Rückruf oder Sicherheitshinweis? Gefährliche Auktionen!

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Nur Insider wissen: Auf den Internetseiten der Europäischen Kommission besteht die Möglichkeit, Herkunft, Art und Umfang unsicherer oder gar gefährlicher Produkte nachzulesen. Wöchentlich werden dort Berichte der europäischen Schnellwarnsysteme „RASFF“ oder „RAPEX“ veröffentlicht, in denen gefährliche Lebensmittel und Konsumgüter gelistet sind. Dabei sind diese Produkte entweder erst gar nicht in den Handel gelangt beziehungsweise es gibt bereits freiwillige oder gar behördlich angeordnete Rückrufe von Hersteller und Händlern.

Privaten Konsumenten in Deutschland helfen diese Meldungen wenig. Hat man diese Publikationen mit ihrer schwer zu merkenden Internetadresse erst einmal geortet, muss man feststellen, dass die verwendete Amtssprache der wöchentlichen Meldungen Englisch ist. In Verbindung mit zahlreichen Abkürzungen und Fachausdrücken für ein problemloses Verstehen durch den „Otto Normalverbraucher“ nicht geeignet. Auch ist ein großer Teil der Einträge für den deutschen Markt nicht relevant.

Bundesdeutsche Ministerien und Behörden veröffentlichen zwar ansatzweise auch Informationen zu unsicheren Produkten, jedoch zeichnet jede Dienststelle nur für ihren Aufgabenbereich zuständig und die Veröffentlichungen unterscheiden sich gravierend in Stil und Inhalt. Neben teilweise schwer lesbaren Listen mit einigem Fachchinesisch gibt es oft nur sehr wenige Informationen darüber, was Verbraucher mit einem unsicheren Produkt ab sofort besser lassen sollten und an wen sie sich mit Fragen dazu wenden müssen. Dabei ist festzustellen, dass in diesem inkompatiblen Wirrwarr viele Rückrufinformationen auch einfach untergehen. Spätestens dann sind Verbraucher auf Meldungen in den Tageszeitungen angewiesen, was meist aber das regelmäßige und aufmerksame Lesen des Wirtschaftsteils voraussetzt.

Ausländische Produktionsstätten produzieren billigst, inländische Qualitätskontrollen kosten viel Geld. Sparen am falschen Ende ist wohl einer der Hauptgründe dafür, dass immer mehr unausgereifte Produkte auf den Markt kommen und sich Produktwarnungen quasi überschlagen. So wird es für Verbraucher immer wichtiger, geordnet, rechtzeitig und umfangreich über Fehlproduktionen, mögliche Gefahrenpotentiale und zu treffende Maßnahmen informiert zu sein.

Ein Rückblick vermittelt hierbei die unbedingte Notwendigkeit an Information, da jeder Haushalt betroffen sein kann. Dabei ist wichtig zu wissen, dass es sich in der Regel nicht um „No Name“-Produkte handelt. Eine Vielzahl betroffener Produkte ist von namhaften Herstellern oder Händlern in den Verkehr gebracht worden, bei denen man zumindest bislang eigentlich von einem intakten Qualitätsmanagement ausgegangen ist.

Lebensmittel
Neben immer wieder vorkommender Verseuchung verschiedenster Produkte mit Coli-Bakterien, Salmonellen und Pflanzenschutzmitteln mussten sich Verbraucher mit noch ganz anderen Gefahren auseinander setzen: Glasbruchstücke in Karottensalat und Fischkonserven, Metallsplitter oder Gummipartikel in Süßwaren, watteähnliche Fremdkörper in Mineralwasser, mit alkoholhaltigem Pilsbier vermischtes Malzbier, Natronlauge in Soja Drinks, krebserregende polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe in Bio-Schokolade, „unerwünschte“ Keime in Baby-Anfangsnahrung, falsche Deklarierung von Inhaltsstoffen bei Diätprodukten, falsche Rezepturen mit Allergie auslösenden Zutaten, verbotene oder überdosierte Zusatzstoffe und viele Pannen mehr machten in 2007 den Verzehr alltäglicher Lebensmittel zum Abenteuer.

Arzneimittel und Medizinprodukte
Über 540 Einträge für das Jahr 2007 enthält die Datenbank des Bundesinstitutes für Arzneimittel und Medizinprodukte, in denen Rückrufe und Sicherheitshinweise für Medikamente und medizinisches Gerät publiziert werden. Auch wenn Ärzte, Krankenhäuser, Apotheken und Sanitätshäuser in der Regel direkt durch die Hersteller informiert werden und ab diesem Zeitpunkt eine Verordnung/Anwendung entfallen sollte, gibt es eine ungeheure Vielzahl an Arzneimitteln, die noch in privaten Hausapotheken schlummern. Rückrufe von Hustenstiller mit dem Inhaltsstoff Clobutinol sind in Privathaushalten nur wenig bekannt, so dass dort immer noch latent die Gefahr möglicher Herzrhythmusstörungen besteht. Kontaktlinsenpflegemittel, die unter dem Verdacht stehen, für Erkrankungen der Augenhornhaut bis hin zur Erblindung verantwortlich zu sein, sind weiterhin in Gebrauch.

Elektro- und Elektronikartikel
Diverse Elektroartikel aus dem erweiterten Sortiment eines bekannten Kaffeeversenders mit erheblichen Sicherheitsmängeln, überhitzende und schmelzende Mehrfachsteckdosen und Gratis-Taschenlampen, sich eigenmächtig einschaltende Glaskeramikkochfelder bekanntester Hersteller für Küchengeräte, brennbare Flusengitter bei Kondenstrocknern marktführender Versandhäuser sowie fehlerhafte Bauteile in Geschirrspülern, die Brände verursachen können waren wohl die spektakulärsten Rückrufe des Jahres. Aber auch jetzt wird auf Fernseher und Verstärker hingewiesen, die inzwischen weit über 20 Jahre alt sind und sich plötzlich überhitzen und entzünden können.

Hauptproblem im Elektronikbereich sind neben überhitzenden Digitalkameras namhafter Hersteller unzählige Akkus für Notebooks und Handys. So wurden Mitte des Jahres 46 Millionen Akkus eines finnischen Handyherstellers zurückgerufen, die beim Ladevorgang überhitzen und dabei explodieren können. Auch Akkus für Werkzeuge kamen zum Jahresende in die Presse, zwar überwiegend in den USA, aber auch der deutsche Markt war und ist betroffen. Digitale Bilderrahmen wurden mit Netzsteckern ausgerüstet, die sich beim Ziehen lösen und dann an den freiliegenden Kontakten einen Stromschlag auslösen können.

Spielzeug
Wer hat es nicht in miterlebt? Bleiverseuchtes Spielzeug – und das gleich mehrfach und überwiegend von einem weltweit tätigen Spielwarenkonzern. Damit nicht genug: Zahlreiche Spielzeuge mit verschluckbaren Kleinteilen, die zu Erstickung führen können, wurden wie Babytragen, die gefährliche Quetschungen herbeiführen können, zurückgerufen. Kleine bunte Kugeln, die mit Wasser benetzt zu Kunstwerken fixiert werden können, haben sich beim Verschlucken durch Kleinkinder in gefährliche Drogen verwandelt, was in fernen Kontinenten einige Kinder ins Koma führte und zudem in Verruf steht, den Tod bringen zu können (eigentlich sollten diese „Kügelchen“ der Renner im diesjährigen Weihnachtsgeschäft werden). Oder Heizstrahler für den Baby-Wickeltisch, bei denen der Heizstab unter gewissen Voraussetzungen zum punktuellen Abtropfen neigt und so schwere Brandverletzungen verursachen kann.

Sportartikel
Sportschützen, Radsportler, Bergsteiger und Taucher kamen dieses Jahr mehrfach „vom Regen in die Traufe“. Bei Alu-Druckluftkartuschen für Luftgewehre konnten sich während einer Wiederbefüllung mit Pressluft Teile lösen, was einer Explosion gleich kam. Teuerste Bikes wiesen bei Rahmen, Lenkern und Sattelstützen teilweise so erhebliche Sicherheitsmängel auf, dass einige Hersteller oder Importeure wegen schwerer Stürze um einen Rückruf nicht umhin kamen. Klettersteigsets mit verdrehten Bremsseilen sowie Steigeisen mit Materialfehlern könnten Bergsteiger in lebensbedrohliche Situationen manövrieren. Defekte Tauchcomputer sowie mehrfach defekte Atemregler, zuletzt eine Taucherjacke mit fehlerhafter „Bänderung“ könnten Taucher in Extremgefahren bringen.

Bekleidung
Zuletzt waren es verbotene Farbstoffe in Kinderjeans, die geringe Mengen von so genannten aromatischen Aminen freisetzen und als solche krebserregend sein können. Auch waren Babylätzchen mit zu hohem Bleigehalt auf dem Markt, die vor dem Rückruf tausendfach verkauft wurden. Fahrradhandschuhe, die in Pakistan hergestellt wurden, enthielten krebserregende Inhaltsstoffe.

Sonstiges
Matratzen mit erhöhten zinn- und phosphororganischen Verbindungen, verunreinigtes Duschgel mit möglichen gesundheitlichen Beeinträchtigungen, scharfkantige Kameragehäuse, die Schnittverletzungen verursachen können, Dachbalkone, bei denen sich auf Grund fehlerhafter Schrauben Geländer lösen und Abstürze zur Folge haben können, glatte Badewannen, die zu schweren Stürzen und dabei zu Materialbrüchen mit erheblichen Schnittverletzungen führen können, undichte Gasleitungen bei Heizgeräten und Kühlgeräten, die Explosionen verursachen können.

Resümee
Es gibt keine Instanz, die einen Gesamtüberblick über alle Rückrufe/Sicherheitshinweise und die Gesamtzahl betroffener Produkte hat. Hersteller und Händler lassen sich gerade bei dieser sensiblen Thematik auch nicht in die Karten schauen und geben nur die unbedingt notwendigen Details preis. Man kann jedoch ruhigen Gewissens behaupten, dass es sich im Jahr 2007 alleine in Deutschland um hunderte gefährlicher Produkte mit mehreren Millionen Exemplaren gehandelt hat.

Der Erfolg von Rückruf-Aktionen ist eher bescheiden. Gemäß einem Bericht des Nachrichtenmagazins FOCUS sind beispielsweise in Deutschland von 1,1 Millionen im August zurückgerufenen Spielzeugprodukten bis Ende Oktober 2007 weniger als 20.000 (unter 2%) zurückgegeben worden – trotz kostenlosem Austausch.

Liegt es an der geringen Halbwertzeit entsprechender Medienberichte? Oder an der minimalistischen Informationspolitik einiger Unternehmen? Gerne wird gerade der öffentliche Rückruf auch als Möglichkeit gesehen, um im Schadensfall Ersatzansprüche geschädigter Verbraucher zu minimieren – auch ohne bei der Veröffentlichung besondere Anforderungen an die Nachhaltigkeit gestellt zu haben. Schließlich hat man öffentlich informiert und wer die Anweisungen nicht zur Kenntnis genommen oder eingehalten hat, ist selber Schuld - und im Schadensfall der Dumme!

Warum diese Zeilen als Testbericht / Ratgeber bei eBay?
Leider sind bei eBay immer mal wieder Artikel im Angebot, für die es einen Rückruf oder einen Sicherheits- bzw. sonstigen Produkthinweis gibt. Diese Angebote erfolgen leider nicht nur aus Unwissenheit! Vor der Ersteigerung ggf. zurückgerufener Artikel sollte sich Jedermann über Sicherheits- und sonstige Produkthinweise informieren. Denn insbesondere bei Privatanbietern wird es schwer sein, betroffene Artikel zurückzugeben bzw. Ersatzansprüche geltend zu machen.

Also: Bei Auktionen aufgepasst!

Mehr unter www.produktrueckrufe.de


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Ich meine, ahnungslose Kunden sollten vor der Ersteigerung zurückgerufener Ware bewahrt werden; auch sollten sie  über Sicherheits- und sonstige Produkthinweise informiert sein.

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