Sie müssen ja nicht gleich Rock'n Roll dazu tanzen! Rockabilly-Petticoats und Fifties-Looks

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Sie müssen ja nicht gleich Rock'n Roll dazu tanzen! Rockabilly-Petticoats und Fifties-Looks

Die 1950er-Jahre waren nach dem Zweiten Weltkrieg geprägt vom Wiederaufbau und Weltwirtschaftswunder. Die Menschen – besonders die Jugend – wollten das Leben wieder genießen und gönnten sich gelegentlich wieder kleine "Luxus-Güter". Dieses spiegelte sich in der faszinierenden und charakteristischen Mode dieser Zeit wieder, die sich bis heute großer Beliebtheit erfreut. Welche Kleidungsstücke – neben dem Petticoat – typisch für die Fifties sind und wie Sie diese stilecht kombinieren und stylen, zeigt Ihnen dieser Einkaufsratgeber.

Rockabilly und die Mode der Fifties

Ursprünglich beschreibt der Begriff Rockabilly eine Unterart des Musikstils Rock 'n' Roll. Populär ist dieser in den 1950er-Jahren besonders in den amerikanischen Südstaaten. Die Wurzeln des Rockabilly, dessen Blütezeit von 1954 bis 1958 andauert, liegen im Country und Rhythm and Blues. Kommerziellen Erfolg haben jedoch die wenigsten der Rockabilly-Musiker, von denen es Hunderte gibt. Bekannte Vertreter dieser Musikrichtung sind Elvis Presley, Buddy Holly und Johnny Cash. Unter dem Begriff Rockabilly wird heute jedoch auch die Mode der 1950er-Jahre und das dazu gehörige Styling gefasst. Die Damenmode der Zeit ist durch feminine Silhouetten geprägt. Sie wird charakterisiert durch schmale Taillen, runde Hüften und weich abfallende Schultern.

Der Petticoat und seine Geschichte

Dank mehrerer Lagen Stoff wirkt der Petticoat bauschig und gibt Tellerröcken, die darüber getragen werden, Halt und Form. Der Petticoat gehört fest zur Mode der Fifties und der aktuellen Rockabilly-Szene. Den weiten mehrlagigen Unterrock hat es jedoch schon vorher gegeben. So werden bereits im 16. Jahrhundert Petticoats genutzt, um weite Röcke zu formen und zu stützen. Alternativ übernehmen diese Funktion im Laufe der Modegeschichte auch immer mal wieder Reifröcke, wobei die Reifen aus Federstahl, Fischbein oder Holz bestehen. Je nach Mode und Epoche betonen diese ausladenden Kreationen die Hüfte (Panier) oder den Po (Cul de Paris). Die Krinoline hingegen macht den Rock besonders weit, wobei im 19. Jahrhundert ein Saumumfang von bis zu acht Metern erreicht wird. Zum Ausklang des 19. Jahrhunderts endet die Ära der Reifröcke mit dem letzten Modell: der Tournure, die das Gesäß betont. Danach werden Reifröcke – bis heute – hauptsächlich noch für Brautkleider verwendet, um dem festlichen Rock mehr Volumen zu verleihen.

Erst in den 1940er-Jahren kommt der Petticoat wieder auf. Mit dafür verantwortlich ist die "Ligne Corolle" des französischen Designers Christian Dior. Dessen "New Look", der die femininen Silhouetten definiert, prägt die Damenmode bis in die 1960er-Jahre. Besonders populär wird der Petticoat jedoch ab 1954 mit dem Erfolg des Rock 'n' Roll. Seine weite schwingende Form erlaubt es, zu den schnellen Rhythmen dieser Musik – und auch später zum Twist – zu tanzen. Als ab 1966 der Minirock die Modewelt erobert, verdrängt er die Mode mit Petticoat. Petticoats gibt es in unschuldigem Weiß, schlichtem Schwarz und knalligen Farben wie Rot. Besonders kess wirkt es, wenn der Saum des Petticoat unter dem Rock hervorlugt. Für diesen Zweck ist der Saum des Petticoats häufig mit einer schicken Spitze oder Bordüre verziert.

Tellerröcke – der typische Rock über dem Petticoat

Der klassische Kombinationspartner zum Petticoat ist der knielange Tellerrock bzw. ein Kleid, dessen Rockteil wie ein Tellerrock geschnitten ist. Auch Cocktailkleider werden zu besonderen Anlässen mit dem Petticoat in Form gebracht. Dieser weite, locker fallende Rock weist auf den ersten Blick Ähnlichkeit mit einer A-Linie auf. Wird er jedoch ausgebreitet oder dreht sich die Trägerin schnell um ihre eigene Achse, macht der Rock seinem Namen alle Ehre und entfaltet sich zu einem großen Teller. Diese Röcke haben in den Fifties oft Verzierungen und werden von jungen Mädchen in Kombination mit flachen Sattelschuhen getragen. Diese sind besonders gut zum Tanzen geeignet und sind oft aus Lackleder, bevorzugt schwarz und weiß, gefertigt. Heute werden gerne unifarbene Kreationen oder Modelle mit Polka Dots getragen.

Der Bleistiftrock – der enge Gegensatz zum Petticoat

Ende der 1940er-Jahre präsentiert der französische Modeschöpfer Christian Dior den Bleistiftrock. Dieser liegt am Gesäß und den Oberschenkeln eng an und ist meist knielang. Dabei erleichtert ein Schlitz oder die sogenannte "Dior-Falte" am Rücken das Laufen in dem schmalen Kleidungsstück. In den 1950er-Jahren besitzen die Seidenstrümpfe noch Nähte, die hinten am Bein entlang laufen. Diese perfektionieren auch heute noch den Fifties-Look. Zum eleganten Bleistiftrock machen Pumps schöne lange Beine. Moderne Interpretationen variieren mit Schleifen, Volants und Knopfleisten. Während der 1950er-Jahre ist die feminine Silhouette von besonderer Bedeutung. Busen und Hüfte werden betont, um eine schlanke Wespentaille zu erzeugen.

Die Capri-Hose – die gewagte Alternative zum Rock

Hosen rücken in der Mode der 1950er-Jahre in den Hintergrund. Röcke – ob eng anliegend oder weit schwingend – dominieren hingegen das Straßenbild. Eine Ausnahme bildet die Capri-Hose. Diese hat ihren Ursprung auf der gleichnamigen Insel. Kreiert wird sie von der deutschen Designerin Sonja de Lennart während der Jahre 1945 bis 1948 im Zuge ihrer "Capri-Collection". Zu dieser gehören zudem ein Capri-Rock und eine Capri-Bluse sowie ein Capri-Hut und ein Capri-Gürtel als passende Accessoires. Die Capri-Hose wird charakterisiert durch ihre Dreiviertellänge. So reicht das Hosenbein bis über das Knie, maximal bis zur Wade. Da die Hose etwas Bein freilässt, in Zeiten, in denen Frauen auf Capri nicht zu viel Bein zeigen dürfen, gilt die Hose als revolutionär. Das erste Modell hat keine Hosentaschen, verfügt dafür jedoch über je einen kurzen Schlitz seitlich am Saum, der es ermöglicht, das Hosenbein umzuschlagen. Bereits kurze Zeit später tragen Schauspielerinnen wie Mady Rahl und Erni Mangold die Capri-Hose. Weltweite Berühmtheit erlangt sie schließlich durch Audrey Hepburn, die die Dreiviertelhose im Film "Sabrina" trägt. Weitere berühmte Trägerinnen wie Doris Day, Marilyn Monroe oder Jaqueline Kennedy machen die Hose salonfähig. Die Modelle gibt es heute mit fröhlichen Prints, in schlichten Pastelltönen oder als lässige Jeans. Damit die engen Kreationen besser sitzen, verfügen sie über einen gewissen Anteil an Elasthan.

In den 1950ern charakteristisch für Pin-ups, sorgen sie heute im Sommer für attraktive Beine: Shorts. Knapp unter dem Gesäß endend mit hoher Taille, betonen sie den Po und sorgen für eine perfekte Sanduhr-Silhouette. Besonders mit Pumps setzen Sie Ihre Beine gekonnt in Szene, wenn Sie Hosen der Fifties tragen.

Die passenden Oberteile zum Fifties-Look: Blusen und Twin-Sets

Besonders enge Blusen mit leichten Puffärmeln oder Rüschenverzierungen werden in den 1950er-Jahren zu Röcken und Hosen getragen. Der kleine Kragen kann dabei abgerundet (Bubikragen) oder gerade (Hemdkragen) sein. Auch Schluppenblusen stehen stellvertretend für den typischen Fifties-Look. Gerne werden heute auch Blusen im Matrosen-Stil getragen, inspiriert von den Pin-ups. Moderne Interpretationen nehmen zudem gerne Motive wie Kirschen, Anker, Streifen oder Polka-Dots auf. Besonders frech wirken Blusen, die am Bauch geknotet werden. Im Sommer sind sie zudem luftig frisch. Um dem Stil der konservativ geprägten Fifties treu zu bleiben, sollte jedoch der Rock oder die Hose so hoch geschnitten sein, dass der Bauchnabel dabei züchtig bedeckt ist. Sehr beliebt – besonders tagsüber – sind in den Fifties auch Twin-Sets. Diese Kombination aus Top und passender Strickjacke erweist sich als schick und praktisch zugleich.

Die passenden Schuhe zum Fifties-Look

Damit der Fifties-Look stilecht wird, gehören die richtigen Schuhe dazu. Von flachen Ballerinas bis zu hochhackigen Pumps, von sportlich bis elegant findet jede Frau die Schuhe, die zudem ihren persönlichen Stil unterstreichen. Elegant, jedoch nicht zu hoch sind Kitten Heels. Wedges hingegen bieten mit ihrem Keilabsatz guten Stand, wobei ein Keilabsatz in Bast-Optik einen besonderen Akzent setzt. Ob Slingpumps, Ballerinas oder Peeptoes: Einen besonders charmanten Akzent setzen Schleifen an der Hacke oder auf dem Vorderblatt. Dieses läuft bei typischen Kreationen im Fifties-Look primär abgerundet zusammen. T-Strap-Modelle und Mary-Jane-Pumps bieten bei hohen Absätzen nicht nur mehr Halt, sie sind wahre Ikonen der Schuhmode. Auch zweifarbige Kreationen verkörpern den charakteristischen Stil der 1950er-Jahre. Ränder oder Schuhspitzen mit individuellem Lochmuster setzen gekonnt modische Akzente.

Die passenden Accessoires zum Fifties-Look

Um den Fifties-Look perfekt abzurunden, benötigen Sie die passenden Accessoires. So können Sie zu einem lässigen Outfit ein Tuch um das Haar binden. Auch um den Hals setzt ein buntes Tuch einen charmanten Akzent. Beliebt sind dabei unter anderem Tierfellmuster, Kirschen oder Polka-Dots. Elegant wirkt ein Hut. Dieser sollte farblich unbedingt auf die Schuhe abgestimmt sein. Eine moderne Variante ist der kleinere Fascinator, der mit Spitzenelementen und Applikationen wie Federn, Blumen oder Schleifen verziert ist. Besonders edel wirken dazu eng anliegende Handschuhe.

Was Sie beim Stylen des Fifties-Looks beachten sollten

Bis heute gilt der Fifties-Look als stilvoll und außerordentlich feminin. Setzt er heute ein Modestatement, war er seinerzeit Ausdruck des finanziellen Status und der Rebellion. Mussten die Röcke während des Krieges noch eng sein, um Stoff zu sparen, werden weite Tellerröcke, die zusätzlich durch Petticoats gestützt werden, getragen. Doch auch eng anliegende Pencil Skirts gehören ebenso wie die Capri-Jeans zur Mode der 1950er-Jahre. Die Blusen sitzen eng, um die feminine Sanduhr-Silhouette zu kreieren. Perfektioniert wird der Look durch die Accessoires und das Styling. Achten Sie bei der Kombination darauf, dass Hut, Handtasche, Pumps und Handschuhe farblich aufeinander abgestimmt sind. Bei den Frisuren dominiert ein voller, gerader Pony. Dieser wird bei langen Haaren gerne mit Pferdeschwanz getragen. Doch auch kurze, in Wellen gelegte Haare ergänzen den Look optimal. Die Augen werden durch einen dicken Lidstrich auf dem oberen Lid mit Hilfe von flüssigem Eyeliner betont. Roter Lippenstift lässt Ihre Lippen sinnlich und verführerisch wirken. Der Fifties-Look ist bis heute Ausdruck eines gewissen Lebensstils. Und falls Sie dann auch noch tanzen wollen, findet sich bestimmt noch eine Jukebox mit Rockabilly-Stücken in Ihrer Umgebung.

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