Schnittmuster für Damenbekleidung: Blusen, Hosen, Jacken und Shirts selbst nähen

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Schnittmuster für Damenbekleidung: Blusen, Hosen, Jacken und Shirts selbst nähen

Individuelle Bekleidung abseits der Stangenware – davon träumen viele. Doch sich Hosen, Blusen oder Jacken maßschneidern zu lassen, ist ein sehr teures Unterfangen. Zeit, sich selbst an die Nähmaschine zu wagen, denn mit etwas Geschick und viel Übung können auch Sie sich selbst Ihre Kleidung schneidern. Die Grundlage hierfür sind Schnittmuster, die Sie bereits fertig und in vielen Größen käuflich erwerben können. Dies bietet Ihnen eine große Arbeitserleichterung, denn gerade für Anfänger ist das Erstellen eines Schnittmusters ein sehr aufwendiger Akt.

In diesem Ratgeber möchten wir Ihnen zeigen, wie Sie die richtigen Schnittmuster für verschiedene Schwierigkeitsgrade finden. Wir möchten Ihnen zeigen, welche Modelle und welche Materialien für Ihren individuellen Kenntnisstand geeignet sind. Im Anschluss an diese kleine Schnitt- und Materialkunde möchten wir Ihnen praktische Tipps zum Arbeiten mit Schnittmustern liefern.

Aller Anfang ist schwer: das Schnittmuster

Das Schnittmuster beinhaltet alle Teile, die in einem Kleidungsstück verarbeitet werden. Je komplexer das Kleidungsstück, desto aufwendiger ist auch das Schnittmuster. Die sogenannte Konstruktion bestimmt dabei, wie viele Einzelteile für ein Kleidungsstück benötigt werden. Das kennen Sie bereits aus dem Alltag: Ein figurbetonter Blazer mit verschiedenen Taschen und Futteral besteht aus deutlich mehr Komponenten als ein einfaches Tank-Top. Gerade für Anfänger ist der Schritt vom eigenen Design, der eigentlichen Idee, zum fertigen Schnittmuster ein langer und steiniger Weg. Das dazu benötigte Fachwissen ist gerade bei komplexeren Kleidern nur mit viel Übung und Erfahrung zu erwerben. Wer hier wirklich gut werden möchte, sollte sich mit der dementsprechenden Nähliteratur auseinandersetzen oder im besten Falle einen Kurs belegen.

So finden Sie das passende Schnittmuster für ihren Geschmack

Dieser erste schwierige Schritt kann übersprungen werden, indem Sie ein bereits vorgefertigtes Schnittmuster übernehmen. Schnitt und Form des Kleidungsstückes sind damit zwar vorgegeben, aber Sie haben immer noch die Möglichkeit, kleine Anpassungen vorzunehmen. Auch in der Wahl der Stoffe, Farben und Texturen sind Ihnen alle kreativen Freiheiten gelassen. Bedenken Sie: Auch Profis nutzen Schnittmuster aus Zeitschriften und Büchern, um Zeit zu sparen.

Es gibt viele Hersteller, die sich auf die Anfertigung von Schnittmustern spezialisiert haben. Diese vertreten oft ganz unterschiedliche Schwerpunkte und Stilrichtungen. Besonders beliebte Schnittmuster für aktuelle Damenbekleidung werden regelmäßig vom Burda-Verlag und von Vogue herausgebracht. Vogue orientiert sich mit seinen Schnittmustern sehr eng an aktueller Designerware. Wer die Formen der 50er und 60er liebt, wird bei Vintage-Schnittmustern von Firmen wie Butterick oder McCalls fündig. Einen interessanten Überblick über die Mode der verschiedenen Jahrzehnte bietet die mehrmals jährlich erscheinende „Rundschau Damenmode", in der neben Schnittmustern auch modische Trends und Strömungen erkannt werden können. Für Kindermode sind Schnittmuster von Ottobre sehr beliebt. Kostümierungen aller Art sind als Vorlage von der Firma Simplicity erhältlich.

Kleider, T-Shirts, Röcke und Blusen: einfache Schnitte für Einsteiger

Je weniger Komponenten für ein Kleidungsstück benötigt werden, desto einfacher ist es zu nähen. Deshalb ist es gerade als Neuling wichtig, die eigenen Fähigkeiten realistisch einzuschätzen. Denn ein toller Mantel mit Abnähern, Taschen und Futter ist zwar ein Teil, auf das man stolz sein kann, doch ist es bis zum Erfolgserlebnis ein sehr langer Arbeitsprozess. Als erste Projekte eignen sich Kleidungsstücke mit einfachen Formen und wenig Teilen. Verschiedene Kleider lassen sich bereits aus wenigen Komponenten effektvoll zusammensetzen. Auch T-Shirts und Tops sind dankbare Anfängerprojekte. Hier sind in der Regel nur eine Vorder- und Rückseite und Ärmel notwendig. Aus diesen wenigen Bestandteilen lassen sich bereits tolle und individuelle Kleidungsstücke herstellen. Röcke mit einer einfachen A-Linie sind ebenfalls geeignete Projekte für Anfänger. Hier können Sie zum Beispiel üben, einen Reißverschluss einzusetzen.

Bei Blusen kommt es ganz auf die Form an. Weite Tuniken sind perfekte Übungsstücke, da hier gerade Linien und leicht zu verarbeitende Materialien eingesetzt werden. Eng anliegende und sehr figurbetonte Blusen hingegen erfordern ein hohes Maß an näherischer Präzision, die lange trainiert werden muss, bevor Sie die Perfektion erreichen.

Diese Materialien sind für Anfänger geeignet

Nicht nur die Komplexität des Schnittes, auch die Auswahl der Materialien hat einen großen Einfluss auf den Schwierigkeitsgrad eines Kleidungsstückes. Hier stehen gerade Anfänger vor einem Dilemma: Stoffe mit Stretch-Anteil, wie Jersey, verzeihen kleinere Konstruktionsfehler, da die Passform trotzdem stimmt. Auch wenn Sie eine Naht etwas schief nähen, sitzt das T-Shirt dank flexibler Fasern trotzdem perfekt. Der Nachteil: Stretch-Stoffe sind gerade für Anfänger nicht sehr einfach zu verarbeiten. Beim Nähen müssen Sie unbedingt darauf achten, dass der Stoff niemals gedehnt wird. Die Nähte würden sonst wellig und unsauber. Wer häufig mit Jersey arbeiten möchte, sollte die Anschaffung einer Overlock-Nähmaschine in Erwägung ziehen. Diese erleichtert das Arbeiten mit dem schönen Material ungemein.

Am besten geeignet sind für den Anfang leichte Baumwollstoffe, die zum Beispiel bei Blusen und Tuniken toll aussehen. Auch leichte Sommerkleider lassen sich aus dem unkomplizierten Material zaubern.

Abendgarderobe, Jacken, Hosen und Mäntel: komplexere Schnittmuster für Fortgeschrittene

Wer bereits einige Teile genäht hat, kann sich an die Ausführung komplexerer Schnitte wagen. Die Auswahl ist groß und besonders vielfältig. Besonders beliebte Schnittmuster sind Abendkleider, denn bei besonderen Anlässen möchten Damen noch mehr als sonst ihre Individualität unterstreichen. Doch hier befinden wir uns bereits in der Königsklasse des Schneiderns. Abendkleider haben komplexe Schnitte mit vielen Abnähern und Raffungen und fordern so die Fähigkeiten des Schneiders auf besondere Weise. Etwas einfacher und dennoch nicht weniger komplex ist das Nähen von Jacken und Hosen. Da die menschliche Anatomie nicht aus geraden Linien, sondern aus vielen Kurven besteht, müssen die Schnittmuster diesem Faktor Gebühr tragen. Abnäher und Einsätze sind hier an der Tagesordnung und erfordern daher viel Übung.

Diese Materialien setzen den Schnitt in Szene

Die Schwierigkeit beim Nähen von Abendgarderobe und Jacken besteht nicht nur in der Komplexität der Schnitte, sondern ist auch auf die hier verwendeten Materialien zurückzuführen. Edler Chiffon-Stoff oder gar Seide stellt ganz besondere Anforderungen an den Näher. Generell sind dicke Stoffe, wie sie bei Hosen oder auch Jacken zum Einsatz kommen, etwas schwieriger in der Verarbeitung. Man muss seine Nähmaschine kennen und verstehen, um die richtige Fadenspannung und die optimale Stichlänge auszuwählen. All dies sind Erfahrungswerte, die man als Schneider erst sammeln muss. Wenn Sie sich also mit der Wahl eines Schnittmusters und den passenden Materialien auseinandergesetzt haben, können Sie zur praktischen Umsetzung schreiten. Wir haben Ihnen einige Tipps und Tricks zum Zuschneiden von Stoffen zusammengefasst.

Der Zuschnitt: Diese Werkzeuge werden benötigt

Das Schnittmuster ist der erste Schritt bei der Erstellung eines Kleidungsstückes. Nach dieser Vorlage werden die einzelnen Stoffteile ausgeschnitten und gemäß der Nähanleitung zusammengesetzt. Um bei mehreren Teilen nicht durcheinander zu kommen, muss man hier sehr systematisch vorgehen. Um die Schnittteile optimal auf den Stoff zu übertragen, benötigen Sie folgende Hilfsmittel:

  • Papierschere zum Ausschneiden des Schnittmusters. Bei besonders komplexen Formen ist auch ein Schneideroller empfehlenswert.
  • Stoffschere zum Zuschneiden des Materials
  • Schnittmusterpapier
  • Bleistift in Weich zum Aufzeichnen der Schnittmuster
  • Stecknadeln zum Befestigen der Papierteile
  • Schneiderkreide bzw. ein Tafelstift, mit dem das Schnittmuster auf den Stoff übertragen wird
  • Haben Sie diese Werkzeuge beisammen, können Sie mit dem Zuschnitt beginnen.

Praktische Tipps: So arbeiten Sie mit Schnittmustern

In der Regel werden Schnittmuster auf beidseitig bedruckten Bögen geliefert, auf denen mehr als nur ein Schnittmuster abgebildet wird. Das spart Platz und Papier und ist zweckdienlich. Um die Schnitte nun auf den Stoff übertragen zu können, benötigen Sie zunächst Papier, auf das Sie das Muster durchpausen können. Dazu ist jedes halb-transparente Papier geeignet, richtiges Schneiderpapier ebenso wie normales Backpapier. Schneiderpapier hat den Vorteil, dass die einzelnen Schnittteile langlebiger sind. Wenn Sie also planen, das Schnittmuster noch häufiger zu verwenden, sollten Sie auf das stabilere Papier zurückgreifen.

Haben Sie je eine Kopie der Schnittteile angefertigt, schneiden Sie die Formen aus und legen Sie sie gemäß des Schnittplans auf dem gewünschten Stoff aus. Der Stoff liegt dabei auf Links. Damit Sie möglichst wenig Stoff verschwenden, sollten Sie die Teile eng zueinander legen und dann mit Stecknadeln befestigen.

Die Umrisse der einzelnen Teile werden nun mit Schneiderkreide oder einem besonders weichen weißen Buntstift auf den Stoff übertragen. Haben Sie alle Teile umrandet, können Sie mit dem Ausschneiden beginnen. Hierfür benötigen Sie eine Stoffschere oder in speziellen Fällen einen Rollschneider. Dieser kommt bei besonders dicken Stoffen und komplexen Formen zum Einsatz. Beachten Sie jedoch, dass Sie bei der Verwendung eines Rollschneiders eine spezielle Unterlage benötigen. Sie verhindert, dass der Untergrund durch die Rollklinge beschädigt wird. Vor dem Ausschneiden sollten Sie der Nähanleitung entnehmen, ob bereits eine Nahtzugabe in dem Muster inbegriffen ist. Eine Nahtzugabe stellt sicher, dass Sie ausreichend Platz zum Nähen haben. Je nach Dicke des Stoffes sollten Sie 2-4 Zentimeter Nahtzugabe einplanen und das Stoffteil dementsprechend großzügiger ausschneiden.

Haben Sie alles ausgeschnitten, werden alle weiteren Nähte, zum Beispiel von Taschen oder Abnähern, ebenfalls mit Schneiderkreide eingezeichnet. Wichtig: Diese Zusatzinformationen werden immer auf der später verborgenen Innenseite des Stoffes aufgetragen. Obwohl sich Schneiderkreide in der Regel rückstandslos entfernen lässt, sollte man gerade bei hochwertigen Stoffen nicht das Risiko eingehen, die Vorderseite zu beschmutzen. Nun sind die Vorbereitungen abgeschlossen und Sie können sich an das Zusammensetzen der Einzelteile machen. Um ein optimales Ergebnis zu erzielen, sollten Sie sich hier haargenau an die Vorgaben der Nähanleitung halten.

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