Rente nach 45 Beitragsjahren

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Wer kann wann die Rente beanspruchen?
 Diese Rentenart können Versicherte in Anspruch nehmen, die besonders lange gearbeitet bzw. versichert waren und ein bestimmtes Alter vorweisen. Eine weitere Voraussetzung ist der Antrag, der bei der Deutschen Rentenversicherung, wenn die übrigen Voraussetzungen vorliegen, abgegeben werden muss. Die Rente wird ohne weitere Abschläge gezahlt.
 
Wer kann die Rente beanspruchen?
Alle „Neurentner“, die bis zum 30.06.2014 noch keine Rente wegen Alters beantragt haben bzw. beziehen.

Ab wann kann die Rente beantragt werden?
Die Rente kann mit Beginn des 01.07.2014 beantragt werden. Vordrucke für den Antrag erhalten Sie bei der Deutschen Rentenversicherung in den Beratungsstellen oder über die Homepage der Deutschen Rentenversicherung.

Ab welchem Alter kann diese Rentenart in Anspruch genommen werden? 
Wer mindestens 63 Jahre alt ist und vor dem 01.01.1953 geboren wurde, kann die Rente abschlagfrei mit 63 Jahren in Anspruch nehmen. Für alle anderen Versicherten wird die Altersgrenze stufenweise angehoben.
 
Welche Zeiten gehören zu den 45 Beitragsjahren? 
  • Zeiten mit Pflichtbeiträgen aus Beschäftigungen
  • Zeiten mit Pflichtbeiträgen aus selbständiger Tätigkeit
  • Zeiten mit Pflichtbeiträgen aus einem Minijob (Minijob mit eigener Beitragszahlung in die Rentenversicherung sowie teilweise Anrechnung ohne eigene Beitragszahlung)
  • Zeiten der Wehr- oder Zivildienstpflicht
  • Zeiten der nicht erwerbsmäßigen Pflege von Angehörigen (zum Beispiel für Angehörige, die ein Familienmitglied gepflegt haben)
  • Zeiten der Kindererziehung bis zum zehnten Lebensjahr des Kindes (sog. Kinderberücksichtigungszeiten)
  • Zeiten des Krankengeldbezuges
  • Zeiten des Übergangsgeldbezuges
  • Zeiten von Kurzarbeitergeld, Schlechtwettergeld, Winterausfallgeld
  • Zeiten von Insolvenzgeldbezug (Zahlungsunfähigkeit des Arbeitgebers)
  • Zeiten der Arbeitslosigkeit, Teilarbeitslosigkeit, Leistungen der beruflichen Weiterbildung (Ausnahmen beachten)
  • Zeiten der freiwilligen Versicherung (Ausnahmen beachten)
  • Ersatzzeiten (Zeiten vor 1992, die aufgrund zum Beispiel von Kriegsereignissen erfasst worden sind)

Welche Zeiten gehören nicht zu den 45 Beitragsjahren?
  • Zeiten der Arbeitslosigkeit, Teilarbeitslosigkeit, Leistungen der beruflichen Weiterbildung = wenn diese in den letzten zwei Jahren vor Beginn dieser Rentenart liegen. Wenn die Arbeitslosigkeit aufgrund einer Insolvenz des Arbeitgebers eingetreten ist bzw. aufgrund einer vollständigen Geschäftsaufgabe des Arbeitgebers, so werden diese Zeit jedoch angerechnet.
  • Zeiten der Dauer- und Langzeitarbeitslosigkeit mit Bezug von Arbeitslosengeld II (Hartz IV)oder Arbeitslosenhilfe werden nicht angerechnet.
  • Zeiten einer Anrechnungszeit (Hochschulausbildung, Schul- oder Fachschulausbildung)
  • Zeiten der freiwilligen Versicherung werden nur angerechnet, wenn darüber hinaus bereits 18 Jahre Pflichtbeiträge aus einer Beschäftigung oder Selbständigkeit gezahlt wurden. Nicht angerechnet werden die letzten zwei Jahre vor Beginn dieser Rentenart, wenn gleichzeitig – neben der Zahlung von freiwilligen Beiträgen – auch Arbeitslosengeld bezogen wird.Wie viel kann ich dazuverdienen?
 
Kann ich neben dem Bezug der Rente noch dazuverdienen?
Es gelten dieselben Hinzuverdienstgrenzen wie bei anderen vorgezogenen Altersrenten. Will man die Rente nach 45 Beitragsjahren in voller Höhe beziehen, ist die Hinzuverdienstgrenze von zurzeit Euro 450,00 zu beachten. Diese Grenze kann 2 x im Jahr überschritten werden, jedoch auch nur bis max. Euro 900,00 pro Monat. Werden dieses Grenzen nicht eingehalten, so verliert man mindestens 1/3 der Rente oder sogar mehr bzw. die Rentenzahlung wird vollständig eingestellt. Als Einkommen gelten hier Entgelte aus einer abhängigen Beschäftigung (Lohn/Gehalt), aus einer selbständigen Tätigkeit und auch aus vergleichbarem Einkommen (z.B. Vorruhestandsgeld, Diäten). Nicht zum Einkommen zählen hingegen Einkünfte aus Kapitalvermögen oder Einkommen aus Vermietung und Verpachtung. Nach Eintritt der Regelaltersgrenze (also Zeitpunkt, wenn die „normale“ Rente hätte bezogen werden können) gilt keine Hinzuverdienstgrenze mehr.

Kann ich kündigen oder kann ich gekündigt werden?
 Kann der Arbeitgeber kündigen, weil eine abschlagsfreie Rente beantragt werden könnte?Das Erreichen des Rentenalters oder der (mögliche) Anspruch auf eine Altersrente berechtigt den Arbeitgeber nicht zur Kündigung. Abweichungen zu diesem Grundsatz können sich allerdings aus tarifvertraglichen oder einzelvertraglichen Vereinbarungen ergeben.

Kann ich selbst kündigen, um die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren in Anspruch nehmen zu können?
Durch die Beantragung einer (vorgezogenen) Rente wird i.d.R. das Arbeitsverhältnis nicht automatisch beendet. Abweichungen können u.U. wie oben vorhanden sein. Für die Beendigung eines Arbeitsverhältnisses kann gekündigt werden bzw. man schließt einen Aufhebungsvertrag mit dem Arbeitgeber.
Häufig enthalten tarifliche oder einzelvertragliche Vereinbarungen eine automatische Beendigung des Arbeitsverhältnisses bei Erreichen der Regelaltersgrenze. Die (vorgezogene) Rente ist davon nicht betroffen.

Was ist mit meiner laufenden Altersteilzeitvereinbarung?
 Können Probleme auftreten, wenn meine Altersteilzeitvereinbarung nicht genau zu meinem 63. Lebensjahr endet? 
Altersteilzeitvereinbarung endet mit dem 62. Lebensjahr, ein vorzeitiger Rentenbezug mit einer Altersrente mit Abschlägen war geplant. Die Voraussetzungen mit der Rente nach 45 Beitragsjahren (ohne Abschläge) liegen vor.

Eine Verlängerung der Altersteilzeit bis zum 63. Lebensjahr ist grundsätzlich möglich, wenn die Regelungen des Arbeitgebers durch Tarifvertrag, Betriebsvereinbarung oder einzelvertragliche Absprache dies zulassen.

Eine Weiterbeschäftigung bis zum Renteneintritt 63. Lebensjahr könnte beiderseitig vereinbart werden. Ein Anspruch auf Weiterbeschäftigung besteht nicht.
Grundsätzlich ist der Bezug von Arbeitslosengeld nach Ende der vereinbarten Altersteilzeit möglich. Dies sollte jedoch sowohl mit der Arbeitsagentur (mögliche Sperrzeit) geprüft werden wie auch die eventuell fehlenden Beitragsmonate (Arbeitslosenzeiten direkt vor dem Bezug der Rente zählen nicht mit).

Altersteilzeitvereinbarung endet mit dem 64. Lebensjahr. Die Rente mit 63 möchte jedoch in Anspruch genommen werden. Grundsätzlich kann auch eine Altersteilzeit vorzeitig beendet werden, wenn dies vereinbart worden ist (Tarifvertrag, Betriebsvereinbarung, Arbeitsvertrag). Ggf. lässt sich im Einvernehmen mit dem Arbeitgeber auch eine Regelung finden, falls keine Vereinbarung existiert. Es besteht jedoch kein Rechtsanspruch.
Allerdings würden bei einem vorzeitigen Ende auch die Aufstockungszahlungen zur Rentenversicherung entfallen. Bei Altersteilzeit im Blockmodell tritt auch ein sog. Störfall ein, denn die Freistellungsphase wird nicht voll durchgeführt. Im Ergebnis kann das aufgebaute Wertguthaben nicht vollständig verwendet werden. Das hat erhebliche Verwaltungsarbeit zur Folge. Einzelheiten regelt ein Rundschreiben der Spitzenorganisationen der Sozialversicherung vom 02.11.2010.

Institut für Betriebswirtschaft und Rentenberatung Bad Nauheim

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