Ratgeber zu Austauschkatalysatoren

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Austauschkatalysatoren werden auf Basis der Regelung Nr. 103 der Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen für Europa (ECE/UNO) zugelassen. Diese Regelung sieht eine Prüfung der Dauerhaltbarkeit derartiger Systeme über 80.000 km vor, ermöglicht jedoch alternativ die Verwendung von festen Verschlechterungsfaktoren. In der Praxis bestätigt der Hersteller eine Dauerhaltbarkeit von 80.000 km oder 5 Jahren, je nachdem, was eher eintritt.
( DUH-Kat-Test_TÜV-Nord-Bericht_2015.pdf125 K)



Und so bereichtet die Deutsche Umwelthilfe e.V. am 01.10.2015

Tests der Deutschen Umwelthilfe weisen auf massiven Abgasbetrug mit Billig-Austauschkatalysatoren für Pkw hin

Über die Hälfte der untersuchten sieben Austauschkats erreichen nicht einmal die schwachen gesetzlichen Grenzwerte für die Abgasreinigung – Vier Systeme fallen durch und erhalten Rote Karten – Die beiden getesteten „Blauer Engel“-Katalysatoren zeigen: Dauerhaft hohe Abgasminderung ist nur durch wirksame Kontrollen nach den Vorgaben des Blauen Engels möglich
Berlin, 01.10.2015 
Im Auftrag der Deutschen Umwelthilfe (DUH) hat der TÜV Nord das Abgasverhalten von sieben Austauschkatalysatoren aus dem freien Kfz-Teilehandel untersucht. Dabei hat er überprüft, ob die Systeme die Vorgaben des Umweltzeichens „Blauer Engel“ einhalten. Die Ergebnisse sind alarmierend: Nicht nur neue Diesel-Pkw haben ein Abgasproblem, sondern auch Benzin-Autos, bei denen ein minderwertiger Austauschkatalysator eingebaut ist. Vier geprüfte Austausch-Katalysatoren führen nach dem Einbau zu Emissionen, die weit über den Grenzwerten der Abgasnorm Euro 4 liegen. Sie erhalten dafür eine Rote Karte.

Die DUH hat das Bundesverkehrsministerium (BMVI) über die Prüfergebnisse informiert und fordert es auf, alle Typgenehmigungen von Austauschkatalysatoren durch eigene Messungen zu überprüfen. Bei festgestellten Verstößen muss das BMVI nach Auffassung der DUH den weiteren Verkauf solcher Systeme stoppen. Es handelt sich dabei um Produkte der Firmen AS S.L.U., ATP Auto-Teile-Pöllath Handels GmbH (geliefert: BM Catalysts Ltd.), EEC European Exhaust and Catalyst Ltd. und Bandel Automobiltechnik GmbH (geliefert: EEC European Exhaust and Catalyst Ltd).

„Hinsichtlich der Abgasreinigung von Pkw steht Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt vor einem Scherbenhaufen seiner bisherigen Politik. Er muss nicht nur die Funktionstüchtigkeit der Katalysatoren von modernen Diesel- und Benzin-Direkteinspritzer-Neufahrzeugen überprüfen, sondern ist auch für die Kontrolle und Durchsetzung der Funktionstüchtigkeit von Austausch-Katalysatoren verantwortlich“, so DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch. Dobrindts Ministerium wisse bereits seit zwölf Monaten aus eigenen Messungen, dass unwirksame Austausch-Katalysatoren auf dem deutschen Markt verkauft werden. Dennoch würden diese Betrugssysteme weiter eingebaut, was in der Folge zur erheblichen Verschmutzung der Atemluft führe.

Die DUH hatte zuletzt in einer Pressemitteilung vom 26. Juni 2015 darauf hingewiesen, dass das BMVI untätig bleibt. Gleichzeitig forderte sie das Ministerium auf, den Betrug sofort zu stoppen. In einem Gespräch mit der Arbeitsebene des BMVI teilte man der DUH mit, nicht einschreiten zu wollen, da die Behörde – aus eigener Sicht – wichtigere Aufgaben zu erledigen habe.

„Es ist unglaublich, dass Dobrindt den Betrug an schätzungsweise bis zu einer Million Autofahrern, denen man in den vergangenen Jahren minderwirksame Austauschkats eingebaut hat, offensichtlich aussitzen will“, so Resch weiter. Er fordert den Verkehrsminister nochmals dazu auf, das Problem endlich zu lösen. Ein Vorbild solle sich Dobrindt dabei an Sigmar Gabriel nehmen, der 2007 als Umweltminister beim Partikelfilter-Skandal den betroffenen Autofahrern geholfen hat, indem unwirksame Katalysatoren identifiziert und durch wirksame Systeme ausgetauscht wurden.

Gerade angesichts der aktuellen Ereignisse um manipulierte Abgaswerte müssen seriöse Hersteller ihren Kunden glaubhaft versichern können, dass sie ein umweltverträgliches Produkt erwerben. Hierfür steht der „Blaue Engel“ der Jury Umweltzeichen des Bundesumweltministeriums. Die Anforderungen des „Blauen Engels“ beinhalten neben der Einhaltung der Grenzwerte nach einer künstlichen Alterung auch Bestimmungen zur Umweltverträglichkeit der verwendeten Lagermatten für den Keramikkern von Austauschkatalysatoren, eine Edelmetallanalyse und in der Folgeprüfung einen so genannten Schütteltest (Hot-Shake-Test) im erhitzten Zustand. Dieser Test prüft die mechanische Haltbarkeit des Katalysators.

„Die schlechte Qualität der Billigkats von Bandel und ATP ist für sich genommen schon ein Skandal. Sie erreichen in unserem Test noch nicht einmal die niedrigen gesetzlichen Mindeststandards. Noch viel schlimmer aber ist, dass die Bundesregierung trotz der Erkenntnisse aus der BASt-Studie anscheinend nichts gegen die Hersteller und Händler von minderwirksamen Austauschkatalysatoren unternimmt“, sagt Urs Maier, Projektmanager Verkehr und Luftreinhaltung bei der DUH.

Die DUH geht davon aus, dass das Bundesverkehrsministerium nach den Erfahrungen rund um den VW-Skandal sensibilisiert ist und nun wirksame Maßnahmen der Kontrolle einleitet. Parallel wird die DUH als Verbraucherschutzorganisation notwendige Schritte ergreifen, damit nur noch einwandfreie Systeme verkauft werden. Sie wird außerdem in folgenden Messungen weitere illegale Systeme identifizieren und deren Verkauf stoppen.
Hintergrund:
Zwei Grüne Karten vergibt die DUH für die Katalysatoren von HJS Emission Technology GmbH & Co. KG sowie BLUEKAT Technologie GmbH. Sie erfüllen als einzige die umfangreichen und strengen Vorgaben des „Blauen Engels“ und stellen die dauerhafte Abgasminderung sicher. Der Austauschkatalysator des Herstellers Ernst Apparatebau GmbH hat im neuen wie gealterten Zustand eine deutlich schlechtere Reinigungsleistung als die Katalysatoren von HJS und BLUEKAT. Jedoch hält er die Grenzwerte im Test noch ein. Weil es außerdem nicht das Umweltzeichen „Blauer Engel“ trägt, erhält das System die Gelbe Karte.

Negative Spitzenreiter im DUH-Test sind zwei baugleiche Kats des Herstellers EEC. Einer der beiden wurde als EEC-Kat über den Internet-Shop Autoteile-Meile (Delticom AG), der zweite als nicht weiter benannte Hausmarke des Händlers Bandel über eBay erworben. Selbst im Neuzustand überschritten die Emissionen des Prüffahrzeugs, ein VW Passat des Abgasstandards Euro 4, mit diesen Katalysatoren die Grenzwerte für Kohlenmonoxid (CO) um bis zu zwölf Prozent und für Stickstoffoxid (NOx) um bis zu 180 Prozent. Die schlechte Qualität der von Autoteile-Meile für 182,69 Euro und Bandel (eBay) für 125,80 Euro verkauften Katalysatoren zeigt deutlich, dass das gesetzliche Zulassungs- beziehungsweise Kontrollverfahren unzureichend ist. Es fehlen wirksame behördliche Prüfungen, ob mit den ausgelieferten Katalysatoren tatsächlich die gesetzlichen Grenzwerte eingehalten werden.

Eine Rote Karte erhalten auch die Katalysatoren der Hersteller AS und BM. Den BM-Kat verkauft ATP als Eigenmarke ohne Nennung des Herstellers. Beide Katalysatoren weisen im Test der DUH nach einer künstlichen Alterung, die nach den Vorgaben des „Blauen Engels“ durchgeführt wurde, massive Grenzwertüberschreitungen auf. Dies führt zu einer Abnutzung, die der einer Laufleistung von 80.000 km auf der Straße entspricht. Für die Typgenehmigung muss der Hersteller zusichern, dass die Abgasgrenzwerte auch nach 80.000 km noch eingehalten werden. Beim gealterten Katalysator des Herstellers AS lagen sowohl die CO- und NOx-Emissionen als auch die von Kohlenwasserstoffen (HC) über den Grenzwerten. Insbesondere die 66-prozentige Überschreitung bei NOx ist für die Luftqualität in Städten problematisch. Der so bedeutende NOx-Grenzwert wurde auch von dem gealterten Kat des Herstellers BM um 83 Prozent überschritten.

Den Prüfbericht des TÜV Nord, eine graphische Darstellung der vergebenen Karten sowie der Messergebnisse finden Sie am Ende dieser Seite.
Die Pressemitteilung „Viele hunderttausend Pkw ohne funktionierenden Austauschkatalysator unterwegs“ vom 26.6.2015 mit Bezug zur Studie der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) finden Sie unter der Homepage der Deutschen Umwelthilfe e.V.


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