Sammlertipps: Briefmarken aus Portugal und seinen Kolonien

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Kolonialmächte als ganz spezielles Sammlergebiet

Die Historie europäischer Kolonialmächte wie Portugal reicht deutlich weiter zurück als die Geschichte der Briefmarke und ist mit vielen dunklen Flecken behaftet. Der neuzeitliche Kolonialismus entstand ab dem 15. Jahrhundert. Die Gründe hierfür waren vielfältig:

  • Erst ab Mitte des 15. Jahrhunderts gab es hochseetaugliche Schiffe.
  • Der Bedarf an Rohstoffen wie Gewürzen, Gold oder Farbstoffen stieg ab dem 16. Jahrhundert drastisch an.
  • Es gab einen steigenden Lebensmittelbedarf durch Bevölkerungswachstum.
  • Es entstanden durch Kaufleute, Könige und Adelige initiierte Handelsnetzwerke.

Neben Portugal bedeutende Kolonialmächte waren:

  • Spanien
  • Frankreich
  • Niederlande
  • England

Hinzu kamen im 19. Jahrhundert das ehemalige Deutsche Reich, Italien und Belgien.

Die One Penny Black

Insgesamt erwähnenswert ist der Erscheinungstag für die erste Briefmarke der Welt - die One Penny Black aus England - der auf den 1. Mai 1840 datiert wird. Aus zweierlei Gründen: Zum einen waren es erstmalig die Absender, die das Porto bezahlen mussten, anstatt wie zuvor die Empfänger, zum anderen ist der Tag als Startschuss zu verstehen, der kurze Zeit später die ersten Sammler auf den Plan gerufen hat.

Portugal und seine Briefmarken

Die erste Briefmarke in Portugal selbst erschien im Juli 1853, mehr oder weniger deutlich zu sehen war auf dieser das Portrait der damaligen Königin Maria II. Um eine Sammlung von Portugal aufzubauen, gibt es viele Möglichkeiten: Eine Trennlinie könnten Sie zum Beispiel ziehen zwischen Briefmarken die vor 1945 herausgegeben worden sind und solchen, die nach 1945 bis heute erschienen sind und erscheinen werden. Selbstverständlich kann auch nach kompletten Jahrgängen gesucht werden oder nach bestimmten Motiven. Hören Sie auf Ihre innere Stimme, die Ihnen sagen wird, welche Themen und Kriterien für eine Portugalsammlung am ehesten für Sie interessant sein könnten.

Interessante Sammelgebiete ergeben sich über innenpolitische Entwicklungen nach Jahrgängen:

Bis zum Jahr 1910 war Portugal monarchisch. Wer sich für diesen Zeitraum und alle nachfolgenden Epochen einen konkreten Überblick verschaffen möchte, sollte auf Briefmarkenkataloge zurückgreifen, sofern noch nicht geschehen. Dazu später mehr. Bis einschließlich 1926 folgte die erste Portugiesische Republik. In diesem Zeitraum erschienen mehr als 200 verschiedene Briefmarken. Im selben Jahr noch kam es zu einem Militärputsch, der das Ende der ersten Republik mit sich brachte. Erst einige Jahre später, nämlich 1933 wurde der Estado Novo - der Neue Staat - ausgerufen, dieser hatte Bestand bis zum Jahr 1974 – in dem es zu einem erneuten Militärputsch kam. Vor allem die seit den 1960er Jahren in Afrika geführten Kolonialkriege trugen mit zu diesem politischen Erdrutsch bei. An Geschichte interessierte Sammler werden wissen, dass 1974/75 viele Kolonien in die Unabhängigkeit entlassen worden sind. Bis zum heutigen Tage ist Portugal wieder eine Republik. Der Beitritt zur NATO als Gründungsmitglied erfolgte 1949, in die EU (damals noch EG) wurde Portugal 1986 aufgenommen.

Dies sind mögliche Orientierungspunkte für einen individuellen Sammelansatz und stehen auf jeden Fall für die bewegte Geschichte des Landes. Als Reiseland gehört Portugal längst zu den Top-Adressen in Europa, besonders die Algarve ist ein Publikumsmagnet.

Besonderheiten in und aus Portugal

Wie viele andere Länder auch gibt Portugal neben konventionellen Postwertzeichen regelmäßig einige Sonderformen heraus, für die sich so mancher Sammler interessiert. 

Eine dieser Sonderformen sind sogenannte Paketmarken, die - wie es der Name bereits ausdrückt - für Pakete vorgesehen waren und bis heute sind. Sehr spannend ist zudem auch das wirklich sehr spezielle Thema Portofreiheitsmarken. Diese besonderen Marken wurden auf Antrag gemeinnütziger Gesellschaften durch die zuständigen Stellen geprüft und gegebenenfalls genehmigt. Das Rote Kreuz brachte so zwischen 1879 und 1936 knapp über 70 dieser Portofreiheitsmarken heraus. Ein zweites Beispiel etwa wäre die Geographische Gesellschaft von Lissabon. Diese stellte den Antrag als gemeinnützige Gesellschaft im Jahr 1903. Von diesem Jahr an bis 1938 erschienen knapp über 20 Marken. Verwendet wurden diese hauptsächlich zum Versand hauseigener Schriften- oder Zeitungen. Ein weiteres Kapitel aufgeschlagen werden kann mit einigen wenigen Marken mit Zwangszuschlag, wobei der Zwangszuschlag als eine Art "Armensteuer" zum Einsatz kam. Seit 1981 sind in Portugal zudem modernere Zeiten angebrochen: In diesem Jahr kamen die ersten Automatenmarken des Landes zum Einsatz - zunächst mit sehr einfachen Motiven, inzwischen jedoch ähnlich abwechslungsreich und farbenfroh wie konventionelle Briefmarken.

Wie Sie sehen, finden sich immer wieder Betätigungsfelder abseits der sonstigen Wege, die man als neugieriger Philatelist betreten kann - zumeist eine Frage der persönlichen Neugier und der eigenen Interessenschwerpunkte.

Portugal und seine Kolonien

Die Kolonien Portugals sind ein interessantes und gleichzeitig nicht ganz einfaches Sammelgebiet, was aber keineswegs davor abschrecken sollte, sich mit dem Thema zu beschäftigen; zumal sich hier bei näherer Betrachtung ebenfalls so einige Teilgebiete eröffnen. Nachfolgend werden nicht alle Kolonien aufgeführt, da aus Sammlersicht nicht relevant: So wurden zum Beispiel Teile des heutigen Marokkos weit vor Erscheinen der ersten Briefmarke überhaupt wieder aufgegeben. Ähnliches gilt auch für Brasilien, das sich 1822 selbst als unabhängig erklärte.

Im Laufe seiner Geschichte war die Kolonialmacht Portugal auf folgenden Kontinenten präsent:

  • Afrika
  • Amerika
  • Asien

Die Kardinalfrage ist natürlich, wie man sich als Einsteiger den zahlreichen Kolonien nähert, die für das Sammeln von Briefmarken tatsächlich relevant sind. Hilfreich könnte es sein, diese einfach einmal grob durchzugehen, vielleicht schlägt das Pendel bei Ihnen bei bestimmten Regionen automatisch aus:

Angola, zuvor Portugiesisch-Westafrika, wurde 1975 endgültig in die Unabhängigkeit entlassen. Von 1870 bis 1950 erschienen mehr als 300 Kolonialbriefmarken, von 1951 bis 1974 galt Angola als überseeische Provinz von Portugal. Dies sind für einen möglichen Einstieg die wichtigsten Eckdaten, über die man sich von Jahrgang zu Jahrgang oder über Themen herantasten kann.

Azoren und Madeira zusammen sammeln  

Die Azoren nehmen bis heute eine Sonderstellung ein: Die Inselgruppe im Atlantik bildet seit 1976 eine autonome, zu Portugal gehörende Region und ist damit auch Teil der Europäischen Union. Interessant für Sammler sind die historisch postalischen Regionen Angra, Ponta Delgada und Horta. Erste eigene Briefmarken erschienen hier von 1868 bis Ende 1931. Seit 1980 gibt es auf den Azoren wieder eigene Marken, die unter dem Begriff Acores zu finden sind. Diese können in Portugal selbst sowie auf Madeira verwendet werden.

Wie die Inselgruppe der Azoren ist Madeira mit der Hauptstadt Funchal bis heute als autonome Region Teil von Portugal. Die historischen Eckdaten: Madeira war bis 1928 eine reine Kolonie. Danach wurde die Inselgruppe bis 1976 als Distrikt geführt und ist seit 1976 ebenfalls eine autonome Region. Identisch zu den Azoren werden auf Madeira ebenfalls seit 1980 wieder eigene Briefmarken verausgabt.

Auf Grund der sehr schönen und anspruchsvollen Abbildungen haben sich Azoren und Madeira gemeinsam zu einem sehr beliebten Sammelgebiet in Europa entwickelt – vor allem für Philatelisten, die sich auf die Motive selbst konzentrieren. Was die Auflagen anbetrifft, liegen diese zum Teil deutlich unter dem sechsstelligen Bereich. Ob sich dies irgendwann in einer Wertsteigerung widerspiegeln wird, bleibt allerdings abzuwarten.

Guinea und das Gebiet um den Golf von Guinea

Was Guinea in Westafrika anbetrifft, muss man ein wenig vorsichtig sein, da das Land gegenwärtig in zwei voneinander unabhängige Staaten aufgeteilt ist und es durch Unachtsamkeiten bei der Suche eventuell noch zu Verwechslungen mit der ehemaligen deutschen Kolonie Deutsch-Neuguinea kommen könnte. Bei den westafrikanischen Ländern handelt es sich einerseits um Guinea Conakry als ehemalige französische sowie Guinea Bissau als portugiesische Kolonie mit folgenden historischen Daten: Geführt wurde das Land als Portugiesisch Guinea von 1879 bis 1951, erlangte im Anschluss den Status der Überseeprovinz und war ab 1954 eine autonome Region. 1974 erkannte Portugal die Unabhängigkeit des Landes an. In der Zeit bis 1954 wurden nicht ganz 300 verschiedene Briefmarken herausgegeben.

Der Inselstaat Sao Tomé und Principe liegt circa 200 Kilometer von der westafrikanischen Küste entfernt im Golf von Guinea. Die Kolonialgeschichte des Inselstaates verläuft sehr ähnlich denen der zuvor genannten Länder. Nach einer zwischenzeitlichen Annexion durch die Niederlande und Frankreich wurde Sao Tomé und Principe 1735 erneut eine portugiesische Kolonie und im Jahr 1975 endgültig in die Unabhängigkeit entlassen. Über 300 Kolonialbriefmarken sind in den Jahren von 1876 bis 1950 erschienen. Heute werden die beiden Inseln gemeinsam als Demokratische Republik geführt.

Kapverden und Hundertwasser-Marken

Ebenfalls bis 1975 gehörte die heutige Inselrepublik Kap Verde - kurz Kapverden - zu Portugal. Geografisch liegt sie 200 Kilometer entfernt von der afrikanischen Westküste auf Höhe von Mauretanien und dem Senegal. Längst ein beliebtes Reiseziel für Touristen aus aller Welt. Von 1877 an erschienen hier bis zum Jahr 1950 über 300 Briefmarken. Für die Zeit als überseeische Provinz von 1951 bis 1974 erschienen nochmals über 90 Motive. Zu einer interessanten Konstellation kam es, als der Künstler Friedensreich Hundertwasser die Kapverden besuchte und in den Jahren 1983 bis 1985 eine Serie mit Motiven des Künstlers entstand. Inwieweit Sammler bereit sind, die aktuell aufgeführten Preise zu bezahlen, steht auf einem anderen Blatt.

Eine weitere ehemals portugiesische Kolonie, allerdings an der ostafrikanischen Küste liegend, ist Mosambik. Im Zuge der Kolonial-Historie erschienen von 1876 bis 1950 weit über 300 Briefmarkenmotive. Von 1951 bis zur Unabhängigkeit im Jahr 1974 waren es nicht ganz 200 Ausgaben. Erwähnenswert ist das Jahr 1920, in dem Wohlfahrtsmarken zugunsten Kriegsgeschädigter ausgegeben wurden.

Ein kleines Fazit

Portugal war eine der großen Kolonialmächte, daher handelt es sich um ein recht umfangreiches Sammelgebiet. Wenn Sie sich einen kompletten Überblick verschaffen möchten, empfehlen sich Briefmarkenkataloge wie zum Beispiel Michel Übersee-Kataloge, die die zuvor genannten sowie weitere Regionen wie etwa Timor, Portugiesisch-Inden und Portugiesisch-Kongo mit vielen zusätzlichen Informationen listen.

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