Schusters Leisten: antikes Schusterwerkzeug für Sammler

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Schusters Leisten: antikes Schusterwerkzeug für Sammler

Das Schusterhandwerk kann auf eine sehr lange Tradition zurückblicken. Schuhe wurden zu Beginn mit sehr einfachen Materialien und Techniken gefertigt: In kälteren Regionen der Erde dienten um die Füße gewickelte Tierfelle als Schuh, in wärmeren Gebieten waren es geeignete Palmblätter, die mit einer Schnur an den Füßen fixiert wurden. Das Aussehen und die Funktionalität von Schuhen wurden im Laufe der Zeit zunehmend an die steigenden Ansprüche der Menschen angepasst. Die meisten der früher für die Schuhherstellung verwendeten Werkzeuge kommen auch heute noch zum Einsatz. Einige sind fast unverändert, andere unterlagen über die Jahre hinweg gewissen Anpassungen an neue Techniken, Materialien und Verfahren. Viele dieser Schusterwerkzeuge aus den unterschiedlichsten Jahrzehnten sind heute beliebte Sammlerstücke und das nicht nur bei Schustern, sondern auch bei Sammlern antiker Werkzeuge allgemein.

Schusterwerkzeuge zur Bearbeitung des Leders

Werkzeuge des Schusters: antike Punziereisen

Bevor der Schuster das Leder für den Schuh endgültig zuschnitt und später formte, konnten noch Muster, Zeichen oder Stempel in das Material eingebracht werden. Dazu diente das Punziereisen, ein längliches Stahlstück, das an einem Ende speziell für die Einbringung von bestimmten Mustern in das Leder geformt ist. Auf das andere Ende wird mit einem Hammer geschlagen, nachdem man das Punziereisen auf die zu bearbeitende Stelle im Leder aufgesetzt hat. Für unterschiedliche Formen gab es verschiedene Eisen, beispielsweise Laufpunzen zum Einschlagen von Linien und Ornamenten, oder Erzeugerpunzen zum Einarbeiten von Meistermarken oder Firmenstempeln. Vor allem wohlhabende Kunden konnten sich spezielle und individuelle Ausführungen ihrer Schuhe mit bestimmten Mustern auf Wunsch anfertigen lassen.

Werkzeuge des Schusters: antike Riemenschneider

Um die einzelnen Teile des Schuhschaftes vorbereiten zu können, nutzte der Schuster einen Riemenschneider, auch Lederschneider genannt. Mit diesem wurde das für den Schuh benötigte Leder auf die richtige Größe und Form zugeschnitten. Der Schaft bestand meist aus mehreren Teilen: innen aus einem Futter, außen aus Oberleder. Teilweise gab es auch einen Zwischenschaft, der eine Fütterung für die kalte Jahreszeit enthielt. Jedes einzelne Teil musste nun möglichst genau mit dem Riemenschneider zugeschnitten werden, um anschließend den Innen-, Außen- oder Zwischenschaft zusammennähen zu können.

Werkzeuge des Schusters: antike Ahle und Pfriem

Ein typisches Werkzeug eines Schusters ist die Ahle, die oftmals auch als Pfriem bezeichnet wird. Das ist aber nicht ganz richtig, denn es handelt sich eigentlich um zwei Werkzeuge. Mit einer Ahle war es möglich, Löcher in das Leder zu stechen oder bereits bestehende Löcher zu weiten. Sollten aber Nahtlöcher nachgestochen werden, kam der Pfriem zum Einsatz. Er war, im Gegensatz zur Ahle, ungeschliffen und konnte daher nicht die in den Löchern befindlichen Garne durchtrennen. Sowohl die Ahle als auch der Pfriem bestehen aus einem spitz zulaufenden Metallstift, der gerade oder auch sichelförmig gebogen sein kann, und sind meist mit einem Griff aus Holz ausgestattet. Die Ahle zählt zu den ältesten Werkzeugen der Menschheit, denn schon die Neandertaler nutzten nachweislich geeignete Knochen zur Einarbeitung von Löchern in Felle, um auf diese Weise Kleidung herzustellen.

Werkzeuge des Schusters: antike Nähmaschine

Das Nähen erfolgte anfangs mit der Hand, indem feste Nadeln, die für Leder geeignet waren, und verstärkte Fäden verwendet wurden. Das war allerdings eine äußerst mühselige Arbeit und nahm viel Zeit in Anspruch. Ein großer Fortschritt war die Erfindung der Nähmaschine im 19. Jahrhundert, die ab diesem Zeitraum auch in einer abgewandelten Form im Schusterhandwerk eingesetzt wurde. Mit diesen speziellen Schusternähmaschinen konnte der Schuhmacher nun ohne große Anstrengungen und wesentlich schneller als mit Handarbeit die benötigten Lederteile für den Schaft zusammennähen. Diese Maschinen waren mit einem meist gusseisernen Gestell verbunden, um dem Schuster eine optimale Arbeitshöhe für das Nähen zu ermöglichen. Die robusten Gestelle waren oftmals aufwendig verziert, teilweise in wertvoller Kunstschmiedearbeit, wobei der Name des jeweiligen Herstellers meist ebenso kunstvoll eingearbeitet war. Diese Maschinen sind heute sehr begehrte Sammlerstücke und erreichen je nach ihrer Gestaltung, der Herstellerfirma und ihrem Erhaltungszustand relativ hohe Preise.

Sonstige antike Schusterwerkzeuge zur Lederbearbeitung

Für die Bearbeitung des Leders kamen noch weitere Werkzeuge, vor allem Messer zum Einsatz. So verwendete ein Schuster für Schrägschnitte das Kneipmesser, zum Anschärfen der Schnittkanten des Leders dagegen das Halbmondmesser. Das Ablassmesser wurde dann benutzt, wenn die Kanten des ausgeschnittenen Lederstückes geglättet und gegebenenfalls schräg oder rund angeschnitten werden sollten. Aufgrund der genannten Einsatzgebiete wird dieses Werkzeug auch Kantenzieher genannt. Um die regelmäßig verwendeten Messer schärfen zu können, besaß jeder Schuster einen Wetzstein. Das ist ein flacher Stein aus mineralischen Bestandteilen, der zum Schleifen und Schärfen von Werkzeugen und Klingen benutzt wurde. Das Wetzen wurde durch ein gleichmäßiges Schwingen des Steines auf beiden Seiten der Klinge durchgeführt. Wenn Sie einen antiken Wetzstein suchen, kommt eventuell ein besonders alter infrage, der noch bergmännisch abgebaut wurde. Diese sind allerdings enorm selten. Nach dem Wetzen wurden die Klingen zusätzlich noch mit einem Wetzstahl bearbeitet, da dieser feinere Schleifergebnisse erzielte als der Wetzstein. Der Schuster nutzte ein Streicheisen, um Zierrillen in das Leder zu bringen. Dabei konnten bis zu drei Zierrillen auf einmal kreiert werden. Wenn der Schuhmacher vor dem Nähen die Position der Nahtlöcher auf dem Leder markieren wollte, setzte er ein Vierzackeisen ein, das durch die Abstände seiner Zinken für gleichmäßige Abstände sorgte. Zur Vereinfachung dieser Markierungen gab es später das Prickrad, das an der späteren Naht entlang gerollt wurde und dabei seine Zinken in das Leder drückte. Sämtliche antike Werkzeuge, die Schuster früher für die Bearbeitung von Leder benutzten, können Sie auch heute noch erwerben.

Schusterwerkzeuge zur Verarbeitung des Leders bis zum fertigen Schuh

Werkzeuge des Schusters: antike Schusterleisten

Nachdem das Leder zum Schaft zusammengenäht worden war, wurden dieser und die Sohle anschließend auf dem Schusterleisten zum Schuh zusammengesetzt. Der Leisten ist eine vorgefertigte Hohlform eines Schuhs und entspricht daher der Form eines Fußes. Er berücksichtigt aber auch die Besonderheit eines bestimmten Schuhmodells bezüglich seiner Form. Ein Schuster hatte demzufolge mehrere Leisten, für unterschiedliche Schuhmodelle und für die verschiedenen Schuhgrößen. Es war auch möglich, dass sich wohlhabende Personen Maßleisten anfertigen ließen, die exakt der Form ihrer Füße entsprachen und auf deren Grundlage der Schuhmacher passgenaue Schuhe herstellen konnte. Um den Schuh fertigen zu können, musste der Schaft über einen geeigneten Leisten gezogen werden. Dann wurde er zunächst an der Brandsohle befestigt. Sie ist sozusagen das Herzstück des Schuhs, das Bodenteil, auf dem der Fuß später im Schuh steht. Nachdem die Brandsohle am Schaft befestigt war, mussten beide dauerhaft miteinander verbunden werden. Das konnte entweder durch Verkleben, durch Nähen oder durch Nageln erfolgen.

Werkzeuge des Schusters: antikes Dreibein

Eines der beliebtesten Sammlerstücke unter den Schusterwerkzeugen ist das sogenannte Dreibein, ein Amboss speziell für Schuhmacher. Das Dreibein besteht aus Gusseisen und hat, wie der Name sagt, drei sohlenförmige Beine, die zur Herstellung und Bearbeitung von Schuhen benutzt werden konnten. Waren Lederschaft und Brandsohle miteinander verbunden, konnte anschließend die Laufsohle angebracht werden. Dafür stülpte der Schuster den unfertigen Schuh über ein geeignetes Eisenstück des Dreibeines. Nun konnte er mit einem Schusterhammer, einer kleineren und speziell geformten Hammerform, die Sohle an die Belegsohle nageln. Dreibeine und Schusterhammer aus früheren Zeiten können Sie auch heute noch kaufen.

Sonstige antike Schusterwerkzeuge

Während der Herstellung eines Schuhes wurden diverse Zangen eingesetzt. Beispielsweise war eine Zwickzange hilfreich, um den Schaft bequem über den Leisten ziehen zu können. Mit einer Beißzange konnten bei Bedarf Zwicknägel entfernt werden. Falls Falten im Oberleder an Ferse oder Spitze verteilt werden sollten, griff der Schuster zur Faltenzange. Andere Zangenarten dienten der Entfernung von Nägeln, dem Stanzen von Löchern oder auch dem Glattziehen des Leders an bestimmten Stellen des Schuhes. Weiterhin wurden eine Raspel zum Aufrauen, ein Putzholz dagegen zum Glätten von Sohlen und Absätzen verwendet. Da der Schuh nach seiner Fertigung eng um den Leisten lag, kam zur Entfernung der Schusterleisten ein Leistenhaken zum Einsatz. Dieses Werkzeug besteht aus einem länglichen Metallstift, das an einem Ende einen Griff, am anderen einen rechtwinklig gebogenen Haken aufweist. Dieser wurde nach Fertigstellung des Schuhes schwungvoll von Hand in den Leisten geschlagen, sodass dieser dann aus dem Schuh gezogen werden konnte.

Schusterwerkzeuge zur Behandlung der fertigen Schuhe

Werkzeuge des Schusters: antike Schuhspanner

Da Schuhe teuer waren, mussten sie in ihrer Form bleiben. Vor allem dann, wenn sie durch Regen oder Schnee nass geworden waren. Dafür gab es Schuhspanner, die nach dem Tragen in den Schuh gelegt wurden und das Vorderteil ausfüllten. Dadurch behielten die Schuhe ihre Passform. Auch Falten, die durch das Gehen im Leder entstanden waren, wurden durch das Einsetzen der Schuhspanner über einen gewissen Zeitraum gut geglättet. Besonders die Spanner aus unbehandeltem Holz eigneten sich hervorragend, um feucht gewordenes Leder schneller zu trocknen. Früher wurden Schuhspanner entweder aus Holz, meist Buchenholz, oder aber aus Metall gefertigt.

Werkzeuge des Schusters: antike Stiefelspanner

Für Stiefel gab es spezielle Stiefelspanner. Sie sorgten für eine Beibehaltung der Form des Schaftrohres und des Fußteils. Gleichzeitig wurde durch ihr Einsetzen eine gewisse Luftzirkulation im Inneren des Stiefels ermöglicht, was ohne Spanner aufgrund des Umklappens des Schaftrohres nicht möglich war. Die Stiefelspanner bestanden aus einem Fuß- und einem Beinstück, die aus Holz oder aber aus Kunststoff gefertigt waren. Oftmals waren Fuß- und Beinstück getrennte Bestandteile und lediglich miteinander verbunden, selten bestand der Stiefelspanner aus einem einzigen Stück. Antike Schuh- und Stiefelspanner aus Holz oder Metall können Sie auch heute noch bei eBay erwerben.

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