Sie wollen einen W50 restaurieren? Tipps zum Kauf von Fahrwerksteilen

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Sie wollen einen W50 restaurieren? Tipps zum Kauf von Fahrwerksteilen

Die DDR, die Deutsche Demokratische Republik, ist mittlerweile seit einigen Jahrzehnten Geschichte. So manches Fahrzeug von damals ist aber auch heute noch auf den Straßen zu sehen. Beispielsweise hatte die DDR etliche eigene Autos gebaut, Trabant und Wartburg dürften bis heute unvergessen sein. Und vor allem vom ersten Modell sieht man selbst Jahrzehnte nach der „Wende" noch einige Modelle fahren.

Neben Trabant und Wartburg baute die DDR außerdem einige spezielle Nutzfahrzeuge, beispielsweise den Barkas oder ebenso den W50. Letztgenannter wurde von den Automobilwerken Ludwigsfelde im heutigen Brandenburg produziert, wobei diese Automobilwerke zur sogenannten IFA zählten, dem Industrieverband Fahrzeugbau. Obwohl der W50 beziehungsweise IFA W50 heute eher eine Rarität ist, hat so mancher Liebhaber den Ost-Brummi immer noch stehen. Wenn Sie zu diesen Leuten gehören oder sogar einen solchen W50 restaurieren möchten, ist dieser Ratgeber genau der richtige für Sie.

Eine ostdeutsche Geschichte: Infos zum IFA W50

Gefertigt wurde der IFA W50 von 1965 bis 1990 und somit über zwei Jahrzehnte. Ehemalige DDR-Bürger erkennen den W50 als damals typischen Brummi oder eben Lkw. Genau genommen war der W50 ein sogenannter Vielzweck-Lastkraftwagen, der Mitte der 1960er die offizielle Nachfolge des IFA S4000 antrat.

Gegenüber diesem zeigte der W50 ein deutlich moderneres Design, was ebenso für die Daten galt. Leistete der IFA S4000 anfangs 80 PS, später sogar 90 PS, kam der IFA W50 bereits auf 100 PS. Angetrieben wurde der W50 von einem Diesel mit vier Zylindern, der als Viertakter ausgelegt war. Allerdings war der erste Diesel nicht unbedingt standfest und verursachte immer wieder Probleme. 1967 wurde daher ein neuer Diesel eingebaut, der nun 125 PS und sogar schon eine Direkteinspritzung aufwies. Anfang der 1970er, genauer 1973, folgte wieder ein neuer W50-Motor, der 4 VD 14,5/12.

Eine Generation: Der W50 wurde 25 Jahre gebaut

Gebaut wurde der IFA W50 quasi bis zum Ende der DDR, womit das Modell im Zuge der Wiedervereinigung 1990 eingestellt wurde. Kurioserweise hatte der W50 schon einige Jahre zuvor einen Erben erhalten, denn mit dem IFA L60 wurde bereits seit 1987 das offizielle Nachfolgemodell produziert. Der L60 sollte die DDR jedoch ebenso wenig überdauern wie der Vorgänger W50.

Trotzdem gilt der W50 bis heute als erfolgreichster Lastkraftwagen der DDR, von welchen knapp 572.000 Einheiten gebaut wurden. Der Modellname W50 steht übrigens für „Werdau 50 dt", wurde der Lkw doch von den Kraftfahrzeugwerk „Ernst Grube" Werdau in Sachsen entwickelt. Da die DDR-Führung mit dem W50 jedoch hohe Ziele verfolgte und eine größere Produktion verlangte, wurde die Produktion ins brandenburgische Ludwigsfelde verlagert, wo mehr Kapazitäten bereit standen. Die bereits 1958 begonnene Entwicklung geriet zudem immer wieder ins Stocken. Beispielsweise, weil mittendrin eine erhöhte Nutzlast von mindestens fünf Tonnen verlangt wurde.

Zur Wende war Schluss: 1990 wurde der W50 eingestellt

1990 wurde die Produktion des IFA W50 jedenfalls endgültig eingestellt. Bis dahin hatte der W50 nicht nur mehrere Hunderttausend produzierte Modelle gefeiert, sondern sich ebenso als Multitalent erwiesen. Gebaut wurde der W50 in gut 60 verschiedenen Grundversionen, die vom Kipper über Kasten- und Pritschenwagen bis hin zu speziellen Modellen für Militär oder Feuerwehr quasi die komplette Palette abdeckten.

Allerdings darf man den enormen Erfolg des IFA W50 nicht überbewerten, denn Konkurrenz hatte der Lastkraftwagen in seinem Segment eigentlich keine. Ähnlich wie die anderen DDR-Fahrzeuge Trabant, Wartburg und Barkas war der IFA W50 somit nahezu konkurrenzlos und musste schlichtweg sämtliche Bedürfnisse der ostdeutschen Wirtschaft erfüllen, ebenso wie auch die von Militär und Feuerwehr. Anders ausgedrückt: Andere Lastkraftwagen – zumindest aus eigener ostdeutscher Produktion – gab es nicht. Der Erfolg des IFA W50 ist somit auch oder sogar gerade allein seiner Monopolstellung zu verdanken.

DDR-Exportschlager: Der IFA W50 wurde in 40 Länder ausgeliefert

Trotzdem war der IFA W50 selbst im Ausland gefragt und wurde in rund 40 Länder mit ebenfalls sozialistischer Führung exportiert. Daher lieferte die IFA DDR den W50 nicht nur in die ehemalige Sowjetunion oder die Tschechoslowakei, sondern ebenso nach Nicaragua, Mosambik, Äthiopien oder Vietnam. Damit wurde der W50 bis nach Afrika oder Asien geliefert.

Dafür baute die DDR den W50 sogar in länderspezifischen Versionen, von welchen bis zuletzt um die 240 Varianten angeboten wurden. Innerhalb der DDR führte der Export des W50 sogar zu Mangelerscheinungen, weswegen eigentlich für das Militär gebaute Fahrzeuge den Weg in die zivile Nutzung fanden. Bei einer Exportrate von bis zu 70 Prozent der Produktion scheint das aber kein Wunder. Zumal der W50 mit Heck- und ebenso zuschaltbarem Allrad gebaut wurde, außerdem mit zwei verschieden langen Radständen von 3.200 und 3.700 Millimetern oder gar als Zugmaschine W50-LA/Z mit bis zu 16 Tonnen möglicher Anhängelast.

Immer noch in Betrieb: Der W50 rollt bis heute

Trotz der Produktionseinstellung anno 1990 ist der W50 in manchen Staaten bis heute im Einsatz. Im Irak machte der Ost-Lkw sowohl den ersten wie ebenso zweiten Golfkrieg mit, in Vietnam ist der IFA W50 bis heute in Betrieb. Die Versorgung mit nötigen Ersatzteilen macht das allerdings kaum einfacher, denn die Bestände des W50 werden von Jahr zu Jahr geringer.

Wer also einen IFA W50 restaurieren will, setzt sich kein einfaches Ziel. Wobei gerade der Blick in die fünf neuen Bundesländer – Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen – sowie Berlin lohnt. So manche Feuerwehr setzt bis heute auf den IFA W50 als Löschfahrzeug, wobei die Modelle natürlich nach und nach außer Dienst gestellt und durch moderne Fahrzeuge ersetzt werden.

Ersatzteile für den IFA W50: Ostdeutsche Feuerwehren könnten helfen

Die Suche nach entsprechenden Ersatzteilen für den IFA W50 könnte somit durchaus bei einer ostdeutschen Feuerwehr enden. Eine nett formulierte Anfrage insbesondere an kleinere freiwillige Feuerwehren auf dem Land könnte jedenfalls Erfolg versprechen. Trotzdem dürfte es kaum leicht sein, für den W50 Ersatzteile zu finden, wobei Neuteile wohl mit ziemlicher Sicherheit nur noch wenige oder gar keine mehr angeboten werden.

Der im W50 verbaute IFA Motor oder zumindest Motorenteile sind zwar mehr oder minder gut im Internet zu finden, bei nötigen Teilen zum Fahrwerk schaut es hingegen schon schlechter aus. Doch zu bekommen sind Ersatzteile trotzdem, denn eine gute Hilfe auf der Suche nach Ersatzteilen bietet auch so manches in Ostdeutschland beheimatete Unternehmen.

Fahrwerk, Motor & Co: Ersatzteile für W50 im Internet suchen

Tatsächlich lohnt eine gezielte Suche im Internet, um hier oder da entsprechende Börsen oder gar wie gesagt ein Unternehmen zu finden. Eine Fahrt in den Osten Deutschlands lohnt ebenfalls, nämlich nach Ludwigsfelde. Hier ist eine Firma beheimatet, in deren Fokus der Handel mit Ersatzteilen aus alter IFA-Produktion steht. Parallel ist so manche andere Firma in der ehemaligen DDR auf entsprechende Ersatzteile spezialisiert, wobei mitunter sogar Neuware zu bekommen sein soll.

Inwieweit das den Tatsachen entspricht, müssen Sie als Restaurator eines IFA W50 selbst herausfinden. Auf jeden Fall entpuppen sich das Internet sowie spezielle Börsen also große Hilfe auf der Suche nach Ersatzteilen für Fahrwerk, Aufbau und Karosserie sowie natürlich Motor oder Getriebe eines W50. Bei aufwendigen Reparaturen an einem W50 lohnt zudem sogar der Ankauf eines zweiten Modells, das dann quasi als Ersatzteilspender kurzerhand komplett auseinandergenommen wird.

Komplett neuer Aufbau: Zweiter IFA W50 als Ersatzteilspender

Nach der Produktionseinstellung vor über 20 Jahren kann der Erwerb eines zweiten W50 bei der Restauration eines solchen Lastkraftwagens durchaus nicht schaden. Zum einen, um den zweiten Lkw wie gesagt auszuschlachten und allein als Ersatzteilspender zu nutzen. Zum Zweiten lohnt eventuell der Verkauf oder ebenso Tausch nicht-gebrauchter Bauteile gegen wiederum benötigte Ersatzteile. In diesem Fall dürfte wieder ein Blick ins Internet die beste Alternative sein.

Fazit: Das Internet ist heute der bequemste wie vor allem einfachste und trotzdem effektivste Weg, um Ersatzteile für einen nicht mehr produzierten Lkw wie den IFA W50 zu finden. Obendrein dürften Sie im Netz gleichgesinnte Fans und Schrauber finden, die die gleichen Probleme bei der Ersatzteilsuche haben oder hatten und eventuell mit Tipps und Ratschlägen oder sogar hilfreichen Adressen helfen können.

Anleitungen für IFA W50: Auch Dokumente sind zu finden

Apropos Helfen: Wenn Sie schon im Netz nach Ersatzteilen zur Restauration Ihres IFA W50 suchen, können Sie gleich nach entsprechenden Anleitungen zu dessen Reparatur schauen. Tatsächlich sind entsprechende Dokumente oder zumindest Adressen, wo es solche geben könnte, zu erfahren.

Beim Kauf von Fahrwerksteilen, neuen Bremsen, Motoren oder Getriebe sollte selbstverständlich eine besondere Obacht gelten. Kaufen Sie nicht blind, schauen Sie sich die Teile vorher an. Da in der Regel eher gebrauchte Bauteile angeboten werden, achten Sie auf typische Verschleißerscheinungen. Bei offensichtlichen Schäden nehmen Sie Abstand vom Kauf. Möchten Sie ein komplettes Fahrgestell kaufen, bestehen Sie auf die dazu gehörigen Papiere. Gleiches gilt für den Kauf eines IFA W50 als Ersatzteilspender, egal ob dieser fahrbereit ist oder nicht.

Sind Teile arg verrostet, lassen Sie den Kauf ebenfalls bleiben. Geht es um einen kompletten IFA W50, schauen Sie sich den Lkw rundherum sowie von außen und innen an. Allein als Ersatzteilspender dürfen weniger brauchbare Teile auch gern schon Rost oder sonstige Schäden aufweisen. Möglicherweise finden Sie für andere Teile Tauschpartner im Internet oder speziellen Börsen, weswegen der Kauf selbst eines nicht fahrbereiten W50 lohnen kann. Auch der Besuch besonderer Teilemärkte kann helfen.

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