Ratgeber zum Thema Motorradhelm

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Motorrad fahren macht Spaß - aber nur, wenn es auch sicher ist. Zweifelsfrei ist der Helm der wichtigste Bestandteil der Ausstattung, denn er schützt den empfindlichen Kopf bei einem Sturz vor Verletzungen. Nicht nur das, während der Fahrt bietet er Schutz vor verschiedenen Umwelteinflüssen. Diese Aufgaben kann ein Helm aber nur erfüllen, wenn er verschiedenen Ansprüchen gerecht wird. Die entsprechenden europäischen Zulassungsvorschriften sind in ECE R 22.5 geregelt. In Deutschland gilt für Motorradfahrer übrigens seit 1976 die Helmpflicht, aber auch unabhängig davon sollte die eigene Sicherheit beim Motorrad fahren oberste Priorität haben.

Die ECE-Norm

Das Tragen eines Helmes ist zwar gesetzlich vorgeschrieben, allerdings gibt es keine Zulassungsvorschrift. Es sind also sowohl ECE-zertifizierte Helme als auch solche ohne Zulassung erhältlich. Sicherheitshalber sollte beim Kauf darauf geachtet werden, dass der Helm das entsprechende Symbol trägt. Dieses ist in der Regel im Inneren angebracht und mit Folie übernäht, außen kann es als Aufkleber angebracht sein. Die Europanorm ECE R 22.5 besagt, dass der Helm einem gewissen Sicherheitsstandard entspricht. Die entsprechenden Prüfungen umfassen unter anderem die Stabilität der Helmschale, eine Mindeststeifheit der Seitenteile, Haltbarkeit und Konstruktion des Kinnbandes, Qualität und Kratzfestigkeit des Visiers, die Gesichtsfeldgröße und die Stoßdämpfung. Bei Helmen ohne das aktuelle ECE-Symbol sind diese Sicherheitsstandards nicht gewährleistet.

Passgenaue Größe wählen

Der beste Helm kann seinen Zweck nicht erfüllen, wenn er die falsche Größe hat. Einerseits muss er fest sitzen, so dass er auch beim Drehen und Schütteln des Kopfes nicht verrutscht, andererseits darf er nicht drücken oder gar Druckstellen verursachen. Die Größenangabe erfolgt entweder in Zentimetern, hier ist der Kopfumfang gemeint, oder aber in Bezeichnungen wie "S", "M", "L" usw., hinter denen sich wiederum der Kopfumfang in Zentimetern verbirgt. Als Richtwerte gelten hier etwa:

- 49 bis 50 Zentimeter für XXS
- 51 bis 52 Zentimeter für XS
- 53 bis 54 Zentimeter für S
- 55 bis 56 Zentimeter für M
- 57 bis 59 Zentimeter für L
- 60 bis 61 Zentimeter für XL
- 62 bis 63 Zentimeter für XXL
- 64 bis 65 Zentimeter für XXXL

Der Kopfumfang wird gemessen, indem ein Maßband von der Stirn ausgehend knapp über den Ohren verlaufend zum Hinterkopf gelegt wird. Die sicherste Methode, einen passenden Helm zu finden, ist natürlich immer das Aufprobieren.

Materialwahl

Es gibt Motorradhelme aus thermoplastischen und aus duroplastischen Kunststoffen. Helme aus thermoplastischem Material sind meist billiger, aber auch weniger langlebig. Verantwortlich sind die verwendeten Werkstoffe wie Polycarbonat oder Polyamid: Sie reagieren empfindlicher auf UV-Strahlung und verschiedene Chemikalien. Aus duroplastischen Kunststoffen hergestellte Helme enthalten Glas- oder Carbonfasern, sie sind dadurch unempfindlicher gegenüber Umwelteinflüssen und folglich langlebiger. Hier gilt zu beachten, dass solche mit Carbonfasern leichter, aber in der Regel auch teurer sind.

Verschiedene Konstruktionen

Bei Motorradhelmen wird zwischen unterschiedlichen Bauarten unterschieden:

- Integralhelme
- Klapphelme
- Crosshelme
- Jethelme
- Halbschalenhelme

Integralhelme umschließen den gesamten Kopf inklusive Kinnpartie, ein Visier schützt das Gesicht. Sie gelten als sicherste Variante. Eine Alternative sind Klapphelme, hier lässt sich im Gegensatz zum Integralhelm nicht nur das Visier, sondern zugleich die Kinnpartie nach oben klappen. Diese gelten in heruntergeklapptem Zustand als ebenso sicher wie Integralhelme, in hochgeklapptem Zustand ist hingegen die untere Gesichtspartie ungeschützt. Crosshelmen umschließen zwar wie Integralhelme den gesamten Kopf samt Kinnpartie, ihnen fehlt jedoch das Visier. Das hat den Hintergrund, dass der Kopf während der körperlichen Anstrengung beim Crossfahren besser belüftet wird. Sie werden in Kombination mit einer Motorradbrille getragen. Jethelme wiederum haben ein Visier, umschließen aber die untere Gesichtshälfte nicht, das Kinn ist daher völlig ungeschützt. Als unsicherste Variante gelten Halbschalenhelme, die lediglich den oberen Teil des Kopfes schützen, sie haben weder Visier noch Kinnpartie.

Schutz vor Umwelteinflüssen

Wer mit dem Motorrad unterwegs ist, ist einem recht hohen Geräuschpegel ausgesetzt. Dazu zählen Motor-, Wind- und Umgebungsgeräusche. Der Helm sollte diese abdämpfen. Hersteller geben den durchlässigen Geräuschpegel in Dezibel (dB(A)) an. Als guter Richtwert gelten hier bei einer Geschwindigkeit von 100 Stundenkilometern 85 Dezibel.

Visier und Verschluss

Bei einer Fahrt mit geschlossenem Visier ist es wichtig, dass dieses nicht beschlägt. Komfortabel konstruierte Motorradhelme sind daher mit Belüftungsschlitzen ausgestattet, die sich bei Bedarf öffnen lassen. Die dadurch entstehende Luftzirkulation ist außerdem an heißen Sommertagen angenehm. Daneben gibt es Helme mit sogenanntem Heizvisier: Bei Kälte und Nässe sorgen eingearbeitete Heizdrähte dafür, dass das Visier nicht beschlägt. Das funktioniert jedoch nur, wenn während der Fahrt die Stromversorgung gesichert ist, dazu wird der Helm über ein Kabel mit der Motorradbatterie verbunden. Eine weitere Variante ist das Pinlock-Visier. Dabei handelt es sich um ein Doppelvisier, bei welchem ein etwas kleineres durch Stifte mit dem eigentlichen Visier verbunden ist. Auch dies verhindert analog dem Doppelglasprinzip ein Beschlagen.

Getönte Visiere bieten Schutz vor hellem Sonnenlicht, ein Helm mit stark getöntem Visier darf allerdings aus Gründen der Verkehrssicherheit nur am Tag getragen werden. Sinnvoller ist ein Helm mit zusätzlichem herausklappbarem Sonnenvisier, das nur bei Bedarf als Lichtschutz verwendet wird.

Das Kinnband des Helmes sollte einen sicheren, aber möglichst auch mit Handschuhen einfach zu öffnenden Verschluss haben, als ideale Variante gilt der sogenannte Doppel-D-Verschluss.

Was ist sonst noch zu beachten?

Auf längeren Fahrten mit hoher Geschwindigkeit kann der Druck des Fahrtwindes unangenehm werden. Leichte Helme mit einer guten Aerodynamik schaffen dem Abhilfe. Bei einem geringeren Gewicht wird außerdem der Nackenwirbel im Falle eines Aufpralls weniger belastet. Brillenträger sollten darauf achten, dass die Bügel nicht zu sehr an die Schläfe drücken und sich der Helm auch mit Brille gut auf- und absetzen lässt. Aus Kostengründen entscheiden sich Motorradfahrer gelegentlich für den Kauf eines gebrauchten Helmes. Hier ist allerdings Vorsicht angesagt: Musste dieser bereits einem Sturz standhalten, ist die Sicherheit bei einem Unfall nicht mehr gewährleistet. Der Helm kann äußerlich unversehrt aussehen, das verborgene stoßdämpfende Material kann jedoch beschädigt sein. Die Anschaffung eines neuen Helmes ist daher in jedem Fall sicherer.

Sonderausstattungen

Wer neben dem Sicherheitsaspekt beim Motorrad fahren einen gewissen Komfort genießen möchte, kommt mit dem richtigen Helm ebenfalls auf seine Kosten. So gibt es solche, die mit einer Kommunikationstechnologie ausgestattet sind, um Gespräche zwischen Fahrer und Beifahrer zu ermöglichen. Andere haben eine integrierte Bluetooth-Schnittstelle und Kopfhörer, um das Handy während der Fahrt per Freisprechanlage nutzen zu können.

Fazit: Die große Auswahl macht die Entscheidung für diesen oder jenen Motorradhelm sicher nicht einfach. Im Vordergrund sollten stets der Sicherheitsaspekt und die Passgenauigkeit stehen.
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