Risiken beim Kauf von Chili-Samen bei Hobby-Züchtern

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Seriöse, gewerbliche Samenhändler kaufen die Samen ausschließlich von vertrauenswürdigen, registrierten Züchtern, die permanent daraufhin überprüft werden, ob sie die Samen den Standards entsprechend produzieren.

Chilis sind glücklicherweise in der Lage, sich selbst zu befruchten, aber die Gefahr einer Über-Kreuz-Befruchtung ist größer, als man sich vorstellen kann. Jedoch kreuzen sich nicht alle Arten untereinander:

  • Capsicum annuum kreuzt sich sehr gut mich chinense, aber nur sehr selten mit baccatum und frutescens - kreuzt sich aber nicht mit pubescens.
  • Capsicum baccatum kreuzt sich nur sehr selten mit annuum, chinense und frutescens, bringt dann aber nur sterile Hybriden hervor. Mit pubescens kann sie sich nicht kreuzen.
  • Capsicum chinense kreuzt sich sehr gut mit annuum, aber nur selten mit frutescens und baccatum - kreuzt sich aber nicht mit pubescens.
  • Capsicum frutescens kreuzt sich sehr selten mit annuum, baccatum und chinense - kreuzt sich aber nicht mit pubenscens.
  • Capsicum pubescens kreuzt sich mit keiner Art.

Für eine Über-Kreuz-Befruchtung reicht schon eine Biene aus und die Pflanzen müssen garnicht so dicht bei einander stehen.

Deshalb halten professionelle Hobbyzüchter ihre Pflanzen grundsätzlich streng von einander getrennt unter Glas oder Folie und befruchten die Blüten mit einem Pinsel von Hand. Das ist selbst in Ländern wie Mexiko oder Equador die Regel.

Dieser Aufwand kann und wird von den meisten Hobby-Züchtern nicht betrieben werden. Deshalb kann man - möchte man sicher gehen, dass man auch die Samen bekommt, die man haben wollte, nicht unbedingt von einem Hobby-Züchter kaufen. Dieser würde noch nicht einmal bemerken, dass es sich um Samen von Hybriden (also Kreuzungen) handelt, weil die Schoten in der ersten Generation noch unverändert sind. Auch der Geschmack hat sich nicht verändert, sondern nur die Gen-Informationen in den Samen. Gewerbliche Züchter hingegen werden - wie oben bereits erwähnt - regelmäßig überprüft, um sicher zu gehen, dass dort keine unerwünschten Hybriden entstanden sind. Diese Betriebe müssen sogar die Herkunft der verwendeten Samen belegen und Samen- und Zuchtbücher führen.

Die Keimung von Chili-Samen ist selbst unter optimalen Bedingungen oft langsam und unregelmäßig. Der Spitzenreiter ist hier das Tepin-Chili, weil es sich noch um eine Wildform handelt, die eine sehr dicke Samenhaut besitzt.

Aufgrund vieler Studien in den USA wurde festgestellt, dass Chili-Samen bei entsprechend hohen Temperaturen schnell und mit einem hohen Prozentsatz keimten, aber auch oft unter gleichen Bedingungen bis zu 5 Wochen (bei Tepin noch länger) für die Keimung brauchten.

Chili-Samen benötigen Wärme, Sauerstoff und Feuchtigkeit, um zu keimen. Es gibt aber auch noch andere Faktoren, die für den Erfolg entscheidend sind. Wichtig ist, dass die Schoten bei der Ernte auf wirklich reif sind - dieses kann bei Hobby-Züchtern nicht unbedingt vorausgesetzt werden.

Andererseits hat man festgestellt, dass die Samen überreifer Früchte nicht mehr so keimfähig sind. Im Jahre 1986 gab es eine Studie der Louisiana Aricultural Experiment Station, die Samen von reifen Früchten des Tabasco-Chili 150, 195 und 240 Tage nach der Befruchtung entnahm und testete. Die Samen der Früchte, die 150 Tage gereift waren, keimten alle, die Samen der Früchte, die 195 Tage gereift waren, keimten zu 81 % und die letzteren nur noch zu 63 %.

Auch hier ist das Know How erfahrener Samenzüchter gefragt.

Weiterhin wurde festgestellt, dass die Samen vieler Sorten nicht sofort nach der Entnahme aus der Schote keimen. Denn selbst in den doch sehr warmen Ursprungsländern des Chili wird es manchmal im Winter so kalt, dass die Sämlinge erfrieren würden. Deshalb haben die Samen einen Schutzmechanismus, der verhindern soll, dass die Samen noch im Herbst keimen.

Die Samen werden deshalb leicht getrocknet und einer Nachreife unterzogen, die 1 - 4 Monate andauert. Danach wird ein Keimungstest durchgeführt. Erst nach entsprechend positivem Ergebnis werden die Samen ausgeliefert.

Auch dieses ist ein Grund, mehr auf gewerbliche Züchter, als auf private Hobby-Züchter zu vertrauen. Wir gewerblichen Verkäufer sind der verlängerte Arm der gewerblichen Züchter.

Wir hoffen, dem interessierten Leser einen kleinen Einblick hinter die Kulissen gegen zu haben. Unter einem seriösen Samengeschäft kann man nicht verstehen, dass man die Samen aus einer Schote heraus kratzt, trocknet und sie verkauft. Es stecken viel Arbeit, Erfahrung, Kontrollen und Logistik dahinter.

 

 

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