Sind Fender Vintage Bässe wirklich so gut?

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Derzeit findet man immer wieder ältere Fender Jazz - und Precision Bässe aus den 60/70/80 er Jahren die zu astronomischen Preisen

bis jenseits der 5000.- Euro Marke angeboten werden.Natürlich ist es legitim ein besonderes Instrument zu einem höheren Preis anzubieten.

Da ich in diesem Jahr (hoffentlich) 50 Jahre alt werde und diese Instrumente schon gespielt habe wie sie neu waren wollte ich hier mal meine

persöhnlichen Eindrücke zu diesem Thema einbringen.

Die Bässe der pre CBS Ära also aus den 50ern bis mitte der 60er ,vorwiegend Jazzbässe ,die ich gespielt habe waren durchweg ausgewogene homogen klingende Instrumente.

Das waren sie damals schon wobei ich den Hype der darum gemacht wird nicht nachvollziehen kann.

Natürlich muss man auch hier aufpassen dass man keine Gurke erwischt.Holz ist ein natürlicher Rohstoff in nicht immer gleicher Qualität und

bei der Produktion der Pickups gibt es auch mal den einen oder anderen Ausfall.Ich habe aus dieser Zeit aber keine wirklich schlechten

Istrumente in der Hand gehabt.

Ab ende der 60er wurde nach der Übernahme durch den CBS Konzern wurde die Produktion massiv in richtung Gewinnmaximierung

vorangetrieben.Die Streuungen wurden immer grösser und die Chance einen "GUTEN" Fender Fender zu bekommen

wurden immer geringer.

Welcher Konzern interessiert sich schon für die Qualität seiner Produkte wenn er es aus Wettbewerbsgründen nicht muss.

Die Fenderkopien die es damal gab waren von sagenhaft minderwertiger Qualität, dagegen sind die nicht perfekten aber zum teil schon  brauchbaren China Kopien

die man heute zum Preis eines Wochendeinkaufs beim Discounter bekommt die reinsten Stradivaris.

Das ging von Sperrholzbodies über rostende hardware und Bünde bis zu Bananenkrummen Nadelholzhälsen usw.

Also war zu dieser Zeit selbst ein etwas unausgewogen klingender und relativ schlampig gemachter Fender immer noch ein gutes Instrument.

Damals in den 70ern kam  es gerade in Mode seinen Fender zu pimpen.Da die meisten Fender sunburst, schwarz , weiss

oder zum teil wirklich ätzende Farben hatten, haben viele von den Jungs ihre Bässe abgeschliffen und entsetzt festgestellt dass die Bodies

häufig aus 2 oder gar 3 Teilen zusammengeleimt waren.

Viele der CBS Fender, vor allem aus den mitte 70er bis in die achtziger Jahre klangen schon im trockenen Zustand völlig spannungslos

und öde.Bei diesen Baureihen hat man auch die Pickups verändert.Die Magnete wurden immer stärker und die Wicklungen hat man auch verändert.Zu der zeit klangen die Bässe immer mittiger und manchmal schon aufdringlig knarrig , mittig und absolut unausgewogen.

Zu dieser Zeit realisierten schon viele Bassisten dass die alten 50er und frühen 60er Jahre Bässe, vor allem die Jazzbässe

einfach besser klangen. Den Precision Bässen stand der härtere Sound der Pickups eigentlich gut wobei die Instrumente selbst schlechter wurden.

Anfang der 80er kaufte ich mir 2 neue Precision Bässe.Einen mit Bünden und einen Bundlosen.Das war zu Jacos Zeiten einfach angesagt.

Der Bundlose war um ein viertel schwerer, klang absolut satt und rund und war prima gearbeitet (Glück gehabt).

Der Bundbass hatte eine wesentlich dünnere Kopfplatte einen superleichten Korpus und war ziemlich gurkig zusammengeschraubt.

Ein Stimmwirbel war total verbogen und der Bass war so grausam eingestellt dass er fast unspielbar war.

Heute würde ich für den ein paar tausend Euro bekommen.Ob man zu dieser Zeit einen Erle Esche oder was auch immer für ein

Holz - Korpus bekam war davon abhängig was gerade im Regal lag.

Noch mitte ende der 80er bekam man einen 70er Jazzbass meist für 400-600 D-Mark weil die berechtigterweise einfach einen total schlechten

Ruf hatten.Bei mir liefen im laufe dieser Jahre einige dieser Bässe durch.Da waren wirklich Nullklinger mit Bananenhälsen, Schepperhardware

und gestückelten Korpushölzern dabei.

Es gab auch in der Zeit wie gesagt mal gute Instrumente.Wenn ihr euch für so einen Bass interessiert solltet ihr wenn möglich gut

über die Materie bescheid wissen oder jemand zu Rate ziehen der sich mit diesen Instrumenten auskennt.Sonst habt ihr im schlechtesten

Fall einen 4000.- Euro Bass gekauft der nicht mal 400.- wert ist.

Ähnlich gilt übrigens auch für Fender und Gibson Gitarren.Auch hier werden oft Krücken zu Juwelierstarifen verkauft.

Noch ein kleiner Tip. Viele fabrikneue Bässe klingen im vergleich zu alten Instrumenten im Vergleich etwas steril und scharf.

Das war früher auch schon so.Wenn das Instrument eine zeitlang gespielt wird schwingt sich das Holz ein.Spannungen im

Holz und in der Verschraubung lösen sich und der Bass bekommt mit der Zeit seinen "Klangcharackter" , gute Hölzer,

Pickups und Verarbeitung natürlich vorausgesetzt.Aus einer Gurke wird nun mal kein Trüffel.

Groovige Grüsse. 

Schlagwörter:

Fender Vintage Bässe

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