Raumgestaltung mit Teppichen: Vom kuscheligen Lounge-Hochflor bis zu traditionellen Orientteppichen

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Raumgestaltung mit Teppichen: vom kuscheligen Lounge-Hochflor bis zu traditionellen Orientteppichen

Um seiner Wohnung einen gemütlichen Touch zu verleihen, ist ein guter Teppich besonders wichtig. Er macht nicht nur das Laufen angenehm, sondern strahlt auch Gemütlichkeit und Wärme aus. Bei der Vielzahl der angebotenen Modelle fällt dem Suchenden die Auswahl schwer. Häufig fragt man sich, wo die Unterschiede zwischen, Schlingen- und Schnittflor, zwischen Tufting und Knüpftechnik liegen. Eine differenzierte Auswahl zu treffen, ist unter diesen Voraussetzungen schwierig. Damit Sie Ihre Wohnung stilistisch ansprechend und funktional mit Teppichen ausstatten können, finden Sie im Rahmen des vorliegenden Ratgebers eine kurze Einführung in das Thema. Dabei soll es vorrangig um die beliebten Hochflor- und Orientteppiche gehen.

Der Aufbau eines Teppichs

Unterscheiden sich die verschiedenen Arten von Teppichen auch stark in ihrer Oberflächenstruktur, weisen sie alle einen ähnlichen Aufbau auf. Traditionell bestehen sie aus drei übereinander gelagerten Schichten. Hierzu gehören eine Rückenschicht, eine Mittelschicht und eine Nutzschicht. Die Rückenschicht liegt unmittelbar auf dem Boden auf. Durch eine zusätzliche Klebschicht kann sie fest darauf fixiert werden. Die Rückenschicht besteht aus Weichgummi oder einem textilen Material. In den meisten Fällen wählt man die zweite Variante. Dies hängt mit der starken Geruchsentwicklung neuer Weichgummischichten und ihrer Tendenz zum Austrocknen zusammen.

Die Nutzschicht wird auch als Trägerschicht bezeichnet. Auf ihr werden die Fasern des Teppichs fixiert. Im Herstellungsprozess kommt Latex zur festen Verbindung von Träger- und Faserschicht zum Einsatz. Welche Fasern Sie bevorzugen, hängt von dem Auslegungsort ab. Aufgrund der unterschiedlichen Oberflächenstruktur ist jeder Teppich in unterschiedlichem Maße gegen Belastungen geschützt.

So funktioniert Tufting

Ein weitverbreitetes Verfahren ist das sogenannte 'Tufting'. Bei dieser, aus den USA stammenden, Technik stickt man das Garn mittels parallel angeordneter Nadeln in ein Trägermaterial ein. Dabei entstehen viele kleine Schlingen, die das gesamte Trägermaterial bedecken. Der bei dieser Methode hauptsächlich zum Einsatz kommende Stoff ist Polyamid. Teppiche aus diesem Material haben den Vorteil, dass sie unempfindlich gegen Abscheuern, Reißen und Schmutz sind. Sie lassen sich mit geringem Aufwand reinigen.

Ein sehr viel kleinerer Teil der Teppiche wird aus Schurwolle hergestellt. Da sie vom lebenden Schaf kommt, enthält sie bei der Verarbeitung einen natürlichen Fettgehalt. Dieser bietet einen natürlichen Schutz vor Verunreinigung. Weitere zur Anwendung kommende Materialien sind Polyester, Polyacryl und Naturfasern wie Seide, Baumwolle und Kokos. Als Trägermaterial fungiert in der Regel Polypropylen oder Polyester.

Beim Tuften unterscheidet man drei verschiedene Varianten. Sie unterscheiden sich in der Nachbehandlung der Fasern, durch die eine spezifische Tastqualität entsteht. Bei der ersten Variante werden die Schlingen so belassen, wie sie bei der Befestigung auf dem Trägermaterial entstehen. Man bezeichnet das entstehende Produkt als Schlingenware. Bei der zweiten Methode werden die Schlingen im Anschluss an die Befestigung mit einem Messer aufgeschnitten. Der Flor wird dabei sehr niedrig und dicht gehalten. Ein bekannter Vertreter dieses Typs ist der Velourteppich. Es gibt ihn in neutralen Farben wie beige, rot und braun. Der dritte Typ ist der Schnittschlingenteppich. Dabei wechseln sich geschnittene und ungeschnittene Schlingen ab. Der Teppich sieht durch die Abwechslung besonders interessant aus.

Diese Vorteile bietet Ihnen ein hochfloriger Teppich

Ein besonders beliebter Teppich ist der Shaggy. Er zeichnet sich durch seine weiche Charakteristik und seinen hohen Flor aus. Aufgrund seiner struppigen Struktur und der vielfältigen farblichen Bandbreite ist er in der modernen Inneneinrichtung besonders beliebt. Als Hommage an die Wohnzimmerfußböden der 1970er Jahre verleiht er Ihrem Heim ein besonders gemütliches Flair. Neben dem hohen Flor trägt hierzu die geringe Dichte der Faserverteilung bei. Beim barfüßigen Darüberlaufen wirkt der Teppich aus diesem Grund besonders luftig. Das Garngefüge hinterlässt einen lockeren und leichten Eindruck.

Der Shaggy weist bezüglich seiner Herstellung einige Besonderheiten auf. Das bei der Herstellung verwendete Garn ist texturiert. Dabei werden synthetische Fasern so gekräuselt, dass sie wie natürliche Fasern wirken. Weitere Eigenschaften, die durch diese Technik verbessert werden, sind Volumen, Feuchtigkeitstransport und Elastizität. Zur Herstellung texturierter Garne verwendet man ein Stauchkammerverfahren. Dabei laufen mehrere Garne zusammen durch zwei Rollensysteme. Die zweite Rolle läuft mit kontrolliert verlangsamter Drehzahl. Durch die unterschiedlichen Geschwindigkeiten staut sich das Garn und wird gekräuselt. Im anschließenden Heatsetting nutzt man heißen Dampf, um die Kräuselung dauerhaft aufrechtzuerhalten.

Shaggy-Teppiche sind ausschließlich für den privaten Bereich geeignet. Aufgrund ihrer weichen Struktur sind sie weniger belastbarer als Schlingenflorteppiche. Man nutzt sie deshalb in Räumlichkeiten wie Schlaf- und Wohnzimmern. Aufgrund Ihres hohen Preises verlegt man sie in der Regel nicht vollflächig, sondern nur an einzelnen Stellen.

Die Vorteile von Shaggy-Teppichen

  • Shaggy-Teppiche vermitteln aufgrund ihres weichen und struppigen Äußeren einen besonders komfortablen Eindruck. Durch die vielfältige Farbauswahl können Sie diesen noch stärker mit der übrigen Einrichtung Ihrer Wohnung harmonisieren.
  • In der offenen luftigen Struktur wird Wärme gut verteilt und gehalten. Dies macht das Barfußlaufen darauf besonders angenehm. Darüber hinaus tragen sie zur Einsparung von Energie bei.
  • Teppiche mit hohem Flor tragen in erhöhtem Maße zur Dämmung des Trittschalls dar. Darüber hinaus nehmen sie weitere von den Wänden reflektierte Geräusche auf. Die Akustik im Wohnzimmer wird mit zunehmender Dicke besser.
  • In Haushalten mit Kindern stellen Shaggy-Teppiche eine interessante Spielwiese dar, die überdies die Knie schont. Das Verletzungsrisiko ist durch den hohen Dämpfungswert erheblich verringert. Die Trittelastizität schont die Wirbelsäule.
  • Die Kräuselung der Kunstfasern vereint die Vorteile von zwei Teppichkategorien. Shaggy-Teppiche sind so leicht zu reinigen wie synthetische Teppiche, wirken dabei aber so natürlich wie Naturfaserteppiche.

Der Orientteppich – exotische Bodengestaltung für das Zuhause

Ein weiterer beliebter Bodenbelag ist der Orientteppich. Durch seine gänzlich andere Machart kann er innerhalb der eigenen Wohnung einen interessanten Kontrast zum Shaggy herstellen. Unter dem Begriff fasst man verschiedene Typen von Teppichen zusammen, die in den Ländern Türkei, Persien, Afghanistan, dem Kaukasus und Zentralasien hergestellt werden.

Orientteppiche werden traditionell auf horizontalen und vertikalen Knüpfstühlen geknüpft. In Manufakturen nutzt man Balken und Walzenwebstühle. Zum Einsatz kommende Materialien sind Baumwolle, Schafwolle und Naturseide. Kett- und Schussfäden bilden beim Orientteppich das Grundmuster, der Flor stellt die Verzierung dar.

Darauf müssen Sie beim Kauf von Orientteppichen achten

Bei dem Kauf von Orientteppichen sind einige Besonderheiten zu beachten. Nur eine fundierte Kenntnis der Gütekriterien ermöglicht einen Kauf, den man im Nachhinein nicht bereut. Eine erste wichtige Rolle spielen dabei die Knoten, Kett- und Schussfäden, die Randeinfassungen (Shirazi) und die Webstreifen an den Seitenenden (Kelim). Die Kett- und Schussfäden liefern Ihnen Rückschlüsse auf die Stabilität. Bei einem guten Teppich sollte pro Knotenreihe einer, zwei oder mehr Schussfäden vorhanden sein. Bei Teppichen von niederer Qualität ist nur ein Schuss je 3-4 Knotenreihen vorhanden. Die Stabilität leidet darunter erheblich Nähere Informationen zu diesen Themen finden Sie in Handbüchern zur Bindungslehre.

Teppiche, die mit symmetrischen Doppelknoten geknüpft sind, sind stabiler als solche mit Juftiknoten. Dieser erstreckt sich über ganze vier Kettfäden. Zeichen für Kosten-, Zeit- und Personaleinsparungen sind weiterhin Baumwollschussfäden, die anstatt der feineren Seide verwendet werden. Sind Sie auf der Suche nach einer echten originalen Rarität, sollten Sie sich vorher daher ausgiebig mit der Materie beschäftigen.

Ein Tipp zur Feststellung der Knotendichte

Da die Knotendichte ein essenzielles Gütekriterium eines Orientteppichs ist, ist eine genaue Prüfung angebracht. Um die Art der Knoten und die Frequenz der Schussfäden festzustellen, können Sie sich eines einfachen Tricks bedienen. Breiten Sie hierzu den Teppich zunächst aus und knicken Sie ihn um 90° in Richtung der Längs- und der Breitseite. Wichtig ist, dass sich die Knotenreihen voneinander lösen. Bei Teppichen mit sehr feinen Fäden empfiehlt es sich, eine Lupe für diese Prüfung zu nutzen. Achten Sie auf die Schlingen, die sich links und rechts eines Kettfadens befinden. Wenn zwei Fäden aus ihnen entspringen, handelt es sich um einen türkischen Knoten (Ghiordes). Ist einer dazwischen und einer daneben, handelt es sich um einen persischen Knoten. Wenn sich die Schlaufe über wenigstens zwei Kettfäden erstreckt, handelt es sich um einen Jufti-Knoten.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Anzahl der Schussfäden. Knicken Sie den Teppich hierfür am besten in Längsrichtung. Sie erkennen auf diese Weise, ob in jeder Reihe ein Schussfaden eingezogen zwischen den Knoten eingezogen ist. Meist sind sie blau, braun, weiß oder rot. Ist dies der Fall, haben Sie ein weiteres Indiz für die Echtheit des Teppichs.

Die Bedeutung des Musters

Welchen Wert das Muster für Sie hat, hängt davon ab, ob Sie den Teppich als Sammlungs- oder Einrichtungsobjekt erstehen wollen. Im ersten Fall ist die Beschaffenheit der Oberflächenfärbung zweitrangig. Auch ein einfaches und grobes Muster kann von hohem Wert sein, wenn es ein harmonisches Gesamtgefüge bildet. Ist Ihnen ausschließlich an einem dekorativen Stück für die Inneneinrichtung gelegen, sind Sie bei der Auswahl erheblich ungebundener. Sie finden auf dem Markt Ausführungen in verschiedensten Mustern und Farben wie blau, rot oder grün.

Weitere Besonderheiten von Orientteppichen als Sammlerobjekten

Der Wert eines Teppichs kann bereits durch kleinste Beschädigungen erheblich gemindert werden. Es genügen lose Fäden, abgeriebene Stellen oder breit getretene Fransen. Von Teppichen mit Mottenbefall sollten Sie prinzipiell die Finger lassen. Es mag sein, dass die Beschädigungen nur geringfügig und auf der Rückseite auftreten. Es besteht die Gefahr, dass die Schädlinge Eier gelegt haben, die zu einer weiteren Ausbreitung führen.

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