Ratgeber zur Reparatur eines Karmann Ghia: Worauf Sie beim Kauf von Karosserieteilen achten sollten

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Ratgeber zur Reparatur eines Karmann Ghia: Worauf Sie beim Kauf von Karosserieteilen achten sollten

Das Unternehmen Wilhelm Karmann GmbH war ein Automobil- und Karosseriebauhersteller und produzierte zwischen 1955 und 1974 die beiden Fahrzeuge VW Karmann Ghia Typ 14 und 34. Neben dem Fertigungssitz im niedersächsischen Osnabrück gab es in Rheine ebenfalls eine Betriebsstätte für Kraftfahrzeuge. Weitere Fertigungsstätten für verschiedene Komponenten des Automobilbaus existierten in Żary und in Chorzów in Polen, Vendas Novas in Portugal, Sunderland in England, in Yokohama in Japan, in Plymouth in Michigan in den Vereinigten Staaten von Amerika sowie in Cuautlancingo in Mexiko. Karmann erstellte neben der Entwicklung und Produktion von kompletten Automobilen, vor allem von Coupés und Cabriolets auf der Grundlage von Fahrzeugen anderer Marken, in erster Linie Dachsysteme und Großwerkzeuge für andere Fahrzeugbauer. Summa summarum wurden von Karmann etwa drei Millionen vollständige Einzelfahrzeuge produziert. Als die Karmann GmbH Konkurs anmelden musste, übernahm die Volkswagen AG im Jahr 2009 große Teile der insolventen Firma. Die neu gegründete Volkswagen Osnabrück GmbH begann 2011 mit der Herstellung des VW Golf VI Cabriolet auf dem ehemaligen Betriebsgelände der Karmann-Werke.

Der VW Karmann Ghia vom Typ 14

Der VW Karmann Ghia des Typs 14 ist die Bezeichnung eines Kraftfahrzeugs des Volkswagenwerks, das bei Karmann in Osnabrück fertiggestellt wurde. Alles in allem wurden 443.466 Wagen, davon 80.881 Cabriolets sowie 362.585 Coupés, von Volkswagen von 1955 bis 1974 verkauft. Die technischen Gegebenheiten des Karmann Ghia Typ 14 waren bis auf wenige Einzelheiten mit dem VW Käfer identisch. Das Modell vom Typ 14 mit den internen Typennummern 141 bis 144 für die verschiedenen Varianten wird meist auch „kleiner" Karmann Ghia genannt. Von 1961 bis 1969 produzierte Volkswagen ein Coupé vom Typ 34, das den gleichen Namen wie das in Osnabrück produzierte Automobil trug. Der Typ 34 basierte auf dem größeren VW 1500/1600. Daneben gab es auch noch den Typ TC – ein Touring Coupé mit der Typenbezeichnung 145 –, der allerdings ausschließlich im Karmann Werk São Bernardo do Campo in Brasilien hergestellt wurde.

Die Entwicklung und Nachbauten der Karosserie des Ghia

Das Design der Karosserielinie des Karmann Ghia geht auf einige Urheber zurück, deren Anteile am Gesamtkonzept sich aus heutiger Sicht nicht mehr eindeutig abgrenzen lassen. Lange Zeit wurde der italienische Konstrukteur Luigi Segre, Mitarbeiter des Turiner Unternehmens Carrozzeria Ghia, als Designer des Karmann Ghia betrachtet. Segre fungierte für Ghia als Kontaktperson zu Karmann. Der Prototyp des Typs 14 wurde in der italienischen Karosserieschmiede von Felice Mario Boano und dessen Sohn Gian Paolo entworfen. Basis ihrer Arbeit war ein bereits zuvor von Ghia konstruierter Prototyp für Chrysler in den Vereinigten Staaten. Diese Studie wiederum stammte von Virgil Exner, dem Chefdesigner des US-Konzerns.

Seit einiger Zeit werden Repliken, also Nachbauten der erfolgreichen Karosserie, bei Oldtimer-Fans immer beliebter. Seit nicht allzu langer Zeit bieten verschiedene Unternehmen Nachbauten des Karmann Ghia auf der Grundlage eines Käferchassis an, auf das eine Glasfaserkunststoffkarosserie aufgesetzt wird. Dieses System ist schon früher einmal zugelassen worden. Ein wesentlicher Vorteil solcher Nachbauten ist die Verwendung moderner Motoren und Werkstoffe, die auch die entsprechenden Vorzüge aufweisen. Diese Nachbauten können das so genannte H-Kennzeichen nicht erhalten, und damit kommen diese Fahrzeuge auch nicht in die entsprechend günstige Kfz-Versicherungsklasse für Oldtimer-Modelle.

Die Produktion des Karmann Ghia vom Typ 14

1955 startete die Produktion der Serie des Ghia Typ 14. Das Automobil war ein Erfolg. Zwischen 1964 und 1970 wurden pro Jahr mehr als 30.000 Exemplare produziert. Volkswagen setzte insgesamt 61 Prozent, also 271.736 Wagen, in den Vereinigten Staaten ab. Auch wenn die kleine Version des Karmann Ghia in Deutschland im Volksmund als „Hausfrauen-Porsche" bezeichnet wurde und obwohl das Gefährt wie ein Sportwagen aussieht, war es jedoch mit zunächst 118 km/h Spitzengeschwindigkeit und 30 PS Leistung eher bieder motorisiert. In Brasilien im Werk São Bernardo do Campo nahe São Paulo wurden zwischen 1962 und 1972 nahezu 23.500 Coupés und 176 Cabriolets einer abgewandelten Typ 14-Version mit veränderten Heckleuchten und Stoßstangen sowie ab 1970 mit zusätzlichen Ausstellfenstern vorn hergestellt. In gleichen Produktionsbetrieb wurden zwischen 1970 und 1976 auch 18.119 Exemplare des Karmann Ghia TC, dem Typ 145, allerdings ausschließlich als Coupé produziert.

Das Modell vom Typ 14 als Oldtimer

Wenn heutzutage vom Karmann Ghia gesprochen wird, ist in den meisten Fällen der Typ 14 gemeint, während der Typ 34 in der Regel „großer Karmann" genannt wird. Dagegen wurde Typ TC in den europäischen Staaten nicht vertrieben und ist hier kaum bekannt. Der Karmann Ghia weist wie zahlreiche andere Automobile der 50er und 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts eine bemerkenswerte Fangemeinde auf. Meist sind seine Besitzer in Clubs und Interessengemeinschaften organisiert und pflegen das gemeinschaftliche Hobby bei Ausfahrten oder Festivals. In vielen Fällen ist die Versorgung mit den wichtigsten Ersatzteilen sehr zufriedenstellend, auch wenn nicht alles durchgehend günstig zu erwerben ist. Dies betrifft allerdings nicht die Karosserieteile für den Typ 34. Vor allem vollständige Vorderwagen und Stoßstangen sind nicht einfach zu ersetzen. Das Fahrzeug stellt zwar eine Ableitung vom VW Käfer dar, er ist jedoch in einigen Details, wenn er mit dem Käfer-Cabrio und mit der Käfer-Limousine verglichen wird, ein erheblich aufwendigeres Fahrzeug.

Der große Karman Ghia vom Typ 34

Das Modell VW Typ 34 ist der so genannte große Karmann Ghia, das in erster Linie zweisitzige Coupé-Sportmodell. Er wurde als Alternative zu den vier- oder fünfsitzigen luftgekühlten VW-Modellen dieser Jahre angeboten. Der Karmann Ghia Typ 34 wurde ebenfalls bei Karmann in Osnabrück im Lohnauftrag für Volkswagen gefertigt. Nach offiziellen Verlautbarungen des Konzerns ist der Typ 34 ein viersitziger geschlossener Personenwagen mit Heckantrieb und Heckmotor. Ab August 1966 wurde die 6-V-Lichtanlage durch eine 12-V-Anlage substituiert. Die Räder waren einzeln aufgehängt und besaßen anfangs rundum Trommelbremsen. Ab August 1965, also ab dem Modelljahr 1966, wurden die Vorderräder mit Scheibenbremsen ausgestattet. Im folgenden Jahr wurde das Einkreisbremssystem gegen ein Zweikreissystem ausgetauscht. Ab dem Modelljahr 1968 konnte das Fahrzeug mit Getriebe-Vollautomatik in Verbindung mit einer modernen Schräglenker-Hinterachse gegen Aufpreis geliefert werden. Für Automobile mit Schaltgetriebe wurde im Modelljahr 1969 die Schräglenkerachse serienmäßig eingebaut.

Motorisierung und Positionierung des Ghia in der Produktpalette von VW

Wie bereits ausgeführt, erhielt der kleinere Karmann Ghia Typ 14 jeweils die stärkste Motorisierung des VW Käfer. Dementsprechend wurde auch der größere Karmann Typ 34 ständig mit dem leistungsstärksten Motor und der ersten Ausstattung des Parallelmodells VW Typ 3 ausgestattet. Werksseitig wurde das Automobil nicht als echter Sportwagen tituliert, sondern als so genanntes „Ladies' Sportscar". Der große Karmann Ghia war in erster Linie als Zweitwagen für die Dame des Hauses vermögender Familien und als Fahrzeug von Akademikerinnen gedacht. Das Attribut Viersitzer besaß im besten Fall Gültigkeit für die Mitnahme von kleinen Kindern im Fonds des Wagens, die maximal als Notsitze bezeichnet werden konnten. Der Karmann Ghia Typ 14 sollte nicht der Nachfolger des kleinen Karmann Ghia Tap 14 betrachtet werden. Beide Wagen wurden parallel hergestellt und vertrieben. Während der Ghia vom Typ 14 auf einer leicht veränderten VW-Käfer-Karosserie basiert, ist der Typ 34 auf dem VW Typ 3, also dem VW 1500/1600, aufgebaut. Das Fahrzeug teilt sich mit diesem Modell den Plattformrahmen samt Antrieb und Achsen. Der große Karmann stellte bis zum Erscheinen des VW 411, als von 1961 bis 1968, den schnellsten und teuersten Pkw in der Vertriebspalette von Volkswagen.

Die Produktion des Karmann Ghia Typ 14

Die Serienproduktion des Karmann Ghia Typ 34, des mit einem 45 PS starken 1,5-l-Vierzylinder-Boxer-Motor ausgerüsteten Wagens, begann am 1. September 1961. Mit diesem Antrieb erreichte der große Ghia eine Höchstgeschwindigkeit von 137 km/h. Der Ghia Typ 34 1500 S erschien zum Modelljahr 1964 mit 54 PS, zwei Vergasern und höherer Verdichtung, wobei der S-Motor Superbenzin verlangte. Die gleiche Motorisierung wurde über zwei Modelljahre hinweg serienmäßig eingesetzt. Dieser Antrieb wurde ab dem Modelljahr 1966 durch einen Motor mit 1600 Kubikzentimetern mit ebenfalls 54 PS Leistung ausgetauscht, der wieder mit Normalbenzin lief. In geringen Abwandlungen wurde der 1600er mit 54 PS bis zum Ende der Fertigung des Wagens beibehalten. Wie beim kleinen Karmann Ghia sollte ursprünglich neben dem Coupé auch eine Cabriolet-Variante vertrieben werden. Die Anzahl der Prototypen des Cabriolets kann nicht genau angegeben werden. Wahrscheinlich ist allerdings, dass zwölf Automobile, Nullserien-Fahrzeuge und Prototypen bei Karmann in Osnabrück produziert wurden.

Ein Nullserien-Wagen von 1963 befindet sich im nicht der Öffentlichkeit zugänglichen Karmann-Werksmuseum in Osnabrück. Im Werksmuseum von Volkswagen steht ein silbernes Cabriolet, wobei es sich wahrscheinlich um einen originalen Cabriolet-Aufbau handelt, der auf einer Coupé-Karosserie von 1969 montiert wurde. Vom Originalfahrzeug von 1969 wurden verschiedene Teile des Fahrwerks und der Technik wie beispielsweise den Scheibenbremsen und der Automatik und sogar der vergrößerte Tachometer der späteren Modelljahre übernommen.

Ersatzteilsituation des Karmann Ghia Typ 34

Inzwischen ist der große Karmann wegen der von Beginn an kleinen Produktionszahlen kaum noch im Straßenverkehr zu sehen. Die Technik des Fahrzeugs ist relativ simpel, einfach zu reparieren und zu warten. Ersatzteile zum Chassis und Antrieb sind gut verfügbar. Allerdings gelten in Sammlerkreisen viele spezifische Bauteile der Karosserie als besonders problematisch. Im Gegensatz zu den entsprechenden VW-Modellen sind die Kotflügel beider Karmann-Typen verschweißt statt angeschraubt. Windschutzscheiben, Rückleuchten, Stoßstangen und Frontmasken können bei der Beschaffung große Schwierigkeiten bereiten. In vielen Fällen müssen ausgeschlachtete Wagen die benötigten Teile spenden. Aus diesem Grunde werden für erstklassige Ghias vom Typ 34 in unseren Tagen fünfstellige Preise bezahlt.

Auch heute noch erfreut der Karmann Ghia als Coupé oder Cabriolet vieler Fans, schon deswegen, weil sich die Ersatzteilbeschaffung als weitestgehend problemlos erweist.

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