Ratgeber über die Philatelie von Frankreich und seinen Kolonien

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Ratgeber über die Philatelie von Frankreich und seinen Kolonien

Die Postgeschichte Frankreichs und seiner Kolonien

Französische Briefmarken sind unter Philatelisten aufgrund einiger besonderen Serien und der langen Tradition sehr beliebt. Im Jahre 843 entstand im Zuge der Gründung Frankreichs die erste eigenständige Post, jedoch gab es bereits davor ein staatliches Beförderungssystem für Nachrichten auf dem Gebiet Frankreichs. Der Kaiser Augustus, der das Römische Reich zwischen 30 vor Christus und 14 nach Christus regierte, gründete dieses cursus publicus genannte Postsystem. Doch nicht nur die ersten staatlich organisierten Postbeförderungssysteme fanden auf dem Gebiet des heutigen Frankreich statt, auch die ersten Briefmarken als standardisierte Frankierung für die Beförderung der Briefpost stammten ursprünglich aus Frankreich. König Ludwig XIV. modernisierte zur Zeit seiner Herrschaft im 17. Jahrhundert das französische Postsystem und führte in Paris die Stadtpost ein, die von jedem Bürger genutzt werden konnte. Im Stadtgebiet wurden Briefkästen aufgestellt und Briefe wurden innerhalb von einem Tag vom Absender zum Empfänger befördert.

Billets de port payé

Die Kosten der Beförderung lagen bei einem Sou und quittiert wurden die Briefe mit sogenannten „Billets de port payé“. Dabei handelte es sich um Papiere in Streifenbandform, die auf dem Brief befestigt wurden und als Vorläufer der heutigen Briefmarken gelten. Erstmals wurden diese am 8. August 1653 in Umlauf gebracht und sind in ihrer originalen Form heute leider nicht mehr erhalten. Die ersten französischen Briefmarken, in der Form, wie sie auch heute noch gebräuchlich sind, wurden von Napoleon Bonaparte zum Anfang des Jahres 1849 eingeführt. Es waren anfangs nur zwei Marken erhältlich, zum einen eine Freimarke mit dem Wert von 20 Centimes zum Frankieren von Briefen und eine weitere Freimarke zu einem Franc, die für größere Postsendungen vorgesehen war.

Briefmarken aus den französischen Kolonien

Zu dieser Zeit entwickelte sich Frankreich zunehmend auch zu einer Kolonialmacht. Zunächst wurden in Nordamerika Stützpunkte errichtet, später gab es auf allen Kontinenten Handels-, Forschungs- und Siedlungsplätze. Diese wurden in das Postsystem eingegliedert und zwischen 1850 bis 1890 wurden in den meisten französischen Kolonien eigene Briefmarken eingeführt. Die Insel Réunion vor der Küste Südafrikas war die erste Region, die 1851 eigene Marken erhielt.

Briefmarken aus den französischen Kolonien können in verschiedene Klassen eingeteilt werden. So gibt es Briefmarken, die von Motiv und Wert in der exakt gleichen Form auch im französischen Mutterland veröffentlicht wurden und den Namen der jeweiligen Kolonie als Zusatz tragen. Andere Briefmarken wurden speziell für eine Kolonie entworfen und werden oftmals von Symbolen aus Landschaft, Tierwelt oder Kultur der dementsprechenden Region geziert. Diese Briefmarken aus den französischen Kolonien finden Sie zum Beispiel bei eBay.

Neukaledonien

Im Verlaufe des 20. Jahrhunderts wurden viele französische Kolonien unabhängig und somit wurde auch das Postwesen nicht mehr von Frankreich aus gesteuert. Viele der Briefmarken aus den französischen Kolonien stammen somit aus dem 19. Jahrhundert und dem ersten Teil des 20. Jahrhunderts. Es gibt jedoch auch Ausnahmen, wie zum Beispiel die Inselgruppe Neukaledonien, die vor der Ostküste Australiens im südlichen Pazifik liegt. Diese wurde 1860 zur französischen Kolonie und man begann im gleichen Jahr, eigene Briefmarken herauszugeben. Inzwischen hat Neukaledonien einen Sonderstatus und gehört zum französischen Staatsgebiet. Bis 2004 wurden noch Briefmarken mit dem Aufdruck „Nouvelle Caledonie et Dependances“ veröffentlicht, insgesamt 1.351 Briefmarken und 35 Blöcke.

Elfenbeinküste

Ein Beispiel für eine ehemalige französische Kolonie mit relativ kurzer postalischer Geschichte ist die Elfenbeinküste. Hier wurden ab 1892 Briefmarken mit typisch afrikanischen Motiven aufgelegt. Sie erkennen diese Marken an dem Aufdruck „RF“, der sich auf allen Briefmarken der französischen Post befindet und für Republique Française steht. Darüber hinaus befindet sich auf den Marken aus der Elfenbeinküste der Landesname in französischer Sprache – Côte d´Ivoire. Mit der Unabhängigkeit der Elfenbeinküste im Jahre 1960 endet die Geschichte der französischen Briefmarken in diesem Teil der Welt, insgesamt wurden 221 Marken in der Kolonialzeit publiziert.

Was Sie vor dem Kauf beachten sollten

Wenn Sie diese alten und seltenen Marken, die teilweise hohe Werte besitzen, erwerben, sollten Sie auf eine Echtheitsgarantie Wert legen. Echtheitsgarantien werden von unabhängigen dritten Sachverständigen angefertigt und bestätigen, dass es sich bei dieser einen Marke oder den Marken um Originale handelt. In der Regel werden diese Zertifikate nur für die wertvollsten Einzelmarken oder aber für Sammlungen ausgestellt.

Briefmarken aus Frankreich bis 1945

Die Zeit zwischen der Einführung der Briefmarken 1849 bis 1945 wurde geprägt von zahlreichen Kriegen, was auch großen Einfluss hatte auf die Briefmarken Frankreichs und seiner Kolonien. Bis ins Jahr 1869 findet sich auf den französischen Briefmarken zumeist der Kopf von Präsident Louis Napoleon. Diese Marken aus den ersten 20 Jahren der französischen Postgeschichte zählen zu den seltensten und gefragtesten Frankreichs. Aufgrund der schlechten Papierqualität sind nur wenige Exemplare erhalten und diese sind dazu oftmals in einem schlechten Zustand. Selbst gestempelte Marken, die von Sammlern oft weniger geschätzt werden als postfrische, besitzen hier einen hohen Marktwert. 1870 begann sowohl der Deutsch-französische Krieg als auch die dritte Republik in Frankreich. Das Motiv auf den Briefmarken änderte sich nun zum Cereskopf. 1876 waren erstmals Marken mit unterschiedlichen Motiven gleichzeitig erhältlich. Neben den Ceresprofilmarken wurden Briefmarken mit Abbildungen der Götter Pax und Merkur veröffentlicht, auf denen erstmals auch die Inschrift „Republique Française“ ausgeschrieben wurde. Von diesem Zeitpunkt an folgten viele weitere Motive auf den Briefmarken.

Die ersten Zuschlagsmarken wurden im Ersten Weltkrieg herausgegeben. Diese mit dem Wert 15 5 Centimes veröffentlichte Marke zeigte als Symbol ein rotes Kreuz und 5 Centime kamen dem Roten Kreuz zugute. Der Zweite Weltkrieg spaltete die Postlandschaft Frankreichs gleich mehrfach. Während der Norden Frankreichs mit der Hauptstadt Paris 1940 unter deutsche Kontrolle gelangte, regierte im Süden die sogenannte Vichy-Regierung unter Marschall Pétain. Diese fertigte zwischen 1940 und 1944 auch eigene Briefmarken, die als Aufschrift „Postes Francaises“ und verschiede Motive von Staatsoberhaupt Pétain trugen. In den Kolonien galten jedoch weiterhin die regulären Marken, da parallel eine Exilregierung in London unter Charles de Gaulle existierte. Mit der Invasion der Alliierten in der Normandie 1944 endete die Zeit der Vichy-Regierung und bis zum Ende des Zweiten Weltkriegen galten in Frankreich Übergangsbriefmarken, die von den Alliierten herausgegeben wurden. Diese werden ausnahmslos vom Triumphbogen geziert und waren in verschiedenen Farben und Werten erhältlich. Teilweise wurden auch alte Marken mit dem Aufdruck „RF“ oder einem Lothringer Kreuz versehen und in den Postgebrauch übernommen. Briefmarken aus dieser wechselhaften Zeit der französischen Geschichte sind teilweise sehr selten und wertvoll. Sie finden diese französischen Marken aus der Zeit bis 1945 aber bei eBay.

Französische Briefmarken aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg

Eine Briefmarkenserie besticht seit dem Jahre 1945 mit Beständigkeit. Es sind die Dauermarken mit dem Motiv der Marianne, der Nationalfigur Frankreichs. Diese erscheinen in hohen Auflagen und werden vor allem zum Frankieren von Postkarten und Briefen verwendet. Im Laufe der Jahre wurden immer wieder kleine Änderungen am Design vorgenommen und die Nominale den Portopreisen angepasst. An den unterschiedlichen Farben kann man die Nominalwerte der Marken erkennen. Unter Sammlern sind diese Marken aufgrund ihrer Häufigkeit jedoch nicht sehr gefragt und dementsprechend gering ist ihr Wert. Es gibt jedoch durchaus auch wertvolle Briefmarken aus dem 20. Jahrhundert, die in nur geringen Auflagen erschienen sind. Bei Sammlern beliebt sind vor allem die postfrischen Briefmarken. Bei diesen handelt es sich um Marken, die niemals im regulären Postumlauf waren, das heißt, sie sind weder gestempelt noch wurden sie jemals auf einen Brief oder eine Postkarte geklebt. Welchen Wert eine Marke ungefähr besitzt, können Sie über die Briefmarkenkataloge ermitteln. Diese erscheinen in der Regel jährlich und spiegeln die Entwicklung der Briefmarkenwerte wieder.

Eine gute Möglichkeit, an diese französischen Briefmarken ab 1945 zu kommen, ist eBay. Um eine Sammlung mit Briefmarken aus Frankreich zu beginnen oder eine bestehende zu erweitern, bieten sich die Lots an. Als Lots bezeichnet man größere Mengen Marken aus verschiedenen Jahrgängen ohne bestimmten Zusammenhang zueinander.

Briefmarken aus Frankreich ab dem 21. Jahrhundert

Mit der Einführung des Euros im Jahre 2002 änderte sich in allen teilnehmenden Ländern auch die Wertung der Briefmarken. Während bis zu diesem Zeitpunkt die Werte in der Landeswährung aufgedruckt waren, wurden spätestens ab dem 1. Januar 2002 die Werte in Euro dargestellt. Die französische Post führte diese Umstellung bereits im Juli des Jahres 2000 durch, sodass auf allen Marken, die nach diesem Datum veröffentlicht wurden, sowohl der Wert in Franc als auch in Euro vermerkt wurde. Zum Beginn des Jahres 2002 wurde diese Doppelbezeichnung wieder abgeschafft und der Wert fortan nur noch in Euro aufgedruckt.

Spezielle Briefmarken aus Frankreich und den Kolonien mit Sammlerwert

Briefmarkensammler bewerten Briefmarken sehr unterschiedlich. Ausschlaggebend sind vor allem Zustand, Auflage und Stempel der Marke. Besonderes Interesse wecken die sogenannten Ersttagsbriefe. Unter einem Ersttagsbrief versteht man einen Briefumschlag mit einer Marke und einem Stempel. Dieser Stempel wurde am Tag, an dem die Briefmarke veröffentlicht wurde, auf die Marke gesetzt. Von den Postverwaltungen werden diese zumeist in speziellen Versionen für Philatelisten herausgegeben. Dabei werden sogenannte Ersttag-Sonderstempel eingesetzt und auch die Briefumschläge vom Motiv an das Thema der Briefmarke angepasst. Die Auflagen sind, auch aufgrund der eingeschränkten Zeitspanne, stark limitiert und oftmals sind die Ersttagsbriefe schnell vergriffen. Ein guter Ort, um Ihre Briefmarkensammlung mit Ersttagsbriefen aus Frankreich und den französischen Kolonien zu erweitern, ist eBay. So finden Sie auch Ersttagsbriefe aus vergangenen Jahrzehnten, an die man über den direkten Weg sonst nicht mehr gelangt. Ersttagsbriefe erscheinen in der Regel mehrfach jährlich zu verschiedenen Anlässen. Zum Beispiel erschien im Jahre 1998 zur Fußballweltmeisterschaft, die in Frankreich stattfand, ein Ersttagsbrief. Ersttagsbriefe erfreuten sich vor allem in den 60er und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts großer Beliebtheit und kamen in dieser Zeit vermehrt in Umlauf. Da diese zumeist aufgrund der Nachfrage von Sammlern von den Poststellen herausgegeben wurden, sind ältere Ersttagsbriefe aus Frankreich sehr unüblich.

Ähnlich wertvoll wie die Ersttagsbriefe werden auch die Marken mit Sonderstempeln bewertet. Sonderstempel sind offizielle Poststempel, die nur vorübergehend zu bestimmten Anlässen verwendet werden. In Frankreich kam zum Beispiel 1949 ein solcher Stempel anlässlich des 100. Jahrestages der Luftpostverbindung zwischen Frankreich und Nordamerika zum Einsatz. Im Gegensatz zu den Ersttagsbriefen, die zumeist nie den echten Postweg beschritten haben, sind die meisten der Marken mit Sonderstempeln auf dem regulären Postweg gestempelt worden.

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