Rolling Stones, Nirvana & Co.: legendäre Rock-Alben auf Vinyl

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Rolling Stones, Nirvana & Co: Legendäre Rock-Alben auf Vinyl

Unter begeisterten Musikfans herrscht häufig Einigkeit darüber, dass echter Musikgenuss nur auf Vinylalben möglich ist. Vieles spricht dafür: Gerade bei Rock-Musik steigert sich die Wirkung der Musik oft durch einen nicht vollständig glatten Sound. Vinyl-Platten machen selbst Musik, auch wenn das Album schon zu Ende ist und die Platte nur noch so über den Plattenspieler schlingert. Ein Kratzen ist zu hören, die Platte wabert und rieselt. Das sind ideale Begleitgeräusche für viele legendäre Punk- und Rock-Alben, die nie für einen glasklaren Sound geplant waren. Hört man die Alben auf Vinyl, ist man näher an den Interpreten, in ihren Proberäumen, bei ihren Konzerten, wo auch nichts steril klingt, sondern leidenschaftlich, wild und laut.

Nachdem die Langspielplatte, kurz LP, in den 1990er-Jahren kaum noch relevant war und die meisten neuen Alben nur noch auf CD erschienen, feierte Vinyl in den letzten Jahren eine Renaissance. Das führte dazu, dass fast alle Künstler mittlerweile auch wieder als LP zu erhalten sind. Tauschbörsen für LPs boomen. Dieser Ratgeber stellt Ihnen einige der legendären Alben der Rock-Geschichte vor, die als Must-haves in jedem Plattenregal stehen sollten.

Die Geburt eines Rock-Phänomens: Nirvanas Album „Nervermind" erobert die Welt

Gegen Ende der 1980er-Jahre wurden die Charts von sehr braven, glatten Pop-Produktionen beherrscht. Inhaltlich war der Geist des Yuppie-Zeitalters deutlich zu spüren. Das Produkt stand deutlich über der Leidenschaft der Musik. Zur selben Zeit bastelte eine dreiköpfige Band aus dem unscheinbaren Bundesstaat Washington an ihrem zweiten Album. Im September 1991 brachte Nirvana schließlich „Nevermind" auf den Markt. Das Erscheinen des Albums glich einer Explosion. Der Song „Smells Like Teen Spirit" schaffte es schon nach kurzer Zeit an die Spitze der Charts, „Nevermind" löste eine musikalische Revolution aus, die die Rock-Musik weltweit und nachhaltig verändern sollte.

Gerade bei „Nevermind" ist ein deutlicher Unterschied zwischen der CD- und der Vinyl-Version zu hören. Großen Anteil am Erfolg von Nirvana hatte, dass sich die Band sehr deutlich von der Musik unterschied, die in den Jahren davor en vogue gewesen war. Bei Nirvana waren die Gitarrenspuren nicht mehr komplex und virtuos, sondern wie in der Punk-Musik üblich sehr simpel gehalten und rotzfrech gespielt. Kurt Cobain war technisch kein herausragender Sänger, er machte seine gesanglichen Mängel durch Leidenschaft wett. Für die Aufnahme des Albums stand nur ein sehr geringes Budget zur Verfügung, was sich darin äußert, dass auf pompöse Effekte verzichtet wurde. Kurz: Die Musik von Nirvana war ein Bekenntnis zur Unvollkommenheit. Der Nimbus des virtuosen Musikers wurde ersetzt durch pure Energie und die Leidenschaft, Musik zu machen. Beim Hören auf Vinyl ergibt dies eine perfekte Symbiose. Es lässt ganz nahe an die Musik heranrücken und erweckt beim Hörer den Eindruck, mitten im Studio zu sein, während die Band ihr historisches Album das erste Mal hört.

Ebenfalls interessant ist das zweite große Album der sogenannten Grunge-Ära. „Ten" von Pearl Jam kam im selben Jahr wie „Nevermind" auf den Markt. „Alive" und „Jeremy" gehörten zu den erfolgreichsten Songs der frühen 1990er und bescherten der Band weltweiten Erfolg.

Als dem Punkrock der Durchbruch gelang: „Never Mind the Bollocks, Here's the Sex Pistols"

Nicht nur der Name von Nirvanas Hitalbum, auch die Attitüde war angelehnt an ein Album, das 1977 die musikalische Welt auf den Kopf stellte. Die britische Punkrock-Band um Sänger Johnny Rotten hatte sich ganz der Provokation verschrieben. „God Save The Queen", eigentlich Titel der Nationalhymne Großbritanniens, wurde bei den Sex Pistols zu einer wütenden und als skandalös aufgenommenen Tirade gegen die Monarchie. „Anarchy In The UK" wurde von Radioanstalten zuerst boykottiert und schließlich ganz verboten. Das gesamte Königreich war in Aufruhr.

Musikalisch waren die Sex Pistols sogar noch weiter gegangen als Nirvana einige Jahre später. Die Musik bestand aus wenigen Akkorden, teils wurde nur improvisiert, der Gesang von Johnny Rotten setzte sich aus Gegröle und Geschrei zusammen. Bassist Sid Vicious hielt am Tag der ersten Bandprobe zum ersten Mal in seinem Leben eine Bassgitarre in der Hand. Um die Band zu gründen, hatten die vier Musiker in ihrer Collegezeit die dazu notwendigen Instrumente schlicht von einer anderen Band gestohlen. So verwundert es nicht, dass auch die Musik der Band pures Chaos ist. Und trotzdem ist es eines der wichtigsten Alben der Musikgeschichte und war prägend für die Rockmusik. Legt man „Never Mind The Bollocks" heutzutage auf, hört man schon an den ersten Klängen, dass sich hier ein Stück moderne Musikgeschichte auf dem Plattenteller dreht.

Zwei Jahre später erlebte der Punkrock einen enormen Schritt vorwärts. Mit „London Calling" brachte die englische Band The Clash ihr zweites Album auf den Markt und hob das Genre auf ein neues Level. Einflüsse von Reggae, Ska und Weltmusik ließen einen neuen Stil entstehen, der sich mit dem wuchtigen Punkrock der Band zu einem kraftvollen Oeuvre vermischte. Die Single „London Calling" ist auch heute noch omnipräsent. Die Musikzeitschrift Rolling Stone wählte das Album zum Besten der 1980er-Jahre.

Als die Rockmusik sich neu erfand: „Exile on Main Street"

Um bei rollenden Steinen zu bleiben: Nicht nur die Musikzeitschrift und der Song von Bob Dylan haben enormen Einfluss auf die Rockmusik gehabt, sondern natürlich auch die bekannteste Combo mit dem Namen The Rolling Stones. Nachdem die Gruppe um Mick Jagger und Keith Richards davor schon einige große Erfolge vorzuweisen hatte, brachte sie 1972 das Album „Exile on Main Street" auf den Markt. Die Kritiker reagierten zunächst eher enttäuscht auf die Veröffentlichung. Der raue Sound wurde ebenso kritisiert wie das Fehlen von offensichtlichen Hitsingles. Mittlerweile gilt das Album nicht nur als eines der besten der Band, sondern auch als eines der besten Alben aller Zeiten. Der ungeschliffene und rohe Sound auf dem Album war wegweisend. Die Band untermauerte ihren Ruf als besonders wilde Combo und erfand sich neu als Gruppe, die ein geschlossen klingendes Album über einzelne Songs stellt. Tatsächlich handelt es sich bei „Exile on Main Street" um einen Longplayer, der am Stück abgespielt werden sollte. Ein Vorspringen zu einem bestimmten Song, wie es bei CDs möglich ist, wird diesem Werk nicht gerecht. Auch deswegen empfiehlt es sich, nach Vinyl-Versionen von „Exile on Main Street" Ausschau zu halten.

Die Entstehung der Hardrock-Musik: Black Sabbath bringt Heavy Metal in die Welt des Rocks

Das Album „Paranoid" machte 1970 nicht nur die Band bekannt, sondern war auch ein direkter Wegbereiter für die Entstehung von Heavy Metal war. Black Sabbath, die Formation um den heutigen Reality-TV-Star Ozzy Osbourne, hinterließ mit der Single „Paranoid" und dem zugehörigen Album bleibenden Eindruck. Ein polterndes, lautes Album, das mit „Paranoid" ein wuchtiges High-Speed-Lied mit sägenden Gitarren lieferte und mit „Iron Man" auch ein klassisches, jedoch sehr frühes Heavy-Metal-Stück. Komplexe Gitarrensoli und das schwere Schlagzeug bereiteten in diesem Song den Weg für ein bis heute enorm lebhaftes Musikgenre.

Die Geburtsstunde eines Gitarrengottes: Jimi Hendrix' „Electric Ladyland" auf Vinyl

Als „Electric Ladyland" 1968 auf Vinyl erschien, stand die Hippiebewegung kurz vor ihrem Höhepunkt. Ein Jahr später sollte das Woodstock-Festival stattfinden, bei dem auch Jimi Hendrix einen denkwürdigen Auftritt hinlegen sollte. Hendrix gilt bis heute als vielleicht bester, zumindest als einflussreichster Gitarrist aller Zeiten. Seine Musik war aufrührerisch, erotisch, geheimnisvoll, hatte stets eine Aura der Gefahr und des Verbotenen um sich und passte somit perfekt in die Zeit der rebellischen Jugend. Der Kraft, die von diesem Album ausgeht, kann man sich auch heute nur schwer entziehen. Schon wenn Sie als Hörer das Knistern des Vinyls vor dem ersten Song hören, werden Sie in den Sog der bekanntesten Gitarrenmusik der Welt gezogen. Der 15-minütige Song „Voodoo Child" zieht jeden Hörer in seinen Bann und katapultiert den Zuhörer in eine andere Ära voller Umbrüche und Aufbruchsstimmung.

„Baby, Light My Fire": die düstere Musik von „The Doors"

In keiner Plattensammlung fehlen dürfen Alben der 1965 in Kalifornien gegründeten „Doors". Die vierköpfige Combo um Sänger Jim Morrison ist eine der ungewöhnlichsten und einflussreichsten Bands der Musikhistorie. Ungewöhnlich, da die Band ihr Leben lang ohne Bassisten auskam und stattdessen der Orgel einen wichtigen Platz einräumte; einflussreich durch die lyrischen Texte und die bedrohliche Stimme von Jim Morrison sowie durch ausufernde Instrumental-Passagen, die als Sternstunden psychedelischer Musik gelten. Das selbst betitelte Debüt der Band kam 1967 auf den Markt und fasst im Opener-Track schon all das zusammen, was die Band berühmt machte. „Break On Through" startet mit einem Bass-Piano-Intro, die Stimme von Morrison steigert sich rasch in bedrohliche Lautstärke und alle Instrumente kulminieren in einem aufregenden Schluss.

Ein Rock-Highlight im Jahrzehnt des Synthesizer-Sounds: die Pixies mit „Surfer Rosa"

Spätestens seit der Song „Where is My Mind?" als Titeltrack des Kino-Klassikers „Fight Club" verwendet wurde, kennt man die Pixies auf der ganzen Welt. Schon davor erfuhr die Band große Anerkennung, obwohl das Album selbst damals kaum kommerziellen Erfolg hatte, wurde die Band doch immer wieder als großer Einfluss auf andere Bands genannt. So sagte Kurt Cobain einst, Nirvana habe mit „Nevermind" versucht, die Pixies zu imitieren. Der spätere Nirvana-Produzent Steve Albini war es auch, der das erste Album der „Surfer Rosa", das Debütalbum der Pixies im Jahr 1988, produzierte. Zusammen schufen die Musiker dabei einen neuen Sound. Sehr melodiöse Melodien, die an die Beatles erinnern, wurden mit wilden Gitarren und einem enorm wuchtigen Schlagzeug kombiniert. Die Wechsel zwischen lauten und leisen Passagen setzten sich von der klassischen Musik der 1980er-Jahre ab. Teilweise waren die Songs keine zwei Minuten lang und wurden trotzdem zu Klassikern moderner Rockmusik. 

Abgebrühter Straßen-Punk aus London: die Libertines transportieren Klassiker in die Moderne

Auch das neue Jahrtausend hat bereits ein legendäres Album zu bieten. Im Oktober 2002 brachten vier britische Punks um Sänger Pete Doherty ihr Debütalbum „Up The Bracket" heraus. War das Jahrzehnt davor noch von seichter Dance-Musik und sauber produziertem Stadion-Rock geprägt, zeigten die Libertines wieder die wilde Seite der Rock-Musik. „Up The Bracket" strotzt vor ungezügelter Energie und brilliert sowohl mit einem wilden Sound als auch mit klugen Texten. Nicht umsonst wählte das britische Musikmagazin „NME" das Album zum zweitbesten Album des neuen Jahrtausends.

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