So retten Sie Ihre alten Video-Aufnahmen in die Neuzeit – Videoaufnahmekarten vorgestellt

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So retten Sie Ihre alten Video-Aufnahmen in die Neuzeit – Videoaufnahmekarten vorgestellt

Haben Sie alte Videobänder über die Jahrzehnte aufgehoben und sich mehrfach mit dem Gedanken getragen, diese zu entsorgen? Sehen Sie keine direkte Möglichkeit, noch einmal darauf zu zugreifen und sie dauerhaft vor dem drohenden Verfall zu bewahren? Besitzen Sie einen PC und funktionieren die Abspielgeräte der alten Videobänder? Dann sind Sie der Rettung Ihrer Videofilme bereits sehr nahe. Ihnen fehlt nur noch Folgendes: Eine Zusatzkomponente für Ihren Rechner, die sich „Videoaufnahmekarte“ nennt, einige Kenntnisse über das Zusammenspiel der Geräte und geeigneter Aufnahme-Medien.

Ein Zeitsprung: vom analogen Videoband zum digitalen Videofilm

Videorecorder sind seit den frühen 80er Jahren im Heimbereich zu finden. Sie können durchaus 30 Jahre alte Bänder vorfinden, bei denen lediglich die Mechanik etwas schwergängig ist und eventuell die Farb-Tiefe und die Bildschärfe nachgelassen haben. Ähnlich verhält es sich mit den Abspielgeräten, auch dort trägt die Materialalterung Rechnung und der lange Ruhezustand zu Funktionsminderungen bei. Wenn die gealterten Komponenten also noch mitspielen, können Sie mit einem wirklich überschaubaren finanziellen und zeitlichen Aufwand den technologischen Fortschritt von 30 Jahren überbrücken und Ihre wertvollen Videoaufnahmen in die Neuzeit befördern und erhalten. Das Grundprinzip ist einfach: Ihr Videobandmaterial wurde seinerzeit von analog arbeitenden Videogeräten auf Magnetbändern aufgezeichnet. Beim Abspielen eines solchen Magnetbandes entstehen analoge Bild- und Tonsignale, welche ein PC nicht direkt „versteht“ und somit nicht anzeigen kann. Der Rechner benötigt für eine Wiedergabe digitale Bild- und Toninformationen. Es ist also eine „Umsetzung“ der analogen Informationen in das digitale Format notwendig, und genau diese Aufgabe übernimmt die Videoaufnahmekarte. Der gesamte Umsetzungsvorgang verläuft in sieben grundlegenden Schritten. Lassen Sie sich von der Anzahl nicht beeindrucken, der Ablauf ist wesentlich einfacher als es den Anschein hat.

Schritt 1: Funktionsprüfung von Videogeräten und Videobändern

Die Archivierung von Videobändern erfordert ein verlässliches Abspielgerät. Prüfen Sie Ihre Geräte und die Ihnen vorliegenden Bänder zunächst am heimischen TV-Gerät. Funktioniert beispielsweise ein Camcorder nicht mehr, kann ein mechanischer Adapter auf andere Formate aushelfen. Sollte ein Abspielgerät nicht zuverlässig sein, können Sie auf eBay Ersatzgeräte finden. Oftmals hilft auch ein Reinigungsmaterial einem betagten Videogerät wieder auf die Sprünge, indem es die mechanischen Bandführungen und die Videoköpfe von Ablagerungen beseitigt. Alte Videobänder sollten Sie prinzipiell mehrfach vorwärts und rückwärts abspulen, bevor Sie eine Archivierung beginnen. Das Bandmaterial neigt mit der Zeit zu Verklebungen oder Anhaftungen, die sich dann bei der Abspielung unangenehm bemerkbar machen. Sollte einmal eine Videobandkassette mechanisch durch Bandabriss oder auch durch „Bandsalat“ im Innern den Dienst versagen, können Sie mit Bandreparatur-Sets und ein wenig handwerklichem Geschick die Funktion wiederherstellen.

Schritt 2: Betrachten Sie Ihren PC einmal kritisch

Wie alt ist er und welche Leistungsdaten hinsichtlich Prozessorleistung, Arbeitsspeicher und Festplattengröße liegen vor? Welche Kartensockeltypen sind vorhanden? Eine Empfehlung: Der Prozessor sollte ein Modell mit mehreren Kernen sein, zumindest aber ein sogenannter Dual-Core. Der Arbeitsspeicher muss bei älteren Betriebssystemen (beispielsweise Windows XP) mindestens zwei Gigabyte aufweisen, bei aktuelleren Betriebssystemen (z. B. ab Windows Vista) drei oder vier Gigabyte. Veraltete Festplatten mit weniger als 250 GB, nicht SATA-fähig und volle Festplatten behindern die Videoaufnahme. Sorgen Sie für ausreichenden Platz und moderne Übertragungstechnologie. Optimal ist die Verwendung einer zweiten Festplatte, die nur die Video-Daten enthält und kein Betriebssystem oder Programme. Eine weitere effiziente Speichertechnologie für Videoarchivierung sind die sogenannten SSD-Speichermedien, die keinerlei bewegliche Komponenten mehr enthalten und hohe Schreib- und Lesegeschwindigkeiten bieten. Benötige Kartensockeltypen sind PCI und PCI-Express. Es werden noch hochwertige Videoaufnahmekarten für ISA-Anschlüsse angeboten, diese sollten Sie jedoch ignorieren, da ein ISA-Sockel auf den neuzeitlichen Rechnern nicht mehr verfügbar ist.

Welche Videoaufnahmekarte passt?

Bei der Suche nach internen Videoaufnahmekarten werden Ihnen folgende Varianten begegnen:

Videograbber – Experten bei der Arbeit

Videograbber sind rein auf die Videoerfassung abgestimmt, bieten hohe Aufzeichnungsqualitäten und vielseitige Eingangsanschlüsse an. Sie setzen eigene Prozessoren zur Bildbearbeitung ein und entlasten den Rechner dadurch deutlich bei der Videoerfassung. Einige Modelle werden auch mit einem externen Kabeladapter (auch „Breakout-Box“ genannt) ausgeliefert, der die gängigen Anschlüsse zur Anbindung von Videogeräten bietet. Wenn die Rückseite Ihres Rechners nicht frei zugängig ist, sollten Sie nach einer Karte mit Breakout-Box Ausschau halten, da Sie hiermit sehr schnell und vor allem bequem die unterschiedlichsten Videogeräte verkabeln können. Bei einigen Herstellern wird eine hochwertige Video-Bearbeitungssoftware mitgeliefert, die ansonsten im alleinigen Erwerb zu hohen Preisen verkauft wird. Achten Sie auf günstige Kombinationsangebote (auch „Bundle“ genannt). Bei eBay sind etliche dieser Bundles zu finden.

TV-Karte – günstiges Multitalent

Oft bieten Zusatzkarten für den Satelliten- oder DVB-Empfang einen Eingang zur Videosignalbearbeitung an. Auch kann die mitgelieferte Software zur Archivierung von Videobändern durchaus ausreichen, wenn Sie nicht allzu hohe Ansprüche an Aufzeichnungsqualität und Videobearbeitung haben.

Grafikkarte mit „Video In“ – Warum nicht nutzen, wenn schon vorhanden?

Hier verhält es sich ähnlich wie bei den TV-Karten, allerdings ist nicht immer eine Videoaufnahme-Software im Lieferumfang dieser Karten enthalten, sondern oft ein Treiber, der die Aktivierung der Aufzeichnungsfunktion ermöglicht. Hier kann die Herstellerdokumentation wertvolle Hilfe leisten und es gibt Videoaufzeichnungs-Programme auf eBay, die mit diesen Karten arbeiten können.

Beim Kauf zu beachten: technische Ausstattung

Ob TV-Karte, Grabber oder Grafikkarte mit Video-In, bei der Auswahl einer Videoaufnahmekarte müssen Sie deren technische Betriebsanforderungen mit den Möglichkeiten Ihres Rechners abgleichen. Maßgeblich sind die Einbausockel-Variante (PCI oder PCI-Express) und der verfügbare freie Platz auf der Grundplatine Ihres Rechners. Fragen Sie auch den Abmessungen einer infrage kommenden Videoaufnahmekarte, da einige Exemplare Überlängen aufweisen und somit nicht in jeder Gehäusevariante einsetzbar sind. Prüfen Sie die Treiber-Kompatibilität zu Ihrem Betriebssystem und die Anschlussmöglichkeiten für Videogeräte. Achten Sie auf AV-Anschlüsse und S-VHS-Buchsen bei der Karte, die meisten Videorecorder oder Videoplayer verfügen darüber. Hat Ihr Videogerät schon einen SCART-Ausgang, so gibt es dazu bei eBay passende Adapterkabel.

Schritt 1: Einbau der Videoaufnahmekarte in den PC und Einspielung von Treibern und Bearbeitungssoftware

Trennen Sie Ihren PC von der Stromversorgung. Öffnen Sie dann den Rechner und setzen Sie die Videoaufnahmekarte mit äußerster Vorsicht in den passenden Kartensockel ein. Schließen Sie nun das Rechnergehäuse wieder und stellen Sie die Stromversorgung wieder her. Starten Sie den PC, legen Sie die zugehörigen Treiber- und Software-CDs oder DVDs ein und folgen Sie den angegebenen Installationshinweisen. Bei einigen Kartentypen ist die Reihenfolge der einzuspielenden Treiber absolut einzuhalten, Sie erhalten sonst Abbruchmeldungen oder fehlerhafte Aufzeichnungen.

Schritt 2: Verbindung von Videoabspielgerät und Videoaufnahmekarte

Hierzu benötigen Sie zu Abspielgerät und Aufnahmekarte passende Videokabel, beispielsweise mit Cinch-Steckern, SCART-Adaptern oder S-VHS-Steckern. Bei eBay werden alle gängigen Kabelvarianten angeboten.

Schritt 3: Einstellung der Bearbeitungssoftware hinsichtlich Aufnahmequalität und Videobearbeitung

Die Bearbeitungssoftware benötigt von Ihnen Angaben zum Speicherort auf Ihrer PC-Festplatte. Sorgen Sie für ausreichenden Speicherplatz, da bei der Erfassung Ihres Videofilms temporäre Dateien aufgebaut werden, die ein Mehrfaches der eigentlichen Endversion belegen. Die Qualität der Aufzeichnung können Sie selbst festlegen. Man sollte sich hierbei aber vor Augen halten, dass bei einigen analog aufgezeichneten Videobändern eine Auflösung von 320x240 Bildpunkten vorliegt. Eine Aufnahme in HD-Qualität verbraucht hier nur Speicherplatz, ohne die Ursprungsqualität verbessern zu können. Anders sieht es bei digitalen Videobändern aus (Mini DV und Nachfolger). Diese Bänder liefern eine deutlich höhere Auflösung und können mit speziellen DV-Aufnahmeeinstellungen erfasst werden.

Schritt 4: Ablauf der Videobanderfassung in Echtzeit und ggf. Nachbearbeitung

Planen Sie generell beim Einsatz einer Videoschnittsoftware genügend Zeit ein. Die reine Erfassung erfolgt in Echtzeit, d. h. gleichgesetzt zur Filmdauer des Videobandes bzw. des darauf befindlichen Filmmaterials. Dazu kommt noch die Umrechnung der Projektdatei, die je nach Rechnerleistung deutlich schwanken kann. Insgesamt betrachtet ist also keine zeitliche Verkürzung bei einer VHS-Videoarchivierung möglich, sondern es kommt zu einem Mehrfachen der eigentlichen Laufzeit. Damit Ihre neue Videoaufnahmekarte störungsfrei arbeiten kann, sollten Sie auf rechenintensive Programmausführungen und auf Anwendungen mit Bild und Ton während der Erfassung verzichten. Einige Erfassungsprogramme zeigen Ihnen während der Videodigitalisierung ein Monitorbild, Sie können also jederzeit einen prüfenden Blick auf die Bildqualität werfen, die Tonqualität überwachen und bei eventuellem vorzeitigem Ende des Videomaterials die Aufzeichnung manuell beenden.

Schritt 5: Festlegung des Speicher-Mediums zur Datensicherung

Wenn Ihre Videobanderfassung erfolgreich abgeschlossen ist, befindet sich auf der Festplatte Ihres PCs eine Ausgabedatei. Je nach dem von Ihnen gewählten Format handelt es sich dabei um ein reines Videoformat (DV, MPEG, MPEG2 etc.) oder sogar schon um ein abspielfähige DVD-Vorlage. Wenn Sie diese Videodatei auf einen abspielbaren Datenträger bringen oder einfach nur sichern wollen, stehen Ihnen verschiedene Medien zur Verfügung.

DVDs in den Formaten DVD , DVD – und DVD -

DVD-Rohlinge gibt es in verschiedenen Formaten und Kapazitäten. DVD-R sind einmal beschreibbar und haben eine Kapazität von 4,7 GB. Sie können etwa 120 Minuten Videofilm in guter Qualität aufnehmen. Um Fehlkäufe zu vermeiden, sollten Sie Ihrer Gerätedokumentation entnehmen, welche Rohlinge Sie verwenden können. Dual- oder auch Double-Layer DVDs bieten fast doppelte Kapazität, für ihren Einsatz muss das im PC oder DVD-Recorder eingesetzte DVD-Laufwerk jedoch geeignet sein. Für Archivierungsversuche eignen sich wiederbeschreibbare DVDs mit der Kennung „RW“, diese werden jedoch nicht von allen DVD-Geräten akzeptiert.

Blu-ray

Blue-ray Discs haben eine Kapazität von 25 GB und benötigen spezielle Laufwerke. Es sind auch Dual-Layer Varianten erhältlich, deren Kapazität in etwa 50 GB beträgt. Da Videobandmaterial analoger Art im Allgemeinen eine niedrige Auflösung aufweist, können Sie auch mehrere Videobandarchivierungen auf einer Blue-ray speichern.

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