Schellack - so hat sich Jazz am Anfang angehört!

Aufrufe 2 Mal bewertet mit „Gefällt mir” Kommentare Kommentar
Mag ich anklicken, wenn dieser Ratgeber hilfreich war
Schellack - so hat sich Jazz am Anfang angehört!

Was ist beim Kauf von Jazz auf Schellackplatten zu beachten?

Eine Schallplatte aus der Zeit, in der noch Schellackplatten auf dem Grammophon abgespielt wurden, ist mehr als nur ein Relikt aus vergangenen Zeiten. Denn Musik zur Unterhaltung war immer schon ein Echo des Zeitgeistes, der gerade herrschte. Zu dieser Zeit, als die Schellackplatten in Mode waren, in der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts, werden so, mit einem Handgriff am Grammophon, die Zeiten wieder lebendig. So um das Jahr 1920 war es, da begann der Jazz seinen Siegeszug auf den Schellackplatten, begleitet von Swing, Sweet und Tanzmusik. In dieser Zeit glühte das grüne magische Auge des Röhrenradios. Manche von ihnen besaßen sogar einen Plattenwechsler, mit dem Schellackplatten abgespielt werden konnten. Ob Comedian Harmonists oder Miles Davies, Benny Goodman oder Ella Fitzgerald - gerade die Jazzinterpreten erhielten durch die Schellackplatten eine ganz eigene Färbung. Diese ist bis heute bei vielen Liebhabern des Jazz beliebt, so sehr, dass sogar Max Raabe gemeinsam mit Annette Humpe mit seiner CD "Küssen kann man nicht alleine" die Stimmung der fantastischen Zeit der goldenen Zwanziger wieder aufleben ließ.

Wie alt sind Schellackplatten wirklich?

Wenn alte Schellackplatten heutzutage wiederveröffentlicht werden, dann bringen sie bereits alle Angaben zu ihrer Diskografie mit, die ein Schellackfreund wissen möchte. Ob das Datum der Aufnahme oder der Aufnahmeort, selbst die Nummern der Platten beziehungsweise Matrizen und Spiegel sind im Begleittext aufgeführt. So muss niemand bei einer Wiederveröffentlichung selbst suchen und recherchieren. Wer jedoch eine echte Schellackplatte zum Beispiel bei eBay ersteigern möchte, muss sich schon ein wenig mit diesen alten Platten auskennen.

Das richtige Veröffentlichungsdatum ermitteln

Viele unterschiedliche Feinheiten weisen auf das ungefähre Alter der Schellackplatte hin: So ist die Stärke der Platte dafür genauso wesentlich wie die Farbe der Etiketten, der Schriftzug, der auf dem Label steht oder die genaue Bezeichnung der Plattenfirma. Wer alte Kataloge zu Schellackplatten selbst wälzen und vergleichen will, muss zum einen relativ aufwendig recherchieren und benötigt zudem eine gut sortierte Bibliothek. Die Plattennummer, welche den beiden Seiten der Schellackplatte zugeordnet ist, bietet hierbei eine erste grobe Orientierung. Denn seit fast alle Firmen, die Schellackplatten herstellten, ihre veröffentlichten Platten im Prinzip chronologisch fortlaufend nummerierten, lässt sich dank dieser Plattennummer das Jahr der Erstausgabe relativ einfach ermitteln. Dazu werden lediglich Schellackplatten benötigt, von denen das Jahr der Erstveröffentlichung bekannt ist und die somit einen ersten Anhaltspunkt für einen chronologischen Vergleich bieten.
Etwa 1924 wurde damit begonnen, die Präfix- Serien des Labels "His Master's Voice" aus England und des dazu gehörenden deutschen Labels "Electrola" durchzunummerieren. Immerhin wurde kurze Zeit darauf das elektrische Aufnahmeverfahren bei den Schellackplatten eingeführt. Unter dem Label "Electrola" vermarktete die Grammophone Company Ltd. ihre Platten in Deutschland. Denn die Deutsche Grammophon Gesellschaft hatte hierzulande das Eigentumsrecht an dem Etikett mit dem sitzenden Hund vor dem Grammophon, zusammen mit der Bezeichnung "Die Stimme seines Herrn". Wer Schellackplatten vor 1925 erwerben möchte, muss dazu wissen, dass sich diese nicht einfach datieren lassen, weil sie noch keine fortlaufende Nummerierung aufweisen.

Grafische Zeichen und Spiegelnummer auf den Schellackplatten

Der Spiegel der Schellackplatten ist der kleine freie Raum zwischen der letzten Rille und dem aufgeklebten Etikett der Platte. Auf diesem Spiegel wurde eine Kombination aus Zahlen der Matrizen- und der Takenummer direkt in die Schellackplatte eingraviert.
Wurden die Schellackplatten von der Grammophone Company Ltd. oder einer ihrer Tochtergesellschaften elektrisch aufgenommen, dann befindet sich hinter der Nummer auf dem Spiegel ein grafisches Zeichen, welches einen ziemlich eindeutigen Hinweis auf das wirkliche Alter der Schellackplatte liefert: Seit 1925 wurden die Aufnahmen für die Schellackplatten mit Mikrofonen aufgenommen - und die Aufnahmen mit einem Dreieck gekennzeichnet. Dieses besagte, dass bei dieser Aufnahme das Aufnahmeverfahren der Western Electric verwendet worden war. Alle anderen Aufnahmefirmen, die das Verfahren von Western Electric verwendeten, mussten an diese Lizenzgebühren bezahlen. Deswegen entwickelte die britische Columbia 1930/ 31 ein eigenes Verfahren zur Aufnahme von Schellackplatten und brauchte somit keine Lizenzgebühren mehr zu bezahlen. Außerdem fusionierten 1931 die Columbia Grammophone mit der Grammophone Company Ltd. und es entstand das Label E.M.I. daraus. Jetzt konnte das Verfahren der Columbia auch für die Schellackplatten der Grammophone Company wie "His Masters Voice" und "Electrola" benutzt werden. Hinter der Spiegelnummer bekamen diese Schellackplatten als Merkmal eine Swastika (ein Hakenkreuz). Bereits im Jahr darauf wurde die Swastika durch ein Quadrat ersetzt, weil die deutschen Nationalsozialisten das Hakenkreuz verwendeten.
Es gibt Listen, auf denen die Nummern der Schellackplatten den Jahren ihrer Erstveröffentlichung zugeordnet sind. Allerdings lassen sich diese zunächst nur als grobe Richtlinie betrachten, weil es immer wieder in den ganzen Reihen Nummern gibt, die als Ausnahmen quasi aus der Reihe tanzten.

Elektrische Aufnahmen für die Schellackplatten

Jetzt wurde die Sprache oder die Musik nicht mehr in den Trichter, sondern in ein Mikrofon gesprochen oder gesungen. Das Mikrofon wandelt die Schwingungen des Schalls in elektrische Impulse und führt diese über einen Verstärker zu einem Magneten, der sie wieder in eine mechanische Bewegung umwandelt. Mit Hilfe des Mikrofons wurde der Frequenzbereich, der sich dadurch übertragen ließ, immens erweitert. Erst jetzt ließen sich Orchester in einer solchen Qualität aufnehmen, die auch das Hören zum Genuss macht.

Der Spiegel ist das Herzstück der Schellackplatte

Seit den Zeiten der Schellackplatten haben auch die Langspielplatten, Compact Discs, oder die Black Discs einen Freiraum zwischen dem meistens aufgeklebten Etikett und der letzten Rille. Durch diese Fläche verlaufen lediglich noch die Endrillen - wie der ungeübte Laie meint. Doch gerade für den Kenner der Schellackplatte ist dieser Spiegel das Herzstück. Denn hier auf dem Spiegel lässt sich die wahre Identität der Schellackplatte prüfen. Zeichen wie Ziffern, Buchstaben oder grafische Symbole verraten dem Kenner, ob er es mit einer echten Schellackplatte zu tun hat. Es gibt neben den bereits erwähnten Spiegelnummern auch Presscodes, Seitennummern und Signaturen auf dem Spiegel.

Die Spiegelnummer auf der Schellackplatte

Aus zwei bis drei Segmenten besteht die Spiegelnummer auf dem Plattenspiegel der Schellackplatte. Der erste Teil der Spiegelnummer bezeichnet die Nummer der Matrize. Die Matrizennummer ist oft auch in winzig kleiner Druckschrift auf dem Etikett abgedruckt und bezeichnet die Nummer der Aufnahme. Es können sogar zwei Schellackplatten existieren, welche die gleiche Matrizennummer aufweisen, trotzdem aber ganz unterschiedlich klingen: Dann wurde eventuell eine ältere Plattenmatrize überspielt und das Gravieren der Schallwellen in das Wachs für die Aufnahme war ein anderer. Das lässt sich mit der Takenummer herausfinden.
Die Takenummer ist diejenige Zahl, die sich, entweder mit einem Bindestrich getrennt oder hochgestellt, an die Matrizennummer anschließt. Wer weiß, wie damals die Schellackplatten angefertigt wurden, der kann verstehen, warum es neben der Matrizennummer eine Takenummer gegeben hat: Von ein und derselben Seite der Schellackplatte wurden mehrere Versionen aufgenommen und der Aufnahmeleiter musste die einzelnen Aufnahmewachse exakt zuordnen können. Deswegen wurde zwischen Matrize und Take differenziert. Später kamen noch weitere Informationen wie das Land, in dem die Aufnahme gemacht wurde und das Aufnahmeverfahren, genauso wie die Größe der Schellackplatte, dazu. Nur die Geschwindigkeit, mit der sich das Aufnahmegerät drehte, wurde nie auf der Spiegelnummer codiert. Deswegen ist bis heute für manche Aufnahmen nicht klar, in welcher Geschwindigkeit sie eigentlich abgespielt werden müssten, damit sie sich korrekt anhören.

Vom Beginn der Schellackplatten

Edison erfand eine Wachswalze, die mit Stanniol verkleidet war und in welche Töne eingeritzt wurden. Diese mussten noch jeweils einzeln besungen werden. Kurz vor dem Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts fand ein Amerikaner heraus, dass es sinnvoller sei, wenn diese Rillen auf Scheiben angeordnet wären: So ließen sie sich nicht nur leichter vervielfältigen, sondern würden auch kostengünstiger. Die ersten Platten entstanden aus einem Gemisch von Zink mit Fett oder Gummi. Zwar ließen sich diese gut aufbewahren, waren aber noch unglaublich empfindlich. Besonders, wenn die Platten zu warm wurden, schmolzen sie regelrecht dahin. Auch Schellack war noch sehr temperaturempfindlich. Eine kleine Nadel aus Stahl tastete die Rille der Schellackplatte ab und übertrug die Vibration auf eine kleine Membrane, die sich im Kehlkopf des Grammophontrichters befand. Damit durch die Stahlnadel genügend Energie an die Membrane übertragen werden konnte, mussten sich die ersten Platten mit einer Geschwindigkeit von 78 Zentimetern pro Sekunde drehen. Die allerersten Platten wurden nur einseitig bespielt und besaßen einen Durchmesser von 12 Zentimetern. Es gab allerdings auch Sonderanfertigungen, die bis zu 40 Zentimetern Durchmesser besaßen. Aber im Normalfall passten nur dreieinhalb bis viereinhalb Minuten Musik oder Sprache bis etwa 1930 auf eine Schellackplatte mit einem Durchmesser von 30 Zentimetern.
Weil aber der Fortschritt im Kino nicht aufzuhalten war und aus dem Stummfilm ein Tonfilm werden sollte, brauchten die Studios für eine Filmrolle mit einer Laufzeit von etwa zwanzig Minuten auch eine Platte, die den Ton tragen und einfach dazu abgespielt werden sollte. Die Geschwindigkeit einer Schallplatte mit dem Durchmesser von 40 Zentimetern wurde auf die heute noch üblichen 33 Umdrehungen pro Minute reduziert und eine Weile experimentiert. 1931 gab es dann die erste so genannte Langspielplatte. Zwar ist von diesen Versuchsplatten fürs Kino keine einzige erhalten geblieben, doch die Entwicklung färbte auch auf die anderen Schallplatten ab.

Das Ende der Schellack-Ära

Zwar gab es auch noch Schellackplatten mit einer solchen verlängerten Spieldauer und die technischen Möglichkeiten zur Abtastung wurden ebenfalls immer raffinierter, doch als nach dem Ende des zweiten Weltkrieges die Schallplatte aus Kunststoff entwickelt wurde, war das Ende der Schellackplatten quasi besiegelt. Auf die Schallplattenspieler der neuen Ära konnten damals entweder die neuen Kunststoffschallplatten oder die Schellackplatten aufgelegt werden, weil sie mit zwei Saphiren zum Abtasten ausgestattet waren. Mit der Zeit waren die ganzen klassischen Werke auf Langspielplatten erhältlich. Nur die tagesaktuellen Schlager erschienen noch eine Weile auf den Schellackplatten mit einem Durchmesser von 25 Zentimetern. Als aber 1953 die ersten Single-Platten mit einem Durchmesser von 17 Zentimetern aus Kunststoff in den Handel kamen, war auch hier das Ende der Schellackplatte besiegelt.

Möchten Sie Ihr Wissen weitergeben? Erstellen Sie Ihren eigenen Ratgeber… Verfassen Sie einen Ratgeber
Weitere Ratgeber erkunden