Shoei XR 1000

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Vorabinformation:
Seit mittlerweile über 5 Jahren arbeite ich im Verkauf von Motorradzubehör. Ich hoffe, dass ich durch meine Erfahrung in diesem Testbericht auch mal die eine oder andere Information herüberbringen kann, die nicht in jedem Katalog oder Vergleichsttestbericht steht

Persönlicher Kaufentscheid:
Seitdem der Helm im Regal in meiner Filiale stand, fand ich ihn optisch sehr ansprechend. Auch die Passform war perfekt, soweit man das im Laden feststellen kann. Tragekomfort absolut angenehm, kein Wackeln. Die Verbesserungen gegenüber dem XR 900 waren vom Papier her beeindruckend. Nun wollte ich bei einer Probefahrt dem Helm mal richtig auf den Zahn fühlen.
Tja, was soll ich sagen. Ich habe ihn sofort gekauft. Mich hat an diesem Helm wirklich fast alles überzeugt. Im Folgenden werde ich detailierte Auskünfte über alle Einzelheiten des Helms geben.

Helmschale:
Hier kann ich leider nicht alle Einzelheiten aufzählen, die man zu Helmschalen und deren Materialien nennen kann. Die Helmschale besteht jedenfalls aus einer Handlaminierten Fiberglas Außenschale. Die Vorteile, die man hier gegenüber einer Thermoplast oder auch Polycarbonataußenschale hat sind sehr vielfältig. Der Helmhersteller kann hier verschiedene Materialien in verschiedenen Wandstärken verwenden, was unterm Strich zu einer wesentlich besseren Stoßdämpfung und einem niedrigeren Gewicht führt. Außerdem verspröden Faserwerkstoffe wie Fiberglas, Carbon und Kevlar im Gegensatz zu billigen Kunststoffen nicht unter Sonneneinstrahlung, was zu einer längeren Haltbarkeit führt. Der einzige Nachteil dieser Konstruktion ist natürlich der Preis. Plastikhelme können ab 30€ verkauft werden, weil die Schale nur einmal gespritzt wird und ansonsten keinerlei Handarbeit von Nöten ist.
Eine wichtige Sache, die in Helmtests a la Stiftung Warentest nie erwähnt wird, ist die Anzahl der verschiedenen Helmschalengrößen. Zum Beispiel der Schuberth S1, der in Deutschland ja größtes Ansehen genießt, wird nur in einer Helmschale gefertigt. Das heißt, dass eine kleine, zierliche Frau, die vielleicht Größe XS hat, den schwersten Helm aufsetzen muss. Denn zu der für die Helmgröße riesigen Schale muss noch eine Unmenge an Polster verwendet werden, um den Helm auf die Größe zu bekommen. Außerdem liegt es auf der Hand, dass Helmschale und Helmpolster hier in keinem Fall im optimalen Verhältnis stehen können.
Beim Shoei XR1000 und dem Raid II werden drei Helmschalen gebaut, um den Helm möglichst perfekt an den jeweiligen Kopf anzupassen. Mir ist völlig unverständlich, wie so eine wichtige Information in Helmvergleichstests immer wieder unterschlagen wird.

Verschluss:
Shoei verbaut mittlerweile ausschließlich den Doppel-D Verschluss. Dieser hat nichts mit der gleichnamigen BH-Größe zu tun, sondern beschreibt lediglich die beiden Metallringe, durch die der helmriemen gezogen wird. Häufig halten Leute den Steckverschluss für den besseren Verschluss, was aber falsch ist. Dieser kann bei unglücklichen Unfällen aufspringen und das Anpassen auf die jeweils gewünschte Länge (verschiedene Fahrer, Halstuch - kein Halstuch) ist einer Arbeit für jemanden, der Vater und Mutter erschlagen hat und wird deshalb meistens vernachlässigt. Der Doppel-D Verschluss wird einfach auf die richtige Länge zusammengezogen und kann sich nicht mehr lösen.

Innenausstattung:
Hier wird ein antiallergenes Innenfutter verwendet, was keinerlei Hautreizungen zur Folge haben soll. Außerdem sind die Wangenpolster herausnehmbar. man kann sie also mühelos im Waschbecken reinigen oder bei Bedarf nach mehreren Jahren, falls der Helm etwas lockerer geworden ist, für nur 20€ austauschen. Bei anderen helmen müsste man sich evtl. für 400€ einen neuen Helm kaufen. Genau wie die teurere Außenschale rechnet sich der Helm hier mit der zeit.

Passform:
Die Passform ist natürlich von Kopf zu Kopf unterschiedlich. Nicht jeder Helm kann auf jeden Kopf passen. Mir passt zum Beispiel kein Arai RX-7 für 800€, der ansonsten sicherlich ein sehr guter Helm ist, aber deshalb keine schlechte Passform hat. Der XR1000 passt mir jedenfalls wie angegossen. Ich kann auch bei über 200 km/h einen Schulterblick machen, ohne dass der helm sich verschiebt. Auch bei augefahrener Geschwindigkeit (ca.280) wackelt nichts. Andere Helme haben mir hier durch den Winddruck mit der Schale aufs Kinn gedrückt.

Belüftung:
Es gibt verstellbare Kinn- und Stirnbelüftung, sowie zwei Entlüftungen am Hinterkopf. Es gibts überdurchschnittlich viel Luftzirkulation im Helm, was gerade im Sommer sehr angenehm ist. Die Lüftungen sind auch mit Handschuhen während der Fahrt gut zu betätigen.

Visier:
Auch hier wurde die beste Lösung verwendet, die der Markt hergibt. Ein Pinlock Doppelvisier. Es lässt sich bei Bedarf entfernen, ist aber nicht nötig, weil es die Sicht in keiner Weise beeinträchtigt. Dieses Visier ist bei unseren klimatischen Verhältnissen absolut beschlagfrei und kann nicht (wie die Antifogbeschichtungen bei Schuberth) abblättern. Im Labortest des Motorradhelmvergleichs hielt die Beschichtung dem Beschlagen um ein Vielfaches länger stand als die beschichteten Visiere.
Ein Wechsel des Visieres dauert maximal 10 Sekunden, sobald man mit der Technik vertraut ist. Über zwei Hebel wird das Visier gelöst und anschließend das Neue wieder eingerastet. Das ist besonders wichtig für Leute wie mich, die mal mit klarem und mal mit getöntem Visier fahren.

Gewicht:
Das Gewicht wird mit 1330g vom hersteller angegeben. Jedoch richtet sich das Gewicht natürlich nach der Größe, da ja verschiedene Helmschalen zum Einsatz kommen. Außerdem gibt es durch die Handarbeit an der Außenschale eine leichte Streuung. Unterm Strich liegen die Helme zwischen 1300 und 1450g. Hier wird der Vorteil gegenüber der Konkurrenz deutlich.

Lautstärke:
Man hat seit 2-3 Jahren das Gefühl, dass die Lautstärke die wichtigste Eigenschaft an einem Helm sein muss. Diese Meinung teile ich nicht. Außerdem gibt es keine pauschale Aussage zu einem Helm, da die Fahrgeräusche ja zu 90% von der Sitzhaltung und dem Motorrad (Naked Bike, Volverkleidung etc.) abhängen. Trotzdem lasse ich mich hier zu einer subjektiven Aussage hinreißen, da ich weiß, wie wichtig die Lautstärke für viele Leute ist:
Ich persönlich finde den Helm durchschnittlich laut oder leise :-)
Für die Leute, denen der Helm trotzdem zu laut ist, bietet Shoei den "Whisper Strip" an. Dies ist ein zusätzulicher Kragen, den man von unten zwischen Helmschale und Polster anbringen kann. Dieser kostet 39,95€ und bringt eine ganze Menge. Empfehlen kann ich diesen vor allem Leuten, die auch zur kälteren Jahreszeit fahren. Denn hier besteht der einzige Mangel, den ich bisher am Helm gefunden habe. Was im Sommer sehr angenehm ist, kann im Winter zur Qual werden. Der Nacken ist ohne Whisperstrip ziemlich frei. Wer also auch bei kälterer Umgebung das Motorrad nicht scheut oder wem die Lautstärke sehr wichtig ist, sollte diese knapp 40€ mit einkalkulieren.

Dekore:
Der Helm wird in unzähligen Variationen gefertigt, so dass für jeden Geschmack etwas dabei sein sollte. Auch gibt es ein matt schwarzes Dekor, was in der oberen Preiskategorie sonst kaum zu bekommen ist. Zu den Farbigen Dekoren gibt es den Helm natürlich auch in uni schwarz, weiß und metallic grau. Mein subjektiver Favorit ist das Dekor "Diabolic I". Aber das ist natürlich eine Frage des Geschmacks.

Preis:
Nicht jeder kann und will für einen Helm so viel geld ausgeben, was auch völlig legitim ist. Vergleicht man den Shoei XR100 aber mit der Konkurrenz, finde ich das Verhältnis aus Preis und gebotener Leistung gut.
uni schwarz oder weiß kostet er 379€, grau metallic 399€ und als Dekorversion stolze 479€. Lediglich den Sprung von 100€ auf ein farbiges Modell finde ich etwas happig, auch wenn es in der Herstellung sehr viel Zeit in Anspruch nimmt. Natürlich kann man immer Schnäppchen schlagen, wenn neue Dekore auf den AMrkt kommen und die Alten aus den Regalen müssen. So gab es in diesem Jahr schon für 299€ einen XR1000 mit Dekor. da kann denke ich wirklich keiner mehr meckern, der die Sache realistisch sieht.

Fazit:
Ich hoffe, dass ich mein Ziel erreicht habe, und viele, die den Bericht gelesen haben, nun etwas mehr über diesen Helm und vielleicht auch allgemein über Helme wissen. Falls dennoch etwas fehlt, um diesen Bericht gut zu bewerten, lasst es mich bitte in einem Kommentar wissen. Natürlich freue ich mich auch immer über positive Kommentare.
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