Schriftstücke sammeln – beliebte Themen und ausgefallene Besonderheiten

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Schriftstücke sammeln – ein Ratgeber über die beliebtesten Themen und ausgefallene Besonderheiten

Viele Menschen sind heute dabei, ihre Unterlagen zu digitalisieren. Diese werden auf Festplatten oder Blu-Ray-Discs kopiert, weil man der Überzeugung ist, damit einen Schritt in Richtung Langlebigkeit der eigenen Dokumente getan zu haben. Dies ist jedoch ein (unter Umständen) folgenschwerer Fehlschluss. Besieht man sich die Menschheitsgeschichte und das, was wir von Ihr überliefert bekommen haben, dann trifft man besonders auf folgende Medien: Stein, Papyrus, Pergament und – Papier. Dass das Papier eines der langlebigsten Informationsspeicher ist, macht man sich eigentlich nie klar. In diesem Zusammenhang kommen einem eher alles verzehrende Bibliotheksbrände in den Sinn.

Dennoch: Papier und Pappe sind lange haltbar

Was alt ist und/oder einen gewissen individuellen, gesellschaftlichen oder ästhetischen Wert besitzt, wird gerne gesammelt. Papiere und Dokumente zu sammeln, gehört in diesen Bereich. Wer schon einmal in einem Archiv eine alte Urkunde in den Händen gehalten, die roten Wachssigel und die geschwungene Kurrent-Schrift begutachtet hat, weiß wovon hier die Rede ist. Doch es müssen noch nicht einmal alte Dokumente sein. Selbst von Katalogen, Ausweisen, Adressbüchern oder Poesiealben geht eine ungebrochene Faszination aus, wenn man anfängt, sich damit zu beschäftigen.

Dieser Ratgeber möchte einen ersten Einblick in das Sammelgebiet von Schriftstücken, Papieren und Dokumenten geben.

Eine kurze Geschichte und Psychologie des Sammelns im Allgemeinen

Die Tätigkeit und Beschäftigung des Sammelns von Dingen ist sehr alt. Sie hatte jedoch nicht immer das gleiche Ansehen, wie sie es unter Umständen heute als wissenschaftliche, archivarische oder als Hobbytätigkeit besitzt. Noch bis in das 17. Jahrhundert hinein galt das Sammeln als Zeichen von Eitelkeit und Besessenheit. Erst mit dem Absolutismus änderte sich auch allmählich die Einstellung zum Sammeln. Mit einer zunehmenden Betonung von Ordnung in allen Lebensbereichen setzte sich auch die Vorstellung durch, dass das Sammeln von Dingen nicht zum Chaos führe.

Die ersten Museen und Archive

In dieser Zeit bildeten sich auch die ersten Museen und Archive heraus, die das Sammeln professionalisierten. Sie stellten das Gesammelte aus und trugen es in die Öffentlichkeit, sodass es seinen mitunter egoistischen Anstrich verlor. Selbstverständlich sammelten nach wie vor auch Einzelpersonen. Gelehrte, Wissenschaftler, Mäzene und Künstler sind als Sammler von Dingen in Erinnerung geblieben. Später trat dem Sammeln auch ein ganz alltäglicher Nutzen hinzu. So führt das Sammeln von Rabattmarken etwa zu einem Nutzen für die Händler (und auch manchmal für die Kunden).

Das Sammeln hat zahlreiche positive Aspekte

Sammeln kann beispielsweise für Entspannung in einem ansonsten als sehr hektisch und stressig wahrgenommenen Alltag empfunden werden. Als Freizeitbeschäftigung verhindert es Langeweile und dient darüber hinaus der eigenen persönlichen Weiterbildung. Ebenso ist das Sammeln eine soziale Tätigkeit. Man lernt Gleichgesinnte kennen und tauscht sich aus. Ist die Sammlung besonders groß oder interessant, wird dem Sammler Anerkennung zuteil.

Arten von Schriftstücken und ihr sammlerischer Wert

Im Folgenden möchte Ihnen der Ratgeber einige Schriftstückkategorien vorstellen, damit Sie eine grobe Vorstellung von der Vielgestalt der verschiedenen Sammelgebiete in diesem Bereich erhalten.

Adressbücher

Das Adressbuch ist ein beliebtes Sammlungsobjekt. Die Bücher sind vor allen Dingen aus historischer Perspektive interessant, da sie zumeist unschätzbare Forschungsquellen darstellen. Sie können dabei sowohl zur privaten Recherche der eigenen Familiengeschichte (Genealogie) dienen, aber auch zur allgemeinen historischen Forschung. Alte Adressbücher enthalten oft auch die Berufsbezeichnung der Personen und geben Auskunft über die genaue Lage der Wohnung innerhalb eines Hauses. Darüber hinaus sind Adressbücher oft auch mit historischer Reklame versehen, die ebenfalls interessant sein kann.

Ausweise

Die Faszination am Sammeln von Ausweisen liegt wahrscheinlich darin, dass die Schriftstücke sowohl amtliche, aber auch ganz private Schriftstücke darstellen. In Ausweisen wird die Identität des Inhabers in vielen Fällen mit einer zuständigen Stelle verknüpft. Manchmal ist eine Fotografie der Person enthalten. Ein Ausweis verleiht dem Inhaber bestimmt Rechte, man denke nur an die Staatsangehörigkeit. Neben Pässen gibt es noch eine große Anzahl an weiteren historischen Ausweisen, die für den Sammler von Interesse sind. Dazu gehören etwa Führerscheine, Schiffspässe, Vereinspässe, Soldbücher usw.

Briefe und Telegramme

Briefe sind wohl die persönlichsten Schriftstücke überhaupt. Sie geben Auskunft über die Gedankenwelt des Senders (und Empfängers). Das Briefeschreiben geht dabei bis auf die Babylonier zurück, die Nachrichten in Tontafeln ritzten. Neben der Übermittlung persönlicher Nachrichten können Briefe auch noch weitere Funktionen erfüllen. So sind sie beispielsweise Mittel zur öffentlichen Meinungsäußerung (beispielsweise als Leserbrief), sie sind eine spezielle literarische Form (Goethes Briefe, Paulusbriefe etc.) oder dienen als Instrument zur Verbreitung amtlicher Nachrichten. Telegramme hingegen sind die SMS der vergangenen Zeit. Die Übermittlung fand im sogenannten Telegrammstil statt. Telegramme und Telegrammstationen sind besonders vor der Ära des Telefons angesiedelt.

Urkunden

Historische Urkunden sind in der Wissenschaft der Gegenstand der Diplomatik. Urkunden sind immer mit der Glaubwürdigkeit der ausstellenden Instanz verknüpft. Schon im antiken Rom genossen Urkunden genossen daher die öffentlichen Autoritäten bzw. deren Urkunden Glaubwürdigkeit, doch auch öffentliche Schreiber. War in der Antike die Befähigung zum Lesen und Schreiben sehr weit vorgeschritten, nahm diese im Zuge des aufkommenden Mittelalters immer mehr ab. Hier wurden neue Beglaubigungsformen geschaffen. Als Sammlungsobjekt ist die Urkunde sehr beliebt und weit verbreitet. Hier sind unter anderem Sammlungen von Familienurkunden zu nennen (Geburts-, Sterbe-, und Heiratsurkunden), Firmenurkunden (Gründungs- und Patenturkunden oder Wertpapiere etc.) oder Urkunden bestimmter herausgehobener Aussteller (Päpste Könige, Adelige und andere Herrscher).

Kalender

Auch Kalender spielen bei Sammlern keine untergeordnete Rolle. Oftmals sind diese versehen mit den Einträgen ihrer vormaligen Besitzer. Sie eröffnen dadurch einen tiefen Einblick in das alltägliche Leben. Historische Jahreskalender sind dabei beispielsweise die sogenannten Volkskalender des 19. Jahrhunderts. Sie waren mit belehrenden Erzählungen (Kalendergeschichten) versehen und versuchten dadurch, auch das einfache Volk zu bilden. Neben den Volkskalendern gab es Jahrhunderte davor bereits die sogenannten Bauerkalender. Diese waren traditionelle Kalender, die für de Landbevölkerung gedacht waren, die selbst nicht lesen konnte. Sie beinhalteten später regionale Wetterregeln und das Erfahrungswissen der Bauern, die sogenannten Bauerregeln.

Lebensmittekarten

Ein historisch sehr weit zurückverfolgbares Schriftstück, dass gerne gesammelt wird, ist die Lebensmittelkarte. Sie war bzw. ist eine vom Staat ausgegebene Bescheinigung dafür, dass ihr Besitzer ein spezifisches Lebensmittel in einer bestimmten Menge kaufen darf. Diese Karten kommen in der Regel in Not- und Kriegszeiten vor, in denen ein Mangel an gewissen Gütern herrscht. Da betrifft dabei nicht nur unbedingt Lebensmittel, auch Kohle, Kleidung, Zigaretten, Alkohol und Benzin konnten in der Vergangenheit rationiert gewesen sein. Die Lebensmittelkarten sind heute noch vielen in Gedächtnis. Der Erste, aber besonders auch der Zweite Weltkrieg, machte die Ausgabe von Karten für rationierten Waren notwendig.

Poesiealben

Das Poesiealbum besitzt ebenfalls schon eine lange Geschichte. Schon am Ende des 16. Jahrhunderts entstand die Sitte, Freunden spezielle Wahlsprüche oder Wappen in das Stammbuch zu schreiben. Im 18. Jahrhundert wurde aus dem Stammbuch ein Erinnerungsbuch. Viele neue Elemente traten jetzt hinzu: Sinnsprüche, Widmungen, Zeichnungen usw. Im 19. Jahrhundert, dem Jahrhundert der Romantik, wurde das Poesiealbum sehr populär – zumindest in bürgerlichen Kreisen. Man schrieb sich gegenseitig Verse und weitere künstlerische Beträge in eigens dafür entworfene Hefte. Im 20. Jahrhundert wurde das Poesiealbum mehr und mehr zu einer Angelegenheit der Kinder. Unter diesen galt es zeitweilig als Freundschaftsbeweis, wenn man sich eintragen durfte.

Vignetten

Der Begriff Vignette bezeichnete ursprünglich eine Rebsorte bzw. das Etikett einer Weinflasche. Erst später wurde der Begriff auch auf die Randverzierungen im Druckwesen angewendet. Als Buchschmuck ist die Vignette oftmals als Kupferstich oder Holzschnitt überliefert, der sich auf dem Titelblatt eines Buches befand. Daneben ist die Vignette, auch als eine Variante der Porträtmalerei und aus der Fotografie bekannt. Obwohl dies auch wichtige Sammlungsgebiete darstellen, ist die Vignette im Zusammenhang mit Schriftstücken besonders in Form von Siegelmarken verbreitet.

Umgang mit Schriftstücken

Oftmals bewahren Menschen ältere Schriftstücke, die beispielsweise geerbt wurden und Auskunft über die eigene Familiengeschichte geben, in Klarsichtfolien auf. Oder sie kleben diese Mithilfe von Klebeband auf weitere Untergründe auf oder beschriften diese mit eigener Hand. Bei all diesen Maßnahmen schlägt der Restaurator die Hände über dem Kopf zusammen.

Hinweise zur richtigen Aufbewahrung

Sollten Sie Schriftstücke sammeln oder dies vorhaben, sollten Sie auf die richtige Handhabung der zum Teil alten Dokumente achten. Besonders wichtig dabei ist – im besten Fall – ein ausgewogenes Raumklima. Faustregel hierbei: je höher die Temperatur, desto schlechter für das Papier. Bei der Luftfeuchtigkeit sollte ein konstanter Wert angestrebt werden. Die Luft sollte weiterhin schadstofffrei sein. Letztendlich sollten Sie ebenso darauf achten, dass das Material so wenig Licht wie möglich ausgesetzt ist.

 

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