Seemandelbaumblätter

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Die Verwendung von Seemandelbaumblättern für Aquarien ist seit mehreren Jahren ein stetig wachsender Trend.

Die ersten Kontakte von Importeuren und Zierfisch-Großhändlern mit diesen Blättern gab es bereits vor ungefähr 30 Jahren. Immer wieder tauchten die großen Blätter in Transportbeuteln auf. Am Anfang wurden sie für „Bananenblätter“ gehalten. Man erkannte schon damals, dass Fische in Beuteln mit den Seemandelbaumblättern den Transport aus den Tropen meist erheblich besser überstanden.

Lange vorher war aber engagierten Aquarianern aufgefallen, dass sich Gerbstoffe, z. B. aus Torf oder Erlenzäpfchen, außerordentlich positiv auf das Wohlbefinden und die Gesundheit vieler Aquarienfische auswirkten. Bei einigen Arten, die vorher kaum nachzuzüchten waren, klappte dann sogar die Vermehrung. Bakterielle Infektionen und Laichverpilzung wurden seltener.

Otto Wagner schrieb in seinem Buch „Aquarienchemie“ bereits 1956 auf vier Seiten sehr ausführlich über Gerbstoffe und ihre Wirkung im Aquarium. So schrieb er z. B.:

„Die Gerbstoffe haben folgende Eigenschaften: Sie verhalten sich wie Säuren, fällen Eiweiß aus sauren und neutralen Lösungen, bilden mit dem Leim des Gewebes feste, unveränderliche Verbindungen (Gerben von Häuten), fällen die meisten Alkaloide und geben mit den Schwermetallen wasserunlösliche Salze. Einige Gerbstoffe sind Verbindungen von Gallussäure und Digallussäure mit Traubenzucker (Tannin), andere haben einen Phenolcharakter (Huminsäuren), wieder andere sind chemisch noch wenig bekannt. […] Manche Fischarten sind an das Vorhandensein von Gerbstoffen und Huminsäuren gewöhnt, da ihre Heimatgewässer reich daran sind. Diese chemischen Verbindungen stellen für solche Arten einen wichtigen Schutz gegen Bakterien dar, fehlen sie, so sind die Fische höchst gefährdet.“

Von zahlreichen Autoren werden besonders die Bakterien hemmende Eigenschaft und die adstringierende (zusammenziehende) Wirkung von Gerbstoffen hervorgehoben. Genau diese Eigenschaften machen sie in manchen stark besetzten Aquarien zu wichtigen Helfern. Allerdings muss beachtet werden, dass eine Überdosierung von Gerbstoffen auch schlimme Folgen haben kann. Der häufig gebrauchte Satz „Viel hilft viel“ sollte auch hier nicht in die Tat umgesetzt werden.

Seemandelbaumblätter werden inzwischen aus verschiedenen Herkunftsländern in sehr unterschiedlicher Qualität und zu unterschiedlichen Preisen angeboten. Mancher Aquarianer bringt heute von seiner Reise in die Tropen die am Straßenrand gesammelten Blätter mit. Wer sich schon einmal mit den dort häufig chaotischen Verkehrsverhältnissen, den unvorstellbaren Mengen der Abgase und dem ausgestoßenen Dieselruß herumgeschlagen hat, wird mehr Verständnis für die Empfehlung aufbringen, Seemandelbaumblätter nur weitab von befahrenen Straßen zu sammeln.

Die richtige Dosierung ist kein Problem: Pro 100 Liter Aquarienwasser gibt man 1 - 2 Blätter, je nach ihrer Größe. Wer Saugwelse pflegt, wird sehen, wann die nächsten Blätter eingebracht werden sollten. Die alten bestehen nur noch aus einem zarten Gerippe. Die bakterienhemmenden Gerbsäuren sorgen dafür, dass "unbenagte" Blätter sehr lange unversehrt bleiben, also nicht etwa in Fäulnis übergehen. Auch Blaualgen (Cyanobakterien) werden durch Gerbsäuren deutlich in ihrer Entwicklung gehemmt. Ein "Algenmittel" sind sie dennoch nicht.


   

Text und Bilder mit freundlicher Genehmigung von aquamax.de, Bernd Kaufmann

Seemandelbaumblätter / Catappa Leaves

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