Rollfilmkameras auf eBay richtig auswählen - Kaufratgeber

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Vor der Entwicklung des Rollfilms fotografierte man ausschließlich mit Plattenkameras. Die Handhabung dieser Kameras setzte sehr viel Geschick voraus und ihre Einsatzmöglichkeiten waren eingeschränkt. Unterschiedlich große Fotos setzten verschieden große Kameras voraus. Schnappschüsse waren mit Plattenkameras nahezu unmöglich. Fotografie war zu diesem Zeitpunkt noch ein sehr exklusives Medium.

Das änderte sich mit dem Aufkommen des Rollfilms. In ein Filmmagazin eingelegt, ließ sich der Rollfilm mit jeder Plattenkamera belichten, bot jedoch eine Menge Vorzüge gegenüber den bisherigen Platten. Mehrere Fotos konnten nacheinander gemacht werden und die Bedienung wurde sehr vereinfacht. Filmkassetten konnten unkompliziert ausgetauscht werden, ohne dass sie sofort entwickelt werden mussten. Die Fotografie erschloss sich mit dem Film eine viel breitere Masse und wurde so zu einem beliebten Hobby für viele Menschen.

Geschichte des Rollfilms

Der Rollfilm wurde nicht, wie oft irrtümlich angenommen, von George Eastman, dem Mitbegründer des Unternehmens Kodak erfunden. Hannibal Goodwin hatte bereits 1887 ein Patent auf den Rollfilm angemeldet. Eastman ignorierte jedoch dieses Patent, was in einen Rechtsstreit mündete, an dessen Ende Eastman zu einer Schadenersatzzahlung an Goodwin verurteilt wurde. Das aggressive Marketing verschaffte Kodak jedoch zum Ende des 19. Jahrhunderts eine marktbeherrschende Position, aus der es nicht mehr zu verdrängen war. Der Verdienst, den man George Eastman zuschreiben kann, liegt zweifelsfrei darin, die Fotografie einer breiten Masse der Bevölkerung zugänglich gemacht zu haben.

Ab den dreißiger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts übernahm der Kleinbildfilm die vorherrschende Rolle im privaten Bereich der Fotografie. Die Filmpatronen waren noch praktischer in der Benutzung. In ihrem Format war der Kleinbildfilm ausreichend für die Ansprüche von Hobbyfotografen.

Im professionellen Bereich der analogen Fotografie wird der Rollfilm jedoch bis heute verwendet. Sein größeres Format verschafft ihm einige Vorzüge gegenüber dem Kleinbildfilm. Auf den Mittelformat-Diapositiven und auch Negativen lässt sich schon mit bloßem Auge oft gut erkennen, was darauf abgebildet ist. Außerdem wirkt sich das Filmkorn nicht so stark aus, was größere Abzüge von einem Rollfilm ermöglicht.

Formate für den Rollfilm

Der Rollfilm wird offen auf eine Spule konfektioniert und ist im Gegensatz zum Kleinbildfilm sowie zum Film für Filmkameras nicht perforiert. Der Rollfilm wird von einer Vorratsspule auf eine Leerspule gewickelt. Rollfilme gibt es in verschiedenen Formaten, wobei prinzipiell auch der 35mm-Kleinbildfilm ein Rollfilm ist. In der Anwendung unterscheidet sich der Rollfilm aber deutlich vom Kleinbildfilm.

Das 120er Format

Das verbreitetste Format unter den Rollfilmen ist das 120er Format. Es wird in den meisten Mittelformatkameras verwendet. Mit einem Rollfilmmagazin kann es auch in Großformatkameras zum Einsatz gelangen. Bis in die 50er Jahre wurde es auch in Boxkameras, den bis damals einfachsten Kameras, benutzt.

Der Film hat eine Breite von 61,5 cm und ist durchgehend auf einen Papierträger geklebt. In unterschiedlichen Kameras kann der Film in verschiedenen Formaten belichtet werden. Gebräuchliche Formate sind 4,5 cm x 6 cm, 6 cm x 6 cm oder 6 cm x 9 cm. Dementsprechend passen 16, 12 respektive 8 Bilder auf einen Film. Auf der Rückseite des Papierträgers sind für die verschiedenen Formate Zahlenreihen aufgedruckt, die als Orientierungspunkte für den Filmtransport dienen. In einem kleinen, oft verschließbaren Fenster auf der Kamerarückseite sind die Marker zu erkennen. Für den Filmtransport wird das Transporträdchen einfach so lange gedreht, bis der betreffende Marker im Fenster erscheint.

Manche Kameras belichten den 120er-Rollfilm auch im Format 6 cm x 7 cm oder 6 cm x 8 cm. Spezielle Panoramakameras nutzen sogar 6 cm x 12 cm oder gar 6 cm x 17 cm.

Bei all diesen Zahlen handelt es sich allerdings um gerundete Werte. Die genauen Aufnahmeformate liegen für 4,5 cm x 6 cm bei 42 mm x 56 mm, für 6 cm x 6 cm bei 56 mm x 56 mm, für 6 cm x 7 cm bei 56 mm x 68 bzw. 72 mm (je nach Hersteller). 9 cm entsprechen lediglich 83 mm. Die gerundeten Werte sind aber die allgemein gebräuchlichen Bezeichnungen.

Das 220er Format

Der 220er-Rollfilm entspricht in der Breite dem 120 und verwendet auch die gleichen Spulen. Allerdings ist er nicht mit einem durchgehenden Papierträger versehen. Lediglich am Anfang und am Ende ist ein Papierstreifen angeklebt, der das Umspulen ermöglichen soll. Durch das eingesparte Papier kann der Film doppelt so lang sein wie der 120er - für Bilder im Format 6 cm x 6 cm bietet der 220 somit Platz für 24 Aufnahmen. Allerdings kann er nur in bestimmten Kameras verwendet werden - Kameras mit Zählwerksfenster gehören nicht dazu, da der Film durch das Fenster von hinten teilbelichtet würde. Auch die geringere Stärke des 220er Films ist für einige Kameras ein Ausschlusskriterium. Manche Kameras können durch Einstellmöglichkeiten an der Filmandrückplatte die Stärkedifferenz kompensieren, andere Hersteller bieten für ihre Kameras austauschbare Rückteile an. Aufgrund dieser Inkompatibilitäten ist der 220 nicht sehr verbreitet. Außerdem ist er nicht für alle Emulsionen erhältlich.

Das 127er Format

Der Rollfilm 127 ist weniger gebräuchlich als das 120er Format. Der Film ist 4,6 cm breit und wurde 1912 von Kodak für einfache Kameras (z. B. Boxkameras) auf den Markt gebracht. Er kann jedoch auch in zweiäugigen Spiegelreflexkameras eingesetzt werden. Bis in die 30er Jahre war das Format sehr beliebt, wurde danach jedoch vom aufkommenden Kleinbildfilm verdrängt. Wie der 120er besitzt auch der Rollfilm 127 einen durchgehenden Papierträger. Er bietet Platz für 12 Aufnahmen im Format 4 cm x 4 cm (exakt 38,1 mm x 38,1 mm) oder 8 Aufnahmen im Format 4 cm x 6,5 cm. Für diese beiden Formate befinden sich Zahlenmarkierungen auf der Rückseite des Trägerpapiers. Später wurde noch das Format 3 cm x 4 cm etabliert, für das allerdings keine Markierungen auf den Film gedruckt werden. Stattdessen lassen sich die Marker für das 6,5-cm-Format mit benutzen.

Kameras für den 127er Film werden schon seit den sechziger Jahren nicht mehr produziert, demzufolge wurde die Produktion unterschiedlicher Filmvarianten im Format 127 nach und nach ausgedünnt. Derzeit werden nur noch Schwarz-Weiß-Negativfilme hergestellt. Mit einer Schneidevorrichtung lässt sich aus einem 120er Rollfilm jedoch durchaus ein 127er zurechtschneiden. Allerdings verlangt das ein gutes Fingerspitzengefühl.

Ein großer Vorteil des 127er Films zeigt sich bei der Betrachtung von Dias im Format 4 cm x 4 cm. Dieses Format lässt sich ohne Probleme in einem Kleinbildprojektor vorführen. Im Vergleich zum Kleinbild-Dia ist das 127er Dia um das 1,7fache größer. Aus dem Grund wird es auch als Super-Slide bezeichnet.

Der 620er Rollfilm

Der 620er ist exakt so breit und lang wie der 120er Rollfilm, ist allerdings auf eine kleinere Spule aufgerollt. Somit ist er nicht direkt mit dem 120er kompatibel, lässt sich aber ohne weiteres auf eine 120er Spule übertragen. Dann entspricht er genau dem 120er Format.

Kameras für Rollfilm

Jede Mittelformatkamera ist für die Verwendung von Rollfilm verwendbar. Am verbreitetsten sind sicher Kameras für das 120er Format. Aber auch Großbildkameras, die eigentlich für die Fotografie mit Planfilmkassetten vorgesehen sind, lassen sich in Kombination mit einem Rollfilmmagazin verwenden. Auch Boxkameras lassen sich mit dem geeigneten Zubehör für den Rollfilm verwenden. 120er Rollfilm ist also ziemlich universell einsetzbar, bei manchen weniger verbreiteten Formaten sollte allerdings Vorsicht geboten sein in Hinsicht auf die Kompatibilität mit der Kamera.

Der Rollfilm lässt sich, genau wie der Kleinbildfilm, im eigenen Fotolabor entwickeln. Voraussetzung ist eine für das Format passende Spirale und Entwicklungsdose. Manche Spiralen sind in der Breite verstellbar, so dass sie verschiedene Filmformate aufnehmen können. Mit dem passenden Vergrößerungsgerät sind auch selbstgemachte Abzüge von Rollfilmnegativen kein Problem.

Fazit

Analoge Fotografie war noch vor kurzem totgesagt, aber in gewissen Kreisen von Ästheten und Puristen erfreut sie sich weiterhin großer Beliebtheit. Sich abzuheben von dem digitalen Einheitsbrei und Fotografie an ihren Wurzeln zu erleben ist nur möglich mit einem echten Film. Mit einem Rollfilm begeben Sie sich direkt in die Profiliga der analogen Fotografie. Größerer Film, größere Kamera, größere Fotos - ein Rollfilm bietet einfach mehr als ein Kleinbildfilm. Seit die Preise für analoge Kameras und das entsprechende Zubehör sich dauerhaft im Keller befinden, ist Fotografieren mit Rollfilm nicht mehr nur den Profis vorbehalten.

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