Rollei, Rolleiflex & Leica – Spiegelreflexkameras und ihre Geschichte

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Rollei, Rolleiflex und Leica – berühmte Spiegelreflexkameras und ihre Geschichte

Die erste Spiegelreflexkamera weltweit wurde bereits 1861 vom englischen Fotografen und Kaufmann Thomas Sutton entwickelt. In Deutschland stammte die erste Generation der Spiegelreflexkameras aus dem Hause Richard Hütting, Dresden, und wurde als Zeus-Spiegel-Kamera bezeichnet und im Handel vertrieben. In den 1930er Jahren kamen anschließend Kleinbildkameras mit Spiegelreflex-Technik auf den Markt, auch hier gaben Entwicklungen aus Deutschland - hier sind besonders die Städte Dresden und Leipzig zu erwähnen - den Ton an.

Die Sucher der ersten Spiegelreflexkameras befanden sich oben auf dem Apparat. Erst 1943 wurde der Sucher mit Einblick auf Augenhöhe, wie wir es bei modernen Kameras heute gewöhnt sind, vom Ungarn Jenö Dulovits patentiert. Die sogenannte Duflex war auch die erste Kamera, die in der Lage war, das Suchbild mittels Rückschwingspiegel seitenrichtig abzubilden. Bei den vorangegangenen Modellen war dies bis dahin nicht der Fall. Das abzubildende Objekt wurde früher durch den Sucher stets spiegelverkehrt dargestellt. Aufgrund der ständigen Weiterentwicklung und den brillanten Bildergebnissen trat das Prinzip "Spiegelreflex" weltweit seinen Siegeszug an. Profifotografen schwören bis heute auf diese Technik, die auch in hochwertigen modernsten Digitalkameras wiederzufinden ist.

So funktioniert eine Spiegelreflex Kamera - eine kurze Einführung

Das grundsätzliche Prinzip von Spiegelreflexkameras ist leicht beschrieben: Das Licht der Umgebung fällt durch die Linse des Objektivs in das Innere der Spiegelreflexkamera ein. Dort treffen die Lichtstrahlen auf einen Schwingspiegel, der das Licht zum Sucher lenkt. Der Sucher hochwertiger Kameras ist mit einem Dioptrienausgleich ausgestattet, was das Fotografieren ohne Sehhilfe ermöglicht. Beim Betätigen des Auslösers wird der Spiegel für einen Augenblick geöffnet und der Film wird belichtet. Das Hochklappen des Spiegels erzeugt das für Spiegelreflexkameras so typische Klapp-Geräusch. Auch in modernsten Spiegelreflex-Digitalgeräten wird grundsätzlich diese Technik angewendet. Anstatt auf einen Film, wird hier das Licht zur Bildverarbeitungselektronik geleitet.

Analoge Spiegelreflexkameras lassen sich grob in zwei Typen einteilen - einäugige und zweiäugige Kameras.

Einäugige Spiegelreflexkameras

Die Funktionsweise der einäugigen Spiegelreflexkameras gleicht der bereits beschriebenen. Der Vorteil zur zweiäugigen besteht in der Möglichkeit, je nach Bedarf verschiedene Objektive zu verwenden. Ein Nachteil ist unter anderem die Tatsache, dass aufgrund des Schwingspiegels ein großer Mindestabstand zwischen Filmebene und Objektiv eingehalten werden muss. Das kann zu unscharfen Bildern im Bereich kleiner Brennweiten führen. Für das Kleinbildformat ist und war stets das einäugige Modell gebräuchlich, moderne Spiegelreflexkameras zählen ebenfalls zu diesem Typ.

Zweiäugige Spiegelreflexkameras

Wie es der Name "zweiäugige Spiegelreflexkamera" schon verrät, sind diese mit zwei Objektiven gleicher Brennweite ausgestattet. Durch das untere Objektiv wird die Filmebene belichtet, das zweite, obere Objektiv ermöglicht es dem Fotografen, auch während der Aufnahme, in dem Moment, in dem der Spiegel hochklappt, durch den Sucher das abzubildende Objekt zu betrachten. Auch Erschütterungen durch Betätigung des Auslösers werden vermieden. Nachteile sind die hohen Anschaffungskosten aufgrund der beiden Objektive und mögliche Parallaxenfehler bei Nah- und Makroaufnahmen.

Die Rolleiflex - eine zweiäugige Spiegelreflexkamera mit Kultfaktor

Die wohlbekannte Rolleiflex stammt aus dem Hause Franke & Heidecke. Der Kaufmann Franke gründete 1920 zusammen mit dem Techniker Heidecke in Braunschweig ein Werk für Fototechnik, das zuerst Stereophone, auch genannt Heidoscope, herstellte. Bereits 1928 entwickelten sie die Prototypen der Kamera namens Rolleiflex und machten sich damit später unter Fotografen einen guten Namen. Kein Profifotograf, der nicht mindestens eine Rolleiflex sein Eigen nennen konnte. Weltbekannte Bilder wurden mit der technisch ausgeklügelten Rolleiflex geschossen.

Als legendär gilt die zweiäugige Rolleiflex FX-N 6x6 Mittelformatkamera, die 1929 das erste Mal der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Erstaunlich ist, dass 2012 eine Neuauflage der Kultkamera im hochwertigen Nostalgielook in den Handel kam. Noch heute werden zweiäugige Rolleiflex-Kameras hergestellt, die das altbewährte Prinzip mit neusten Entwicklungen der Fototechnik kombinieren. Da die Anschaffung einer zweilinsigen Rolleiflex sehr kostspielig ist, haben die Hersteller auch einlinsige Spiegelreflexkameras im Sortiment. Die Kameras der ersten Baureihe Rolleiflex SL-66 ist vollständig mechanisch gesteuert, verwendet ausschließlich Schlitzverschlüsse und hatte Qualitätslinsen von Carl Zeiss Optik verbaut. Die Marke Rolleiflex steht damals wie heute für Markenprodukte für Profis und ambitionierte Fotografen mit hohen Ansprüchen und Budget.

Rollei - ein Werk, eine Marke und Kamera-Modelle mit weltweit gutem Ruf

Wie bereits erwähnt, wurde das Werk Franke & Heidecke 1920 in Braunschweig gegründet. Später änderte es mehrmals seinen Namen und seine Rechtsform. Seit den sechziger Jahren etablierte sich aber die Bezeichnung Rollei im Firmennamen. Die bewegte Firmengeschichte lässt sich mit verschiedenen Krisen im Absatzmarkt nachvollziehen. Teure Rolleiflex-Kameras verloren an Marktanteil, sodass sich die Firma auch auf einen niedrigeren Preissektor verlagern musste. Dennoch wurde stets Wert auf höchste Qualität und Anforderungen gelegt.

Anfang der Sechziger kamen völlig neue Produkte, zum Beispiel der Rollei Diaprojektor oder die nie da gewesenen Kleinstbildkamera Rollei 16 mit dem Format von nur 12 mm × 17 mm, heraus. Als Rettungsaktion scheint diese Entwicklung aus heutiger Sicht seltsam, damals war man aber der Auffassung, dass dieser Kameratyp zukünftig den Ton angeben wird.

Die Tatsache, dass der asiatische Markt in den siebziger Jahren enorm aufholte und deutsche Hersteller in Sachen Verkaufszahlen bald überholte, was den billigeren Herstellungskosten im Ausland zuzuschreiben ist, verstärkte die Krisensituation im Hause Rollei zusätzlich. Um die Firma zu erhalten, besann man sich letztendlich in den achtziger Jahren darauf, sich auf die Herstellung von Mittelformat-Kameras zu spezialisieren. Die beschriebene Rolleiflex Serie und die Kleinbildkamera Rollei 35, für den weltweit verbreiteten Kleinbildfilm 135, traten ihren Siegeszug über den gesamten Globus an. Bis heute gelten Rollei-Kameras unter Profis als unverzichtbares Equipment mit garantierter Präzision von bester Qualität.

Die Konkurrenz aus Fernost - Spiegelreflexkameras von Olympus und Nikon

Der bekannte japanische Konzern Olympus wurde bereits 1919 gegründet. Der ursprüngliche Firmennamen war "Takachiho Seisakusho", benannt nach einen japanischen Berg, auf dem der Mythologie zur Folge die Götter beheimatet waren. In den zwanziger Jahren etablierte sich der Name "Olympus" erst als Marken-, später 1949 auch als Firmenbezeichnung. Grund dafür waren die Bestrebungen, auch auf dem europäischen Markt Fuß zu fassen, daher der Bezug auf den Götterberg Griechenlands. Die erste Niederlassung in Europa ließ dann auch nicht lange auf sich warten - 1963 öffnete die Olympia Europe GmbH in Hamburg ihre Pforten. Heute sind Niederlassungen und Vertriebe in ganz Zentraleuropa zu finden.

Zur selben Zeit kam auch die erste Spiegelreflexkamera von Olympus auf den Markt, die Olympus PEN F 1:1.8. Die Besonderheit der Kamera lag darin, dass sie im Vergleich zu deutschen Modellen sehr kompakt und somit handlicher war. Der eingebaute Rotationsverschluss erlaubte die Verwendung des Blitzes mit beliebiger Belichtungszeit, was kreative Fotografie vereinfachte und viele Spielereien zuließ. Auch die spätere Olympia OM Serie fiel besonders durch ihre Kompaktheit positiv auf.

Auch Nikon kann auf eine lange Firmengeschichte zurückblicken, Gründung war 1917 in Tokio. Neben Mikroskopen, Ferngläsern und Kleinbild-Kameras ist Nikon für seine Spiegelreflexkameras bekannt. Bereits 1959 kam die erste einäugige Kleinbildspiegelreflexkamera mit der Bezeichnung Nikon F auf den Markt. Besonderheit der F-Serie ist, dass alle von Nikon konstruierten Objektive mit dieser Spiegelreflexkamera verwendbar sind. Die Objektive müssen lediglich über das sogenannte F-Bajonett verfügen, einer Erfindung Nikons, die das einfache und schnelle Wechseln von Objektiven ermöglicht. Bis heute werden moderne Spiegelreflexkameras mit der Produktbezeichnung F und Objektive von Nikon mit eben diesem Bajonett auf den Markt gebracht.

Ein weiteres deutsches Traditionsunternehmen - Leica und die Leicaflex

Die Leica Camera AG trat 1986 aus der Ernst Leitz GmbH hervor, die bereits 1869 in Wetzlar ihren Sitz hatte. Ende des 19. Jahrhunderts konnte sich das Unternehmen eines Weltrufs erfreuen. Schnell etablierte sich die Firma Leitz zum Marktführer im Bereich Mikroskope und Kameras.

Auf der Frühjahrsmesse 1925 in Leipzig wurde die erste Ur-Leica, eine schnell einsatzbereite Kleinbildkamera für die breite Masse, der Öffentlichkeit vorgestellt. Die ersten Spiegelreflexkameras aus dem Hause Leica kamen 1964 auf dem Markt. Die sogenannte Leicaflex wurde bis 1976 hergestellt. Für Objektive wurde ein neues R-Bajonett entwickelt, das im Durchmesser größer war als herkömmliche Bajonette. Dies erlaubte mehr Freiraum in der Konstruktion und Entwicklung verschiedener Objektive. Die Besonderheit der Leicaflex lag in der sehr hellen Sucherscheibe mit einer sehr feinen Linse, die jedoch für hohe Brennweiten und extreme Nahaufnahmen eher nicht geeignet war. Die ersten Leicaflex wurden in verchromter und schwarz lackierter Ausführung verkauft. Unter Sammlern ist letztere Ausführung sehr begehrt, da nur wenige Exemplare der insgesamt 37.500 produzierten Leicaflex in Schwarz ausgeliefert wurden.

Die Weiterentwicklung Leicaflex SL verfügte über eine neuartige Selektivmessung, vergleichbar einer Spotmessung mit größerem Radius. Dieses Feature unterschied sie von anderen Spiegelreflex-Kameras dieser Zeit. Die Linien wurden klarer, das Gehäuse gab ein stimmiges Bild ab. Auch bei der Leicaflex SL zählen die schwarzen Exemplare der ohnehin schon niedrigen Auflage an Kameras zu den Sammlerstücken.

Auch die Firma Leica hatte nämlich mit der Konkurrenz aus Asien zu kämpfen. Um den Marktanteil an Spiegelreflexkameras nicht aufgeben zu müssen, ging die Firma Anfang der siebziger Jahre eine Zusammenarbeit mit dem japanischen Hersteller Minolta ein. Dank modernster Technik aus Asien schaffte Leica mit der Serie Leica R den Anschluss am Absatzmarkt. Man versäumte jedoch erneut an der rasanten technischen Entwicklung teilzunehmen, und geriet ins Hintertreffen. Die Leica R bietet keinen Autofokus, weshalb die Produktion 2008 eingestellt wurde. Bis heute produziert die Firma Leica Optics Projektoren, Bildverarbeitungssysteme und Kameras, die auch den hohen Ansprüchen von Profis genügen.

Auch in der modernen Zeit von Digitalkameras möchten einige Hobby- und Profi-Fotografen nicht auf das Gefühl verzichten, Fotos mit einer analogen Spiegelreflexkamera zu schießen. Einige der beschriebenen Modelle sind unter Sammlern sehr gefragt und sind auch heute noch technisch nicht zu unterschätzen.

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