Smart Home für Einsteiger: So machen Sie Ihr Haus Schritt für Schritt zum cleveren Helfer

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Die Haustür öffnet sich von allein, sobald der Hausherr davorsteht. Der Rasen sprengt sich selbst, wenn das Gras trocken wird. Das Licht schaltet sich abends automatisch ab und das Haus schlägt Alarm, sobald die Badewanne überläuft. Willkommen im Smart Home! Was wie teure, aufwendige Technik klingt, lässt sich heute in wenigen Schritten in jedes Haus integrieren – bereits für wenig Geld. Smart-Home-Experte Chris Bertko erklärt, wie Sie Ihr Haus selbst intelligenter machen, für wen sich welches System lohnt und was ein smartes Haus wirklich kostet.
Ein Golfschläger? Nein, so sieht die moderne Gartenhilfe aus. (© www.siio.de)
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Ein Golfschläger? Nein, so sieht die moderne Gartenhilfe aus. (© www.siio.de)

Herr Bertko, wozu brauche ich eigentlich ein Smart Home? Werde ich da nicht ständig überwacht und von einem Computer kontrolliert?

Nein. Smart Home hat nichts mit angsteinflößender, permanenter Computerüberwachung zu tun. Inwieweit ich Kameras usw. anbringe, kann ich ja selbst steuern. Ein Smart Home ist vielmehr eine erhebliche Erleichterung, die unser Leben schöner und angenehmer macht. Es kann unseren stressigen Alltag in vielen Punkten vereinfachen, Sicherheit und Komfort schaffen sowie einigen, vor allem älteren Menschen, helfen, Hürden im Alltag zu überwinden.

Und wie funktioniert das?

Das System erfasst mithilfe von Sensoren Daten wie zum Beispiel die Raumtemperatur, den Status von Fenster und Türen, Energieverbrauch von Geräten, Bewegung, usw. erkennen. Durch zuvor definierte Automatisierungen kann das Zuhause so auf bestimmte Dinge reagieren und Aktionen auslösen, wie zum Beispiel die Heizung ausmachen, wenn wir die Wohnung verlassen oder die Fenster offenstehen. Mithilfe von sogenannten Szenen können Dinge vollautomatisch ablaufen. So kann zum Beispiel jeden Morgen pünktlich zum Aufstehen automatisch das Licht angehen, die Jalousien hochfahren und die Kaffeemaschine eingeschalten werden.
Das smarte Heizthermostat wärmt so, wie sie es brauchen und spart Heizkosten. (© Danfoss)
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Das smarte Heizthermostat wärmt so, wie sie es brauchen und spart Heizkosten. (© Danfoss)

Das Haus merkt sich also auch unsere Gewohnheiten. Erfolgt das alles automatisiert?

Viele glauben, ein Smart Home bedeute, alles via App steuern zu müssen. Im Wesentlichen soll es im Smart Home aber darum gehen, verschiedene Dinge unseres Alltags automatisch ablaufen zu lassen, um mehr Komfort und Sicherheit zu gewährleisten. Dies kann zum Beispiel das bereits erwähnte Heizungsthermostat sein, das früh am Morgen automatisch das Bad auf Wohlfühltemperatur hochheizt. Empfehlenswert sind hier die Modelle von tado, netatmo oder eCozy. Für Z-Wave Smart-Home-Systeme ist Danfoss LC13 optimal. Auch der Rauchmelder schafft mehr Sicherheit, wenn er im Smart Home mit anderen Geräten vernetzt ist. Dann schlägt er nicht mehr nur Alarm, sondern öffnet gleichzeitig Türen und schaltet das Licht ein. So werden sichere Fluchtwege geschaffen.
Der Rasen mäht sich dank intelligentem System ganz von allein. (© www.siio.de)
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Der Rasen mäht sich dank intelligentem System ganz von allein. (© www.siio.de)

Smart Home muss auch nicht in den eigenen vier Wänden aufhören – auch Smart Garden ist ein spannendes Thema. Wenn der Rasenmähroboter einem das Mähen abnimmt und weiß, wann er zurück zur Dockingstation fahren muss, weil die Gartenbewässerung in Kürze startet. Oder der Pflanzensensor von Koubachi erklärt, der Boden sei zu trocken, und dem Bewässerungssystem signalisiert, loszulegen. Man sieht: Die Möglichkeiten sind enorm – die Grenze ist meist nur die eigene Fantasie!
Was aussieht wie ein Golfschläger, ist der Koubachi Pflanzensensor, der die Bodenfeuchtigkeit misst. (© www.siio.de)
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Was aussieht wie ein Golfschläger, ist der Koubachi Pflanzensensor, der die Bodenfeuchtigkeit misst. (© www.siio.de)

Ein Haus mit smarter Technik auszurüsten, klingt ziemlich aufwendig. Sind dafür irgendwelche Umbaumaßnahmen nötig?

Bislang hat man Smart Home meist mit der Kabel- und Bustechnik KNX assoziiert. Diese Möglichkeit bietet sich aber nur im Neubau oder bei Kernsanierungen und liegt preislich in der Königsklasse. Dank heutiger Funktechnologien ist das Smart Home inzwischen nachrüstbar. Aufgrund der steigenden Anzahl an Anbieter im Markt sinken im Wettbewerbsdruck auch die Preise.
Die Netatmo Kamera ist mit dem Smartphone verbunden und erkennt, wer gerade das Haus betritt. (© Netatmo)
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Die Netatmo Kamera ist mit dem Smartphone verbunden und erkennt, wer gerade das Haus betritt. (© Netatmo)

Welche smarten Gadgets und Geräte empfehlen Sie, wenn ich gerade in das Thema einsteigen will? Und wie teuer sind sie?

In diesem Punkt muss man unterscheiden zwischen „Appcessories“ und „Smart home Systemen / Geräten“. Appcessories wie die Philips Hue, netatmo Wetterstation, netatmo Welcome Kamera oder das eCozy Heizungsthermostat sind Einzellösung, die zusammen mit dem Smartphone funktionieren. In das heimische WLAN integriert oder direkt via Bluetooth mit dem Smartphone gekoppelt, lassen sie sich steuern. Für den ersten Einstieg ins Smart Home sind diese Geräte sinnvoll. Sie geben einen ersten Eindruck davon, was möglich ist. Und sie sind erschwinglich. Viele der Geräte lassen sich später zudem in eine Smart-Home-Zentrale einbinden.
Möchte man sich dem Thema Hausautomatisierung allerdings ernsthafter widmen, so benötigt man zuerst ein Smart Home Gateway – eine Zentrale. Mit dieser werden die Sensoren und smarten Geräte per Funk verbunden. Auch die Automatisierungsfunktionen werden auf der Zentrale hinterlegt. Dies erfolgt wie bei Ihrem Router über ein Webfrontend. Die Zentrale ist quasi das Gehirn Ihres Smart Homes. Komponenten, also Tür-Fensterkontakte, Schaltsteckdosen, Bewegungsmelder und Co., kosten zwischen 30 und 60 Euro pro Stück. Smart-Home-Zentralen beginnen ab 90 Euro aufwärts und können je nach Funktionen und Ausstattung bis zu 600 Euro und mehr kosten.
Das Tablet wird zur Schaltzentrale umfunktioniert. Bei siio.de erfahrt Ihr, wie der Wandeinbau funktioniert. (© siio.de)
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Das Tablet wird zur Schaltzentrale umfunktioniert. Bei siio.de erfahrt Ihr, wie der Wandeinbau funktioniert. (© siio.de)

Da die Systeme modular aufgebaut werden können, empfiehlt es sich, zunächst mit einem Gewerk zu starten. Das könnte ein Alarmszenario mit Tür-/Fensterkontakten und einer Innensirene sein. Später können Sie dann Heizkörperthermostate hinzukaufen, um das System auszubauen. Viele Hersteller bieten passende Starterkits an – meist mit einem Preisvorteil im Vergleich zum Einzelkauf.
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Ist für Installation und Erweiterung des Smart Homes viel technisches Know-how nötig?

Die einzelnen Smart-Home-Technologien unterscheiden sich stark. Einige Zentralen wie Homee, Schwaiger Home4you oder Homematic IP sind ganz einfach per App konfigurierbar. Das ist auch gut für Laien machbar. Andere wie Devolo Home Control oder Fibaro Home Center Lite werden über grafische Szenen via Drag & Drop „zusammengeklickt“. Und dann gibt es Gateways für Tüftler, die Programmieroberflächen mit Scriptsprachen bieten wie das Fibaro Home Center 2. Diese Systeme sind definitiv etwas für Fortgeschrittene, erlauben aber auch die meisten Funktionen und den größten Spielraum.

Farbspielereien: An Lichtszenen bastelt Chris Bertko besonders gern herum. (© Marko Förster)
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Farbspielereien: An Lichtszenen bastelt Chris Bertko besonders gern herum. (© Marko Förster)

Im Prinzip ist ein Smart Home die moderne Modelleisenbahn für den Papa. Zum einen kann man das Smart Home, wie auch die Modelleisenbahn, modular aufbauen und ständig erweitern. Somit wird man nie fertig. Zum anderen hat man sehr schnell Erfolgserlebnisse, wenn man beispielsweise eine kleine Szene im Webfrontend zusammengeklickt hat und danach das Licht wie gewünscht angeht oder die Farbe wechselt. Neben fertigen Geräten gibt es aber auch viele Module zum Basteln, sodass man „normale“ Geräte smart machen kann. Da wird ein auf den ersten Blick einfacher Knopf wie „The Button“ von Fibaro zum zentralen Schaltsystem für das Licht im Haus oder auch zum Panic Button ( wie das geht, lesen Sie hier).  Dies motiviert dazu, noch komplexere Dinge zu realisieren. Foren, Communitys und Blogs wie www.siio.de helfen dabei, Ideen zu entwickeln und die Dinge umzusetzen.
Panic Button gefällig? Der Fibaro Button ist vielseitig einsetzbar und kinderleicht zu bedienen. (© www.siio.de)
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Panic Button gefällig? Der Fibaro Button ist vielseitig einsetzbar und kinderleicht zu bedienen. (© www.siio.de)

Natürlich können Sie sich das Smart Home auch von Profis installieren lassen. Künftig wird es wohl verstärkt Fachmänner geben, die jedes Haus individuell an die Wünsche des Kunden anpassen.

Wie sieht Ihr eigenes Zuhause aus? Gibt es da sprechende Küchengeräte und Licht, das sich selbst ein- und ausschaltet?

Ich habe inzwischen recht viel „smart“ gemacht. Allerdings wohne ich zusammen mit meiner Freundin und meinem dreijährigen Sohn, sodass ich nicht jeden Quatsch umsetzen kann, den ich gerne hätte. Die Akzeptanz von Smart Home bei Familienmitgliedern kann sehr schnell gegen Null gehen, wenn man dann mal wieder nachts (wann sonst kommt ein Familienvater zum Basteln?!) ein paar Szenarien auf dem Smart Home Gateway zusammenbaut und beim Testen entweder der Staubsaugerroboter losfährt oder die Innensirenen Alarm schlagen. Und ja – diese Fehlschläge gibt es leider.
Doch es macht auch viel Spaß und die Erfolge motivieren, weiterzumachen. Unsere Alarmanlage beispielsweise wird via RFID Chip am Schlüsselbund scharfgeschaltet. So weiß das Zuhause, wenn man die Wohnung verlassen hat. Dann beginnt der Staubsaugerroboter seine Arbeit, die Lichter werden ausgeschaltet, genauso wie nicht benötige Standby-Geräte. Die Heizung wird heruntergeregelt, die Türen verschließen sich automatisch und via Pushmitteilung erhalten wir Informationen dazu, welche Fenster noch geöffnet sind. Das ist in unserer Maisonette-Wohnung ganz praktisch, denn früher musste man durch die ganze Wohnung flitzen, um zu überprüfen, welche Fenster noch offenstehen.
Die Heizung mit der Fritzbox verbinden: Siio.de zeigt, wie’s geht! (© www.siio.de / YouTube)
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Die Heizung mit der Fritzbox verbinden: Siio.de zeigt, wie’s geht! (© www.siio.de / YouTube)

Die Klingel habe ich inzwischen auch in das Smart Home eingebunden, nachdem der Mittagsschlaf von meinem Sohn mehrmals durch den Paketboten abrupt beendet wurde. Statt zu klingeln, blinken nun die Lampen in dem Raum, in dem wir uns gerade aufhalten, kurz dreimal auf und das Multiroom-Soundsystem spielt einen „netten“ Klingelton ab.

Das Licht schaltet sich bei Bewegung in jedem Raum automatisch in unterschiedlich variierenden Lichtstimmungen ein, abhängig von der Helligkeit und Tageszeit. Im Wohnzimmer habe ich außerdem einen RGB Stripe im Schrank. Der signalisiert im Farbspektrum grün-gelb-orange-rot den CO2-Gehalt in der Luft. So wird man bei schlechter Luftqualität daran erinnert, dass mal wieder Lüften angesagt ist.
Einiges konnte ich also schon umsetzen, aber wie sagt die Hornbachwerbung so schön? „Es gibt immer was zu tun!“
Chris Bertko probiert zuhause gerne neues Technik-Spielzeug aus. (© Marko Förster)
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Chris Bertko probiert zuhause gerne neues Technik-Spielzeug aus. (© Marko Förster)

Über den Experten

Seit sieben Jahren ist Chris Bertko ein „SmartHomie“, wie er sagt. Sein eigenes Haus strotzt vor intelligenter Technik – manchmal zum Leidwesen seiner Familie. Denn Bastelarbeit und ständig Neues auszuprobieren gehört für den Profi dazu. Der Produkt Marketing Manager von Z-Wave Europe, einem Anbieter von Smart-Home-Lösungen, ist beruflich wie privat von den Möglichkeiten fasziniert, die smarte Technik bietet. Auf seinem Blog www.siio.de veröffentlicht er zusammen mit acht weiteren „Smart-Home-Verrückten“ Testberichte und Anleitungen, um auch Laien den Einstieg ins Smart Home zu ermöglichen.
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