Skilehrer: Cooler Job mit Spaßgarantie

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Vor einigen Jahren fragte mich eine in der Kirche engagierte Bekannte, ob ich mir zutraute, einer Bande von 13 bis 15-jährigen das Snowboardfahren beizubringen, der etatmäßige Snowboardlehrer hätte sich das Knie verletzt und abgesagt.

Nach kurzer Bedenkzeit (es müssen etwa 3einhalb Minuten gewesen sein) sagte ich zu, nicht ohne vorab klar gestellt zu haben, keinerlei Ausbildung für diesen Job zu haben.

Kurz und gut, im Anschluss an eine Woche Snowboardkurs mit acht durchwegs erstaunlich netten und lernfähigen Kindern stand mein Entschluss fest: Das mache ich jetzt öfter, nicht jedoch, ohne mir das notwendige Rüstzeug zu beschaffen. Auf das ungute Gefühl, dass mich bei der Frage: ‚Bist Du überhaupt Snowboardlehrer’ hatte ich keinen Bock mehr. Ich wollte mir so schnell, wie möglich eine Ski-Lehrer-Qualifikation beschaffen. Wobei ich mich zunächst auch auf die Alpin-Ski-Abteilung kaprizieren wollte, mit dem Snowboard war ich weit weniger firm.

Ich erkundigte mich zunächst nach den Möglichkeiten eine Qualifikation zu erwerben:

Zunächst haben viele örtliche Sportvereine auch eine Skiabteilung, im Süddeutschen Raum gibt es auch viele ausgesprochene Skiclubs. Die Vereine oder Clubs fördern häufig den Erwerb eines Übungsleiterscheines, der eine Qualifikation Übungswart übergeordnet ist. Meistens erwarten die Vereine als Gegeleistung, dass der Übungsleiter für vereinsinterne Fahrten zur Verfügung steht. Wer daran Interesse hat sollte bei den Sportvereinen in seiner Gegend nachfragen.

Über die Art der Ausbildung kann ich leider nicht viel sagen, jedoch scheint mir der Erwerb eines Übungsleiterscheines nicht allzu schwer zu sein. Ich habe mich bei der Betrachtung des skifahrererischen Könnens des einen oder anderen entsprechend geadelten Zeitgenossen manchmal gefragt, welche Maßstäbe bei der Vergabe dieser Qualifikation so angelegt werden.

Schwieriger, aber auch höherwertiger ist die Qualifikation bei einem der Verbände. So gibt es zum Beispiel den WSV (Westdeutscher Skiverband), den Skiverband Rheinland und andere Landes- oder Regionalverbände. Alle Verbände habe entsprechende Internetseiten, wo das Qualifikations und Schulungsgefüge dargestellt sind.

In der Regel beginnt man mit dem Ablegen der Unterstufenskilehrerprüfung, die mit der Oberstufenprüfung aufgewertet werden kann.

Irgendwo dazwischen ist wohl die Qualifikation des ‚Skilehrer Grundstufe’ anzusiedeln. Diese Ausbildung habe ich selbst absolviert. Und zwar beim DEUTSCHEN SKILEHRERVERBAND (DSLV), unter dessen Dach die meisten deutschen Skischulen organisiert sind. Auch der DSLV hat eine Site im Netz, die mein Interesse geweckt hatte.

Der DSLV unterteilt sich in verschiedene Bezirke (11 an der Zahl), die jeweils eigene Lehrgänge anbieten. Seit kurzem arbeiten DSLV und DSV bei der Skilehrerausbildung zunehmend zusammen, so dass vergleichbare Ausbildungsstandards hergestellt wurden.

Da ich die Strukturen des DLSV besser kenne, will ich diese hier zunächst darstellen:

Der DLSV hat über 10.000 Mitglieder, wobei sehr vielen Grund-Stufen-lehrern, weniger Verbandsski oder Snowboardlehrer und noch weniger Berufsski- (Snowboard) lehrer gegenüber stehen.

Der Erwerb des Verbandsskilehrers oder gar des (staatl. geprüften) Berufsskilehrers dürfte für die meisten normalsterblichen und Flachlandtiroler eher utopisch sein. Die Ausbildung ist langwierig und kostenintensiv.

Den Grundstufenschein (oder beim WSV: Unterstufenschein) können aber auch Leute schaffen, die sicher überdurchschnittlich nicht jedoch wie Franz Klammer skifahren können müssen.

Was muss man tun?

Zunächst ist die Kontaktaufnahme mit dem Wunsch-Verband notwendig. So bieten die diversen Bezirke des DSLV jedes Jahr mehrere Lehrgänge zum Erwerb des Grundstufenscheines an. Ich war mit dem Bezirk Nord-West-Deutschland in Hintertux am Ende des Zillertals.

Der Lehrgang ging über sechs Tage, wobei die ersten vier Tage unter der Ägide zweier Ausbilder des DSLV dazu dienten Fahrtechniken zu verbessern bzw. zu intensivieren, Neue Styles zu vermitteln und zu vermitteln, wobei es beim Schulen ankommt.

Im laufe der Woche muss auch eine theoretische Prüfung abgelegt werden, die aber jeder halbwegs klar denkende Mensch bestehen sollte.

Die letzten beiden Tage wurde dann praktisch geprüft: Zunächst waren geschnittene Schwünge (also ‚gecarvte’) vorzuführen, wobei der Begriff ‚maximale Steuerqualität’ eine wesentliche Rolle spielte. Die zweite Prüfung hieß dann im steilen Gelände gleichmäßige Schwünge in kurzen, gleichen und rhythmischen Radien zu fahren. An dieser Hürde sind jedoch etwa 25 % gescheitert.

Am letzten Tag musste jeder zwei Lehrproben im Gelände von je etwa 10 Minuten Dauer ablegen, was auch keine allzu großen Schwierigkeiten mit sich brachte.

Geschenkt bekommt den Schein niemand, man muss schon in der Lage sein sauber geschnittene (und nicht gerutschte) Kurven im flacheren und sichere, kontrollierte Kurzschwünge im steileren Gelände zu fahren.

Es war einer dabei, der zwar sehr elegant und eng den Stil der siebziger/achtziger Jahre fuhr, die modernen, taillierten Ski angepasste Fahrweise mit breiterer Skiführung und gleichmäßigerer und variablerer Belastung der Ski jedoch nicht umsetzen konnte. Auch wenn der Mann sehr gut auf dem Ski stand gab er auf.

Aber allen, die gut auf der Kante stehen kann ich nur Mut machen es zu versuchen: Sei es als Ski- oder Snowboardlehrer oder auch als Telemark- oder Nordic-Coach, der Erwerb einer Qualifikation lohnt sich:

In vielen Skigebieten gibt es Rabatte auf Skipässe oder auf der Hütte.

Vielerorts kann Material – zumindest wenn man auch als Skilehrer dort ist – kostenlos ausgeliehen werden.

Skilehrer sind gesucht: Viele Sportreisenveranstalter aber auch Skischulen vor Ort suchen ständig Aushilfen.

Die Bezahlung ist i. d. R. eher mäßig. Aber für Leute, denen es darum geht ein paar Wochen im Jahr spaß zu haben und kostenlos in die Berge zu kommen, u. U. noch was dazuzubekommen, ist der Job ideal.

Ich fahre jetzt in der dritten Saison mit einem Reiseunternehmen und mit einer Schule und freue mich jetzt schon riesig darauf.

Und im Oktober wird die Saison eingeleutet: Drei Tage in Hintertux auf Lehrgang mit dem DSLV: 
 

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