Sachsenwerk Lautsprecher Fullrange Speaker / Tweeter

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Guten Tag,

die alten Sachsenwerk-Lautsprecher, oftmals als "Fullrange Speaker" oder "Tweeter" usw. angeboten, sind leider - um es mal drastisch zu beschreiben - heutigen Lautsprechern zum Vergleich erbärmliche Papptröten. Warum? Den damaligen Hörgewohnheiten entsprechend wurden die Lautsprecher und ihre zugehörigen Verstärker mit ihren Bauelementen und Röhren wie AL4 oder ECL11 und besonders die Ausgangsübertrager (!) auf mittenbetonten Klang ausgelegt. AM, d.h. Kurz- bis Langwelle war damals vorherrschend mit ihrer sehr schmalen Bandbreite. Wenn Bässe überhaupt, so kamen die vom Holzgehäuse der damaligen Radios! Höhenwiedergabe war nicht nötig, die insgesamt dumpfe Wiedergabe war völlig ausreichend für damalige Verhältnisse. Und mehr können diese Lautsprecher auch nicht, sie wurden von den Herstellern so dimensioniert! Das änderte sich erst, als UKW aufkam, allerdings wurden die Lautsprecher auch noch längere Zeit in Geräte mit UKW - dann zusammen mit Hochtönern (Olympia 551WU ab 1955) oder kleineren Breitbandern (Olympia 571W oder WL ab 1957) - verbaut.

Sie wurden im Zeitraum von ca. 1950 (ab Olympia 503W) bis 1958 (Olympia 573W) in den Radios und Barwagen verbaut.

Da ich selbst seit 'zig Jahren ausschließlich Sachsenwerk-Geräte restauriere, habe ich mir einmal spassenshalber ein selbst- "matched Pair" dieser "Fullrange Speaker" in zwei Birkenholz-Schallwände eingebaut, zusammen mit zwei passenden Hochtönern. Gemessen wurde zunächst der Frequenzgang von 16 Hz bis 16 kHz, anschliessend der Klirrfaktor, dann wurden die Schallwände mit Musikarten aller Art von Klassik bis Pop betrieben.

Das Ergebnis ist hinsichtlich Frequenzgang und Wirkungsgrad im Vergleich zu heutigen modernen Lautsprechern einfach miserabel. Jede Billigbox eines NoName-Herstellers klingt besser. Die gemessenen Frequenzgänge hatten eine stark ausgeprägt mittenbetonte Kurve und so gut wie keine Bässe bzw. Höhen. Ab etwa 3 kHz bereits erfolgt schon z.B. ein starker Abfall in der Wiedergabe. Bass? Bis ca. 100 Hz, weiter runter ist Schluss. Hinzu kommen bauarttypische Eigenresonanzen, die sich u.a. in Klirren äußern - sie rühren u.a. von der Zentrierspinne her, die bei größeren Membranbewegungen abhängig von der zugeführten NF-Spannung bei einigen Frequenzen mitklirrt oder -knarrt. Ausserdem:

Die Schwingspule der Lautsprecher liegt offen. Zwar wurden die LP meist mit einer Stoffabdeckung montiert, dennoch konnte oftmals Luftfeuchtigkeit über die Jahre eindringen und hat das Schwingsystem verzogen - Kratzen in der Wiedergabe ist die Folge, ein Neuzentrieren ist meist sehr zeitaufwändig, wenn nicht gar ohne Demontage unmöglich. Der Staub tat sein Übriges....

Ich kann nur ernsthaft davon abraten, diese Lautsprecher für modernes HiFi-Hören zu kaufen. Die Enttäuschung über die Wiedergabeeigenschaften ist vorprogrammiert. Es sei denn, man setzt sie wieder für ihre Zwecke ein, für die sie konstruiert wurden - nämlich AM-Wiedergabe in ihren alten Radios. Zumal es schon ausgesprochen lästig ist, die Erregerspulen der LP mit ca. 350V Gleichspannung zu füttern...

Als angemessenen Preis für so einen Lautsprecher kann man 20,- Euro veranschlagen, dann sollte der zugehörige Ausgangsübertrager aber schon mit dabei sein.

Mit freundlichen Grüßen

mmmeike

 

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