So gelingt Ihnen die Aufnahme mit der TLR-Kamera

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So gelingt Ihnen die Aufnahme mit der TLR-Kamera

Viele TLR-Kameras und das passende Zubehör sind noch in einem so guten Zustand, dass sie zum Fotografieren genutzt werden können. Mit der Rolleiflex FX-N wird die Geschichte dieses Kameratyps sogar noch weitergeschrieben. Die praktische fotografische Arbeit mit der zweiäugigen Spiegelreflexkamera unterscheidet sich allerdings in einigen Punkten von der Fotografie mit Sucher-, SLR- und auch Digitalkameras. Dies soll hier verdeutlicht werden.

Was ist eine TLR-Kamera?

Die TLR-Kamera ist eine Analogkamera die meist im Format 6x6 auf Rollfilm aufnimmt und ihre Blütezeit in der Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts hatte. TLR steht für den englischen Begriff Twin-Lens-Reflex und beschreibt ein Kamerasystem mit zwei Objektiven und einem Mattscheibensucher, der über einen Spiegel die Bildkontrolle durch das zweite Objektiv ermöglicht. Diese Konstruktion, die Rollei mit der Rolleiflex in den 1930er-Jahren populär machte, mag aus heutiger Sicht skurril erscheinen, war ihrerzeit aber ein echter Fortschritt. Die TLR-Kamera erlaubt, wie eine Plattenkamera, die Bildkontrolle mit einer Mattscheibe, lässt sich aber auch ohne Stativ einsetzen und eignet sich wesentlich besser für die Fotografie bewegter Motive.

Wie funktioniert eine TLR-Kamera?

Durch die Verwendung eines zweiten Objektivs für den Sucher muss die Mattscheibe bei der TLR-Kamera für die Aufnahme nicht entfernt und durch die Fotoplatte oder Filmkassette ersetzt werden, wie das bei der Plattenkamera der Fall ist. Mit der zweiäugigen Spiegelreflexkamera war der Fotograf daher wesentlich schneller schussbereit, ohne auf die Möglichkeit einer genauen Bildkontrolle verzichten zu müssen, wie bei einer Sucherkamera oder bei der Verwendung eines Sportsuchers an der Plattenkamera.

Der einfache Sucher einer Sucherkamera lässt nur den Bildausschnitt erkennen, den die Kamera aufnimmt. Bei einer Messsucherkamera ist auch noch eine Entfernungseinstellung über einen Schnittbild- oder Mischbildentfernungsmesser möglich, der in den Sucher eingeblendet wird. Dies ist aber nur ein Teil der Informationen, die eine Mattscheibe für die Bildkontrolle liefert.

Auf einer Mattscheibe lässt sich die Schärfenverteilung im gesamten Bild mit einem Blick erfassen, und auch die Schärfentiefe, wenn die Blende bei der Betrachtung des Sucherbildes die gleiche wie bei der Aufnahme ist. Auf Mattscheiben angebrachte Gitterlinien erlauben es, horizontale und vertikale Linien im Motiv auszurichten. Ein Schnittbildentfernungsmesser lässt sich ebenfalls leicht in eine Mattscheibe integrieren.

Der Sinn der Spiegelreflexkonstruktion mit zwei Objektiven

Trotzdem kann man sich fragen, wozu eine zweiäugige Spiegelreflexkamera überhaupt einen Spiegel braucht. Schließlich ließe sich das Sucherbild ja auch ohne Umlenkung betrachten. Hierfür gibt es zwei entscheidende Gründe. Erstens müsste die Kamera ohne Spiegel erheblich größer sein. Film und Mattscheibe kämen dann nebeneinander zu liegen, das Bild, das die meisten TLR-Kameras aufnehmen, hat schließlich eine Größe von 6x6 Zentimetern. Ohne Spiegel hätten auch die beiden Objektive nicht so nah beieinander angeordnet werden können und die Sucherparallaxe wäre ein größeres Problem. Für den Spiegel spricht aber noch ein zweiter, sehr praktischer Grund.

Der Spiegel in der TLR-Kamera erleichtert das Anvisieren

Ein Bild, das von einer Linse oder einem Objektiv auf eine Mattscheibe projiziert wird, ist seitenverkehrt und steht auf dem Kopf. Durch den Spiegel in der TLR wird das Sucherbild zumindest aufgerichtet. Es ist zwar noch seitenverkehrt, aber die waagerechte Ausrichtung der Kamera lässt sich, dank Spiegel, erheblich leichter kontrollieren. Wer eine "neuere" Rolleiflex aus den 1940er-Jahren oder später zur Hand hat, kann dies mit einem einfachen Versuch überprüfen.

Eine zweiäugige Spiegelreflex wie die Rolleiflex oder eine ihrer Nachbauten, beispielsweise von Yashica oder Zeiss Ikon, besitzt in der Regel nicht nur einen einzigen Sucher. Die in den 1940er- bis 1960er-Jahren bei Fotografen besonders beliebte Rolleiflex besitzt sogar vier eingebaute Möglichkeiten zum Anvisieren des Motivs. Nach dem Aufklappen des Sucherdeckels an der Oberseite der Kamera lässt sich zunächst eine Lupe ausklappen, die eine genauere Kontrolle des Sucherbildes auf der Mattscheibe erlaubt. Hierfür ist ein kleiner, verchromter Haken am oberen Rand der Vorderseite des Sucherschachts nach oben zu ziehen. Ist der Spiegel ausgeklappt, dann lässt sich der mittlere Teil des Sucherdeckels, der jetzt den vorderen Rand des Sucherschachts bildet, nach innen klappen bis er einrastet.

Zwei Sucher zusätzlich

Nun sind an der Rückseite der Kamera zwei weitere Sucher aktiv: Unten ein Okular, in dem die Mattscheibe sichtbar ist, und darüber ein rechteckiges Loch, das zusammen mit der vorne entstandenen Öffnung einen Sportsucher bildet. Der Sportsucher lässt nur den Bildausschnitt erkennen, allerdings aufrecht und seitenrichtig, da ja keine Linsen im Weg sind. Im Okular erscheint das Sucherbild dagegen so, wie es ohne jeden Spiegel aussehen würde, auf dem Kopf und seitenverkehrt. Hier lässt sich nun einfach ausprobieren, wie sehr das Aufrichten des Bildes im Hauptsucher die Handhabung der Kamera erleichtert.

Der horizontale Sucher der TLR-Kamera wird am besten zusammen mit dem Sportsucher eingesetzt. Sie liegen nicht nur aus Platzgründen so dicht beieinander. Der Blick durch das Okular ermöglicht die Scharfstellung des Bildes, und danach kann mit dem Sportsucher der Ausschnitt bestimmt werden, ohne die Probleme einer seitenverkehrten Darstellung.

Wer trotzdem den Umgang mit dem horizontalen Sucher der Zweiäugigen üben möchte, nimmt sich am besten ein Stativ zu Hilfe. So lassen sich die Kamerabewegungen besser kontrollieren, während der Effekt im Sucher beobachtet werden kann.

Mit der TLR-Kamera zum Sport

Sportereignisse sind zwar meist sehr dynamisch, trotzdem lässt sich bei Sportaufnahmen oft bereits vorher erkennen, an welchem Ort interessante Situationen entstehen. Hier kann der Fotograf mit der TLR sogar schneller sein als jeder Autofokus. Er hat die Kamera bereits eingestellt, bevor die Aufnahmesituation entsteht. Bei Aufnahmen, bei denen es auf die Hundertstelsekunde ankommt, ist die TLR außerdem dadurch im Vorteil, dass sie den Spiegel für die Aufnahme nicht wegklappen muss. Dies macht sich besonders bei der Fotografie von Sportarten mit rhythmischen Bewegungen bemerkbar, wie zum Beispiel beim Tanzen oder Reiten.

Aber auch der Zentralverschluss der zweiäugigen Spiegelreflex hat seine Vorteile. Er ist mit einer 1/500 Sekunde als kürzester Belichtungszeit vielleicht nicht besonders schnell, dafür belichtet er das ganze Bild auf einmal und nicht streifenweise wie der Schlitzverschluss bei kurzen Belichtungszeiten.

Wer mit der TLR-Kamera zum Sport geht, hat allerdings eins zu bedenken. Auf einen normalen 120er-Rollfilm belichtet die TLR gerade einmal zwölf Bilder. Auf den 200er passen 24. Das ist nicht viel, besonders wenn man gewohnt ist, mit der DSLR Serienaufnahmen zu schießen, die zu Hunderten auf eine kleine Speicherkarte passen.

Den Umgang mit der zweiäugigen Spiegelreflexkamera lernen

Wer noch nie mit einer TLR oder überhaupt mit Rollfilm fotografiert hat, macht vor der ersten Fotosafari am besten erst ein paar Trockenübungen in einem stillen Kämmerlein. Wenn bei Tageslicht der Film gewechselt werden muss, dann sollten die Handgriffe bereits sitzen.

Für die ersten Gehversuche mit der Rolleiflex oder einer vergleichbaren Kamera eignet sich am besten ein alter Film. Das Spannen des Verschlusses und das Auslösen der Kamera sind zwar auch ohne Film möglich, allerdings funktioniert das Bildzählwerk der Rolleiflex erst, wenn ein Film eingelegt ist. Ohne Film lässt sich daher kein wirkliches Gefühl für die Handhabung der TLR-Kamera entwickeln.

Die Belichtungssteuerung der TLR-Kamera

Die meisten TLR-Kameras wurden zu Zeiten gebaut, als noch hauptsächlich mit Schwarzweißfilm fotografiert wurde. Die Prozesse der Schwarzweißfotografie bieten erheblich mehr Spielraum, um Belichtungsfehler bei der Aufnahme auszugleichen. Belichtungsmesser waren daher nicht unbedingt notwendig und auch eher die Ausnahme. Die erste Rolleiflex mit eingebautem Belichtungsmesser kam beispielsweise erst Mitte der 1950er-Jahre auf den Markt. Wie die älteren Modelle hatte auch diese TLR-Kamera noch eine Tabelle auf der Rückseite, auf der die Belichtungswerte für verschiedene Situationen ablesbar waren.

Bei den ersten Modellen der Rolleiflex waren Blende und Zeit, wie bei anderen alten Kameras getrennt an einem Ring um das Aufnahmeobjektiv einzustellen. Später führte Rollei eine gekoppelte Blenden- und Zeitsteuerung ein, deren kleine Einstellräder rechts und links neben den Objektive zu dem charakteristischen Aussehen der Kameras beitragen. Auf das Rad, mit dem die Belichtungszeit eingestellt wird, sind Lichtwerte aufgedruckt, die auf einem Belichtungsmesser abgelesen werden können. Der Zeiger in der Mitte des Rades ist mit der Blendeneinstellung gekoppelt. Für die Einstellung der Belichtung wird zuerst das Zeitrad festgehalten und das Blendenrad so gedreht, dass der Zeiger auf den am Belichtungsmesser abgelesenen Lichtwert zeigt. Bei einer Veränderung der Belichtungszeit dreht sich nun auch die Blendeneinstellung mit. Dadurch lässt sich die Blende für die Aufnahme anpassen, ohne dass die Belichtung geändert wird.

Fazit

TLR-Kameras lassen sich auch heute noch hervorragend für die analoge Fotografie einsetzen. Die vergleichsweise kompakten und leichten Mittelformatkameras sind sehr praktisch konstruiert und durch ihre Größe und Einfachheit sehr robust.

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