Reloop SPIN - Test

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Salection September 08

RELOOPs Einstieg in den DVS-Markt kommt ganz in weiß. Wir testen ob die Praxistauglichkeit mit dem Stylefaktor im Einklang steht. 

“Das Auge spinnt mit“ sagt der Volksmund. Im Fall des neuen Reloop DVS (PC-Edition, MAC Edition kommt demnächst) enthält die Verpackung zwei weiße Timecode-Vinyl, eine Installations- sowie zwei Timecode-CDs und eine Schnellstartanleitung inklusive Tastaturaufkleber. Dazu gibt es ein weißes Audiointerface, sowie - konsequenterweise ebenfalls in weiß gehaltene - Anschlusskabel.

Interface
Das Interface ist von Größe und Optik sehr gefällig. Im Gegensatz zu dem Klotz von Serato (über das man aber immerhin auch mit einem Auto fahren kann –  ich erinnere mich da an ein Video) oder der Kunstoffzumutung Conectiv kann Reloop hier erste Punkte einfahren. Zwar ist das 350 Gramm leichte Reloop-Interface auch aus Plastik, Design und Farbgebung gaukeln dem Auge aber Metall vor. Potemkinsches Dorf? Oder, um noch eine Volksweisheit zu bemühen: „Was zählt sind die inneren Werte“, schauen wir also auf die Details.

Angeschlossen und spannungsversorgt wird der kleine Kasten über USB2.0. Das USB-Kabel ist dabei fest am Interface verbaut. Mit einer Abtastrate von 16bit/48Khz bewegt man sich auf gegenwärtiger Standardebene. Bei den aktuellen DVS bietet einzig die Audio8DJ von Traktor Scratch mit 24bit/96Khz höhere Werte. Eingangsseitig bringt das SPIN-Interface zwei Stereokanäle (in der zwischen Software Line/CD und Phono umschaltbar), sowie einen Mikrofoneingang (Klinke) mit. Für die Erdung von Plattenspielern gibt es eine Groundschraube. Wer in seinem Set auch analoges Vinyl verbraten möchte, schaltet in der Software auf Bypass, um das Signal auf den Mixer zu bekommen.
An der Ausgangsseite liegen ebenfalls zwei Stereokanäle an, dazu ein Kopfhörerausgang (der sich auch als Recordausgang verwenden lässt). Dieser ist als Miniklinke ausgelegt. Sowohl Mikrofon, als auch der Kopfhörer können über Potis am Interface geregelt werden. Einstellungen an den sonstigen Ein- und Ausgänge müssen, mangels eines eigenen Panels, über die Windows-Systemsettings vorgenommen werden. Zur Statusanzeige (USB, In, Out) wurden dem Interface fünf LEDs spendiert.

Software
Nach einer reibungslosen Installation durchläuft SPIN ein „Easy Setup“-Menü, bei dem die Bildschirmauflösung eingestellt und die Abspielmedien (No Source, Vinyl, CD) ausgewählt und kalibriert werden. Nach aktivieren des Timecode (Vinyl) Modus kann man mit dem Auflegen beginnen.

Ein erster Test fällt ganz erfreulich aus. Die Latenz (einstellbar von Buffersize 2048 bis 80, bei mir 192, also etwa 5ms) ist im Gegensatz zu der Version, welche ich auf der Musikmesse angetestet hatte deutlich geringer. Das „Vinylfeeling“ steht (subjektiv gefühlt) dem von Traktor Scratch nichts nach. Positive Überraschung.

Gar nicht nach meinem Geschmack ist hingegen die Oberfläche der Software. Mit den sich drehenden Plattentellern und Beatmatch-View erinnert es an eine Mischung aus Torq und Mixvibes 3Dex.
Fünf Waveformfenster, zahllose Buttons, grafische Elemente und Asymmetrie … nicht das was ich übersichtlich nennen würde. Viele Elemente lassen sich allerdings bei (Nicht)Bedarf ausblenden. Optisch also gewöhnungsbedürftig, tut aber den Funktionen keinen Abbruch. Hier bietet SPIN alles was man von einem DVS im Jahr 2008 erwartet: Loops, Cue-Punkte, Mastertempo, Keycorrection.

Jedes der beiden Decks verfügt zudem über drei Effekte (Flanger, Filter, Delay), die sich gleichzeitig einsetzen lassen. Die Effektreglung ist allerdings mit On/Off und Dry/Wet spartanisch gehalten.

Mit wenigen Handgriffen ist SPIN einsatzbereit und die Bedienung erschließt sich intuitiv und ohne Probleme. Zwei Punkte fallen allerdings ins Ohr und ins Auge: Einmal reagiert die Pitchanzeige (im Deck in % und als Grafik) verzögert. Das meint: ich pitche am Turntable, der Sound ändert sich auch in Echtzeit, nur die Anzeige braucht einige Zeit um die Änderungen zu vermelden. Bei der Einstellung “Speed” ist ein Pitch von +/-9% möglich, bei aktivem Mastertempo “MT” kann nur noch +/- 6% variiert werden. Über meinem Kopf steht ein Fragezeichen.
Zum anderen gibt es bei den verschiedenen Wiedergabemodi hörbare Schwächen. Solange man nur die Einstellung „Speed“ (ohne Mastertempo/Keycorrection) nutzt, lässt sich mit SPIN ordentlich arbeiten. Aktiviert man das Mastertempo „MT“ stellt sich ein leichtes Flangern ein. Bei aktivier Keycorrection „Key“ ist dieses Flangern nicht mehr vertretbar und zudem zittert auch die grafische Darstellung des Pitchreglers in der Software. Daran könnten durchaus mangelnde Ressourcen meines Rechners Schuld sein, wenn dieser nicht mit Traktor Scratch, SSL und Torq reibungslos laufen würde.
Interessanterweise verfügt SPIN über ein Feature, welches die anderen DVS nicht bieten (wollen), welches von Einsteigern aber immer wieder nachgefragt wird: Ladies and Gentlemen, Sie ahnen es - die Beatmatch Funktion. Ein cleverer Schachzug um Beginner ins Boot zu holen, aber eigentlich eine Funktion die konträr zum Sinn eines DVS steht.

MIDI / Shorcuts
Dank MIDI ist es möglich die Funktionen von SPIN über einen entsprechenden Controller zu steuern. Die Software kann auch ohne Timecodesteuerung eingesetzt werden. Es gibt einen Crossfader (seltsamerweise in der linken oberen Ecke angeordnet), Gain und Vorhörmöglichkeiten pro Deck, aber keine Möglichkeiten, wie bei einem Mixer gewohnt, über Linefader oder EQ zu regeln. Da es sich hier um ein DVS handelt, interessiert das vermeintliche Fehlen von Fadern und EQs nur peripher. Reloop will sicherlich – was auch das Vorhandensein von Autoplay vermuten lässt – hier die Möglichkeit eines simplen Überblendens geben. Alternativ zum Controller kann auch die Tastatur eingesetzt werden. Passende Aufkleber befinden sich im Lieferumfang.

Datei Organisation
Dem Nutzer werden verschieden Möglichkeiten zur Organisation seiner Musiksammlung an die Hand gegeben. Wie so oft ist es aber eine Frage der Gewohnheit. Im Prinzip bringt Reloops DVS alles mit, um den jeweiligen Vorlieben gerecht zu werden. Man kann eine „Master Libary“ erstellen, in eigene Cases/Crates sortieren, nach ID3Tag Kategorien selektieren, über den Explorer arbeiten oder auch die Suche nutzen. TS Erprobten werden die Favoriten und die Lupefunktion fehlen, SSL User werden die Prepair Liste vermissen. Meine eigenen, im ID3Tag gespeicherten, Genres werden allerdings nicht angezeigt. Da ist SPIN konservativ und stellt nur die allgemein gebräuchlichen Genres dar.

Kontrollmedien
Im Lieferumfang erhält man je zwei weiße Timecode- CD und -Vinyl. Das Vinyl verfügt auf der B-Seite über einen Trackselektor mit dem sich Songs in der Media Base anwählen lassen. Das eigentliche Timecode Signal ist etwas herausstechender als bei SSL oder TS. Kein Beinbruch, erinnert mich aber an Digiscratch, wo es damals etliche Diskussionen gab. Im Nachkauf sind, für 19 Euro, neben weißen auch grüne und schwarze Vinyl erhältlich.

Fazit
Ich versuche mich mal mit einem Fußballvergleich. Wenn man in eine Liga einsteigt zählen Tore und Punkte. Torq hat z.B. bei seinem Debüt durch eine schöne Kombination der Spieler Preis und Leistung direkt unter die Latte getroffen. Spin fällt erstmal durch stylische Spielkleidung auf, jedoch gibt es auf (weiße) Seidentrikots keine Punkte. Der Neueinsteiger aus Münster reißt in seiner ersten Vorstellung nicht wirklich zu Jubelstürmen hin. Es reicht zum Unentschieden. Spieler des Tages: Audio Interface. Der Mannschaftseigner RELOOP sollte zur nächsten Runde einige Auswechslungen vornehmen und den Mannschaftsarzt nochmal die Waden massieren lassen.
Weniger blumig gesagt: SPIN kommt bei mir durchwachsen an, hat aber Chancen durch Updates nachzubessern. Potential ist da und der Preis ist eine Ansage gegenüber Torq und Mixvibes.

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