Roland AR-100 - ein Schweizer Taschenmesser für Keyboarder

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Roland AR-100 - ein Schweizer Taschenmesser für Keyboarder

"AR" ist das Kürzel für Announcement-Recorder und dementsprechend war er vorgesehen für Geschäfte, Bahnhöfe oder Flughäfen, in denen regelmäßige und gleichlautende Ansagen über Lautsprecher-Anlagen laufen, die man auf diesem Recorder vorher aufnehmen und dann gezielt oder automatisiert abspielen kann. Aber dieser Anwendungsbereich wird in diesem Ratgeber ignoriert werden, denn hier soll es ja um Keyboarder gehen.
Roland hat übrigens noch weitere Modelle in der AR-Serie herausgebracht, aber den AR-100 halte ich wegen seiner kleinen Maße von einer Höheneinheit und einer halben 19"-Breite für besonders praktisch.
Wieso Schweizer Taschenmesser?
Primär handelt es sich um einen digitalen Audio-Recorder. Dabei kann die Aufnahme und Archivierung in mehreren Modi geschehen: Von 16 bit gleich unkomprimiertes WAV-Format über zwei Komprimierungsstufen bis zu einem sehr komprimierten Modus, in dem der Recorder über deutlich längere Laufzeiten verfügt. Man kennt das von den Stand-Alone-Harddiskrecordern. Der AR-100 verfügt über keinen internen Speicher, die Audiodaten werden stattdessen auf PCMCIA-Karten gespeichert. Das sind recht alte, aber enorm datensichere Karten, die man günstig bei Ebay ersteigern kann. Es gibt aber die Möglichkeit, bei der Firma Reichert einen PCMCIA-Adapter zu erwerben, mit dem man handelsüblichere Compact Flash Cards verwenden kann. Der AR-100 besitzt zwar nur zwei analoge Eingänge, aber die Audio-Qualität ist im besten, unkomprimierten Modus wirklich gut. Damit könnte man z.B. problemlos eine Anfangs- und Schlussmusik eines Gigs über die PA einspielen. Oder man könnte eine spezielle Musik für den Soundcheck abspielen lassen, um sich den Gesamtsound im Saal anzuhören. - Aber es geht weiter:
Neben den Audio-In und -Out Anschlüssen besitzt der AR-100 Midi-In und -Out. Damit kann man mittels einer Tastatur die gespeicherten Audio-Dateien antriggern. In der Praxis sieht das so aus, dass man vor jeder Aufnahme auswählt, welcher Patch-, bzw. Notennummer das Audiofile zugeordnet wird. Der Recorder besitzt insgesamt 85 Speicherplätze, die alle eine Audio-Datei beinhalten können und die alle bestimmten Tasten eines Keyboards zugeordnet sind. Dadurch lässt sich das Gerät wie ein quasi Hilfssampler einsetzen. Ich habe das Gerät während einer Konzertreihe als Abspielgerät für diverse Sound-Effekte genutzt und sie alle über Midi von einem Masterkeyboard angetriggert. Es hat wunderbar funktioniert. - Aber es geht weiter:
Der AR-100 nimmt über Midi-In auch Midi-Daten auf und gibt sie über Midi-Out wieder aus. Wenn man also SysEx-Sicherungen machen oder verschiedene Soundsets während der Proben laden möchte, ist das überhaupt kein Problem. Die alten Mididaten-Recorder von Roland, Yamaha & Co. werden noch für etwa 60,- € angeboten und laufen alle mit den alten Floppy-Laufwerken, die sowieso bald ihren Dienst aufgeben werden. Der AR-100 arbeitet dagegen ohne jegliche Mechanik und damit verschleißfrei. Also wird er noch viele Jahre seinen Dienst verrichten. Übrigens lassen sich damit auch die Sounds der alten analogen Synthies hervorragend speichern und archivieren, die über ein sogenanntes Kassetten-Interface verfügen.
Und es geht noch weiter und damit kommen wir zum Preis. Ich besitze zwei Exemplare, für die ich auf Ebay 6,00 € und 9,70 € bezahlt habe. Zwei Schnäppchen im Vergleich zu den Möglichkeiten, die die Geräte bieten. Der niedrige Preis lässt sich nur dadurch erklären, dass eben diese Möglichkeiten zu wenig bekannt sind.

Apropos Möglichkeiten: Natürlich gibt es auch Einschränkungen, die alle auf die ursprüngliche Bestimmung des Gerätes zurückzuführen sind. Dabei muss man zuerst erwähnen, dass sich an der Frontseite nur ein Start- und Stopschalter befinden. Man kann also nicht in einer Audiophrase nach vorne oder hinten "spulen", auch eine Pause-Taste gibt es nicht. Genauso verhält es sich beim Antriggern durch eine Tastatur. Wurde eine Audiophrase durch Tastendruck erst einmal angetriggert, läuft sie bis zum Ende durch, auch wenn man die Taste vorher loslässt. Da aber immer nur eine Audiophrase zur Zeit ablaufen kann und da das Triggern einer zweiten Phrase die erste sofort zum Stoppen bringt, kann man das Beenden der ersten Phrase durch ein Antriggern einer möglichst sehr leisen zweiten Phrase einfach handhaben.

Zum Schluss noch eine Übersicht über die Größe der Speicherkarten und die damit zu erzielenden Aufnahmelängen:
Bei einer 80 MB Speicherkarte in mono:
41:12 Min. im besten quasi WAV-Modus
56:47 Min. im sog. Standard-Modus
1:22:27 Std. im sog. Long I-Modus
1:53:34 Std. im sog. Long II-Modus
Bei Stereoaufnahmen halbieren sich die Zeiten.
Der Recorder akzeptiert Größen von 2 MB bis 2 GB, was für die Zwecke als Bestandteil einer Keyboardanlage mehr als ausreichend sein dürfte.

Für alle Keyboarder, die häufig live auftreten und dabei tatsächlich noch live spielen und gleichzeitig Hard- statt Software bevorzugen, ist der AR-100 sicherlich ein guter und sehr preisgünstiger Tipp.
 

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