Sie wollen alles? Bitteschön: S-VHS-Mini-DV-Kombigeräte

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Sie wollen alles? Bitteschön: S-VHS-Mini-DV-Kombigeräte

Früher war das Videoband mit magnetischer Aufzeichnung der Standard im Videobereich. Das ist noch gar nicht so lange her. Viele, die in den 1970er Jahren noch mit Super-8-Schmalfilm aufnahmen, sattelten in den 1980er Jahren auf VHS-Format um. Die Ära des Zelluloidstreifens im privaten Video- bzw. Filmbereich ging damit vorbei.

In den folgenden Jahren seit Beginn der 1980er Jahre wurde VHS immer erfolgreicher. Nicht nur als Medium für selbst gemachte Heimvideos. Auch im kommerziellen VHS-Kassettenbereich. Kinofilme wurden schon bald nach ihrem Kinostart als VHS-Kopie angeboten. Dabei etablierte sich auch der große Markt der Ausleihe von VHS-Videos in Videotheken.

S-VHS, die Weiterentwicklung von VHS, wurde 1987 vorgestellt und verbesserte die Bildqualität. Digital Video (DV) kam in den 1990er Jahren auf den Markt und zielte wiederum auf die amateur- und semiprofessionelle Anwendung. Zwar nutze Mini-DV die Magnetbandtechnik, die von der analogen Video-und Audiospeicherung bekannt war. Das Format sah jedoch eine rein digitale Aufnahme und Wiedergabe der Daten vor.

Wer in den 1990er beispielsweise seine S-VHS-Bänder auf das neue, kleinere und qualitativ hochwertigere Mini-DV-Format überspielen wollte, konnte sich einem speziellen Kombigerät bedienen Dieses besteht aus einem S-VHS- und einem Mini-DV-Laufwerk. Und heute? Wieso sollten Sie sich heute ein solches Gerät zulegen.

 

Alte Formate auf neue Formate überspielen?

Das kann natürlich unterschiedliche Gründe haben. Immerhin sind die Formate mittlerweile schon etwas in die Jahre gekommen. Die wahrscheinlichste Erklärung und der logischste Anwendungsfall für den Erwerb eines solchen Kombi-Recorders wäre Folgendes: Sie besitzen noch eine Menge an S-VHS-Kassetten oder Mini-DV-Tapes? Sie möchten diese gerne auf Ihren Computer, eine DVD oder Bluray-Disc überspielen.

In diesem Fall schlagen würde sich die Anschaffung eines Kombi-Recorders für S-VHS und Mini-DV lohnen, da Sie zwei Formate gleich in einem Gerät haben. Aber vielleicht gehören Sie zu denjenigen, die die alten Medien noch benutzen. Dann ist die Anschaffung natürlich ebenfalls sehr sinnvoll.

Wie man es auch immer dreht und wendet, der Ratgeber möchte Ihnen einige Tipps und Hinweise zu S-VHS, zu Mini-DV und zu den angesprochenen Kombi-Recordern liefern. Dazu wirft er einen kurzen Blick zurück in die Zeit, beschäftigt sich mit den Spezifikationen der Formate und gibt einen kurzen Einblick in die Funktionsvielfalt der Recorder.

S-VHS und Mini-DV: zwei Formate erobern den Endverbrauchermarkt

S-VHS und Mini-DV sind jeweils Weiterentwicklungen von VHS (Video Home System) und DV (Digital Video). Beide Formate standen seit Ihrer Einführung in Konkurrenz zu anderen Formaten im Videobereich. Hier sind beispielsweise Betamax bzw. Betacam oder etwa Hi8 bzw. Digital8 zu nennen. Beide bekamen jedoch eine relativ beherrschende Markposition und eine weite Verbreitung.

Treibende Kraft hinter VHS war der japanische Elektronikkonzern JVC. Dieser hatte bereits in den 1970er Jahren an der Entwicklung seines Video Home Systems gearbeitet. 1976 wurde es zunächst in Japan eingeführt, dann nach und nach weltweit. Im Krieg der Formate gewann JVC daraufhin die Oberhand und konnte sich gegenüber Sonys Betamax-Format durchsetzen.

Die Japaner stellten 1987 die Weiterentwicklung des VHS-Standards vor. S-VHS (Super Video Home System) war abwärts kompatibel zum Vorgänger. Die Verbesserungen der Bildqualität gaben S-VHS jedoch nicht den Ausschlag am Markt. Für die meisten war die VHS-Qualität vollkommen ausreichend.

Mini-DV wiederum basierte als Weiterentwicklung auf dem Digitial Video (DV) – Standard. Dieser war bereits ein Kind der 1990er Jahre und setzte auch digitale Signalspeicherung. Das DV-Format verbreitete sich rasant. Gegen Ende des Jahrzehnts war es zum Standard geworden. Dies war nicht nur im normalen Consumerbereich der Fall. Auch im professionellen Bereich machte sich Digital Video einen Namen. Die Weiterentwicklung Mini-DV konnte sich daraufhin mehrere Jahre als Standard halten.

Beide Formate wurden jedoch immer mehr und mehr zurückgedrängt zugunsten neuer digitaler Formate, wie DVD, Bluray-Disc, Festplatten und neuerdings Solid State Drive (SSD). Im Folgenden wird der Ratgeber auf einige Spezifikationen von S-VHS und Mini-DV eingehen.

Besonderheiten und Funktionen von S-VHS

S-VHS profitiert im Vergleich zu seinem Vorgänger VHS von einer wesentlich verbesserten Bildauflösung und einer höheren Farbgenauigkeit. Zum Vergleich: Während VHS bezogen auf die gesamte Bildbreite 320 Linien aufweisen kann, sind es bei S-VHS ca. 530 Linien.

Außerdem nutzt S-VHS eine höhere Trägerfrequenz des Helligkeitssignals. Die Bandbreite von S-VHS beträgt 4 MHz gegenüber 3 MHz bei VHS. Um die Verbesserungen zu realisieren, sind andere Bandbeschichtungen nötig. Das S-VHS-Band besitzt eine Eisenoxid-Beschichtung mit einer höheren Magnetpartikeldichte.

Ein weiterer wesentlicher Unterschied zum VHS und wichtig zur Verbesserung der Bildqualität war die Trennung von Helligkeits- und Farbsignal. Dies war nicht nur bei der Aufnahme der Fall. Die Trennung wurde auch durch die Signalwege (Kabel und Stecker) zu den jeweiligen End- bzw. Quellgeräten gewährleistet.

S-Video Eingang/Ausgang unabdingbar

In diesem Zusammenhang hatte sich der sogenannte S-Video-Eingang/Ausgang etabliert. Diese Kabel übermittelten sowohl das Luminanz-Signal (Schwarz-Weiss) als auch das Chrominanz-Signal (Farbe) auf separatem Wege. Für S-Video werden sogenannte Hosidenstecker verwendet. Der sogenannte Composite-Eingang/Ausgang, der beide Signale zusammen transportiert, wird mit einem einfachen Cinch-Stecker/Kabel betrieben,

Die S-VHS-Kassetten entsprechen in ihren Abmessungen den normalen VHS-Kassetten. Sie unterscheiden sich von diesen durch eine Öffnung in der Unterseite. Mithilfe dieser Öffnung ist der Recorder in der Lage, zu erkennen, dass es sich bei der eingelegten Kassette um ein S-VHS-Tape handelt.

Mini-DV: Seine Spezifikationen und Besonderheiten

Die Besonderheit gegenüber S-VHS besteht bei DV bzw. Mini-DV darin, das Video und Audio digital aufgezeichnet werden. Sie werden dabei auf ca. 10 Prozent des ursprünglich benötigten Speicherplatzes reduziert. Dabei werden die Bildinformationen mithilfe verschiedener Verfahren komprimiert. Diese sind dem heute bekannten MJPEG nicht unähnlich.

Die Datenrate des Signals, das mit diesem DV-Codec komprimiert wurde, liegt bei 3,125 Mbyte pro Sekunde. Somit ist die Qualität gegenüber der analogen S-VHS-Technik um Einiges besser. DV benutzt eine Bildauflösung von 720 x 576 Bildpunkten im PAL-Format und 720 x 480 Bildpunkte im NTSC-Format.  Im Audiobereich wird eine Abtastrate von 48 kHz sowie eine 16-Bit-Auflösung verwendet. Eine Besonderheit besteht darin, dass bis zu 4 Tonspuren aufgezeichnet werden  können.

Mini-DV-Kassetten besitzen eine Kapazität von 60 oder 80 Minuten Spieldauer. Dies gilt für die ganz normale Aufnahme im Standard-Play-Modus. Wie auch S-VHS kennt Mini-DV auch einen Long-Play-Modus. Damit ist es möglich, auf eine Kassette mit 60 Minuten Spieldauer 90 Minuten Video- und Audiomaterial zu speichern. Kassetten mit 80 Minuten SP-Spieldauer können so mit 120 Minuten Longplay bespielt werden.

Was ist eigentlich Long Play?

Zur Erklärung: Im sogenannten Long-Play-Modus werden die gleichen Daten wie im Standard-Play-Modus auf das Band geschrieben. Die Bildqualität ist daher fast identisch. Der Unterschied besteht darin, dass das Band bei der Aufnahme mit einer um 33 Prozent geringeren Geschwindigkeit abgespielt wird.

DV-Geräte (also Camcorder und auch die hier thematisierten Kombigeräte) besitzen dieselben analogen Schnittstellen wie S-VHS. Diese sind im besonderen Composite und S-Audio-Anschlüssen. Um das Signal ohne Verlust übertragen zu können, wird allerdings auch eine digitale Schnittstelle benötigt. Diese besteht in der Form eines Firewire-Anschlusses. Diese Schnittstelle wird auch oft als DV-Out bezeichnet und dient insbesondere zu Verbindung mit einem PC. Hier können Videos bearbeitet und verlustfrei per Firewire wieder auf das Mini-DV-Tape zurückgespielt werden.

Achtung: Der hierzu notwendige DV-In-Eingang ist nicht bei allen Geräten existent. Das hatte insbesondere mit den Importzöllen für Mini-DV-Geräte zu tun. In Europa galten Camcorder mit DV-In-Schnittstelle als Videorecorder und wurden daher höher bezollt. Bei vielen Geräten wurde deswegen der DV-In-Eingang gesperrt.

Welche Features Kombi-Recorder mitbringen

Kombigeräte mit integrierten Mini-DV- und S-VHS-Recordern können eine ganze Menge. Zum einen lassen sich Mini-DV und S-VHS-Tapes wiedergeben. Hierzu muss ein Fernseher angeschlossen sein. Hierfür können Sie bei diesen Geräten eine Menge an Anschlüssen nutzen. Die Grundausstattung eines Mini-DV-S-VHS-Kombi-Recorders sieht folgende Schnittstellen vor:

  • RF Out: Hier können Sie ein Fernsehkabel anschließen
  • AN IN bietet eine Anschlussmöglichkeit für ein Antennenkabel
  • 1 oder 2 Scart (AV1, AV2) zum Anschluss am Fernseher
  • S-Video Out zum Anschluss eines weiteren Camcorders oder S-VHS-Gerätes
  • Audio out in Form zweier Cinch-Anschlüsse für Stereophonie

Weiterhin können Sie mithilfe eines solchen Gerätes bequem von Mini-DV zu S-VHS oder von S-VHS zu Mini-DV überspielen. Da S-VHS auch VHS-Kassetten abspielt, haben Sie somit die Möglichkeit, normale VHS-Kassetten auf Mini-DV aufzuzeichnen. Darüber hinaus dient das Gerät natürlich auch als ganz normaler Videorecorder. Sprich: die Aufnahme des Fernsehsignals ist weiterhin möglich.

Die Fülle an verschiedenen Aufnahmefunktionen und –Möglichkeiten ist bei den Geräten sehr groß. Hier stehen Ihnen verschiedene Programme zur Verfügung, die die Aufnahme und das Editieren von Tapes ermöglichen. Selbstverständlich haben Sie dabei die Wahl, ob Sie ein Band einfach nur als Ganzes kopieren oder ob sie manuell bzw. individuell aussuchen wollen, was überspielt werden soll.

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