Seniorenhandy

Aufrufe 10 Mal bewertet mit „Gefällt mir” Kommentare Kommentar
Mag ich anklicken, wenn dieser Ratgeber hilfreich war

Siemens S35i – meine Empfehlung als „Seniorenhandy"

Version 1.0 (20. 06. 2008)

Noch schwerer als das richtige Handy für sich selbst ist oft ein Handy für seine Eltern zu finden. Wer erst im Rentenalter den Umgang mit einem Handy erlernt, für den ist jede „überflüssige" Funktion ein Fluch. Was man nicht braucht, führt in der Praxis letztlich nur zu Fehlfunktionen und Frustration. Das muß nicht sein. „Es müßte ein Handy geben, mit dem man einfach nur telefonieren kann". Solche gibt es tatsächlich, auch wenn sie sich offenbar recht gut verstecken können. Eines davon ist das Siemens S35i – zwar recht bekannt, aber meist für seine anderen Qualitäten. Was es in meinen Augen unter anderem(/n) zu einem guten Seniorenhandy macht, will ich hier einmal erläutern.

Ein Modell ohne Stigma

Senioren werden eigentlich nur von anderen als solche bezeichnet. Der Begriff mag ehrfurchtsvoller klingen als „alte Leute", stempelt aber dennoch die so bezeichneten mitleidig als diejenigen ab, die den Anschluß an die modernen Zeiten verloren hätten. Späte Handy-Anfänger wollen zwar ein einfach zu bedienendes Gerät, aber keines, welches sie mit nur drei Tasten als technische Halbaffen darstellt. Das Gerät soll schick sein und nicht das Image eines Modells für Senioren haben. Das Siemens S35i erfüllt diesen Zweck: es ist ein Gerät für firlefanzmüde Nur-Telefonierer jeden Alters. Und es ist kein Gerät, das wenig können würde: es hat sehr wohl einen zeitgemäßen Funktionsumfang – nur eben mit der Möglichkeit, diesen dem Bedarf bzw. Wunsch entsprechend zu reduzieren. Auch die serienmäßigen Bedienungsanleitungen sind zweifach: einmal ausführlich und einmal auf die reine Bedienung bezogen.

Vieles kann, nichts muß

Das Siemens S35i ist also kein leistungsreduziertes Gerät, sondern ein bedienungsvereinfachbares. Es hat zwei wählbare Funktionsumfänge, die sich im Menu als Menu-Umfang „Komplett" bzw. „Schnell" bezeichnen. Man hat also ein funktionsreiches Menu quasi als Techniker-Modus für das programmierende Kind bzw. Schwiegerkind zur Verfügung, kann nach erfolgter Einrichtung bzw. Änderung der gewünschten Einstellungen aber in einen komplexitätsreduzierten Benutzer-Modus wechseln, der in der täglichen Praxis dem Nur-Telefonierer keine Wünsche offen läßt. So läßt sich einfach damit umgehen, ohne dafür in der Auswahl der möglichen Nutzerprofile eingeschränkt zu sein. Die im „kompletten" Menu vorgenommenen Einstellungen sind dabei auch im „schnellen" Menu wirksam. Übrigens gilt dies auch für den Terminkalender: an den Hochzeitstag, Geburtstage etc. wird der Benutzer rechtzeitig (mit dem gewünschten Vorlauf) erinnert. Die Uhr- und Datumseinstellung läuft solange zuverlässig weiter, solange der Akku nicht gerade für mehrere Minuten herausgenomen wird.

Der Akku

ist serienmäßig ein Lithium-Ionen-Akku, hat also nur einen praktisch vernachlässigbaren Memory-Effekt. Das macht ihn zum Freund auch derjenigen, die ihr Handy nur selten nutzen – Angst vor einem ständig wie von Geisterhand plötzlich geleerten Akku ist hier kein Thema (auch wegen der angenehm feinauflösenden Ladestandsanzeige). Handies des Typs S35i werden gebraucht zwar häufig mit Ersatzakku angeboten, mir ist deren jedoch noch kein schwachbrüstiger ins Netz gegangen. Was leider seltener im Angebot (aber auch nur komfortabel und nicht notwendig) ist, ist eine Ladestation mit einem Ladeschacht für das komplette Handy und einem weiteren für einen einzelnen Akku (die übrigens automatisch nacheinander geladen werden, also gerne gleichzeitig eingelegt werden können). Standard ist das kompakte Steckernetzteil – oft auch von Zubehörherstellern, die jedoch gleich gut sind.

Zubehör

Wenn Zubehör mit angeboten wird, ist es am häufigsten eine mobile Freisprecheinrichtung. Auch für diese gilt, daß sie einfachstmöglich zu benutzen ist: einstöpseln zum Benutzen, ausstöpseln zum Nichtbenutzen – man braucht nichts dafür einzugeben (hat also auch keine Fehlermeldung zu erwarten, wenn man sie einfach wieder herauszieht). Die Zubehörpalette ist insgesamt für diese Handygeneration marktüblich, also weder eine besondere Fundgrube noch irgendwo zu mager. Gelegentlich wird eine Software zum Verwalten von Telefonbuch und weiteren nutzerspezifischen Einstellungen angeboten, deren Standard korrespondiert jedoch mit den seinerzeit modernen PC-Betriebssystemen (bzw. einem gerätespezifischen Minicomputer), ist also eher etwas für den eher sammlerisch an diesem Modell Interessierten als für den Alltagsnutzer.

Das Display

Zusätzlich zu den beiden Funktionsumfängen bietet das Gerät auch die Wahl zwischen zwei verschiedenen Schriftgrößen. Für Senioren ist dies insofern von Bedeutung, das es darüber entscheiden kann, ob extra zur Handybedienung die Lesebrille auf- bzw. abgesetzt werden muß oder eben nicht. Hinter dem Begriff „Grafikstil" hingegen versteckt sich die wohl eher unbedeutende Frage, ob man beim Ausschalten von einem Hund oder einem Leuchtturm auf dem Display verabschiedet werden möchte. Für wen Farbkontraste eine wichtige Rolle spielen, sollte wissen, daß es dieses Modell mit zwei Displayfarben gibt: nämlich schwarz auf grün beim anthrazitfarbenen oder schwarz auf orange beim silberfarbenen Gehäuse.

Der Klingelton

ist bei diesem Gerät zwar nicht polyphon, aber individuell einstellbar: als 43. Klangvariante gibt es die Möglichkeit, eine Eigenkomposition im Gerät zu erstellen und abzuspeichern (leider gibt es trotz mehrerer parallel speicherbarer Benutzerprofile nur einen Speicherplatz für diese Melodie, sodaß man nicht eine alte und eine neue Version seiner Eigenkomposition gleichzeitig gespeichert lassen kann) – aber immerhin ist somit gewährleistet, daß man sein Handy jederzeit am maximal individuellen Klingelton erkennen kann. Der Begriff des Klingeltones hat bei diesem Gerät die Dimensionen Melodie, Lautstärke (auch anschwellend oder lautlos) sowie mit oder ohne Vibration. Der auf Wunsch abweichende Klingelton für „VIP-Anrufer" (der natürlich die Erkennung derer Rufnummer voraussetzt) kann in allen Parametern vom Normalklingelton abweichen.

Das Netz

in dem man funken will, ist dank Dual Band frei wählbar zwischen klassischem D-Netz-GSM mit 900 MHz und 1800 MHz. Dieses Ausstattungsmerkmal wird in dieser Handy-Generation noch nicht standardmäßig geboten, bietet jedoch den Vorteil, daß jede beim Kaffee- bzw. Lebensmittelhändler zu erstehende und aufzuladende SIM-Karte in diesem Gerät verwendet werden kann. Auch eventuelle SIM-Locks stehen dem nicht entgegen, da die angebotenen Geräte regelmäßig älter als zwei Jahre sind.

Das Format

möchte ich als regelrecht optimal bezeichnen: das S35i liegt von Form, Größe und Gewicht gut in der Hand und bietet eine übersichtliche Tastatur. Die wichtigsten Tasten sind klar strukturiert angeordnet und mit normal großen und beweglichen Händen gut zu bedienen. Lediglich für Gichtgeplagte müßte der Abstand zwischen den Tasten etwas größer ausfallen. Ein wenig Lernwillen erfordern die beiden Softkeytasten, die jeweils nochmals links oder rechts zu drücken sind, zusammen also bis zu vier Funktionen je aktuellem Zustand bieten. Dafür beschränkt sich ihr Einsatz jedoch auf Menufunktionen – das Wählen, Annehmen und Auflegen funktioniert auch ohne sie. Auch die Tasten für Hörer „abheben" und „auflegen" sind multifunktional, aber nicht verwirrend: sie bieten nur eine zweite (erweiterte Wahlwiederholung) bzw. dritte (einen Menuschritt zurück sowie An-/Ausschalten) Funktion, sind also schnell zu erlernen. Einzig die Tastatursperre genügt (wie bei fast allen Handies) meinen persönlichen Ansprüchen nicht: warum nicht alle Handies die mechanische Sperre des Sony CM-DX1000 verwenden, werde ich wohl nie verstehen.

Das Telefonbuch

ist ebenso wie das ganze Gerät pfiffig, aber unkompliziert. Wer will, kann zwischen den Speicherorten SIM-Karte und Gerät wählen und Einträge zwischen beiden verschieben. Als VIP-Einträge gekennzeichnete Einträge (für die auf Wunsch ein abweichender Klingelton – siehe oben – aktiviert werden kann) lassen sich schneller durchsuchen: bei doppeltem Drücken der Telefonbuch-Taste erscheinen nur diese. Ferner besteht die Möglichkeit, die Zifferntasten als Kurzwahltasten einzurichten. Ein Datenaustausch ist per Datenkabel (Zubehör) oder serienmäßiger Infrarot-Schnittstelle möglich.

Copyright by Thies Joachim Hoffmann

Rückfragen und Verbesserungsvorschläge sind herzlich willkommen. Kontaktaufnahmen mit dem Autor sind jederzeit über die Funktion „mit dem Mitglied Kontakt aufnehmen" (ebay Member „telthies") möglich.

Möchten Sie Ihr Wissen weitergeben? Erstellen Sie Ihren eigenen Ratgeber… Verfassen Sie einen Ratgeber
Weitere Ratgeber erkunden