Silberbesteck Hildesheimer Rose

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Unter dem Namen Hildesheimer Rose ist seit rund 90 Jahren eine besondere Art von Besteck populär. Es entstand in den 20er Jahren und kam nach dem 2. Weltkrieg noch einmal groß in Mode. Da es in der Anschaffung schon immer sehr teuer war, wurde es lange Zeit als Sammelbesteck zu besonderen Anlässen verschenkt. Mittlerweile gibt es kaum einen deutschen Haushalt ohne Teile dieses Besteckes. Die Beliebtheit hat jedoch inzwischen nachgelassen und das Wissen um diese Bestecke ist fast verloren gegangen. Viele Menschen erben diese Bestecke und können den Wert gar nicht einschätzen.

Dieser Ratgeber soll den Besitzern dieser Bestecke zumindest erklären, wo die Besonderheiten dieser Bestecke liegen, denn es existieren heute neben den hochwertigen,  handwerklich hergestellten Bestecken der Antiksilber-Manufakturen sowie den hochwertig, industriell hergestellten Bestecken auch billig hergestellte Pressbestecke, die mit der Schönheit der vorgenannten Exemplare nichts gemeinsam haben.  

Die ältesten Rosen-Bestecke stammen aus Antiksilber-Manufakturen in Hanau und Pforzheim und sind aus Vollsilber (meist 800 oder 835 Silber). Dort wurden sie im Feinsandgussverfahren einzeln in einer Form aus Sand mit der Hand gegossen. Die Herstellung der Sandform ist sehr kompliziert und sie muss für jeden Guss neu hergestellt werden. Natürlich müssen die Besteckteile nach dem Guss mit der Hand nachbearbeitet werden, z.B. müssen sie entgratet werden. Viele Arbeitsschritte sind nötig, bis das Löffelchen oder der Tortenheber verkaufsfertig ist. Ein  wichtiges Merkmal der Antiksilber-Bestecke ist die Schwärzung der Vertiefungen. Dadurch sieht der Dekor wesentlich plastischer aus. Diese Schwärzung ist kein Schmutz und sollte auch nicht entfernt werden. 

In den 50er Jahren war das Besteck so groß in Mode, dass auch viele industrielle Besteckfirmen dieses Muster im Antik-Stil in ihr Programm aufnahmen, darunter heute noch gängige Namen wie Auerhahn, BMF, Justinus, Quist, Paul Wirths und WMF. Natürlich wurden diese Bestecke meist als versilbertes Besteck (Stempel 90 oder 100) oder auch als vergoldetes Besteck im industriellem Besteckpressverfahren hergestellt, man behielt jedoch die Antikisierung durch die Schwärzung bei. 

Noch später kamen billige Pressbestecke mit recht einfachem Dekor auf. Sie zeigen auf der Rückseite scharfe Ränder und haben meist keine oder eine übertriebene Schwärzung der Vertiefungen.

Der Mustername Hildesheimer Rose hat sich wahrscheinlich aus Andenkenlöffeln der Stadt Hildesheim entwickelt. Die Antiksilber-Manufaktur Christoph Widmann nimmt für sich in Anspruch, das erste Sammelbesteck mit diesem Namen erfunden zu haben. Andere Hersteller benutzten auch andere Namen, wie z.B. der Hersteller J.D. Schleissner mit seiner "Hanauer Rose".

Dieser große Boom in den 50er und 60er Jahren hat zu einer ungeahnten Mustervielfalt geführt. In einem Buch über die Rosen-Bestecke werden auf 304 Seiten neben der Beschreibung der Herstellungsverfahren insgesamt 230 verschiedene Muster gezeigt und die Firmengeschichten der 81 Hersteller erzählt. Mit den Informationen aus diesem Buch kann man die wertvollen von den billigen Bestecken unterscheiden und sieht dieses Besteck mit ganz anderen Augen an. Die dazwischen eingestreuten Dekorationsvorschläge zeigen, dass es heute auch in Kombination mit modernem Porzellan noch eine Tafelzierde ist.  

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