So kultivieren Sie Kakteen & Sukkulenten erfolgreich

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Pflanzen für besondere Bodenverhältnisse: So kultivieren Sie Kakteen & Sukkulenten erfolgreich

Weder der klassische Westernstreifen noch Großmutters Fensterbank kommen ohne ihn aus – den Kaktus. Die stachelige Pflanze wächst beinahe ausschließlich auf dem nordamerikanischen Kontinent und erfreut sich dennoch vor allem in Europa einer anhaltenden Beliebtheit. Als winzige Zimmerpflanze im Bücherregal oder als imposanter Kübelkaktus im Wintergarten erfreuen sie jahrein, jahraus ihre Besitzer. Ganze Gesellschaften haben sich dem Phänomen „Kaktus" angenommen, veröffentlichen Zeitschriften und Magazine zur Pflege und geben Tipps, wie ein jeder sich seinen Lieblingskaktus ganz einfach selber ziehen kann. Einen grünen Daumen müssen Sie dafür zwar nicht haben, allerdings sollten Sie bei all den Dornen durchaus ein wenig Fingerspitzengefühl vorweisen können.

Kaktus oder Sukkulente? Der feine Unterschied

Die Botanik macht es den Hobbygärtnern und Pflanzenfreunden manchmal nicht leicht mit ihrer Kategorisierung und der Benennung der Pflanzenarten. Besonders viel Verwirrung herrscht immer dann vor, wenn von Kakteen oder Sukkulenten die Rede ist. Was hat Aloe vera mit Ihrem Kaktus zu tun? Und wieso steht auch der Gummibaum im Regal der Sukkulenten? Was ist denn nun was und wie unterscheidet man die eine Grünpflanze von der anderen? Im Grunde ist es ganz einfach. Aloe vera, Gummibaum und auch der Kaktus gehören alle zur Gattung der Sukkulenten und werden allgemein zur Gruppe der saftreichen Pflanzen gezählt. Obwohl sie sich äußerlich deutlich unterscheiden, haben sie alle eines gemeinsam – sie können in ihren Blättern oder Stämmen das Wasser sehr gut und über einen langen Zeitraum speichern. Es wäre demnach richtiger, wenn im Fachhandel, im Pflanzengeschäft oder auch in den Pflanzenratgebern von Kakteen und „anderen" Sukkulenten die Rede wäre.

Vom Kaktuskult zum Schutzobjekt

Schon lange war der pflegeleichte Kaktus überall in der Welt sehr beliebt. Bereits die alten Azteken widmeten der Pflanze unzählige Malereien auf Wänden und Gefäßen aus Ton. Als Zimmerpflanze erreichte der Kaktus seinen Höhepunkt im Laufe des 20. Jahrhunderts und erlangte dabei einen regelrechten Kultstatus. Kaktusbauern und Importeure konnten der größer werdenden Nachfrage nicht mehr nachkommen und so blieb es nicht aus, dass immer mehr wild wachsende Kakteen aus der Erde gerissen und verkauft wurden. Diese Raubzüge hatten eine Ausrottung dutzender Kakteenarten zur Folge. Im Washingtoner Artenschutzabkommen aus dem Jahre 1973 sollte dem Missstand ein Ende bereitet werden und der Kaktus kam auf die Liste der bedrohten Pflanzenarten. Obwohl in Mexiko das Zerstören oder Ausgraben einer Kaktuspflanze mit einer Gefängnisstrafe geahndet wird, sind noch immer zahlreiche Kakteenarten vom Aussterben bedroht. Allerdings hat die anhaltende Beliebtheit auch zur Folge, dass sich Forscher noch immer mit der begehrten Pflanze beschäftigen und jedes Jahr neue Arten entdeckt und veröffentlicht werden.

Anbau und Kultivierung der Kaktuspflanze

Echte Liebhaber ziehen sich ihre Kakteen selbstverständlich selbst.

Die Samen

Die Samen dafür gibt es heutzutage in großer Fülle bei den unterschiedlichsten Anbietern auf eBay. Wenn Sie es auf ganz spezielle Sorten abgesehen haben oder hohen Wert auf eine besonders ansprechende Qualität legen, dann lohnt sich der virtuelle Blick zu einem Kaktuszüchter. Vom Experten erhalten Sie in der Regel wesentlich hochwertigere Samen und häufig auch die besonders seltenen Exemplare. Die Tipps vom Profi gibt es gratis dazu.

Die Erde

Für die Anzucht von Kakteen hat sich vor allem der Einsatz von Aquariumerde bewährt. Mischen Sie diese mit Torf und füllen Sie das Gemisch in kleine Anzuchtgefäße mit Löchern im Boden. Darauf verteilen Sie nun gleichmäßig die einzelnen Samen. Alle Kakteen sind Lichtkeimer, sie gehören also nicht unter die Erde, sondern darauf. Drücken Sie die Samen nur leicht an. Die kleinen Töpfe oder Gefäße stellen Sie nun in ein größeres Gefäß, das Sie mit Wasser füllen. Dies hat den Zweck, dass sich die gut durchlässige Erdmischung vollständig mit dem Wasser vollsaugen kann und den kleinen Keimlingen ausreichend Flüssigkeit geboten wird. Zudem sind für eine erfolgreiche Keimung viel Wärme bei ca. 20 Grad und ausreichend Licht nötig.

Der Standort

Nach Möglichkeit sollten Sie die Töpfe mit einer Glasplatte abdecken. So wird es darunter angenehm warm und die Pflanzen bekommen noch genug Sonnenschein. Besonders praktisch ist auch die Verwendung eines Zimmergewächshauses. Ein Standort am Fenster ist dabei von Vorteil. Idealerweise haben Sie sich für Ihr Pflanzenprojekt die hellen Monate von April bis August ausgesucht.

Das Einpflanzen der Jungpflanzen

Je nach Sorte kann es nun zwischen fünf Tagen und einem Monat dauern, bis die ersten Keimlinge sichtbar sind. Haben die zarten Pflanzen dann eine Größe von ein paar Zentimetern erreicht, können Sie die Jungpflanzen pikieren und jede einzeln in einen Topf pflanzen. Von nun an sind selbst die kleinsten bereits wie große Kakteen zu behandeln.

Die Pflege

Kakteen und andere Sukkulenten sind vor allem deshalb so beliebt, weil sie so genügsam in der Pflege sind. In ihrer Winterruhe von September bis März benötigen sie nur alle paar Wochen ein paar Tropfen Wasser. Ab April können Sie die Winterschläfer langsam aufwecken und täglich ein paar Stunden direkt in die Sonne stellen. So gewöhnen sie sich an das neue Klima und machen sich bereit für ihre Blüte. Zu viel Hitze sollten sie dabei jedoch nicht abbekommen, da auch Kakteen einen Sonnenbrand erleiden können. Spätestens im Mai sollten sie sich an die hellen Strahlen gewöhnt haben und können nun ganz in ihr Sommerquartier umziehen. Jetzt wird es auch Zeit, ein wenig öfter zu gießen. Sobald die Erde trocken ist, reicht schon ein bisschen Wasser. Auch ein einfacher Pflegedünger schadet den Kakteen nicht.

Von Zeit zu Zeit ist es ratsam, dem Kaktus einen größeren Topf zu gewähren. Damit Sie beim Umtopfen nicht zu sehr von den Dornen bedrängt werden, können Sie ein paar einfache Vorsichtsmaßnahmen ergreifen. Idealerweise besitzen Sie dicke Leder- oder Pflanzenhandschuhe, die Ihre Hände vor den spitzen Dornen schützen. Sollen Sie diese gerade nicht parat haben, können Sie auch mehrere Lagen Zeitung dicht um den Kaktus wickeln und ihn so vorsichtig aus dem Topf heben. Bei sehr großen Pflanzen sollten Sie auf jeden Fall zu zweit vorgehen. Entfernen Sie möglichst viel der alten Erde vom Wurzelballen der Pflanze. Geben Sie dabei Acht, dass Sie die einzelnen Wurzelfasern nicht verletzen. Geben Sie in den größeren Topf nun ein wenig frische Pflanzenerde und setzen Sie den Kaktus darauf. Füllen Sie den Rest des Topfes mit neuer Erde auf und feuchten Sie den Kaktus leicht an. Damit sich die Pflanze in Ruhe an die neue Umgebung gewöhnen kann, gönnen Sie ihr ein schattiges Plätzchen. Nach ein bis zwei Tagen sollten Sie noch einmal gut gießen. Ihr Kaktus wird sich für diese Pflege bedanken.

Kleiner Stich, großer Schmerz – was ist zu tun beim Kaktusstich?

„Und wenn ein Bösewicht, was Ungezogenes spricht, dann hol ich meinen Kaktus und der sticht, sticht, sticht" – so treffend formuliert es bereits das Lied „Mein kleiner grüner Kaktus" und deutet damit schon die Gefahr bei der beliebten Zimmerpflanze an. Ob beim Staubwischen, beim Gießen oder bei einem unbedachten Handgriff einmal nicht richtig aufgepasst, schon stecken die kleinen oder auch großen Dornen in der Hand. Was auf den ersten Fall bedrohlich aussieht, ist in der Regel harmlos. Kakteen sind nicht giftig und richten auch bei vielen Stichverletzungen meist keine größeren Schäden an. Sind die Dornen der Pflanze abgebrochen, entfernen Sie diese vollständig aus der Haut. Bei besonders kleinen Dornen ist der Einsatz einer Pinzette nötig. Achten Sie bitte darauf, sämtliche Dornen zu entfernen. Auch wenn die Pflanze an sich nicht giftig ist, so sind die Dornen dennoch Fremdkörper in Ihrer Haut und müssen dementsprechend behandelt werden. Ihre Haut wird alles daransetzen, den Fremdkörper wieder loszuwerden. Um eitrige Stellen und Entzündungen zu vermeiden, entfernen Sie die Dornen lieber gleich manuell. Kühlen Sie, wenn nötig, die betroffenen Stellen und lindern Sie so den Schmerz. Einige Kakteenarten haben sehr lange und dicke Dornen, vergleichbar mit einem Zahnstocher. Wenn sich diese sehr tief zum Beispiel in Ihre Hand gebohrt haben, könnten unter Umständen wichtige Sehnen oder Blutgefäße verletzt worden sein. Wenn Sie auch nach dem Entfernen Ihre Hand nicht richtig bewegen können, sollten Sie umgehend einen Notarzt konsultieren.

So schön die stacheligen Gefährten vor allem in ihrer Blütephase auch sein können, gehen Sie sorgsam damit um. Platzieren Sie Kakteen immer so, dass sie nicht herunterfallen können und am besten auch außerhalb der Reichweite von neugierigen Kinderhänden. Auf einer Balkonbrüstung haben ungesicherte Kakteen – wie auch alle anderen Pflanzen – nichts zu suchen.

Anwendungsgebiete – der Kaktus als Allrounder

Schon seit Jahrtausenden ist der Menschheit der praktische Nutzen der Kakteenpflanzen bewusst. Naturvölker stellten aus den langen und stabilen Dornen Angelhaken her oder nutzten Sie als Nadeln bei der Herstellung von Kleidung. Südamerikaner lassen besonders große Kakteen in der Sonne austrocknen und verwenden das Holz später zum Bau von Häusern und Gerüsten. Die Wissenschaft der Moderne hat sich ausgiebig mit den einzelnen Pflanzen befasst und kann der breiten Öffentlichkeit verschiedene Einsatzmöglichkeiten präsentieren. So dient der Kaktus der berühmten Cochenille-Laus als Wirt, die in diesem idealen Umfeld wächst und gedeiht und schließlich den begehrten roten Farbstoff liefert, aus dem später teure Lippenstifte für Damen hergestellt werden. Eben dieser Farbstoff kommt auch bei der Produktion des Trendlikörs Campari zum Einsatz. Auch die Pharmaindustrie hat sich des Kaktus‘ angenommen und verwendet viele der Öle und Pflanzenbestandteile für wichtige Medikamente in der Humanmedizin.

Was vielen Liebhabern der Zimmerpflanze oft nicht bekannt ist, sind die kreativen kulinarischen Einsatzmöglichkeiten. So lassen sich aus einigen Kakteenarten ganz wunderbare Marmeladen gewinnen. Manche Kaktussorten sind zudem essbar und liefern leckere Früchte für die kalte und warme Küche.

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