Retro ist Trend: Ratgeber für die Auswahl von Vintage-Herrenmode

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Retro ist Trend: Ratgeber für die Auswahl von Vintage-Herrenmode

Die gute alte Zeit. Manche unter uns, die sie selbst miterlebt haben, hätten sie oft gern zurück. Aber auch junge Leute, die sie nur aus Büchern, Filmen und Erzählungen kennen, wünschten sich manchmal, zurückreisen zu können. Retro nennt sich dann der Stil, der aus dem Wunsch nach vergangener Lebensart, Kunst und Mode real wird. Und „rückwärts" bedeutet das lateinische „retro" dann auch passend und bezeichnet in unserer Zeit und Gesellschaft Erscheinungen, die vergangene Traditionen oder Merkmale wieder aufleben lassen.

Retro, Revival, Vintage – Hauptsache cool

Neben Design, Architektur und Kunst, ist auch die Mode ein Bereich, in dem der Retrostil ein fester Begriff ist und seit geraumer Zeit nicht mehr von den Laufstegen und aus den Fashion Magazinen wegzudenken. Auch Vintage genannt, dürfen entsprechende Kleidungsstücke in keinem gut sortierten Kleiderschrank fehlen. Selbst und besonders nicht in einem Männer-Kleiderschrank. Der moderne Hipster kennt sich aus mit Trends, und Vintage ist einer der großen. Der modische Rückgriff auf vergangene Stile fügt sich in den modernen Lifestyle ein und steht überhaupt nicht im Widerspruch zum Digital-Life mit Smartphone, iPad & Co. und schicken Sneakers von NIKE.

So trendig das alles ist, der in der Mode weitverbreitete Begriff Retro ist gar kein neues Phänomen. In den vergangen Jahrzehnten konnte man sich stattdessen äquivalent den modischen „Revivals" hingeben: In den 1980ern lebten die1950er wieder auf und ohne Tolle und Chucks war man nicht wirklich in. Die 1970er kamen dann in den 1990ern samt Schlaghosen und passendem Gitarrenrock zurück. Die 1980er wiederum scheinen immer in, wahlweise werden dann der Modestil oder die Musik dieser vergangenen Tage zelebriert.

Die Sehnsucht nach dem Guten

Schnelllebig und oberflächlich ist heute Vieles was als „Next Big Thing" angepriesen wird. Und je schneller die Trends kommen und gehen, desto stärker wird der Wunsch nach Beständigkeit und zeitlos gutem und schönem Design. Retro ist somit sicherlich auch ein Gegentrend oder Gegengewicht zu dem immer Neuen. Seit den frühen 1970er Jahren wird der Retrotrend immer stärker. Er entspringt teils auch der Kapitalismus-, Konsum- und Kulturkritik, die mit den Studentenprotesten der 68er-Bewegung lauter wurden. Das damals wachsende Umweltbewusstsein und der Vertrauensverlust in den Fortschritt scheinen heute stärker denn je: Recycling ist ein Muss, selbst gepflanztes Gemüse in Second-Hand Läden cool und Tauschbörsen hip. Hier werden Kleidungstücke älterer und jüngerer Vergangenheit verkauft oder getauscht. Vintage ist also eine Lebenseinstellung, ein Gefühl. Und wer ein echtes Vintage-Teil im Schrank hängen hat, weiß dieses zu schätzen: Es ist ein Stück mit Geschichte, die aus der guten alten Zeit erzählt. Vielleicht trägt es sich daher so anders und vielleicht meint manch einer deshalb, er sei ein anderer, sobald die guten alten Stücke übergezogen sind. Dabei muss die Mode aber gar nicht immer „richtig" alt sein. Auch auf alt Gemachtes ist beliebt und wird dann eigentlich Retro-Look genannt.

Was ist denn Vintage nun eigentlich?

Vintage kommt aus dem Englischen, wo es als Adjektiv „hervorragend", „altehrwürdig", „alt" oder „erlesen" bedeutet. In die Modewelt übersetzt bezeichnet Vintage Kleidungsstücke die „alt" sind, also tatsächlich aus vergangenen Jahren stammen. Kleidungsstücke, die „auf alt gemacht" sind, haben den sogenannten Retro-Look. Das können dann bestimmte Muster sein - gerade wieder in: Blumenmuster. Das kann aber auch der bekannte „Used-Look" mit seinen ausgewaschenen Farben, künstlichen Rissen und Löchern sein. Am bekanntesten ist wohl immer noch die verwaschene Jeans. Zeitlich greift Vintage, das sich auf Mode, Möbel aber auch Musikinstrumente und sogar Brillendesign erstreckt, auf den Look der 1930er bis 1980er zurück. Und selbst die 1990er sind mittlerweile ebenfalls schon wieder ins heutige Leben zurückgeholt worden. Besonderheiten gibt es auch: So werden zum Beispiel „vintage ties and trousers" speziell unterschieden, US-amerikanische oder kubanische Krawatten und Hosen der 1940er bis 1950er Jahre.

Übrigens war es die Schauspielerin Julia Roberts, die mit einem fast 20 Jahre alten Valentino-Kleid, das sie zu einer Oscar-Verleihung 2001 trug, nicht nur begeisterte, sondern eben diesen Vintage-Trend endgültig zum festen Begriff und Bestandteil der Mode machte.

Allerdings ist wie bei jedem Trend Vorsicht geboten: Bei dem riesigen Angebot an Mode, die „auf alt macht" daherkommt, geht die „echte" Vintage-Mode etwas unter und die Frage, ob alles, was irgendwie „alt" aussieht, sich auch Vintage nennen darf, ist berechtigt. Den Herstellern geht es bei Vintage auch nicht darum, alte Kleidungsstücke zu verkaufen, sondern darum, die neuen Stücke alt aussehen zu lassen – das ist dann der bekannte Used-Look und die gängigste Form des Vintage. In England und Amerika nimmt man es da übrigens genauer: Nur was wirklich alt ist, darf sich auch Vintage nennen. Auch in Deutschland und besonders in der Hauptstadt der Hipster, Berlin, geht der Trend zum „richtig Alten": Kleider, Taschen und Brillengestelle von Oma und Opa sind sehr begehrt und entsprechend florieren die Vintage-Läden.

Von wegen rückwärts – Retro voraus!

Also egal ob Retro oder Vintage. Hauptasche das richtige Gefühl kommt auf. Eine Emotion, die man mit der Ursprünglichkeit der 1950er, 60er, 70er und 80er verbindet. Bei Männern sind Bärte wieder in und selbst das hippe Blumenmuster müssen Sie nicht scheuen. Im Gegenteil – damit liegen Sie voll im Trend. Man(n) darf es eben nur nicht übertreiben. Nur im Sommer darf es auch für „ihn" ein wenig blumiger und bunter sein. Guter Stil ist auch immer eine Frage dessen, wie Hosen, Oberteile, Schuhe und Taschen kombiniert werden.

Bei Oberteilen können Sie auf T-Shirts, Hemden und Tank-Tops zurückgreifen. Sollten Sie sich für ein trendiges Blumenmuster entscheiden, dann kombinieren Sie es immer mit einer schlichten Hose und keiner auffälligen Jacke oder anderen auffälligen Accessoires. Am einfachsten zu kombinieren sind natürlich simple Jeans, im Sommer auch Shorts, in gedeckten Farben, zum Beispiel Blau oder Beige. Bleiben Sie locker und lassen Sie die ersten Hemdknöpfe offen. Wenn Sie noch nicht viel Modeerfahrung haben und sich für ein Hemd mit Blumenmuster à la Hawaii entscheiden, wählen Sie es mit Bedacht und greifen Sie zu einem Muster, das etwas zurückhaltender ist.

Auch bei Shorts mit Blumenmuster gilt: Nicht zum Schrillsten greifen, nur zum Coolsten. Tipp: Hawaiishorts mit dem üblichen Hibiskus-Print sind nicht hip. Genauso wenig übrigens, wie zu weite und zu lange Board- bzw. Bermudashorts. Da die Wahl der richtigen Hose mit Print etwas für Fortgeschrittene und sehr modebewusste Männer ist und ansonsten viel schief gehen kann, sollten Sie als Anfänger vielleicht noch bei unifarbigen Hosen bleiben und somit auf der sicheren Seite. Bei beiden gilt: Die kurze Hose darf nur bis zum Knie reichen, nicht darüber hinaus. Sie sollte auch nicht zu weit sein und womöglich abstehen.

Wer vom Blumenmuster nicht so recht überzeugt ist, den Trend aber auch nicht auslassen möchte, kann auf unifarbene Hemden und Shirts zurückgreifen, die den Print als kleines Detail anbieten, zum Beispiel auf die Brustasche genäht. So kommen Sie nicht ganz so blumig daher und können mit einem kleinen Detail trotzdem Modebewusstsein zeigen.

Hot, hot, hot!

Nach der langen Dunkelheit war der Sommer richtig heiß – und das waren und sind auch die Vintage Modetrends. Und auch wenn Sie es an heißen Tagen gerne luftig haben: Zu locker darf die Shorts nicht sitzen. Im Retro-Look gibt es keinen Schlabber-Look. Wie oben gilt für Shorts: nicht zu lang und nicht zu weit. Für die richtige Kühlung achten Sie auf die richtige Farb- und Stoffwahl: keine dunklen Farben und keine dicken Materialien. Dann passt das.

Die Wahl des Oberteiles fällt im Sommer recht leicht und mit einem T-Shirt oder Tank-Top sind Sie bestens ausgestattet. Schön sehen auch immer wieder Hemden in zarten Farben oder weiß aus, deren Ärmel man dann hochkrempeln kann.

So cool – Vintage Winter

Jeder Sommer geht zu Ende, aber guter Stil bleibt. Auch in Herbst und Winter müssen Sie sich nicht in Sack und Asche hüllen, sondern finden schöne Vintage-Mode bzw. Retro-Looks. Passend zu der kühleren Jahreszeit und ihrer Melancholie finden Sie im Used-Look verwaschene und löchrige Jeans sowie mittlerweile auch Shirts, Pullover, Jacken und sogar Schuhe, die „auf alt" gemacht sind.

Der winterliche Retro-Look ist auch für modische Anfänger recht einfach hinzubekommen und die Kombination nicht ganz so kompliziert wie im Sommer mit all seinen Farben. Da es zumeist verwaschene und löchrige Jeans zu kaufen gibt, dürfte das Unterteil somit schon mal abgehakt werden und befindet sich wahrscheinlich auch schon in mindestens einer Ausführung in Ihrem Kleiderschrank. Jetzt brauchen Sie nur noch das passende Oberteil und die passenden Schuhe. Bei Letzteren haben Sie freie Wahl: Von lässigen Sneakern bis zu schicken Budapestern ist alles kombinierbar. Es ist nicht zwingend, aber wer den Retro-Look perfektionieren möchte, kann darauf achten, dass auch die Schuhe, nun vielleicht nicht alt aber älter, und getragen aussehen. Wenn sie das nicht ohnehin schon tun, kann ja etwas nachgeholfen werden. Übertreiben Sie es aber nicht – Sie wollen ja cool und nicht schäbig aussehen.

Wie immer ist alles eine Frage der Kombination und daher sollten Sie Ihr Oberteil so wählen, dass es zu Hosen und Schuhen passt und wahlweise deren lauten oder leisen Charakter entweder drosselt oder etwas pushed. Sie können also entweder ein normales T-Shirt wählen oder, und das gibt es heute, eines das ebenfalls „auf alt" gemacht, also an manchen Stellen zum Beispiel etwas abgewetzt ist. Da das bei kühleren Temperaturen nicht reichen wird, suchen Sie sich einen Pullover, am besten groben Strick, oder auch einen Cardigan aus. Drüber dann noch einen Parka, eine Jeans- oder Lederjacke – fertig.

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