Sicher ganz nach oben: Tipps für die Auswahl von Bergsteiger- und Kletterschuhen

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Sicher ganz nach oben: Tipps für die Auswahl von Bergsteiger- und Kletterschuhen

Eines der liebsten Urlaubsziele sind die Berge. Wer von einem hoch gelegenen Gipfelkreuz aus schon einmal die Aussicht genossen hat, weiß, wovon hier die Rede ist. Das Bergwandern erfordert jedoch eine spezielle Ausrüstung, besonders an den Füßen. Einen 3000 Meter hohen Berg mit Sandalen zu besteigen, ist wenig zielführend. Die normale Wanderausrüstung zu erweitern, ist oft notwendig – besonders dann, wenn Schnee und Eis ab einer gewissen Höhe die Landschaft bestimmen.

Auch für das Klettern im Fels oder in der Halle wird spezielles Schuhwerk benötigt. Dieser Ratgeber möchte Ihnen daher einen kleinen Überblick zum Thema Bergsteiger- und Kletterschuhe geben. Unter „Bergsteigerschuhe" versteht der Ratgeber alle Outdoorschuhe, die sowohl zum Bergwandern als auch zum alpinen Bergsteigen genutzt werden können. In diesem Zusammenhang werden also auch Wanderschuhe- und Stiefel betrachtet. Der Ratgeber gibt Ihnen weiterhin wichtige Informationen zur Verarbeitung, zu Materialien und zur richtigen Pflege der Bergsteiger- und Kletterschuhe.

Kleine Geschichte des Bergsteigens

Das Phänomen, dass Menschen Berge besteigen, lässt sich bis weit in die Vergangenheit hinein verfolgen. Eine der ersten literarisch überlieferten Bergwanderungen geht auf die römische Antike und Hannibal zurück. Dieser überquerte die Alpen im Zuge des 2. Punischen Krieges, mit 9000 Soldaten, die noch nie zuvor Eis und Gletscher gesehen hatten. Diese Alpenüberquerung hatte jedoch noch einen kriegerischen Zweck. Als erste richtige Bergbesteigung wird oftmals die Besteigung des Mont Ventoux durch Francensco Petrarca genannt. 1336 erklomm dieser den Gipfel des Mont Ventoux, nur um die „ungewöhnliche Höhe" und die Aussicht genießen zu können.

Auch der Mont Blanc ist schon oftmals in die Bergsteigerhistorie eingegangen. Erstmals geschah dies am 7. August 1786 durch zwei Bergsteiger: Jacques Balmat und Michel-Gabriel Paccard. Auch der große Alexander von Humboldt schrieb in der Folgezeit Bergsteigergeschichte, als er auf seiner Reise durch Süd- und Mittelamerika den 5878 Meter hohen Chimorazo bestieg. Damals galt dieser als höchster Berg der Welt. Von Humboldt will ihn mit gewöhnlichen Straßenschuhen bestiegen haben.

Im 19. und im 20. Jahrhundert verlagert sich die populäre Geschichte der Bergbesteigungen auch in den Bereich des Himalaya-Gebirges. Hier sind vor allen Dingen die beiden höchsten Berge der Welt, der K2 sowie der Mount Everest zu nennen. An ihnen versuchen sich die Profibergsteiger immer wieder, nicht selten auch mit einem tödlichen Ausgang. Namen wie George Mallory, Tensing Norgay, Edmund Hillary, Heinrich Harrer sind hierbei zu nennen.

Arten und Formen von Bergwanderschuhen

Auch wenn man nicht gerade den Mount Everest besteigen möchte: Gutes Schuhwerk zum Bergwandern ist unabdingbar. Die Schuhe - egal um welche Kategorie von Outdoor-Schuhen es sich handelt (s.u.) – sollen den Fuß schützen und besonders entlasten. Denn der Fuß ist bei Bergtouren besonderen Belastungen ausgesetzt. Diese Belastungen entstehen beispielsweise durch die spezielle Beschaffenheit des Bodens (uneben, rutschig etc.). Oder sie werden durch besondere Gewichtsbelastungen hervorgerufen, denen man im Alltag nicht unterworfen ist (zum Beispiel durch das Tragen schwerer Rucksäcke). Der Schuh muss also so konzipiert sein, dass er eine vorzeitige Ermüdung des Fußes sowie etwaigen Verletzungen vorbeugt.

Wander- und Bergschuhe sind deswegen im Gegensatz zu herkömmlichen Schuhen mit einer festeren Sohle ausgestattet. Darüber hinaus sind die Schuhe zumeist überknöchelhoch und sorgen dadurch für mehr Stabilität. Das sich in den letzten Jahrzehnten die Ansprüche an Outdoorschuhen immer mehr ausdifferenziert haben, hat der Schuhhersteller Meindl in den 1970er Jahren ein Kategoriensystem geschaffen, dass die Einordnung erleichtert. Dieses reicht von A (Leichtwanderschuhen) bis D (Hochgebirgsschuhe). Es haben sich auch noch weitere Zwischenformen gebildet.

  • A steht für den allgemeinen, auch im Alltag einsetzbare Leichtwanderschuh.
  • AB ist ein Leichtwanderschuh mit einem etwas höheren Schaft sowie einer steiferen Sohle. Er ist gut für kurze Touren und leichtes Gepäck geeignet.
  • B ist der klassische Trekkingschuh. Dieser ist ausgelegt für lange Wanderungen und unbefestigtes Gelände mit schwerem Gepäck.
  • BC bezeichnen Trekkingstiefel. Die Stiefel haben einen hohen Schaft, sind generell schwerer und ihre Sohle ist noch mal steifer. Sie sind für den alpinen Einsatz konzipiert. Sie lassen sich auch im Zusammenspiel mit leichten Steigeisen nutzen.
  • C sind Hochgebirgsschuhe. Diese robusten Bergsteigerschuhe sind auf unwegsame Untergründe ausgelegt. Man benutzt sie für Fels, Gletscher und Geröll. Steigeisen lassen sich auch mit ihnen nutzen.
  • CD sind Hochgebirgsschuhe, die voll und ganz auf die Verwendung von Steigeisen ausgelegt sind. Sie besitzen einen Sohlenüberstand, was sie u. a. für die Verwendung von Automatiksteigeisen prädestiniert.
  • D sind schließlich Steigeisenschuhe für das Hochgebirge, die ausschließlich für extreme Einsätze entworfen sind.

Verarbeitung und Materialien von Bergwanderschuhen

Bergwanderschuhe werden in der Regel geklebt und genäht. Bei modernen Schuhen herrscht heute die geklebte Konstruktionsweise vor. Der Vorteil: Die Produktion des Schuhs ist wesentlich billiger. Doch es gibt auch funktionale Vorteile. So kann die Innensohle eines geklebten Schuhs beispielsweise aus Kunststoff gefertigt werden, und so auf die speziellen Erfordernisse des Einsatzzweckes angepasst werden.

Was die Materialien angeht, so wird der Außenschaft aus Leder oder Kunstfaser (Nylon) gefertigt. Auch eine Kombination aus beidem Materialien ist möglich. Der Innenschaft (das Futter) besteht aus Kunstfaserfilzen, Leder oder wiederum aus einer Kombination aus beidem. Seit einigen Jahrzehnten werden sogenannte „Klimamembranen" verwendet. Dies sind dünne Folien, die keine Feuchtigkeit herein- jedoch herauslassen können.

Die Wasserundurchlässigkeit ist überall dort gefährdet, wo es Nähte gibt. Das betrifft auch die besseren Wanderstiefel, die zumeist über eine dreifache Naht verfügen. Hin zur Sohle werden bei geklebten Schuhen Wetterschutzränder aus Gummi verwendet, die rings um den Schuh herumlaufen. Bei genähten Schuhen fällt dieser Rand weg. Das Material der Sohlen bei Bergwanderschuhen ist ebenfalls Gummi. Gummiprofilsohlen besitzen die beste Haftung und sind lange haltbar. Bei Wander- bzw. Trekkingschuhen und –Stiefeln gibt es zwei verschiedene Sohlearten: zum einen flache Sohlen, zum anderen sogenannte Formsohlen mit hochgebogenem Rand. Die Mischung des Gummimaterials ist dabei immer auf den speziellen Zweck hin optimiert (Eiswandern, Schnee, Geröll etc.).

Die Zwischensohle besteht aus einem dämpfenden Material, zumeist aus Polyurethan. Das Material altert schneller als das übrige Schuhmaterial. Es wird nach einigen Jahren spröde. Ist das der Fall, sollte man die Zwischensohle bzw. den Dämpfungskeil bei einem Reparaturservice auswechseln lassen.

Eigenschaften von Kletterschuhen

Kletterschuhe unterscheiden sich von Bergwanderschuhen besonders durch ihre hohe Haftreibung. Diese benötigen sie, um beim Klettern möglichst viel Halt zu geben. Die meiste Kraft geht beim Klettern von den Beinen aus. Daher sollte man den Nutzen von guten Kletterschuhen nicht unterschätzen. Der Kletterschuh wird somit beim Felsklettern, beim Hallenklettern, beim Alpinklettern und Bouldern verwendet.

Ein weiteres wichtiges Unterscheidungsmerkmal gegenüber Bergwanderschuhen ist die sehr weiche Sohle des Kletterschuhs. Außerdem sitzen sie sehr eng am Fuß. Kletterschuhe werden als Schnürschuhe angeboten, mit Klettverschluss und als Slipper. Im Gegensatz zum Bergschuh liegt die Fußbelastung beim Kletterschuh auf den Zehen. Daher muss der Schuh maximale Stabilität besonders im vorderen Zehenbereich erreichen.

Hier wird besonders der große Zeh belastet. Durch die möglich eng anliegende und im Innenbereich luftfreie Formgebung des Schuhs wir die Kraftausnutzung optimiert und die Fußmuskulatur bestmöglich unterstützt. Hierdurch werden sehr kleine Tritte möglich sowie ein hoher Druck auf kleinen Flächen (Zehenspitzen).

Wie sucht man die richtigen Kletterschuhe aus?

Als Faustregel gilt: Je höher der Schwierigkeitsgrad beim Klettern, desto eng anliegender die Schuhe. Als Anfänger genügt es, dass dieser einen normalen festsitzenden Schuh verwendet. Bei der Anprobe von Kletterschuhe sollten die Zehen allerdings aktiv geballt werden.

Kletterschuhe können sich nach einiger Zeit der Nutzung dehnen. Dies ist besonders bei Kletterschuhen der Fall, die aus Naturleder gefertigt worden sind. Sinnvoller ist es daher, Schuhe aus Kunstleder bzw. Kunstfasern zu kaufen. Auch der Erwerb gleich mehrerer Paare kann sinnvoll sein. Damit kann man sich auf unterschiedliche Schwierigkeitsgrade am besten und schnellsten einstellen.

Wie man die Schuhe richtig pflegt

Bergschuhe und auch Kletterschuhe sollten gut gepflegt werden, damit diese lange einsatzfähig bleiben. Gönnen Sie Ihren Schuhen etwas Gutes. Wie die richtige Reinigung und Pflege bei Bergschuhen aussieht, soll im Folgenden kurz beschrieben werden.

  • Die Schuhe sollten regelmäßig nach jedem Gebrauch gereinigt werden. Warum nach jedem Gebrauch? Weil man so den Schmutz noch am besten abbekommt, ohne das er schon über längere Zeit eingetrocknet ist. Sind die Schnürsenkel schmutzig, kann man diese getrost in die Waschmaschine geben. Einlegesohlen lassen sich in einem Waschbecken aufweichen, um unangenehme Gerüche loszuwerden.
  • Wanderstiefel sollten ebenfalls regelmäßig imprägniert werden, damit es keine nassen Füße gibt. Imprägniermittel sollte immer dann zu Einsatz kommen, wenn das Wasser nicht mehr vom Schuh abperlt. Dies ist ein Zeichen dafür, das die Imprägnierschicht nicht mehr leistungsfähig genug ist. Weiterhin können Sie Ihre Schuhe mit warmem Wasser auswaschen und anschließend bei Zimmertemperatur trocknen lassen. Das Innenfutter lässt sich mit einem Pflegemittel behandeln.
  • Spezielles Lederpflegemittel sollte dann an Lederschuhen zum Einsatz kommen, wenn das Leder an manchen Stellen spröde wird.
  • Weiterhin sollten Sie regelmäßig die Schnürsenkel auswechseln. Achten Sie dabei darauf, dass die neuen Schnürsenkel die richtige Länge (der alten Schnürsenkel) aufweisen.
  • Ist die Sohle der Wanderschuhe durchgelaufen, der Schuh als solcher jedoch noch gut in Schuss, sollten Sie über einen Austausch bzw. eine Reparatur nachdenken. Werfen Sie die Schuhe nicht direkt weg. Die Reparatur sollte dabei natürlich von einem Fachmann vorgenommen werden. Manche Hersteller wie Scarpa, Mountain Hourse, Lowa, Meindl oder Imperial bieten auch einen eigenen Reparaturservice an.
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