So nehmen Sie Ihre Briefmarken richtig unter die Lupe

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So nehmen Sie Ihre Briefmarken richtig unter die Lupe

Philatelie – die Grundlagen und Besonderheiten des Briefmarkensammelns

Briefmarkensammeln ist ein äußerst vielseitiges und interessantes Hobby. Für viele steht nicht die Sammlung als Wertgegenstand und Kapitalanlage im Vordergrund, sondern die Freude an einem speziellen Thema oder die intensive Beschäftigung mit den Marken und Sondermarken einer bestimmten Epoche. Oft bietet das Briefmarkensammeln den Einstieg für das Interesse an fremden Ländern und Kulturen oder für weiterführende Beschäftigungen mit Antiquitäten und Sammlungen aus aller Welt. Doch wie wird eine zukünftige Sammlung geplant und begonnen? Was ist beim Kauf von Marken zu beachten? Lesen Sie hier, wie Sie erfolgreich die erste Schritte in der Welt der Philatelie machen können, wie Sie Fälschungen erkennen können und wie Sie Ihre Briefmarken fachgerecht behandeln und katalogisieren.

Die Briefmarke – kleines Viereck mit großer Geschichte

Vor der Einführung der Briefmarke Mitte des 19. Jahrhunderts ist der Versand von Schriftstücken eine mühselige und oft kostspielige Sache, denn die Briefgebühr wird nach der Anzahl der Papierseiten sowie der zu überbrückenden Entfernung berechnet. Diese anfallende Gebühr wird dabei entweder vom Absender beglichen oder aber vom Empfänger. Diesem ist es zu dieser Zeit freigestellt, ob er den Brief annimmt oder nicht. Lässt er ihn zurückgehen, wird er als unfrei zurück an den Empfänger gebracht, der auf den Kosten sitzen bleibt. Alles in allem ist dieses System recht kostenintensiv und durch das Zählen der Briefbögen sowie der Entfernungsbestimmung mithilfe der damals sehr ungenauen Landkarten zudem zeitaufwendig. 1837 reformiert daher der Engländer Sir Rowland Hill das System der Post, indem er eine andere Gebührenordnung festlegt. So entrichtet von nun an stets der Absender die Portokosten und der Brief wird dem Empfänger immer zugestellt. Eine Ablehnung der Sendung ist jetzt nicht mehr möglich. Gleichzeitig vereinfacht Sir Roland Hill auch die Berechnungsgrundlage für die Briefgebühren. Es gibt nur noch einen einheitlichen Innlandstarif. Dieser berechnet sich nun nach dem Gewicht und wird nicht mehr durch die recht indiskrete Briefpapier-Zählerei ermittelt. Auch für Sendungen ins Ausland gibt es jetzt feste Preise je nach Bestimmungsort und Gewicht der Sendung. Um die Briefe gut sichtbar als 'bezahlt' markieren zu können, kommt die englische Post auf den Einfall, kleine viereckige Papierblättchen auf die Rückseite zu kleben – die erste Briefmarke ist geboren.

Dieses innovative System wird schnell von den übrigen Ländern übernommen und ist auch heute noch aktuell.

Philatelie – Interessengebiete in Sachen Post und Schriftverkehr

Sammler für Briefmarken gibt es schon, seit der Einführung der Postwertzeichen am 6. Mai 1840. Diese erste Marke ist die berühmte 'One Penny Black', ein schwarz bedrucktes Papierstückchen mit dem Bildnis der englischen Königin. Durch die schnelle Verbreitung des englischen Gebührensystems in andere Länder kommen bald viele verschiedene Briefmarken mit abwechslungsreichen Motiven auf den Markt. Die kleinen bunten Bildchen interessieren viele Sammler und bald ist ein schwunghafter Tauschhandel mit in- und ausländischen Briefmarken im Gange. Dieses Interessengebiet hat auch heute nichts von seiner Faszination verloren. Schon Kinder begeistern sich oft für Briefmarken und legen erste Sammelalben an. Als Erwachsene verfeinern sie dann ihre Sammlungen oder spezialisieren sich auf bestimmte Teilbereiche. Neben den Marken sind oft auch die Briefumschläge und Ansichtskarten selbst, für die sich die Sammler interessieren. Sie geben vielfach Aufschluss über Besonderheiten der jeweiligen Zeit, über Absender und Bestimmungsort sowie besondere Vermerke. Das macht diese alten Briefe und Postkarten zu wichtigen Zeitzeugen vergangener Epochen. Die Briefmarkenkunde wird auch als Philatelie bezeichnet und der Briefmarkensammler als Philatelist. Philatelie kommt aus dem Griechischen und bedeutet sinngemäß so viel wie „Freund der Gebührenfreiheit“ oder, in heutigem Sprachgebrauch, Liebhaber von Postwertzeichen.

Benötigte Werkzeuge und Zubehör für die Briefmarkensammlung

Zum Briefmarkensammeln benötigen Sie nur wenig Ausrüstung. Dazu gehört ein Einsteckbuch oder Album zur sicheren Aufbewahrung der Marken sowie Hilfsmittel wie Pinzette, Lupe und eine gute Lampe zur genauen Begutachtung der einzelnen Sammlerstücke. Fortgeschrittene Sammler und Profis benötigen außerdem einen elektronischen Wasserzeichen- und Zähnungssuche für die Prüfung von Echtheit und Unversehrtheit der Marken. Für die genaue Bestimmung der Briefmarken gibt es zudem zahlreiche Kataloge sowie Ratgeber und Sachbücher, an denen Sie sich orientieren können. Hilfreich für Anfänger sind auch spezielle Vordruckalben zu den einzelnen Sammelgebieten. Es fasst komplette Jahrgänge und Serien zusammen und bietet Ihnen einen guten Überblick über die vorhandenen und noch fehlenden Stücke eines Themas.

Das richtige Thema für Ihre Briefmarkensammlung finden

Haben Sie die nötigen Utensilien zusammen, können Sie mit dem Sammlungsaufbau beginnen. Welche Marken Sie sammeln möchten, bleibt dabei Ihnen überlassen. Allerdings sollte die Sammlung stets eine gewisse Ordnung aufweisen. Dabei können Sie sich entweder für die klassischen Sammlungen oder für Themen-Sammlungen entscheiden. Eine vollständige Briefmarkensammlung zu einem Thema beinhaltet die gängigen Postwertzeichen, Automatenmarken und Sondermarken ebenso wie Besonderheiten und fehlerhafte Exemplare dieser Serien. Wie schon erwähnt, können Sie die reine Briefmarkenkollektion auch durch Briefumschläge oder Postkarten mit den gesuchten Marken, die sogenannten Ganzsachen, ergänzen.

Die klassische Briefmarkensammlung – eine Epoche unter der Lupe

Eine Sammlung klassischer Marken beinhaltet Postwertzeichen eines bestimmten Zeitabschnitts, Jahrhunderts oder einer Epoche. So gibt es beispielsweise Markenkollektionen, die sich speziell mit dem Deutschen Kaiserreich beschäftigen oder mit dem Zweiten Weltkrieg. Klassische Marken bieten dem Sammler interessante Einblicke in die unterschiedlichen Drucktechniken und Schriftarten sowie die jeweiligen geschichtlichen Hintergründe des Zeitalters bis hin zur Landeskunde über Sitten und Gebräuche und die Heimatgeschichte der Herkunftsländer. Alte Briefmarken erzählen Geschichten und es macht vielen Sammlern Freude, darin zu lesen und die Details zu erforschen. Allerdings liegen gerade klassische Marken gerne im Fokus von Fälschern und Betrügern. Auch müssen Sie für eine komplette Sammlung mitunter viel Geld investieren, um auch die selteneren Stücke zu bekommen.

Die thematische Sammlung – individuelle Sortierungen mit Charme

Wer seine Sammlung nicht nach ganz so engen Vorgaben und Regelungen aufbauen möchte, kann sich einmal an einer thematischen Sammlung, auch Motiv-Sammlung genannt, versuchen. Hierbei können Sie sich das Thema Ihrer Kollektion selbst wählen. Sie können Marken mit Blumen sammeln, mit Päpsten oder Königen, Sondermarken zu Jubiläen oder besondere Urlaubsorte aber auch Comicfiguren, Tiere, oder berühmten Erfindern. Ihrer Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Dieser vereinfachte Sammlungsaufbau spricht auch Kinder an und kann schnell zu einem gemeinsamen Hobby für die ganze Familie werden.

Kaufen und tauschen – Briefmarken für die Sammlung entdecken

Um Ihre Sammlung rasch wachsen zu lassen, können Sie einerseits noch fehlende Marken kaufen oder auf Tauschbörsen mit anderen Philatelisten tauschen.

Der Erwerb von Briefmarken ist heute durch das Internet merklich einfacher als früher. Heute können Sie bequem online von zu Hause aus die Angebote der einzelnen Händler studieren. Bei eBay finden Sie ein detailliertes Angebot an Ländermarken, Motiven und Kiloware sowie eine gemischte Auswahl an interessanten Konvoluten.

Haben Sie einige Marken mehrfach zur Hand oder brauchen Sie einzelne Stücke nicht für Ihre Sammlung, können Sie diese in einem Tauschalbum aufheben und bei Bedarf anderen Liebhabern zum Tausch anbieten. Die Vereine der Briefmarkensammler organisieren dazu regelmäßig Tauschtage, an denen Philatelisten zusammenkommen, um ihre Erfahrungen und Sammlerstücke auszutauschen.

Achten Sie beim Kauf oder Tausch der Marken stets auf einwandfreie Qualität. Gerade die Exemplare der jüngeren Epochen sollten fehlerfrei und von einwandfreier Qualität sein. Nehmen Sie die jeweilige Marke dazu genau unter die Lupe. Wichtige Qualitätsmerkmale sind ein unverletztes Papier, eine vollständige Zähnung und, wenn vorhanden, dann gut lesbare, nicht verwischte Stempel. Ungestempelte, postfrische Briefmarken sollten frisch und sauber aussehen. Dazu gehört eine fehlerlose Gummierung und eine makellose Vorderseite ohne Flecken, Löcher oder Fingerabdrücke.

Hochwertige Briefmarken oder billige Fälschung?

Fälschungen treten häufig bei den wertvolleren Marken auf. Günstige Exemplare werden kaum gefälscht, da sich der Aufwand für den geringen Wert der Marken nicht rechnet. Daher ist besondere Vorsicht geboten, wenn eine teure Marke plötzlich weit unter ihrem Verkehrswert angeboten wird. Allerdings gibt es auch Briefmarken, die nur durch Besonderheiten wie fehlende oder vorhandene Stempelungen und Aufdrucke, falsche Zähnung usw. wertvoll werden. Hier lohnt es sich für die Fälscher, echte billige Marken nachzubehandeln und den Preis für teure Besonderheiten dafür zu verlangen. Gerade Einsteiger in dieses Hobby fällt es oft schwer, ein Original von einer Fälschung zu unterscheiden. Daher ist es ratsam, Schnäppchenangebote und Gelegenheitskäufe vor dem Kauf zuerst von einem Fachmann prüfen zu lassen.
Zu diesem Zweck stehen bundesweit Verbandsprüfer von Philatelistischen Prüfungsverbänden zur Verfügung. Diese Fachleute haben sich meist auf ein Sammelgebiet spezialisiert und verfügen über die nötige Sachkenntnis und Erfahrung, um Briefmarken und andere Frankatur sicher zu beurteilen. Zu diesen Prüfern können Briefmarken zur Echtheitsprüfung eingesandt werden. Der Fachmann untersucht die Marken und versieht sie je nach Zustand und Eigenart der Marke (gestempelt oder ungestempelt, mit Aufdruck, gezähnt etc.) mit einem winzigen Stempel auf der Rückseite. Damit die geprüfte Marke nicht im Nachhinein verändert werden kann, beispielsweise indem eine schadhafte Zähnung korrigiert wird oder eine Marke nachträglich eine Stempelung bekommt, befindet sich der Prüfstempel für jede Zustandsart an einer anderen Stelle auf der Markenrückseite.

Achten Sie beim Kauf und Tausch von Marken stets darauf, dass die Ware von einem seriösen Anbieter kommt.

Fazit:

Das Sammeln von Briefmarken und anderer Frankaturware ist zu Recht eines der beliebtesten Hobbys der Welt. Dank des Internets haben die Sammler heute die Möglichkeit, viele interessante Marken und Serien zu erwerben. Das macht es auch Anfängern leicht, in der Philatelie Fuß zu fassen. Dabei muss es nicht immer der Aufbau einer Sammlung mit klassischen Marken sein. Es gibt auch nach einem bestimmten Thema sortierte Alben, bei denen Sie ganz nach Ihren Vorlieben Briefmarken mit passenden Motiven sammeln können. Egal, welche Sammlungsart Sie bevorzugen, die Beschäftigungen mit den kleinen Vierecken birgt jede Menge interessante Hintergrundinformationen und wissenswerte Details für Groß und Klein.

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