Saiteninstrumente erklärt: Wissenswertes über den Kontrabass

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Saiteninstrumente erklärt: Wissenswertes über den Kontrabass

Unter der Vielzahl an Musikinstrumenten können Sie neben Gitarren, Flöten oder Geigen auch Kontrabässe erwerben. Sie zählen zu den größten und tiefsten Streichinstrumenten. Der Name Kontrabass leitet sich von der Kontraoktave ab, deren Töne erzeugt werden können. Das Einsatzgebiet für Kontrabässe ist groß. Ob modernes Sinfonieorchester, Jazz-Musik, Rock‘n'Roll oder Rockabilly – überall kommen Kontrabässe zum Einsatz.

Der Kontrabass – schon in der Wiener Klassik ein beliebtes Instrument

Bereits Ende des 16. Jahrhunderts sind in Deutschland erste Vorläufer des heutigen Kontrabasses entstanden und auch in der Wiener Klassik war er ein beliebtes Instrument. Allerdings hatte der Kontrabass hier oftmals fünf Saiten mit Bünden und wies eine Terz-Quart-Stimmung mit F, A, D, Fis und A auf. Viele bekannte Musiker der Zeit wie etwa Carl Ditters von Dittersdorf oder Johann Baptist Vanhal schrieben Stücke für das Instrument – etwa vierzig Solokonzerte und ein großes Repertoire an Kammermusik sind für den so gestimmten Kontrabass entstanden. Joseph Haydn schrieb ebenfalls ein Kontrabass-Konzert, dieses ist heute allerdings verschollen, und Wolfgang Amadeus Mozart verfasste 1791 eine Arie für Bass und obligaten Kontrabass.

Wissenswertes über den Kontrabass  

Ein Kontrabass besteht aus der Decke, dem Rücken, dem Hals, den Zargen, dem Griffbrett sowie Ober- und Untersattel, allerdings ist er in vielen unterschiedlichen Ausführungen erhältlich, weshalb auch seine Familienzugehörigkeit eine stete Uneinigkeit hervorruft.

Zu welcher Instrumentenfamilie gehört der Kontrabass?  

Er weist etwa bauliche Eigenschaften von Violinen, aber auch von Gamben auf, wodurch er nur schwer einer Gruppe zugeordnet werden kann. Die F-förmigen Schalllöcher, Anzahl der Saiten, die Schnecke am Ende des Wirbelkastens, aber auch das bundlose Griffbrett sprechen für eine Einordnung in die Violinenfamilie, wohingegen die oft abfallenden Schultern sowie die Saitenstimmung in Quart-Intervallen doch eher auf die Gambenfamilie hindeuten.

Aufbau und Ausführungen

Die heutigen Kontrabässe haben in der Regel vier Saiten, die meist in Quarten mit E, A, D und G gestimmt sind. Somit fehlen allerdings unterhalb der E-Saite vier Töne, die in Sinfonieorchestern häufig benötigt werden, nämlich Es, D, Des und C, weshalb dort verwendete Kontrabässe oft eine fünfte Saite haben, die auf Kontra-C gestimmt ist. In den USA oder in Kanada werden zudem alternativ auch Instrumente verwendet, die über einen Hebelmechanismus, die sogenannte C-Maschine, verfügen, mit der der schwingende Teil der E-Saite verlängert werden kann und Töne bis zum Kontra-C gespielt werden können. Auch setzen sich in diesen Ländern immer mehr Musiker dafür ein, die historische Quintenstimmung mit C, G, D und A wiederzuerwecken, da so der Hebelmechanismus entbehrlich wäre, der Tonumfang nach oben und unten erweitert werden könnte und auch mit der hohen A-Saite die Solostimmung entbehrlich werden würde. Allerdings würde für diese Stimmung eine vollkommen andere Grifftechnik der linken Hand erforderlich werden.

Kontrabässe werden heutzutage in verschiedenen Mensuren angeboten, wodurch Sie den für Ihre Körpergröße passendsten wählen können. Für Kinder und Jugendliche sind meist Achtel-, Viertel- oder Halbbässe mit Mensuren von 80 bis 97 Zentimetern erhältlich, wohingegen unter Erwachsenen Dreiviertelbässe mit 104 bis 106 Zentimetern Mensur am verbreitetsten sind, in Orchestern findet man aber auch oft 4/4-Bässe mit Mensuren von 107 bis 110 Zentimetern.

Körperhaltung und Spieltechniken für den Kontrabass

Der Kontrabass kann entweder im Sitzen oder im Stehen gespielt werden. Wenn Sie im Sitzen spielen wollen, so benötigen Sie einen hohen Stuhl oder Hocker. Im professionellen Bereich gibt es speziell angefertigte Hochstühle, die ergonomisch konstruiert sind und deren Sitzhöhe und Fußrasten individuell eingestellt werden können. Sie sollten beim Spielen aufrecht sitzen, wobei das linke Bein angewinkelt ist und das rechte gestreckt. Der Kontrabass lehnt dann schräg mit dem Boden an der Innenseite des linken Beines und das rechte Bein berührt die Unterzarge mit dem Unterschenkel. Wenn Sie hingegen im Stehen spielen wollen, so können Sie den Kontrabass durch einen höhenverstellbaren Standfuß, den sogenannten Stachel, der aus einem Metallrohr besteht und an der unteren Zarge befestigt wird, an Ihre Körpergröße anpassen. Der Kontrabass ist hoch genug, wenn sich der Obersattel etwa in Augenhöhe befindet.

Ist die richtige Höhe eingestellt, so müssen Sie den Kontrabass zum Spielen an Ihren Körper anlehnen, wobei die Kante von Oberzarge und Boden an der Hüfte lehnen soll und das linke Knie den unteren Teil des Bodens berührt. Nachteilig beim Spielen im Stehen ist aber der notwendige Kompromiss zwischen gesunder Körperhaltung und Stabilität des Kontrabasses. Für eine natürliche Körperhaltung sollten Sie die Beine gleichmäßig belasten sowie Hüfte und Knie locker lassen. Allerdings steht bei dieser Haltung der Kontrabass instabil und es kann dazu kommen, dass die linke Hand versucht, das Instrument weiter zu stabilisieren, wodurch sie sich nicht mehr frei bewegen kann. Gerade beim Spielen mit dem Bogen kann die Musik darunter leiden. Sollten Sie versuchen, den Kontrabass durch das Einklemmen zwischen den Knien zu stabilisieren, so kann es durch diese unnatürliche Haltung zu Gesundheitsschäden kommen.

Was machen die linke Hand und die rechte Hand? 

Für die rechte und linke Hand gibt es ebenfalls unterschiedliche Spielweisen. Beim sogenannten "arco-Spiel" werden die Saiten des Kontrabasses von der rechten Hand mit einem Bogen gestrichen. Auch hier werden wieder verschiedene Stricharten unterschieden, die je nach Stilrichtung zum Einsatz kommen und sich in der Bogenhaltung unterscheiden. Der Bogen kann hierbei im Obergriff oder im Untergriff gehalten werden. Die arco-Spieltechnik kommt meist in klassischer Musik zum Einsatz, aber auch Jazz-Kontrabassisten wie Paul Chambers oder Slam Stewart verwenden in ihren Soli einen Bogen.

Im Gegensatz zu dieser Spieltechnik steht die sogenannte "pizzicato-Spielweise", wobei die Saiten mit den Fingern gezupft werden. Je nach Musikrichtung kann weiter in verschiedene Techniken unterteilt werden. In der klassischen Musik stehen bei dieser Spielweise Zeige- und Mittelfinger senkrecht auf der Saite und ziehen sie im 90°-Winkel zur Seite, um einen glockenartigen Ton zu erhalten. Im Jazz hingegen ist der anreißende Finger so gut wie parallel zur Saite und entstehende Nebengeräusche sind meist erwünscht. Eine weitere aus den 1910er Jahren stammende Spielweise für die rechte Hand ist die sogenannte "Slaptechnik", bei der die Saiten mit geschlossenen Fingern angerissen werden, damit sie anschließend zurück auf das Griffbrett prallen. So kann mit dem Kontrabass eine höhere Lautstärke erreicht werden und der runde Klang bekommt zudem ein perkussives Element. Im heutigen Jazz spielt diese Technik zwar keine große Rolle mehr, doch im Rock'n'Roll, Rockabilly und Psychobilly ist sie weit verbreitet.

Mit der linken Hand bestimmen Sie beim Spielen des Kontrabasses die Tonhöhen der gestrichenen oder gezupften Saiten durch Verändern der Position. Das Fingersatz-System der sogenannten "Prager Schule" ist dabei am weitesten verbreitet. Hierbei befindet sich die linke Hand in einer Ganztonspannung. Das bedeutet, dass zwischen Zeigefinger und kleinem Finger eine große Sekunde liegt und zwischen Zeige- und Mittelfinger oder Mittelfinger und kleinem Finger eine kleine Sekunde. Der Ringfinger wird bei dieser Technik erst beim Spielen in höheren Lagen oder mit Daumenaufsatz verwendet. Dieses System wird unter anderem auch als 3-Finger-Technik oder 1-2-4-Fingersatz bezeichnet. Eine Variation davon ist der 1-3-4-Fingersatz, der vor allem in südeuropäischen Ländern verbreitet ist und den Ringfinger anstelle des Mittelfingers verwendet. Charakteristisch für die beiden Systeme ist, dass eine vordefinierte Handhaltung besteht, durch die eine hohe Stabilität der Töne erreicht werden kann, woraus allerdings häufige Lagenwechsel und somit technische Nachteile gegenüber anderen Streichinstrumenten entstehen können. Ein System, welches diese Problematik löst, ist die Vier-Finger-Technik, wobei die Saiten im Halbtonabstand gegriffen werden und somit weniger Lagenwechsel nötig sind.

Einzelheiten über die verschiedenen Techniken und eine optimale Körperhaltung können Sie in diversen Lehrbüchern nachlesen.

Repertoire und Stilrichtungen – Einsatzgebiete für den Kontrabass

Bassinstrumente bilden die Basis für Melodieinstrumente – es geht nicht ohne sie, auch wenn man sie nicht wirklich wahrnimmt. Jeder würde merken, dass etwas fehlt, sollte der Bass einmal nicht spielen, doch wenn er spielt, dann meist im Hintergrund und nur selten als Melodieinstrument. Dennoch gibt es einige Stücke, in denen der Bass in den Vordergrund tritt, beispielsweise in dem „Quintett für Oboe, Klarinette, Violine, Viola und Kontrabass" von Sergej Prokofjew. Zudem gibt es weitere Solokonzerte für den Kontrabass, etwa komponiert von Franz Anton Hoffmeister oder Johann Matthias Sperger. Der Komponist Bertold Hummel schrieb sogar eine Sinfonia piccola op. 66 für acht Kontrabässe und Hartmut Schmidt mehrere Stücke für vier Kontrabässe. Alles in allem ist der Kontrabass in vielen Stilrichtungen sehr beliebt. Ob nun Jazz, Blues, Rockabilly, Rock'n'Roll oder klassisches Sinfonie-Orchester – der Kontrabass wird in beinahe jeder Musikrichtung gerne gesehen.

Der eigene Kontrabass – Tipps zum Kauf

Für Einsteiger reicht in der Regel vorerst ein gebrauchter Kontrabass, denn neue Modelle können sehr teuer sein. Nach oben sind dem Preis keine Grenzen gesetzt. Vor allem wenn Sie sich noch nicht ganz sicher sind, ob der Kontrabass das richtige Instrument ist, bietet sich ein gebrauchter an. Zwar gibt es auch billigere Anfängermodelle, jedoch wird hier oft an der Qualität gespart, sodass sie noch einmal von einem Fachmann überarbeitet werden müssen. Oftmals ist die Suche auf dem Gebrauchtmarkt deutlich sinnvoller, da hier gute Instrumente durch minimale Gebrauchsspuren oder das Alter preiswert angeboten werden. Ideal sind auch Gebrauchtinstrumente, die bereits Zubehör wie Bogen, Ständer und Tasche beinhalten, da Sie so insgesamt oftmals weniger ausgeben als für ein neues Einsteigermodell plus Zubehör und auch langfristig einen geringeren Wertverlust zu tragen haben.

Wenn möglich sollten Sie sich einen Kontrabass aus vollmassivem Holz zulegen. Diesen erkennt man an der durchgehenden Maserung an Seiten und Innenseite. Die Decke ist meist aus Fichte und Zargen, Boden sowie Hals sind oft aus Ahorn. Hochwertige Bässe erkennen Sie zudem an einer Öl- oder Spirituslackierung, die für einen voluminöseren Klang und ein befreiteres Schwingen des Instrumentes sorgt. Für klassische Musik sollte der Bass ein rundes Ebenholzgriffbrett aufweisen, da bei einem flachen Griffbrett das Spielen mit dem Bogen sehr mühsam wird. Gute Griffbretter weisen auch hohe Festigkeiten auf, die einen klanglichen Vorteil bieten und sich nicht so schnell abnutzen. Achten Sie auch auf die Stimmmechaniken. Diese sollten stabil und leichtgängig sein und der Saitenhalter bevorzugt aus Ebenholz. Bei einer Tasche sollten Sie beispielsweise darauf achten, dass Ihr Instrument optimal geschützt wird und ausreichend Griffe und gute Schultergurte vorhanden sind. 

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