SEGA-Spiele: Das sind echte Goldstücke

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„Wo ist mein Sega?“ lautet der Slogan der zweitgrößten Videospielfirma, die Anfang der 1990er-Jahre Nummer 1 werden wollte. SEGAs 16-Bit-Konsole Mega Drive sollte westliche Wohnzimmer erobern, Turbo-Maskottchen Sonic („der neue Freund der Kinder“) den Rivalen Nintendo überrunden; sogar „Virtual Reality“ wird 1992 versprochen! Das klappt nicht ganz, wie wir wissen. Doch die Frage ist nun wieder aktuell: Master-System- und Mega-Drive-Module sind auf dem Flohmarkt kaum noch zu finden, die eBay-Preise steigen. Glücklich wer SEGA-Spiele von einst gepflegt und gehortet hat – lagert da ein Schatz im Keller?
Sprites, Scrolling, SFX: Shinobi, Sonic, „Gunstar Heroes“ und "Vectorman" entfachen auf Mega Drive ein Action-Feuerwerk!
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Sprites, Scrolling, SFX: Shinobi, Sonic, „Gunstar Heroes“ und "Vectorman" entfachen auf Mega Drive ein Action-Feuerwerk!
Sammler jagen die Urkonsole SG-1000 und zwei Nachfolger – die ersten SEGA-Geräte erscheinen nur in Japan. (©Gameplan.de)
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Sammler jagen die Urkonsole SG-1000 und zwei Nachfolger – die ersten SEGA-Geräte erscheinen nur in Japan. (©Gameplan.de)

Nur in Japan: Die ersten SEGA-Konsolen

SEGA erfreut drei Generationen, 100 Millionen Gamer und lässt heute Sammlerherzen höher schlagen: Seit Mitte letzten Jahrhunderts baut SEGA Münzautomaten, seit 35 Jahren Spielcomputer. 1983, als der Atari-Markt crasht und der Westen „Videospiel“ vorschnell als flüchtige Mode abtut, erscheint in Japan die SEGA-Konsole SG-1000 – und fast zeitgleich Nintendos „Family Computer“. Zwischen beiden Firmen entbrennt ein Hardware-Wettlauf, der sich erst 18 Jahre später entscheidet. Anfangs sind die großen Marken aus der Spielhalle SEGAs Stärke: „Zaxxon“, „Wonderboy“, „Shinobi“, frühe 3D-Action wie „Afterburner“, „Space Harrier“ und „Out Run“ gibt's - audiovisuell leicht abgespeckt - für SG-1000 und die Nachfolger SG-1000 II (1984) und Mark III (1985).
Mit Master System Converter schluckt die 16-Bit-Konsole Mega Drive auch 8-Bit-Spiele. © Gameplan.de
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Mit Master System Converter schluckt die 16-Bit-Konsole Mega Drive auch 8-Bit-Spiele. © Gameplan.de

Arcade-Action!

Zu uns nach Europa kommen Technik und Spiele als „Master System“ erst 1987, dazu bis 1994 rund 300 Module und dünne „MyCards“. Vor allem letztere sind gesucht und, wenn komplett mit Anleitung und Verpackung, teils über 100 Euro teuer. Ihren damaligen Neupreis oder mehr kosten starke Shoot'em Ups wie „R-Type“, „Fantasy Zone II“ und „Power Strike“ (in Japan „Aleste“); 200 Euro legt man für „Power Strike II“ hin. Wertvoll sind auch die Euro-Fassungen japanischer Rollenspiele wie „ Phantasy Star“ oder „Ys The Vanished Omens“. Ach, ja: Mit einem Master System Converter, den man ab 50 Euro auf eBay findet, laufen Master-Module  auch auf der Nachfolgekonsole Mega Drive.
SEGAs bester Ninja: „The Super Shinobi“ wechselt kaum noch unter 60 Euro den Besitzer; die PAL-Fassung für die Hälfte.
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SEGAs bester Ninja: „The Super Shinobi“ wechselt kaum noch unter 60 Euro den Besitzer; die PAL-Fassung für die Hälfte.

Sprints und Saltos in 16-Bit

In Japan und USA scheitert SEGA an der Nintendo-Dominanz, kommt in Europa aber gut an und präsentiert im zweiten Anlauf eine Konsole mit 16-Bit-CPU, besserer Grafik und Yamaha-Sound – 1990 ist das Mega Drive das technisch stärkste Spielgerät! Nach lahmen Startmodulen wie „Altered Beast“ bringt SEGA immer bessere Software, Umsetzungen von „Ghouls'n Ghosts“ und „Strider“, „Golden Axe“- und „Streets of Rage“-Team-Prügeleien, 1991 den Schall-schnellen Igel „Sonic the Hedgehog“. Nicht zuletzt Hits westlicher SEGA-Partner wie Electronic Arts und Virgin machen das Mega Drive zu SEGAs größtem Erfolg und einer der coolsten Konsolen. Es erscheinen fast 900 Spiele, viele davon nur in Japan oder den USA. Beachtet, dass europäische Spiele - egal ob Modul oder CD – nicht auf NTSC-Geräten (Japan, USA) funktionieren! Umgekehrt sind US- oder japanische Spiele mit unseren PAL-Konsolen inkompatibel. Wer international spielen möchte, der hält nach RGB-fähigen, umgebauten SEGA-Konsolen Ausschau. Wer dagegen alte Hardware nicht zockt, sondern in die Antiquitäten-Vitrine stellt, der achtet darauf, dass sie „unverbastelt“, nicht durch NTSC-Schalter oder gesägten Modulschacht verschandelt ist.
Sonics Abenteuer begannen 1991 auf Mega Drive. (© SEGA)
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Sonics Abenteuer begannen 1991 auf Mega Drive. (© SEGA)
Modul mit Mega-Wertsteigerung: „The Death & Return of Superman“ ist OVP so viel wert wie eine ganze SEGA-Sammlung!
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Modul mit Mega-Wertsteigerung: „The Death & Return of Superman“ ist OVP so viel wert wie eine ganze SEGA-Sammlung!

Mega-Drive-Spiele sind selten geworden, OVP fast ganz von Flohmärkten verschwunden und in Massen nur auf speziellen Retro-Börsen zu finden. Die 0815-Titel gibt’s auf eBay ab drei, vier Euro lose, und oft auch OVP noch zum einstelligen Gebrauchtpreis. Weit darüber rangiert die Action namhafter Entwickler wie Tecnosoft oder Treasure, z.B. „Thunderforce IV“, „Elemental Master“ oder „Ristar“, das in gutem Zustand 70 Euro bringt. „The Death & Return of Superman“ ist OVP hohe dreistellige Beträge wert. Der späte Mega-Drive-Knaller „Alien Soldier“ kostet selbst als loses Modul über 100 Euro! Japanische Originalversionen sind oft noch teurer, weil schneller als die EU-Anpassungen und bildschirmfüllend, nicht von PAL-Balken beschnitten.
Japanische Hersteller halten sich zurück, liefern lange lieber Nintendo-, als SEGA Spiele – das sorgt für heute begehrte Module. Konami z.B. steigt erst Ende 1993 in den SEGA-Markt ein, bringt exklusive Varianten seiner stärksten Marken. „Tiny Toons“, „Teenage Mutant Hero Turtles: Tournament Fighters“ sowie „Rocket Knight Adventures“ sind gerade noch erschwinglich, „The Hyperstone Heist“ und „Sunset Riders“ schon teurer, „Sparkster“ jenseits der 100 Euro. „Castlevania“ und „Probotector“? Die kosten für SEGA noch mehr als für Nintendo, haben sich im Preis vervielfacht! Den heiligen Gral der SEGA-Sammler produziert Capcom: „Megaman: The Wily Wars“ ist damals selten und gilt heute als unbezahlbar.

Exotische Upgrades

Hardware-Sammler schwelgen in Geräteversionen und Technik-Updates: Recht gewöhnlich und billig ist das „Mega CD 2“-Laufwerk, viel teurer sind dessen erste Fassung sowie der 32X-Adapter: Dieser RISC-Zusatz vervielfacht die Konsolenleistung, wird aber nur von gut 30 Spielen unterstützt. „Virtua Racing Deluxe“ ist dabei noch günstig, „Afterburner“ oder „Space Harrier“ bereits 70 Euro schwer, „Chaotix“ nicht mehr unter 200 Euro zu haben. Kostspielige 16-Bit-Geräte sind das japanische „Mega Jet“, das US-Handheld „Nomad“ und die limitierte, europäische Mega-CD-Kombi „ Multimega“, für die Sammler 500 Euro hinlegen, wenn neuwertig und OVP. Auf Mega CD überspringen neben der niedlichen Cartoon-Ballerei „Keio Flying Squadron“ z.B. die Weltraumoper „The Space Adventure“ locker die 100-Euro-Marke. Ein Mega-CD-Schatz ist Konamis „ Snatcher“ - die einzige westliche Fassung eines SciFi-Thrillers des „Metal Gear Solid“-Erfinders Hideo Kojima!
Frühe Saturn-CDs sind günstig, die späten teuer - das „Panzer Dragoon“-RPG und der maritime Res-Verschnitt "Deep Fear".
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Frühe Saturn-CDs sind günstig, die späten teuer - das „Panzer Dragoon“-RPG und der maritime Res-Verschnitt "Deep Fear".

Die letzten SEGA-Konsolen

Marketing-Insidern gilt SEGA als Warnung: Upgrade-Zubehör funktioniert nicht! Keine der Mega-Erweiterungen setzte sich durch, sie verwirrten Kunden und wurden Sargnägel einer Firma, die es beinahe zum Weltmarktführer geschafft hätte. SEGAs Saturn-Konsole wurde 1995 in Europa vorgestellt - und zur Abwechslung nicht von Nintendo, sondern Newcomer Playstation geschlagen. Die 32-Bit-Hardware ist gut, die Start-Software aber schwach, blanke „Virtua Fighter“-Polygone, wo Playstation fein texturierte Helden zaubert. Mit „WipEout“, „Tekken“ & Co. erobert Sony den Markt, gute Saturn-Originale kommen zu spät.
Heute sind z.B. Rollen- und Strategiespiele wegen der im Vergleich zu Sony geringen Auflagen gesucht, „Shining Force III“, „Dragon Force“ oder „Panzer Dragoon Saga“ , für das kürzlich bei 220 Euro der Auktionshammer fiel; im Sofortkauf ist's für 350 zu haben. Saturn-Spätwerke wie „Deep Fear“ sind teuer, aber auch seltener Murks wie „Three Dirty Dwarves“ und natürlich die Capcom-Kultmarken: Ein 20 Jahre altes „SF Alpha 2“ oder „Mega Man X3“ gibt man nicht billig weiter...
In Japan sind Dreamcast-Spiele viel schöner verpackt, als in Europa: Space Channel 5 mit Metallic-Cover (c) Gameplan.de
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In Japan sind Dreamcast-Spiele viel schöner verpackt, als in Europa: Space Channel 5 mit Metallic-Cover (c) Gameplan.de

Sonics spätes 3D-Debüt

Schließlich verpatzt SEGA auch den Start der letzten Konsole: Für Dreamcast erscheinen zwar „Virtua Fighter 3“ und ein grandioses „Sonic Adventure“ (Loopings endlich in 3D!), aber sonst im ersten Jahr nichts Berauschendes. Wieder kommen einzigartige Originale wie „ Space Channel 5“, „Samba de Amigo“, „Jet Set Radio“ und das Open-World-Abenteuer „Shenmue“ zu spät – die Playstation2 lässt Dreamcast Anfang des 21. Jahrhunderts keine Chance.

Finale Großproduktion auf eigener Hardware: Die edle „Shenmue II“-Version im Schuber kostet über 200 Euro.
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Finale Großproduktion auf eigener Hardware: Die edle „Shenmue II“-Version im Schuber kostet über 200 Euro.

Sammlern öffnet SEGAs letzte Konsole ein kostspieliges Paradies, mit zig Gehäusevarianten und hervorragenden Spielen japanischer Produzenten. Während Konami schwächelt, geht Capcom ein letztes Mal in die Vollen und bringt Hammer-Beat'em Ups, „Marvel vs. Capcom 2“, „Rival Schools 2: Project Justice“,  zweimal „Powerstone“-Randale und - nur in Japan - ein vernetzbares „Vampire Chronicle". Das Dreamcast-Betriebssystem liefert Microsoft. Als der US-Partner mit Xbox selbst in den Markt einsteigt, gibt SEGA auf und killt die ganze Hardware-Abteilung. 2001 gelangt eine große Konsolen-Tradition ans Ende; jetzt spurtet Sonic auf Playstation, Xbox und Smartphone, aber nie mehr auf SEGA-Geräten.
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