So installieren Sie individuell Bühnenbeleuchtung und -beschallung mit Traverse-Systemen

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So installieren Sie individuell Bühnenbeleuchtung und -beschallung mit Traverse-Systemen

Traversen sind ein derart allgegenwärtiges Element von Bühnenaufbauten, dass sie oft übersehen werden. Schließlich liegt der Fokus des Publikums auf der Show. Die Künstler wollen ins rechte Licht gerückt werden und die Zuhörer erwarten einen guten Sound. Oft in atemberaubender Höhe sind dafür Scheinwerfer und Lautsprecherboxen angebracht.

Gründe für die Nutzung von Traversen

Spezielle Hochtöner-Systeme werden meist hängend positioniert. Allerdings heißen Sie nicht aus diesem Grunde Hochtöner. Sie übertragen die hochfrequenten Anteile des Audiosignals, und diese breiten sich am besten aus, wenn die Lautsprecher in Augenhöhe der Zuschauer oder darüber angebracht sind. Bühnenhöhen von mehr als 10 m sind keine Seltenheit. Dabei werden oft originelle Bühnenbilder mit anspruchsvoller Licht- und Tontechnik kombiniert. Häufig werden große Teile der Bühnenkonstruktion sofort nach der Veranstaltung abgebaut, verladen und zum nächsten Veranstaltungsort transportiert. Dort soll die Bühne in kürzester Zeit wieder aufgebaut werden.

Selbstverständlich gilt es, das Bühnenbild, die gesamte Beleuchtungstechnik und die Lautsprechersysteme wieder entsprechend allen Vorgaben aufzustellen und einzurichten. Dabei müssen sich die Techniker täglich mit neuen technischen und räumlichen Gegebenheiten auseinandersetzen. Oft stehen große Teile der Bühne wie senkrechte Pfeiler und die Überdachung bereits – das individuelle Bühnenbild soll sich nahtlos einfügen. Vorhandene, stationäre Technik soll sich ohne Probleme mit dem mobilen Bühnenbild verbinden lassen. Nicht selten müssen dabei wechselnde Bühnenbreiten überbrückt werden.

Sicherheit hat im Bühnenbau oberste Priorität. Ein herabfallender Scheinwerfer oder ein kippender Pfeiler wären lebensgefährliche Unfallquellen. Aus all diesen Anforderungen ergeben sich höchste Ansprüche an ein modulares System für Bühnenaufbauten. Diese müssen flexibel, kombinierbar, leicht zu transportieren, dabei aber äußerst stabil und belastbar sein. Moderne Traverse-Systeme erfüllen diese Ansprüche. Nicht nur auf großen Konzertbühnen, auch im Messebau, in der Werbung, im Theater oder in der Disco prägen sie das Bild. Durch Traversen in verschiedenen Längen und die kraftschlüssige Verbindung untereinander können dabei variable Bühnengrößen vom kleinen Messestand mit niedriger Raumhöhe bis zur Riesenbühne im Stadion bedient werden. Ein internationaler Standard garantiert die Kombinierbarkeit von stationären und mobilen Elementen. Ein ganzes System von Vorkehrungen und Prüfmaßnahmen sorgt dabei für einen erstaunlich hohen Grad an Sicherheit.

Bauformen von Traversen

Traversen, auch als Truss bezeichnet, sind Fachwerkträger. Rohre aus Aluminium oder (seltener) aus Stahl werden durch winklig angeschweißte Streben miteinander verbunden, die sich zu statisch besonders stabilen Dreiecken ergänzen. Die Standardlängen sind 0,5 m bis 4 m. Je nach Verwendungszweck und Belastung sind die Hauptrohre 35 mm bis 50 mm dick, ihre Wandstärke beträgt 1 mm bis 2 mm. Entsprechend variiert auch die Stärke der Streben, der sogenannten Braces. Ihr Durchmesser beträgt 10 mm bis 20 mm. Meist ist die Aluminiumoberfläche unbehandelt. Einige Hersteller liefern jedoch auch Traversen, die pulverbeschichtet oder auf Hochglanz poliert sind.

Ein-Punkt-Traversen

Die einfachste Form der Traverse ist ein schlichtes Rohr. Ihre Enden weisen jedoch die standardisierten Anschlüsse auf, die es ermöglichen, Ein-Punkt-Traversen untereinander oder mit Mehrpunkt-Modulen zu montieren. Eine preisgünstige Möglichkeit ist es, Ein-Punkt-Traversen vom Meter zu kaufen und selbst mit den als Zubehör erhältlichen Anschlüssen zu versehen. Zu diesem Zweck können Sie Traverse-Rohre zum Laufmeterpreis erwerben. Achten Sie hierbei besonders auf die Sicherheit: Schweißarbeiten mit Aluminium erfordern besonderes Gerät und Spezialkenntnisse. Für den Einsatz bei öffentlichen Veranstaltungen besteht eine TÜV-Abnahmepflicht für Traversen.

Zwei-Punkt-Traversen

Zwei-Punkt-Traversen bestehen aus zwei Hauptrohren, die durch Braces miteinander verbunden sind. Sie werden meist im Messebau oder bei kleineren Veranstaltungen eingesetzt. Sie werden hauptsächlich als horizontale Träger verwendet, wobei die beiden Hauptrohre sich genau übereinander befinden müssen. Bei sachgerechter Montage können sie größere Lasten tragen. Allerdings ist ihr Widerstand gegen Verwindungskräfte begrenzt. Deshalb sollte vermieden werden, Zwei-Punkt-Traversen für die Überbrückung größerer Bühnenbreiten zu verwenden. Angebrachte Lasten wie Scheinwerfer, Beamer u. Ä. sollten die Traverse exakt nach unten belasten und durch ihre Anbringung keine Verwindungskräfte ausüben. Sogenannte Deko-Traversen können im Innenausbau von Ladengeschäften Verwendung finden. Hier werden sie meist als Träger für Beleuchtungssysteme verwendet. Das besondere, industriell und konstruktiv anmutende Flair, welches Traversensysteme ausstrahlen, wird oft als eigenständiges Dekorationselement benutzt. Es vermittelt Frische und Innovation und richtet sich daher besonders an jüngere Zielgruppen.

Drei-Punkt-Traversen

Der Querschnitt von Drei-Punkt-Traversen ist ein gleichseitiges Dreieck, dessen Ecken durch die Längsrohre der Traverse gebildet werden. An den Außenseiten sind diese wiederum durch Streben verbunden, die ihrerseits Dreiecke bilden. Diese Bauform ist verwindungssteif und kann große Lasten bei gleichzeitig geringem Eigengewicht tragen. Drei-Punkt Traversen können sowohl als senkrechte Pfeiler wie auch als horizontale Träger montiert werden. Durch ihre gute Eigenstabilität sind Längen von 4 m und mehr ohne Weiteres möglich. Der dreieckige Querschnitt bietet dabei vielfältige Anschlagmöglichkeiten für Scheinwerfer, Lautsprecherboxen und mehr. Elektrische Leitungen können problemlos im Innern der Traverse verlegt werden.

Vier-Punkt-Traversen

Bei dieser Bauform bilden vier Längsrohre das „Rückgrat" der Traverse. Der Querschnitt präsentiert sich in diesem Fall als ein Quadrat mit einer Seitenlänge von 29 cm. Auch hier sorgen verschweißte Braces an den vier Außenseiten für Stabilität. Vier-Punkt-Traversen werden als Pfeiler und ebenso als waagerechte Träger verwendet. Ihre Tragfähigkeit ist – abhängig von der zu überbrückenden Distanz – so groß, dass sie begehbar sind. So können Techniker nach der Montage die Traverse mit den nötigen Aufbauten bestücken. Für diese Arbeit muss der Techniker durch einen Gurt gesichert sein und eine sogenannte Anschlagberechtigung besitzen. Diese Berechtigung kann nur durch eine spezielle Zusatzausbildung erworben werden. Die nötigen Kenntnisse von Statik und Sicherungsmaßnahmen werden in einer Prüfung nachgewiesen und anschließend zertifiziert. Vier-Punkt-Traversen sind der professionelle Standard für Großveranstaltungen.

Senkrechte Montage als Pfeiler

Traversen, die als tragende, senkrechte Pfeiler eingesetzt werden, müssen mindestens über drei Längsrohre verfügen, die sie widerstandsfähig gegen Biege- und Verwindungskräfte machen. Beim Aufbau ist unbedingt auf eine seitliche Absicherung zu achten, damit die Konstruktion nicht kippen kann. Diese Absicherung kann wiederum mit Ein- oder Zwei-Punkt-Traversen realisiert werden. Eine angeschraubte Bodenplatte, die als Zubehör erhältlich ist, sorgt für sicheren Stand. Stufenlos verstellbare Ausgleichsmodule sorgen dabei für eine exakt gleiche Höhe der Pfeiler bei unebenem Untergrund. Der sogenannte Ground Support bildet in vielen Fällen die Basis für die gesamte Bühnenkonstruktion.

Waagerechte Montage als Träger

Für die Anbringung von Scheinwerfern wird meist ein horizontaler Träger verwendet. Elektronisch gesteuerte Scheinwerfer, sogenannte Moving Heads, ersparen dabei dem Techniker das manuelle Ausrichten der Lichtquelle und das Wechseln von Farbfiltern. Scheinwerfer, aber auch andere Bühnenelemente wie Lautsprecherboxen, Projektoren usw. werden dabei mit Schellen fest an der Traverse verschraubt. Jedes angebrachte Teil muss außerdem mit einem Fangseil, dem sogenannten Safety, gegen das Herabfallen gesichert werden. Für das waagerechte Anbringen der eigentlichen Traverse bestehen drei Grundmöglichkeiten.

Mit klappbaren Stativen können kleinere Bühnen mit relativ leichten Träger-Traversen schnell und unkompliziert bestückt werden. Mit einer Kurbel wird die die Höhe exakt eingestellt. Für größere Lasten und Distanzen ist eine Montage an senkrechten Pfeiler-Traversen angebracht. Zu diesem Zweck gibt es alle denkbaren Module wie z. B. T-Stücke, die eine stabile Montage in jeder benötigten Höhe und über jede Distanz ermöglichen. In Theatern, die über einen Schnürboden verfügen, werden diese genutzt, um Traversen horizontal hängend anzubringen. Die gesamte Traverse hängt an Tragschlaufen, deren zulässige Belastung von 1.000 kg bis 4.000 kg reicht. Ein Schnürboden bietet eine sehr bequeme Möglichkeit der Montage, da die Traverse für das Anbringen der Scheinwerfer auf Arbeitshöhe herabgelassen werden kann.

Zubehör für Traverse-Systeme

Traverse-Teile werden kraftschlüssig miteinander verbunden. Das verbreitetste System für diesen Zweck sind konische Kupplungen, die in das Längsrohr eingeschoben werden. Weitere Möglichkeiten sind das Quick-Lock-System oder eine Verschraubung über eine Zwischenplatte, die sich jeweils am Ende der Traverse befindet. Knickelemente, Schäkel, Safety-Seile, Schlinggurte und Schellen bieten Stabilität beim Bestücken der Traverse. All diese Elemente sind TÜV-geprüft und vereinen die nötige Sicherheit mit einer sehr einfachen Handhabung. Dieses Zubehör wird auch bei eBay angeboten und kann sowohl einzeln als auch im Satz gekauft werden.

Sonder- und Zwischenteile für Traversen

Zwei-Wege- bzw. Drei-Wege-Eckteile in verschiedenen Winkeln machen ausgefallene Konstruktionen möglich. Diese Module sind auch mit abgerundeten Ecken erhältlich und passen sich damit perfekt dem Design des Bühnenkonzeptes an. Eine verbreitete Sonderform der Traverse ist der Kreisbogen. In verschiedenen Radien erhältlich, können damit Kreisausschnitte, Halb- oder Vollkreise gebaut werden, die als optisches Element und gleichzeitig als Trägertraverse dienen. Wichtige konstruktive Möglichkeiten werden durch rechtwinklige T-Stücke erreicht. So sind Abzweigungen von der Senkrechten in die Waagerechte möglich.

Traversen-Komplettsysteme

Sowohl Leichtbau- als auch Standardtraversen werden als Komplettsets angeboten. Die Sets bestehen meist aus zwei Kurbelstativen und einer waagerechten Traverse. Das Stativ trägt einen Adapter, der im Lieferumfang enthalten ist. In diesen Adapter werden dann die waagerechten Träger eingehängt. Durch Kombination mehrerer Stative und Traversen können so bereits umfangreiche Tragesysteme realisiert werden. Der Vorteil von Komplettsystemen ist der etwas günstigere Preis sowie die Mobilität. Leichtbau-Traversen lassen sich mit einem PKW transportieren und sind damit auch für Discjockeys eine interessante Lösung.

Leichtbausysteme haben einen etwas geringeren Querschnitt gegenüber Standard-Traversen. Sie dürfen niemals mit diesen kombiniert werden. Ebenfalls in der Leichtbau-Version zu haben sind komplette Messestände, die einen Würfel aus Drei- oder Vierpunkt-Traversen darstellen und optimale Trägermöglichkeiten für Beleuchtungselemente bieten. Die Seiten des Würfels sind ca. 3 m lang und können bei Bedarf bespannt werden. So bieten Traversen für diesen Zweck eine ideale Kombination aus raumbildendem, dekorativem und konstruktivem Element. Die Aufbauzeit beträgt mit etwas Übung weniger als eine Stunde und der Transport kann mit einem Kleinbus bewerkstelligt werden.

Traverse-Systeme bieten Ihnen Raum für Kreativität und lassen Sie und Ihr Projekt im besten Licht erscheinen.

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