Smaragd bei Tag – Rubin in der Nacht: ein Ratgeber über Alexandriten

Aufrufe 1 Mal bewertet mit „Gefällt mir” Kommentare Kommentar
Mag ich anklicken, wenn dieser Ratgeber hilfreich war
Smaragd bei Tag – Rubin in der Nacht: ein Ratgeber über Alexandriten

Der Alexandrit ist ein sehr seltener Edelstein. Bei natürlichem Tageslicht schimmert er grün, bei künstlichem Licht und bei Kerzenschein rot. Dank dieser Eigenschaften wird er auch "Smaragd bei Tag" und "Rubin in der Nacht" genannt. Dieser Farbwechsel wird durch den Chromanteil verursacht. Der Edelstein ist eine Variante des Minerals Chrysoberyll. Dieses ist chemisch gesehen ein Beryllium-Aluminat. In der Edelsteinkunde werden alle Chrysoberylle, die ihre Farbe ändern, als Alexandriten bezeichnet. Die genaue Farbe spielt dabei eher eine untergeordnete Rolle. Von größerer Bedeutung ist jedoch die Tiefe des Farbwechsels, denn dieser bestimmt letztendlich auch seinen Wert.

Alexandriten – der Edelstein der Zaren

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts werden im südlichen Ural im Takowaja-Tal von Smaragd-Bergarbeitern erstmals solche Kristalle gefunden. Erst geht man auch bei diesen grünlich schimmernden Edelsteinen davon aus, dass es sich um Smaragde handelt. Erst im abendlichen Kerzenlicht wird der Farbwechsel entdeckt. Der Edelstein wird nach dem russischen Erben und späteren russischen Zaren Alexander II (1818-1881, gekrönt 1855) benannt. Da die Hauptfarben der Nationalflagge des zaristischen Russlands rot und grün sind, wird der Alexandrit zum Nationalstein und als "Edelstein der Zaren" bezeichnet.

Der Alexandrit weist eine Härte von 8,5 auf. Damit ist er nach Diamant und Korund das dritthärteste Mineral, was ihn sehr spröde macht. Der starke Pleochroismus – das Changieren der Farben – wird auch als Alexandrit-Effekt bezeichnet. Das Farbspiel zwischen intensivem Grün und tiefem Rot ist jedoch bei den Alexandriten aus Russland am stärksten ausgeprägt, weshalb diese zu den begehrtesten Exemplaren zählen. Edelsteine dieser Art aus anderen Fundregionen changieren in anderen Farben. So weisen Steine aus Sri Lanka ein schwächeres Grün und bräunliche Farbtöne auf. Die verschiedenen Farben, die Alexandriten aufweisen können, hängen unter anderem mit den Fundorten zusammen. So gibt es farblose, gelb-braun-goldgelbe und helle sowie dunkle blaugrüne Alexandriten. Rötliche kommen eher selten vor. Spuren von Eisen und Chrom sind verantwortlich für die charakteristischen grüngelbe, goldgelbe und bräunliche Farbe. Einschlüsse in Alexandriten werden nicht als Makel gesehen, sondern sind charakteristisch und verdeutlichen dessen natürliche Beziehung zur Erde.

Besonders interessant und geheimnisvoll schimmert der Katzenaugen-Alexandrit. Bei diesem ist ein einzelner Lichtstreifen auf der Oberfläche sichtbar. Unter den russischen Alexandriten findet sich diese geheimnisvolle Variante allerdings nicht.

Form und Größe von Alexandriten

In Form und Größe können die Edelsteine variieren. Alexandrit kristallisiert im orthorhombischen Kristallsystem. Seine Kristalle sind tafelig bis blockig und können eingewachsen oder ausgewachsen sein. Häufig bildet er auch zyklische Durchdringungsdrillinge. Seine rhombischen Kristalle schneiden sich im 60°-Winkel. Alexandrit-Kristalle sind ausgesprochen selten, da für ihre Entstehung ganz bestimmte Bedingungen herrschen müssen. Vor Millionen von Jahren entstanden Alexandriten – ebenso wie andere Edelsteine – in der Erde. Dafür mussten jedoch zwei bestimmte Gesteinsarten vorhanden sein. Eine, die die Elemente Beryllium und Aluminium enthielt, und eine, die das Element Chrom beinhaltete. Sowohl an Alexandrit-Fundstellen im Ural in Russland sowie in Indien kommt Pegmatitgestein vor. Dieses wurde während des Paläozoikums vor ca. 542 bis 241 Millionen Jahren über mehrere 100 Millionen Jahre geformt. Alexandrit bildet sich zudem in Brasilien und in Madagaskar in Pegmatiten. In Zimbabwe bildet es sich in metamorphen Gesteinen wie Schiefer, und in Sri Lanka und in Myanmar bildet er sich in Seifen.

Vorkommen des Alexandrits außerhalb Russlands

Neben dem Ural-Gebiet in Russland kamen später noch weitere Fundorte des Alexandriten hinzu. Insgesamt gibt es weltweit jedoch nur eine Handvoll Gebiete, in denen Alexandrit vorkommt. Des Weiteren unterscheiden sich die Edelsteine je nach Quelle in den Farbnuancen. Sri Lanka war – neben Russland – ca. 90 Jahre lang das einzige bekannte Vorkommen von Alexandriten. Hier wird er in Ceylon aus erodierten Bodenschichten – Schwemmland – gewonnen. Alexandriten aus Sri Lanka schimmern in Tageslicht blaugrün und im künstlichem Licht rötlich violett oder lila.

In Tansania findet man das Alexandrit-Katzenauge. Auch in Brasilien gibt es Alexandrit-Vorkommen. Hier wurden 1987 in Hermatita (Minas Gerais) Edelsteine von besonders hoher Reinheit und Farbe gefunden, die sich durch einen tiefen Farbwechsel auszeichnen. Der Ort gilt heute als wirtschaftlich bedeutendstes Vorkommen für den seltenen Edelstein. In Brasilien wurden erst 2004 neue Ablagerungen gefunden. Die Farbe dieses Steins changiert von einem schillernden Blaugrün zu einem schönen Himbeerrot. Auch in Indien gibt es Alexandrit-Fundorte. Der erste ist in Viskhapatnam, wo 1966 die ersten Vorkommen gemeldet wurden. Heute werden die Edelsteine in Indien ca. 100 km davon entfernt in Nansipatnam abgebaut. Weitere Vorkommen sind Simbabwe, Madagaskar und Mosambik. Der Alexandrit aus Afrika wird primär in der Nähe von Flüssen in feuchten Regionen gefunden.

Die hochwertigen Alexandriten aus dem Ural werden heute nur noch sehr selten angeboten. Da die Minen dort erschöpft sind, sind die Edelsteine begehrt und teuer. Der Abbau von Alexandriten ist aufwendig und oft gefährlich. So wird der Edelstein in Indien in einer Tiefe von ca. 100 Metern abgetragen. Als größter Fund gilt ein 1876 Karat schwerer Edelstein aus Sri Lanka.

Verwendung und Pflege von Alexandriten

Alexandrit wird unter anderem zu Schmucksteinen geschliffen. Ihm werden jedoch ebenso – wie vielen anderen Edelsteinen auch – heilende Wirkungen nachgesagt. Da dieses Mineral so knapp und kostbar ist, werden Menschen, die einen dieser Edelsteine ihr Eigen nennen können, als Glückliche bezeichnet.

Alexandriten als Schmucksteine

Bereits im 19. Jahrhundert ist der Alexandrit für die Verarbeitung von Schmuck begehrt. Aufgrund seiner Härte und seiner Schönheit eignet sich der Alexandrit zwar hervorragend als Schmuckstein, wird jedoch eher selten in dieser Weise verarbeitet. Da Chrysoberyll nicht immer durchgängig klar und durchsichtig ist, wie es für Schmucksteine gewünscht wird, können oft nur kleine Edelsteine geschliffen werden. Dabei gibt es verschiedene Facettenschliffe. So wird das Katzenauge häufig zu Cabochons geschliffen. Der größte bekannte geschliffene Alexandrit weist 66 Karat auf und befindet sich im Smithsonian-Institut in Washington in den USA.

Wirkung von Alexandriten als Heilstein und seine Pflege

Dem Alexandrit werden sowohl physische als auch psychische Heilwirkungen zugesprochen. So wirke er sich besonders positiv auf das Nervensystem aus. Auch die inneren Organe wie Milz, Magen und Bauchspeicheldrüse können positiv von ihm beeinflusst werden, sodass er für deren harmonische Funktion sorgen könne. Des Weiteren soll er bei Magenübersäuerung, Leberträgheit, Entzündungen, Milzleiden, Vergiftungen und Magengeschwüren helfen. Das liege unter anderem daran, dass der Edelstein die Selbstheilkräfte anrege. Seinem Träger solle der Alexandrit Freude und innere Ausgeglichenheit bringen. Zudem helfe er bei Gereiztheit, seelischen Krisen, Traurigkeit und angegriffenen, geschwächten Nerven. Menschen in einer Partnerschaft verhelfe der Stein dazu, sich über die eigenen Gefühle Klarheit zu verschaffen. Wenn die Logik versagt, soll er die Intuition stärken.

Um den Alexandrit zu entladen und zu reinigen, hilft lauwarmes Wasser. Er kann jedoch auch in Meersalz gelegt werden. Die Sonne bewirkt, dass sich der Alexandrit wieder mit Energien auflädt. Diese positiven Energien gibt er dann während der Anwendung wieder ab. Zudem kann der Edelstein mittels Reibung der Oberfläche positiv elektrisch aufgeladen werden. Es wird empfohlen, den Edelstein auf der Augenbraue oder der Leber aufzulegen. So könne sich die Wirkung optimal entfalten. Um eine Genesung erkrankter oder beeinträchtigter Stellen zu beschleunigen, können diese in direkten Kontakt mittels Auflegen des Edelsteins gebracht werden. Eine weitere Möglichkeit den Alexandrit als Heilstein einzusetzen sei, ihn meditativ zu betrachten.

Synthetisch hergestellte Alexandriten

Bereits seit dem Jahr 1888 ist synthetischer Alexandrit, der mittels unterschiedlicher Verfahren künstlich hergestellt wird, bekannt. Graugrüner Spinell (Korund) gilt dabei als eine der häufigsten synthetischen Imitationen. Sein Farbwechsel ähnelt dem des Alexandriten, verläuft jedoch eher von rot nach violett, gelegentlich erzeugt er ein Lila, das an den Amethyst erinnert. Ein wichtiges Merkmal, in dem sich echte von synthetisch hergestellten Alexandriten unterscheiden, sind die Einschlüsse. Denn diese fehlen den synthetisch hergestellten Produkten.

In der Technik wird häufig ein künstlich erzeugter Alexandrit aus chromdotierten Chrysoberyll verwendet. Dieser Festkörper-Kristall wurde 1977 zum ersten Mal hergestellt. Eine wichtige Verwendungsweise ist der Alexandrit-Laser. Dieser verfügt über einzigartige Eigenschaften, wodurch er sowohl in der Technik als auch in der Medizin zu vielfältigem Einsatz kommt. Er gehört zu den robustesten Festkörper-Laser-Materialien und hat einen breiten, abstimmbaren Wellenlängenbereich von 710 bis 800 nm. Er besitzt die Fähigkeit, Multi-Joule-Energieimpulse – Photonen ebenso wie Phononen – zu speichern und abzugeben. Anwendung findet er unter anderem in der Spektroskopie, in der Materialprüfung und in der Medizin bei der Zerstörung von Nierensteinen.

Alexandriten mit Ruhe und Bedacht auswählen

Fälschungen und Imitate finden nicht nur in der Technik und der Raumfahrt Verwendung. Sie werden auch als günstige Schmuckstücke angeboten. Dabei verfügen diese sehr wohl über einen schönen Farbwechsel und eine hohe Reinheit. Es handelt sich dabei jedoch nicht um echte Edelsteine. Achten Sie darauf, dass viele Fälschungen im Umlauf sind. So werden besonders geschliffene Steine häufig durch synthetischen Spinell oder Korund in Form von Saphir imitiert. Eine weitere Möglichkeit, die Edelsteine nachzuahmen, sind Dubletten aus Granat und Glas. Bedenken Sie daher, dass echte Alexandriten sehr rar und wertvoll sind. Das hat seinen Preis. Eindeutig bestimmen, ob es sich bei einem Edelstein um ein Original oder eine Fälschung handelt, lässt sich nur mit Hilfe mineralogisch-gemmologischer Untersuchungen. Bestätigt wird die Echtheit von Edelsteinen durch Zertifikate.

Möchten Sie Ihr Wissen weitergeben? Erstellen Sie Ihren eigenen Ratgeber… Verfassen Sie einen Ratgeber
Weitere Ratgeber erkunden