Romantische Mittelalter-Kleider für Fasching und andere Anlässe

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Nicht nur an Fasching ein gelungener Blickfang: romantische Mittelalter-Kleider für Selbstbewusste

In den letzten 15 Jahren hat die Thematik des Mittelalters einen regelrechten Popularitätsschub erfahren. Ob Bücher von Autoren wie Rebecca Gablé, Ken Follet, Wolf Serno und Iny Lorentz, Strategiespiele wie „Die Siedler von Catan", Computerspiele wie „Mount n Blade" oder „The Witcher" oder Filme wie „Der 13. Krieger", „Die Schwerter des Königs" oder „Braveheart" – das Mittelalter fasziniert uns. Das ist angesichts der Vorurteile, dass das Mittelalter dunkel und rückständig sei, eher verwunderlich. Jedoch steht das Mittelalter auch für Stabilität – als König geboren, als König gestorben, als erster Sohn eines Schmieds geboren, als Schmied gestorben – und es hält noch so viel Mystik für uns bereit. Das Mittelalter war eine Welt, in der es noch nicht viele Erklärungen, aber mannigfaltige Antworten gab.

Das Mittelalter

Das Mittelalter lässt sich ungefähr von 500 bis 1500 nach Christus festmachen. In dieser Zeit bildeten sich erste Städte, Staaten entstanden und benachbarte Königreiche versuchten nicht mehr nur sich zu bekämpfen und gegenseitig Land abzuluchsen, sondern versuchten sich im Handel. Die gefürchteten Krieger wurden zu edlen Rittern mit Ehrenkodex. Ihre Frauen wurden von stolzen Kriegerfrauen zu anmutigen Burgfräulein. Geld gewann immer mehr an Bedeutung und sein Besitz steckte die Grenzen fest oder brachte sie zum Schmelzen. Kreuzritter versuchten den christlichen Glauben in die Welt hinauszutragen – indem sie Nicht-Christen mit dem Schwert bedrohten oder gegebenenfalls töteten.
Es war eine Zeit ohne Maschinen. Es gab Werkzeuge und Hilfsmittel, aber noch keinen Strom, weshalb nach wie vor Mensch und Tier mit ihrer Muskelkraft die Dinge der Welt bewegen mussten. Die Menschen waren verbundener mit der Natur, da ihr Leben in vollem Maße davon abhing. Ein schlechtes Erntejahr bedeutete selbst für viele Adelige im Winter Hunger zu leiden – die Skrupellosen natürlich ausgenommen. Die Wälder waren noch nicht bewirtschaftet und in ihnen lebten wilde Tiere und sogenannte Wegelagerer – von der Gesellschaft Verstoßene, die sich durch Überfälle ihren Lebensunterhalt sicherten. Die ein oder andere Begegnung endete da schon mal tödlich, weshalb sich nahezu jeder selbst verteidigen konnte – die feinen Damen natürlich ausgenommen, die aber niemals ohne Begleitung fuhren.

Leinen oder Seide?

Die Kleidung der Frauen musste den alltäglichen Belastungen von Ernte einholen, Kochen für den Tagesbedarf und den langen Winter, Putzen, Kinder und Vieh versorgen und so weiter standhalten. Die feinen Kleider, entsprechend der gerade angesagten Mode, waren den wohlbetuchten Damen und Adelsfrauen vorbehalten. Auch damals gab es bereits wechselnde Geschmäcker, die aber nicht von der Modeindustrie, sondern von den aktuellen Königinnen abhingen – vergleichbar mit den royalen Stilikonen unserer Zeit in Form von Lady Diana und Duchesse Kate Middleton. In Zeiten von König Heinrich dem Achten von England konnte das bei einer stolzen Zahl von sechs Ehefrauen schon mal in den gut betuchten Geldbeutel gehen.

Die Textilien für die untere und mittlere Gesellschaftsschicht wurden aus Flachs, Hanf und Schafswolle hergestellt. Sie sollten vornehmlich nur den Zweck der Kleidsamkeit erfüllen. Bauern bauten Flachs und Hanf an, züchteten Schafe, sponnen sie zu Fäden und webten daraus schließlich Stoffe, die sie an andere Bauern, fähige Mägde oder Schneider verkauften, um ihre Familien mit dem Erlös ernähren zu können.

Vom Reichtum abhängig war der Kauf von Seidenstoffen. Den Handel mit Seide betrieben die Chinesen bereits von Anbeginn der Zeitrechnung. Mit Beginn des Mittelalters gelangten jedoch ein paar Seidenspinnerraupen auf unbekanntem Wege nach Europa. Daraufhin wurden in Europa nicht mehr nur Seidenstoffe verarbeitet, sondern auch selber produziert. Gerade die Italiener entwickelten sich zu wahren Seidenkünstlern, indem sie Gold und Silberfäden in die Stoffe einwirkten und mit verschiedenfarbigen Seidenfäden oder nur durch unterschiedliche Techniken Muster und Figuren in den Stoff einwebten. Nun stand der Extravaganz der europäischen Königshäuser nichts mehr im Wege. Jedes Haus, das etwas auf sich hielt, bemühte sich wenigstens um eine Elle des wertvollen Tuchs. So entstanden im Laufe der Jahrhunderte wunderschöne Kleider und vor allem Ölbilder, die die Damen in ihren kostbaren Gewändern zeigen, die uns bis heute faszinieren.

Mittelalterfest – zurück in die gute alte Zeit

In den letzten Jahren schossen Mittelalterfeste wie Pilze aus dem Boden. Es gibt in Deutschland kaum noch eine Stadt mit historischem Stadtkern, die nicht schon mal von Rittern, Burgfräuleins, Knechten und Mägden bevölkert wurde, die sich dem Bild entsprechend zu mittelalterlichen Klängen bewegen. So darf inzwischen auch auf keinem Weihnachtsmarkt mehr der Mittelalterstand mit Met und Honigbier fehlen und Handwerkermärkte fahren ebenfalls mit der mobilen Schmiedekunst des Mittelalters auf. Wenn schon so viele Sinne angesprochen werden, darf die Optik natürlich auch nicht fehlen: ein Mittelalterkleid. Mag man sich beim Schritt aus dem Haus auf die Straße zunächst auch erst ein wenig deplatziert vorkommen, spätestens beim Betreten des Festplatzes taucht man ein in die Welt des Mittelalters. Da ist man dann kein Zuschauer mehr, sondern Teil des Ganzen. Doch sollte man eventuell nicht zu overdressed daherkommen.
Das ausgestellte, spitzenbesetzte Kleid aus feinster Seide und brokatbesetzter Spitze war vor 1000 Jahren bereits ein wenig „too much" für einen einfachen Marktbesuch, selbst wenn die Königin höchstpersönlich über den Markt schlendert. Ein einfaches in A-Linie geschnittenes Kleid aus Leinen oder Baumwolle mit einer Schürze und einem Mieder ist da völlig ausreichend. Hier kann man mit der Farbe des Stoffes spielen und - um sich von der Marktgesellschaft abzuheben - eventuell ausgestellte Ärmel mit Stickereien verzieren. So schlendert man in einem Gewand aus Baumwolle oder Leinen vorbei an den Ständen und Marktschreiern, die ihre Ware feilbieten. Jedoch bleibt zu beachten: Kopftücher sind keine Erfindung der Muslime. Bis vor 100 Jahren ist keine ehrenwerte Frau ohne Kopfbedeckung aus dem Haus gegangen. So trugen auch die Frauen im Mittelalter stets ein Tuch, eine Haube oder einen Hut auf dem Kopf. Das war zum einen standes- und regionenabhängig, zum anderen handelt es sich bei der Titulierung Mittelalter um einen Zeitraum von 1000 Jahren. Da wird die eine oder andere Mode oder Materialknappheit über die Köpfe der Bevölkerung hinweggefegt sein.

Karneval oder Fasching

Karneval oder Fasching, die fünfte Jahreszeit, das Hochfest der Jecken und Narren: Und als Jeck wird der eine oder andere Bürger auch die Anhänger der Mittelalterbewegung bezeichnen. Als kleines Kind möchte nahezu jeder Junge ein Ritter sein – oder Baggerfahrer. Mit Schwertern bewaffnet und von Schildern geschützt kämpfen sie gegeneinander, die edlen Ritter der Tafelrunde im Hinterkopf. Mit einer Lady Marianne können sie noch nichts anfangen, aber ihre Schwestern. Jedes Mädchen träumt davon, Prinzessin zu sein. Aber keine Prinzessin wie Viktoria von Schweden, Lady Diana oder Prinzessin Maxima aus den Niederlanden, sondern ein Dornröschen, Aschenputtel oder Schneewittchen. An der Seite des edlen Prinzen, mit dem unvorstellbar großen Schloss und den wunderbaren Kleidern, Schuhen und Kronen - wie es die Brüder Grimm beschrieben, die ihre Geschichten zwar erste Anfang des 19. Jahrhunderts niederschrieben, deren Ursprung aber im Mittelalter lag. Je älter die kleinen Prinzessinnen werden, umso mehr wenden sie sich ab von den Märchen der Gebrüder Grimm und Interpretationen Disneys und wenden sich den romantischen Abenteuerromanen zu, die sich oftmals zu Zeiten der edlen Ritter abspielten. So verwandelt sich der Traum der kleinen rosa Prinzessin in den einer wunderschönen Maid, deren Herz erobert werden möchte. Und wann kann man seine Träume schon mal so schön ausleben wie an Karneval oder Fasching? Die passenden Kostüme für eine authentische, mittelalterliche Erscheinung finden Sie im Karnevalsshop von eBay. 

Die Hochzeit

Man schließe die Augen und stelle sich eine alte Burg vor: unverputzte Steine, Kerzenleuchter an den Wänden und von der Decke hängend, rustikale Tische und Bestuhlung. Zinnkrüge und Zinnbecher stehen auf der festlich gedeckten Tafel bereit, um mit Met, Bier oder Wein gefüllt zu werden. Da fehlt nur noch eine Sache um das Bild abzurunden: die raschelnden Kleider der Braut und der weiblichen Gäste.

Deutschland ist regelrecht übersät mit alten Burgen und Schlössern, die zum Teil liebevoll restauriert wurden ober bereits seit Hunderten von Jahren im Familienbesitz gepflegt werden. Da sollte es kein Problem sein, den passenden Veranstaltungsort zu finden. Auch gibt es die Möglichkeit, vor dem Hintergrund eines Mittelaltermarkts zu heiraten. Da hat man die Unterhaltung für seine Gäste gleich inklusive und der eine oder andere Mittelaltermuffel kann sich dem bunten Treiben bedächtig nähern. Gaukler und Narren unterhalten hier die großen und kleinen Gäste. Und die Braut erstrahlt in ihrer Robe, die einer Königin würdig wäre. Dank des immer größer werdenden Gothic-Kults gibt es bezaubernde Kleider in vielen Farben, die stark an die Zeit des Rokoko erinnern. Diese Zeit gehört zwar streng genommen nicht zum Mittelalter (18. Jahrhundert), doch steht auch diese Zeit noch für eine Epoche des Adels.
Wenn die Braut es lieber schlichter mag, gibt es auch noch die Möglichkeit der Elfenkleider. Diese Kleider haben keinen Reifrock, fallen aber trotzdem weit und haben ausgestellte Ärmel. Sie bestechen gerade durch ihre Schlichtheit und erinnern an die wunderschönen Elfen aus dem Film „Herr der Ringe". Hochzeitskleider nach unserem Verständnis in Weiß und als einmalig zu tragendes Kleidungsstück gibt es erst seit circa 100 Jahren. Zuvor trugen die Frauen an ihrem großen Tag ihre guten Sonntagskleider, die dem Kirchgang vorbehalten waren. Mit Sicherheit werden in den wohlhabenderen Häusern auch Kleider speziell für diesen Tag angefertigt worden sein, jedoch wurden sie mit großer Wahrscheinlichkeit auch danach noch getragen. Ist einem die Rolle als Hochzeitsgast zugedacht, sollte sich das Gewand jedoch durch dezente Zurückhaltung auszeichnen. Da reicht es völlig, sich in die schlichteren Gewänder der Zofen zu hüllen. Auf einer Hochzeit lautet die Devise: Niemand ist schöner als das Brautpaar.

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