Schiffsmodelle aus Holz: Was Sie über den Klassiker des Modellbaus wissen sollten

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Schiffsmodelle aus Holz: was Sie über den Klassiker des Modellbaus wissen sollten

Der Modellbau kennt eine ganze Reihe unterschiedlicher Themengebiete. Da sind zunächst Fahrzeuge aller Art, Flugzeuge, sogar Raumschiffe und natürlich Gebäude, also Architektur. Der Klassiker schlechthin unter den Modellen ist jedoch das Schiff. Schiffe in ziviler oder militärischer Nutzung, historische oder zeitgenössische Schiffe sind beliebte Modellmotive. Dabei ist die Art und Weise des Schiffsmodellbaus ganz von dem individuellen Interesse des (werdenden) Modellbauers abhängig. Verschiedene Materialien und Methoden stehen hierbei zur Verfügung. Der Bau eines Schiffsmodells mit Karton ist genauso möglich wie aus Plastik. Die Schiffe aus Holz zu fertigen, mitunter selbst und ohne einen Bauplan, ist in gewisser Weise die Königsdisziplin dieses Metiers.

Viele Schiffsmodelle aus Holz fungieren als reine Standmodelle. Das Flaschenschiff ist wohl eines der bekanntesten Standschiffsmodelle. Andere wiederum sind sogenannte Funktionsmodelle und für die Fahrt im Wasser geeignet. Diese sind in aller Regel mit einer Funkfernsteuerung ausgestattet, die das Manövrieren des Modells ermöglich.

Schiffsmodellbau - eine alte Tradition

Das älteste Schiffsmodell ist sage und schreibe 4.000 Jahre alt. Es wurde in vorägyptischer Zeit hergestellt und besteht aus Ton. Sein Fundort war Mesopotamien, die Wiege der Zivilisation. Heute kann man es im Israel Museum in Jerusalem bewundern. Schiffsmodelle waren in dieser Zeit üblich als Grabbeigaben. Sehr detailgenaue Schiffsmodelle wurden beispielsweise im Grab des bekannten Pharaos Tutenchamun gefunden. Zählt man Halbmodelle (zum Beispiel eine Reliefdarstellung) auch zu den Schiffsmodellen, wird man besonders im antiken Römischen Reich fündig. In diesem Bereich gibt es auch spätantike bzw. frühchristliche Halbmodelle (z. B. die lange Zeit am Mittelmeer üblichen Triremen).

Zu Beginn der Frühen Neuzeit – die Europäer expandieren in alle Welt mit ihren Schiffen – werden Schiffsmodelle von Schiffbauern angefertigt, um Aufträge an Land zu ziehen. Bekannt ist hierbei unter anderem, dass verschiedene venezianische Schiffsbaumeister im Jahr 1525 mithilfe ihrer Schiffsmodelle um Bauaufträge konkurrierten. Damit läuteten sie eine neue Ära innerhalb des Schiffsmodellbaus ein. Es wurde besonders auf die Maßstabstreue und die richtigen Proportionen geachtet, um potenzielle Kunden zu überzeugen. Dieses Verfahren fand anschließend sogar Eingang in die Gesetzgebung. In Dänemark wurde der Modellbau ab 1670 per Dekret festgelegt.

Hier trennen sich bereits die Wege zwischen dem Schiffsmodellbau mit kommerziellem Hintergrund und demjenigen, der insbesondere als Hobby betrieben wird. Die Anfänge eines rein privaten Schiffmodellbaus dürften jedoch ähnlich alt sein. Man vermutet jedoch, dass Funktionsmodelle erst nach der Zeit der Französischen Revolution populärer wurden. Seitdem hat sich einiges verändert. Der Holzschiffmodellbau wurde zu einem Geschäft, in das unter anderem viele „Spielzeug“-Firmen einstiegen und die Modellbauer mit Bausätzen versorgten. Auch Werkzeuge und Bautechniken wurden immer mehr weiterentwickelt. Letztendlich brachten die 1990er Jahre einen weiteren Schub in diesem Sektor. Mit der allmählichen Etablierung des World Wide Web schlossen sich Modellbau-Communities zusammen, deren Mitglieder sich in Foren und auf digitalen Plattformen miteinander austauschen.

Welche Modellbauarten von Holzschiffen gibt es?

Die erste Modellbauart bei Holzschiffen sind die Fertigmodelle. Zwar haben diese von Natur aus wenig mit dem Modellbau selbst zu tun, sollen hier aber der Vollständigkeit halber genannt werden. Diese werden besonders als Spielzeug vertrieben. Der Anspruch ist hier besonders in der sofortigen Handhabbarkeit (RTR; „ready to run“) zu sehen. Die Schiffe sind sehr robust und für Kinderhände geeignet. Ein wesentliches Merkmal von Spielzeug-Fertigmodellen: sowohl in der Detailtreue als auch in den Proportionen stimmen die Modelle oft nicht mit ihren Vorbildern überein.

Schiffsmodelle als Bausatz

Die sicherlich am meisten verbreitete Bauart ist die der Bausatzmodelle. Schiffsmodelle werden dabei als Bausatz angeboten, der aus einzelnen bereits vorgefertigten Teilen besteht. Diese müssen zusammengebaut werden, um ein fertiges Schiffsmodell zu erhalten. Je nach Preis können dabei Detailgenauigkeit und Größe des Modells variieren. Besonders für Einsteiger ist der Erwerb eines Bausatzes für Holzmodellschiffe geeignet. Details wie etwa die Rumpf- oder Decksbeplankung sind bei diesen Bausätzen in der Regel vorhanden. Bekannte Firmen, die Holzbausätze besonders für historische Schiffe anbieten, sind:

  • Steingraeber
  • Mamoli
  • OcCre
  • Amati
  • Corel
  • Panart
  • Sergal
  • Victory Models
  • Nelsons Navy

Die dritte Möglichkeit, ein Holzmodellschiff zu bauen ist die Individualfertigung, die ein Höchstmaß an Erfahrung, Geduld, Fingerspitzengefühl und handwerklichem Geschick erfordert. Im Handel sind Modellbaupläne erhältlich, die genaue Anweisungen geben. Das betrifft die verwendeten Materialien, die Abfolge der einzelnen Bauschritte und Bauabschnitte. Es sind in der Regel Schnittmuster enthalten, die das Aussägen und Vorschneiden der Holzteile erleichtern.

Die große Faszination: die Nachbildungstreue von Holzmodellschiffen

Die Nachbildungstreue eines Holzmodells ist das große Ziel eines jeden ernsthaften Modellbauers. In der Regel interessieren sich Modellbauer neben Ihrem Hobby auch gleichzeitig für die dargestellten Originale selbst. Nachbildungstreue heißt daher auch die möglichst maßstabsgetreue Nachbildung des Originals. In vielen Fällen gelingt dieses Vorhaben so gut, dass man auf einer guten Fotografie nicht mehr zwischen Modell und Original unterscheiden kann.

Modelle etwa, die für Ausstellungen bestimmt sind, erfüllen diese Voraussetzungen ausnahmslos. Diese besitzen zumeist den höchsten Detailreichtum und die größte Bearbeitungsperfektion. Bei diesen Modellen kommen – neben Holz – besonders haltbare Materialien zum Einsatz (Lacke, Kunststoffe, Messing etc.). Im Hobbybereich hat sich für diese Modelle auch der Begriff „Museumsqualität“ entwickelt. Dies ist allerdings schon die Königsklasse des Holzschiffmodellbaus.

Tipps und Hinweise für das erste Holzmodell

Anfänger auf dem Gebiet des Holzschiffmodellbaus machen häufig Fehler, die nicht unbedingt begangen werden müssen. Einer der am weitesten verbreiteten Fehler besteht darin, dass man sich für ein zu großes Modell entscheidet. Man beachte: Wirklich große Modelle können schon einmal 4 bis 5 Jahre Bauzeit in Anspruch nehmen. Ein weiterer Fehler, der damit zusammenhängt: Man stellt sich die Arbeit als eine große abzuarbeitende Menge vor. Das kann jedoch nicht die richtige Einstellung sein. Denn schließlich soll der Modellbau ja Spaß machen. Das Arbeiten mit natürlichem Material sowie der Umgang mit Werkzeugen sollte grundsätzlich Freude bereiten.

Es gibt nur ein paar wenige Dinge, die der Anfänger beachten sollte. Dazu gehört besonders, dass man handwerklich schon etwas geübt sein sollte. Zwei linke Hände sind beim Holzschiffmodellbau – beim Modellbau generell – nicht zu empfehlen. Weiterhin sollte man sich einen geeigneten Arbeitsplatz einrichten, der permanent genutzt werden kann.

Dieses Werkzeug benötigen Sie

Darüber hinaus sollten Sie bereits über geeignetes Werkzeug verfügen. Hier sind besonders zu nennen:

  • Laubsäge
  • Kleinbohrmaschine
  • Handbohrer
  • Hobel
  • Schlüsselfeilen
  • Kleiner Hammer
  • Schnitzmesser
  • Raspel
  • Stecheisen
  • Schleifstein
  • Schraubendreher
  • Seitenschneider
  • Flachzange
  • Zollstock
  • Lineal
  • Winkel
  • Pinzetten
  • Pinsel
  • Schraubstöcke

Für eine erste Werkbank können Sie beispielsweise schon einen festen Tisch benutzen. Nützliche „Helferlein“ sind etwa Stecknadeln, Klebeband, Krepp, Gummibänder, hölzerne Wäscheklammern oder Nähnadeln. Im Laufe der Zeit werden Sie wahrscheinlich auch ihren Werkzeugfuhrpark erweitern. Nützlich werden in dem Zusammenhang etwa Klemmzwingen, Hohleisen, Holzhammer, Stichsägen, Fuchsschwanz, Schmiege, Stechzirkel usw. Wer jetzt Angst bekommt, soll sich dennoch nicht abschrecken lassen. Tipps und wichtige Informationen zu benötigtem Werkzeug finden Sie auch in den jeweiligen Bauplänen oder Bausätzen.

Wie bereits oben gesagt, sollten Sie mit einem kleinen Modell beginnen. Zahlreiche Anbieter bieten preiswerte Anfängermodelle an. Bauen Sie daher vielleicht erst einmal ein Rettungsboot anstatt einer spanischen Galeone. Weiterhin sollten Sie sich mit dem Schiff, das sie bauen wollen, auch theoretisch auseinandersetzen. Recherchieren Sie dazu nach verfügbarer Literatur. Die wesentlichste Regel beim Bau eines Holzmodellschiffs ist, dass Sie sich auf die Anfertigung jedes Einzelteils konzentrieren. Jedes Teil muss zunächst als Einzelstück angesehen werden, bevor es montiert wird.

Einige Techniken des Holzschiffmodellbaus

Das Kleben stellt eine der wichtigsten Techniken des Holzschiffmodellbaus dar. Hierbei sind Weißleim und Sekundenkleber die am häufigsten verwendeten Klebstoffe. Propellerleime bzw. Expressleime sind besonders gut für die Verklebung geeignet. Mithilfe von normalem Leim lassen sich große Flächen bearbeiten. Hiermit lassen sich beispielsweise Fugen verschließen, der Rumpf härten und einiges andere. Sekundärkleber wiederum sollte man in drei verschiedenen Sorten zur Verfügung haben: als pastenartiges Gel, als dickflüssiger wie auch als dünnflüssiger Sekundenkleber. Während die ersten beiden Sorten zum punktgenauen Kleben genutzt werden, wird der dünnflüssige Kleber zum Härten von kleinen Holzteilen oder zum Verkleben fertigmontierter Teile verwendet.

Eine weitere wesentliche Technik, die beim Bau von Holzschiffmodellen zum Einsatz kommt, ist das Biegen von Hölzern. Hierfür lohnt sich die Anschaffung eines Biegesystems für Holz. Das ist überall dort der Fall, wo man beim Modellbau nicht auf schon vorgeschnittene Modellteile zurückgreifen kann. Dabei muss fast jedes zu verarbeitende Holz geformt werden. Hierfür gibt es die verschiedensten Methoden und Philosophien. Die am wenigsten zielführende Maßnahme ist jedoch das Kochen der entsprechenden Holzleisten. Schaut man zurück in die Geschichte und orientiert sich an den alten Schiffsbauermethoden, entdeckt man, dass diese mit Feuchtigkeit und der Zuführung von Heißdampf funktionierten.

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