So komplex sind Scheibentausch & -reparaturen heute

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So komplex sind Scheibentausch & -reparaturen heute

Wer ein Auto besitzt, kennt die Problematik: Ein zerstochener Reifen, Kratzer im Lack oder auch eine Beule in der Seitentür sind ein Ärgernis für viele Fahrer. Ein häufig auftretendes und dabei selbst nicht verschuldetes Problem ist ein Steinschlag. Besonders gefährlich in der Windschutzscheibe, kann man sich kaum davor schützen. Ist es passiert, ist der Gang in die Werkstatt unerlässlich. Doch auch in vielen anderen Fällen müssen Scheiben repariert oder ausgetauscht werden. Wie dies geht, was es zu beachten gilt und warum man das Autoglas wechseln muss, wird im folgenden Ratgeber beschrieben.

Wann genau ist ein Scheibentausch bei meinem Auto tatsächlich notwendig?

Eine kleine Scheibenreparatur ist zu verkraften. Wenn jedoch ein ganzes Glas komplett getauscht werden muss, kostet das Zeit, Geld und Nerven. Der Wechsel ist dann nötig, wenn eine einfache Reparatur nicht mehr ausreicht. Dies wären folgende Schäden:

  • Der Riss (oder mehrere Risse sind) ist länger als einen Zentimeter
  • Der Schaden befindet sich im direkten Fernsichtfeld des Fahrers
  • Das Glas ist durch einen Einbruch komplett zerstört
  • Die Elektronik wie die Fensterheber leiden unter dem Defekt
  • Die Sicherheit des Fahrers ist nicht mehr gewährleistet

Eine Scheibenreparatur reicht vollkommen aus, wenn die Schäden klein sind

Es muss nicht immer gleich ein kompletter Tausch sein. Viele Werkstätten werben damit, einen Steinschlag durch bestimmte Techniken in kurzer Zeit versiegeln zu können. Wichtig ist, dass der Schaden möglichst schnell beseitigt wird. Durch Erschütterungen oder Temperaturwechsel kann die ganze Scheibe binnen weniger Sekundenbruchteilen reißen und im schlimmsten Fall bersten. Durch eine Kasko-Versicherung ist dieses Ausbessern meistens kostenfrei, ganz ohne Selbstbeteiligung.

Auch

  •  nicht entfernbare Verschmutzungen
  • kleinere Rissen infolge von Unachtsamkeiten

und

  • verschlierte Scheiben

lassen sich durch minimale Reparaturen und Spezialmitteln ausbessern.

Ob man eine Scheibenreparatur selbst vornimmt, obliegt der eigenen Verantwortung. Voraussetzung ist, dass eine gute Sicht gewährleistet ist und man weder sich noch andere Straßenverkehrsteilnehmer beeinträchtigt. Zudem ist eine gerissene Scheibe unkomfortabel und gesetzlich nicht zulässig.

Scheibentausch oder –reparatur ist durch viel Technik in den Autos komplex

In den meisten Fällen ist die Windschutzscheibe betroffen, da sie das größte „Angriffsziel“ für Schädigungen jeglicher Art ist. Ihr folgen die Seitenscheiben, die Heckscheibe rangiert auf Rang drei.

Wenn ein Scheibentausch ansteht, sollte man sich vorab informieren, ob die ausgesuchte Werkstätte auch die passende Scheibe vorrätig hat. Meistens besitzen die Fachkräfte eine große Anzahl von Fenstern für jedes Fahrzeug. Oftmals wird damit geworben, dass eine nicht vorrätige Scheibe innerhalb von 24 Stunden geliefert werden kann. Dies betrifft auch seltene, ältere und ausgefallenere Modelle.

Der Austausch der Windschutzscheibe erfolgt so:

1. Die Motorhaube wird geöffnet, um an die Arme der Scheibenwischer zu gelangen. Diese werden mit Spezialwerkzeug und viel Fingerspitzengefühl abmontiert. Hierbei wird häufig sehr bewusst und vorsichtig vorgegangen, um die Wischer nicht zu beschädigen oder abzubrechen.

2. Alle Verkleidungsteile, die sich rund um die Windschutzscheibe befinden, werden ausgebaut. Auch die gesamte Zierleiste, die sich an dem Glas befindet, wird mit Bedacht abgezogen. Der Innenspiegel, in manchen Fällen mit einem Regen- und Lichtsensor ausgestattet, ist zu entfernen.

3. Um die defekte Scheibe auszubauen, wird mit einem sogenannten Schneidedraht gearbeitet. Dieser wird von innen nach außen an den Seiten der Scheibe durchgestochen. Man benötigt hierfür immer zwei Personen. Es ist viel Aufmerksamkeit bei dieser komplexen Arbeit geboten. Ein Reißen der Scheibe muss tunlichst verhindert werden. Eine Maschine kann diese reine Handarbeit nicht ersetzen.

4. Die alte Windschutzscheibe ist nun herausgenommen. Mit einem extra Werkzeug werden die eingetrockneten Klebereste abgeschnitten. Dabei darf weder die Karosserie noch die Abdichtungen verletzt werden.

5. Der nun leere Rahmen wird gründlich gereinigt. Dies erfolgt meist mit einem dafür vorgesehenen Produkt. Eine anschließende Entfettung sorgt dafür, dass die Scheibe optimal eingesetzt werden kann, nicht verrutscht und sicher hält. Deshalb ist dieser Schritt mit ebenso großer Sorgfalt auszuführen. Kratzer oder Roststellen im Lack werden sofort mit einem Stift ausgebessert. Rostschäden oder gefährliche Durchrostungen an der Karosserie können dadurch vermieden werden.

6. Auch die neue Scheibe wird vorbereitet. Sie wird an den Einsetzstellen gereinigt. Die ganze Fläche wird mit einem Glanzmittel überzogen. Wenn sie entfettet wurde, trägt man zuletzt einen Haftgrund auf. Dieser bietet optimalen Halt.

7. Mit ruhiger Hand muss nun der Rahmen der Windschutzscheibe am Auto mit dem Klebestoff bearbeitet werden. Experten weisen sich dadurch aus, dass sie nicht abrutschen oder es unschöne Verschmutzungen gibt.

8. Die vorbereitete Scheibe wird nun mit Saughebern eingesetzt.

Vorteile der „Roll-out-Technik“, seit 2004 ist dies die sauberste Methode für alle geklebten Fahrzeugscheiben:

  • Eine zweite Person wird nicht benötigt
  • Bis auf wenige Ausnahmen muss die Inneneinrichtung des Fahrzeugs nicht demontiert werden
  • Man braucht keine Lackausbesserung, das spart Zeit
  • Oft gibt es wenig Toleranz zwischen Scheibe und Karosserie. Dieses Hindernis wird durch die Technik erleichtert

Der Austausch eines Fensters im Auto kann hierbei in diese drei Schritte gefasst werden:

1. Die defekte Scheibe wird durch einen rollenden Draht aus der Fassung gehoben. Dieses Verfahren nennt man „Roll-out“ und wird sehr häufig angewandt. Sie soll besonders den Lack des Wagens schonen. Auch die Scheibe bleibt ganz. Das hat den Vorteil, dass Glassplitter nicht in den Innenraum fallen.

2. Ist die Scheibe entfernt, wird ein Hochleistungs-Klebstoff auf den Rahmen und die neu einzusetzende Scheibe angebracht. Ein Haftvermittler, der ebenso auf den Rahmen kommt, schafft eine sichere Verbindung mit dem Glas.

3. Die neue Scheibe wird nun auf den Rahmen gedrückt und in der richtigen Position fixiert. Der Klebstoff benötigt circa eine Stunde, um auszuhärten. Danach ist ein Verrutschen unmöglich.

Die Schritte 2 und 3 ähneln sich immer. Es werden häufig nur verschiedene Klebstoffe verwendet sowie hauseigene Reinigungsmittel.

Auch eine Scheibenreparatur ist lästig. Diese geht schneller als ein vollständiger Tausch, bei wenig Wartezeit ist sie in knapp einer Stunde erledigt.

So erfolgt eine Scheibenreparataur

1. Die Motorhaube wird mit einem Tuch abgedeckt. So kann eine Schädigung verhindert werden.

2. Die Eintrittsstelle wird sorgfältig gereinigt. Wenn Schmutz oder Glassplitter auf der Scheibe liegen bleiben würden, kann kein optimales Ergebnis gewährleistet werden.

Die Säuberung geschieht so, dass auf der Innenseite der Windschutzscheibe ein Spiegel montiert wird. Der Einschlag wird vorsichtig mit einer Nadel gereinigt.

3. Ein Werkzeughalter wird knapp neben der betroffenen Stelle befestigt. Dieser muss fest auf das Glas gedrückt und mit einigen Handgriffen festgedreht werden.

4. Nun wird ein Zylinder vorne in den Arm des Halters eingeschraubt. Man macht dies soweit, bis dessen Dichtung sich leicht an den Einschlagpunkt der Scheibe anlegt.

5. Nun wird Füllharz in den Zylinder, der oben offen ist, gegeben. Diese Flüssigkeit wird durch das Eindrehen eines zweiten Zylinders gegen die defekte Stelle gedrückt.

6. Die Luft, die im Schaden eingeschlossen ist, wird nun herausgenommen. Dies geschieht durch das Herausdrehen des zweiten Zylinders und das Anbringen einer Vakuumpumpe. Folgende Druck- und Unterdruckvorgänge werden so lange wiederholt, bis jegliche Luft aus der Eintrittsstelle entfernt worden ist. Gleichzeitig soll das komplette Harz auf dem Schaden liegen.

7. Nun wird das Werkzeug gelöst und die Stelle kontrolliert. Ist die Flüssigkeit gänzlich auf dem zu bearbeitendem Punkt und ist gleichsam die ganze Luft herausgenommen, kommt eine UV-Lampe zum Einsatz. Dieses Licht härtet das Harz aus.

8. Die Oberfläche der Eintrittstelle wird mit einem Finish Harz versiegelt. Man tupft eine kleine Menge davon auf den Schadensfleck, überklebt diesen mit einer Spezialfolie und lässt die Stelle erneut durch UV-Licht aushärten.

9. Überschüssiges Harz wird abgeschabt. Es erfolgt eine Aufpolierung der Fläche mit dem Finish Harz.

Möglichkeiten, seine Scheibe selbst wieder auf Vordermann zu bringen

Wer handwerklich geschickt ist, kann sich ein Kit besorgen und den Steinschlag selbst ausbessern. Dies spart den Gang zum Experten. Die benötigten Utensilien (die im Kit vorhanden sind) sind:

  • 1 ergiebige Flasche Reparatur-Harz (1 Gramm)
  • Zentriereinheit mit Saugnäpfen
  • Kunststoffstreifen
  • Klinge zum Glätten
  • Anleitung

Das müssen Sie tun

Hierbei wird die Stelle von Fett, Staub und Schmutz gereinigt. Die Zentrierhilfe wird auf den Schaden gesetzt und mit den Saugnäpfen festgemacht. Man gibt das Harz auf den Punkt, bis dieser vollständig bedeckt und aufgefüllt ist. Es benötigt nun etwas Zeit zum Aushärten. Damit es keine unschönen Verunreinigungen an der Scheibe gibt, werden die Kunststoffstreifen um den zu behandelnden Ort gelegt. Das überschüssige Füllmaterial wird mit der Klinge vorsichtig abgeschoben. Die Stelle wird nun noch mit einem sauberen Tuch und etwas Wasser gereinigt.

Wer sich jedoch nicht sicher ist und sich noch nicht mit den Gegebenheiten des Fahrzeugs auseinandergesetzt hat, kann vieles falsch machen oder beschädigen.

Komplexität nicht unterschätzen

Zudem sind die Autos heutzutage komplexer gebaut. Es herrscht mehr Technik vor. So können Schwierigkeiten auftreten, wenn man die Scheibe auf eigene Faust tauschen will. Es ist für einen Nicht-Fachmann mitunter nicht leicht, den Regen- und Lichtsensor am Innenspiegel wieder fachgerecht anzubringen. Auch der sehr diffizile Vorgang, wenn man die Scheibenwischer abnimmt, sollte nur mit großer Aufmerksamkeit unternommen werden.

Falls man kein Kit nimmt, sondern sich fachgerechtes Werkzeug zulegt, muss man sich viel anschaffen. So wird die Reparatur schnell zur Kosten- und Platzfrage. Man sollte bedenken, wann und ob die angeschafften Gegenstände noch einmal benötigt werden und welche Art der Schadensbeseitigung vorteilhafter ist.

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