischpult und zwei Lautsprecherboxen. Eventuell gibt es als viertes Teil einen separaten Subwoofer. Die Voraussetzungen am Veranstaltungsort sind minimal: ein Netzanschluss. Der Aufbau einer solchen Anlage sollte nicht mehr als 20 Minuten in Anspruch nehmen.

Weil sie leicht allein bewegt werden kann, ist eine Kompaktanlage auch für DJs das Mittel der Wahl. Die Signalquellen werden mittels XLR-Kabel oder 6,35 mm Klinkenstecker direkt in das Mischpult eingestöpselt, das üblicherweise 12 Kanäle hat. Nun geht es, je nach Bauart der Anlage, mit XLR weiter zu den Aktivboxen. Aktivboxen brauchen zudem einen Stromanschluss. Falls die Boxen passiv sind und der Mixer den Verstärker beherbergt, können meist wahlweise 6,35 mm Klinkenstecker oder Speakon-Stecker für den Weg zur Lautsprecherbox verwendet werden. Speakon-Stecker sind - ähnlich wie XLR–Stecker - durch eine Blockierung mechanisch gesichert, sodass Lautsprecherkabel nicht versehentlich herausgerissen werden können. Sie haben sich in den letzten Jahren als Quasi–Standard für den Anschluss von Boxen etabliert.

Gleichgültig, ob Sie eine gigantische PA–Anlage betreuen oder eine Kompaktanlage aus dem Kofferraum zaubern: Der Ton macht die Musik - und die PA macht den Ton.

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