Sedlmayer Abschleppachse

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Sedlmayer Abschleppachse

Das schnelle und völlig unkomplizierte Abschleppen von Fahrzeugen wurde mit der Sedlmayerachse vollendet.

Die Achsen waren ihrer Zeit weit voraus und wurden so stabil gebaut, dass sie noch heute ihren Dienst tun.

Die Achse ist fast 3 m lang und man muss schon ganz schön hinlangen, um sie auf die Anhängerkupplung zu hieven. Ich glaube, außer Frau Halmich schafft das wohl keine Frau. Sie hat eine so genannte Hubbrille montiert - nur zur Info. Wir sind jetzt wieder bei der Sedlmayerachse, die bei der Fahrzeugaufnahme einfach zum Fahrzeug ausgerichtet wird. Danach wird die Brille, die auf einen Schlitten montiert ist, herausgezogen, so dass die Brille jetzt den Boden berührt. In Höhe der Anhängeraufnahme ist eine Seilwinde montiert, mit deren Hilfe jetzt das Fahrzeug auf die Brille gezogen werden kann. Das Fahrzeug wird jetzt mit der Brille auf den Schlitten gezogen. Nun kommt die mechanische Hydraulik ins Spiel. Mittels eines Hebels pumpt man die Hubbrille bis das Fahrzeug in der entsprechenden Höhe ist. Das Fahrzeug wird gesichert. Die mobile Beleuchtung wird am nachlaufenden Fahrzeug befestigt und schon geht es los. Das Rangieren bedarf wirklich Übung, wenn ein Fahrzeug dran hängt. Spaß macht das erst, wenn kein Fahrzeug dran ist, die Achse ist nämlich hinten nicht zu sehen, erst wenn sie links oder rechts über die Zugfahrzeugseite sichtbar wird.

Die Achse ist trotzdem ein professionelles Hilfswerkzeug, das seinesgleichen sucht. Sie hängt wie ein Brett am Zugfahrzeug und man muss aufpassen, dass man das Teil nicht vergisst, bei 120 km aufwacht und im Rückspiegel sein rotes Gesicht erkennt: Bitte nicht nachmachen!

Zur Wartung ist folgendes zu sagen: Wer ein MG 4 demontieren kann, ist hier schon auf dem besten Weg die Achse zu warten.
Noch nicht gemacht? Na gut. Jeder, der ein normales Verständnis von Technik hat, müsste mit der simplen aber für damalige Verhältnisse hochwertigen, Technik klar kommen.

Ich bin Kraftfahrzeug-Sachverständiger, Motorjournalist und Pressesprecher des Verband der unabhängigen Kfz-Sachverständigen e.V. VKS.

Für mich als Sachverständiger war die Frage aufgekommen, sind diese alten Achsen denn überhaupt noch einen Cent wert und in welchem Zustand werden diese verkauft. Fast jede Woche steht mindestens eine Sedlmayerachse zum Verkauf. Ich hatte eine Achse ins Visier genommen und bei Euro 650,00 den Zuschlag bekommen. Der Abholort war Offenbach. Also habe ich einen Hänger gemietet und bin dorthin gefahren. Von Berlin sind das ca. 600 km und die Spritkosten belaufen sich etwa auf Euro 150,00 Diesel. Die Ebayer waren nett und haben uns die Achse gleich vorgeführt. Die Achse ließ sich leer schwer absenken und nur wenn sich jemand draufgestellt hat konnte die Achse abgesenkt werden. Das was gemacht werden muss war mir klar. Nachdem mir der Ebayer eine mobile Leuchteinheit kostenlos in die Hand drückte, packte ich die Achse ein und fuhr wieder nach Hause. Beim ersten Tankstopp erkannte ich, das die Hydraulik undicht war. Zum Einsatz kam die Achse am nächsten Tag. Ich wollte einen verunfallten 3er BMW 4 km weit schleppen. Das Fahrzeug habe ich, wie oben beschrieben, aufgeladen. Ein letzter Blick in den Rückspiegel, ob alles klar ist und dann bin ich losgefahren. An der nächsten Ecke schaute ich wieder in den Rückspiegel und habe dabei festgestellt, dass das Fahrzeug sich nicht mehr in der gleichen Höhe wie bei meinem ersten Blick befand. Die Hydraulik konnte den Druck nicht halten und das Fahrzeug wurde auf die Reifen abgesenkt.

Die Reifen waren zwar noch in Ordnung, aber die Achse sollte zur Reparatur. Der Verkäufer hat mir nach einem Anruf Euro 200,00 zurückerstattet. Hiermit war ich einverstanden. Der Umtausch oder aber eine rechtliche Auseinandersetzung wäre erheblich teurer geworden. Wie gesagt, ich komme aus dem Fach.

Man sollte hier immer an den Spruch denken: Vor Gericht und auf hoher See bist Du immer in Gottes Hand.

Die zweite Achse habe ich weitaus günstiger bekommen und sah obendrein optisch auch viel besser aus. Der Auktionspreis lag bei Euro 350,00. Dafür musste ich die Achse in Bayern abholen. Kosten hierfür ca. Euro 200,00. Ferner musste ich wieder einen Hänger anmieten. Laut Aussage des netten Ebayers war die Achse tipp topp.
Sah auch alles gut aus. Nur beim ersten Einsatz lies sich die Achse nicht mal mit Gewalt absenken.

Die Moral von der Geschichte

Ihr solltet auf folgendes achten:
Die Achse sollte optisch in einem akzeptablen Zustand sein.
Die Achse sollte sich ohne Zutun von selbst absenken.
Die Hydraulikanlage muss absolut dicht sein. Testfahrzeug draufstellen und ca. 15 min. warten. Es darf kein Absenken erkennbar sein.
Die Reifen prüfen, denn ein Reifen kann locker Euro 240,00 kosten.
Die Mechanik prüfen: Lässt sich der Schlitten einwandfrei heraus- und herein schieben?
Die Seilwinde testen: Sind die Zahnräder und das Seil in Ordnung?
Die Brillenaufnahme sollte nicht ausgeschlagen sein.

Jetzt der spannende Teil: Für wie viel Euro werden die Achsen denn gehandelt?

Für Achsen, die ziemlich mitgenommen aussehen und der Zustand eher als reparaturbedürftig einzustufen ist, sind Preise bis zu Euro 300,00 möglich und werden auch bezahlt.
Für Achsen, die man als durchschnittlich bis gut einstuft, sind Preise bis zu Euro 650,00 sinnvoll. Alles was darüber hinaus geht halte ich für unwirtschaftlich und überzahlt. Es gibt bestimmt Ausnahmen, die hier nicht berücksichtigt wurden.

Im Großen und Ganzen kann man wie gesagt, die Achsen reparieren und man bekommt einen wirklich nützlichen und auf die Dauer günstigen Helfer.

 

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